Leseprobe Broschüre 312 – Die Reinkarnation

Die Reinkarnation - Band 312 der Reihe Broschüren von Omraam Mikhael Aivanhov aus dem Prosveta Verlag. Broschüre mit 60 Seiten. 4,00 Euro.

Leseprobe Broschüre 312 – Die Reinkarnation – Band 312 der Reihe Broschüren von Omraam Mikhael Aivanhov

I
Freier Vortrag

Heute möchte ich über die Reinkarnation sprechen, denn ich sehe, dass dieses Thema einige von euch manchmal beschäftigt und beunruhigt. Sie wurden immer dahingehend unterrichtet, dass der Mensch nur einmal lebe. Da sie nun von Reinkarnation sprechen hören, sind sie verwirrt, und in ihrem Kopf herrscht Unklarheit.

Über dieses Thema könnte man sich lang und breit auslassen und zum Beispiel darlegen, wie die Tibeter, die Hindus und die Ägypter darüber dachten, welche Arbeiten und Erfahrungen sie diesbezüglich gemacht haben. Jedoch möchte ich mich darauf beschränken, einige Bibelstellen auszulegen, und euch beweisen, dass Jesus selbst über die Reinkarnation Bescheid wusste und sie als gegeben ansah. Nun werdet ihr einwenden, dass ihr alle Evangelien durchgelesen und nirgendwo das Wort „Reinkarnation“ gefunden habt. Aber darauf gebe ich euch zur Antwort, dass es nicht weiter erstaunlich ist, wenn zu einer Zeit, in der alle an die Reinkarnation glaubten, diese nicht besonders erwähnt wird. Wie konnten die Evangelisten denn ahnen, dass sie in Hinblick auf eine Zeit, in der die Menschen nicht mehr daran glauben würden, besonders davon sprechen müssten? Sie haben so wenig in ihren Schriften berichtet, dass sie nicht extra zu etwas Stellung nahmen, was schon zur Tradition gehörte. Das überzeugt euch nicht?… Nun, gut, ihr werdet nachher schon überzeugt sein.

Befassen wir uns in den Evangelien einmal mit bestimmten Fragen, die von Jesus oder von den Jüngern gestellt wurden, und mit den darauf gegebenen Antworten. Eines Tages fragte Jesus seine Jünger: „Was sagt man von mir, wer ich sei?“ Was bedeutet denn diese Frage? Habt ihr schon mal jemanden fragen hören: „Was sagt man von mir, wer ich sei?“ Sie wissen, wer sie sind, und fragen sich nicht, was die anderen darüber sagen. Um eine solche Frage zu stellen, muss man an die Reinkarnation glauben. Und seht nur, was die Jünger antworten: „Die einen sagen, du seist Johannes der Täufer, die anderen sagen, du seist Elia und wieder andere meinen, du seist Jeremia oder einer der Propheten.“ Wie kann man sagen, jemand sei dieser oder jener, der schon seit langem gestorben ist, wenn man nicht die Vorstellung der Reinkarnation mit einbezieht?

Ein andermal begegnen Jesus und die Jünger einem Menschen, der von Geburt an blind ist, und die Jünger fragen: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser Mann oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“ Hier ist es genauso. Würde man solche absurden Fragen stellen, wenn man nicht an die Reinkarnation glaubte? Wann hätte denn dieser Mann im Mutterleib sündigen sollen? In welche Kneipe oder in welches Nachtlokal ist er denn wohl gegangen? Oder welche unehrlichen Geschäfte hat er wohl gemacht? Wen mag er umgebracht haben? Entweder ist diese Frage unsinnig, oder aber sie schließt den Glauben an ein früheres Leben mit ein.

Nun mögt ihr einwenden: „Ja, aber die Jünger Jesu waren ungebildete Leute; es heißt, sie seien Fischer gewesen. Da konnten sie schon einmal etwas seltsame Fragen stellen.“ Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte Jesus sie gewiss darauf aufmerksam gemacht. Man sieht in den Evangelien, dass er in bestimmten Fällen nicht zögerte, seine Jünger zurechtzuweisen. Hier weist er sie jedoch nicht zurecht sondern antwortet einfach: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt…“ Auch das ist eine wichtige Stelle. Die Jünger hatten gefragt, ob die Eltern gesündigt hätten und ob deshalb ihr Sohn blind zur Welt gekommen sei, da sie nach dem hebräischen Gesetz gelernt hatten, dass jede Anomalie, jedes Gebrechen und jedes Unglück auf eine Übertretung der Gesetze zurückzuführen ist, dass aber oftmals jemand für einen anderen die Schuld sühnen kann. Und wenn man demnach also jemanden im Unglück sah, so konnte man nicht wissen, ob er für seine eigenen Fehler büßte, oder ob er sich für jemand anderen opferte.

Jedenfalls glaubten die Juden das. Da nun alles, was einem Übles widerfahren kann, die Folge einer Gesetzesübertretung ist, stellten die Jünger also diese Frage. Sie wussten ja, dass ein Mensch nicht ohne Grund blind zur Welt kommen kann… oder einfach nur, weil es Gott gerade so gefällt, ihn blind sein zu lassen, wie die Christen sich das vorstellen! Jesus antwortete also: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern dies ist geschehen, damit die Werke Gottes an ihm offenbar werden.“ Das soll heißen, damit ich ihn heilen kann, wenn ich vorbeikomme, und damit das Volk an mich glaube. Und dann hat er ihnen erklärt: „Ihr habt gelernt, dass die Menschen aus zwei Gründen leiden müssen. Entweder haben sie gesündigt und müssen das sühnen, oder, ohne selbst gefehlt zu haben, nehmen sie das Karma von jemand anders auf sich; sie opfern sich, um sich zu entwickeln. Es gibt aber noch eine dritte Gruppe. Diese haben ihre Entwicklung beendet, sie sind frei und durch nichts gezwungen, wieder auf die Erde zu kommen. Und doch kommen sie oftmals wieder, da sie es auf sich nehmen, irgendeine Krankheit, ein Leiden oder ein Gebrechen zu ertragen oder sogar zum Märtyrer zu werden, um so der Menschheit zu helfen. Nun, dieser Blindgeborene gehört dieser dritten Gruppe an. Weder er noch seine Eltern haben gesündigt. Er ist mit diesem Leiden auf die Welt gekommen, damit er durch mich geheilt werde und alle an mich glauben.“ Dadurch hat dieser Mann viele Menschen gerettet.

Und falls ihr noch nicht überzeugt seid, habe ich noch weitere Argumente. Jesus erfährt eines Tages, dass Johannes ins Gefängnis gekommen ist, und im Text heißt es dann nur: „Als Jesus von der Gefangennahme des Johannes erfuhr, zog er sich nach Galiläa zurück.“ Einige Zeit darauf wird Johannes auf Befehl des Herodes enthauptet. Nach seiner Verklärung fragen die Jünger Jesus: „Warum sagen die Schriftgelehrten, dass Elia zuvor kommen muss?“ Und Jesus antwortet: „Es ist wahr, dass Elia kommen muss und alles richten; aber ich sage euch, Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm getan, wie sie es wollten.“ Dann heißt es weiter im Text: „Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.“ Daraus geht klar hervor, dass Johannes die Wiedergeburt von Elia war. Übrigens berichten die Evangelien auch, dass ein Engel Zacharias, dem Vater von Johannes, erschien, um ihm zu verkünden, dass seine Frau Elisabeth einen Jungen zur Welt bringen würde, und er sagte: „Er wird vor Gott hergehen in Geist und Kraft des Elia.“

Schauen wir uns nun einmal das Leben des Propheten Elia an, um herauszufinden, was er getan hat, dass er enthauptet wurde, als er sich später als Johannes der Täufer wieder inkarnierte. Das ist eine sehr interessante Geschichte. Elia lebte zur Zeit des Königs Ahab. Dieser hatte Isebel geheiratet, die Tochter des Königs von Sidon, und ihretwegen betete er Baal an. Elia ging nun hin zu dem König Ahab und machte ihm Vorwürfe wegen seiner Untreue gegenüber dem Gott Israels und sagte zu ihm: „Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, es sei denn, ich sage es.“ Dann ging er auf Weisung Gottes fort und versteckte sich in den Bergen, um so den Verfolgungen des Königs zu entgehen. Nach drei Jahren hatte die Trockenheit im ganzen Land eine große Dürre hinterlassen. Das Volk litt Hunger, und Gott sandte Elia erneut zu Ahab. Sobald der König ihn erblickte, warf er ihm zornig vor, an dieser Dürre schuld zu sein. „Nein,“ entgegnete der Prophet, „die Schuld liegt bei dir, da du den Herrn verlassen hast, um dem Gott Baal zu dienen. Jetzt werden wir aber sehen, wer der wahre Gott ist. Befehle, dass alle Propheten des Baal sich auf dem Berg Karmel versammeln sollen.“ So wurden alle Propheten zusammengerufen, und Elia sprach: „Bringt nun zwei Stiere herbei. Wir wollen zwei Altare errichten, einen für Baal und einen für den Herrn. Die Propheten sollen Baal anrufen, und ich werde den Herrn anrufen. Der Gott, der durch das Feuer antwortet, ist der wahre Gott.“

Die Propheten machten den Anfang; vom Morgen bis zum Mittag riefen sie ihren Gott an: „Baal… Baal… Baal… gib uns Antwort…“ Aber es kam keine Antwort, und Elia spottete: „Ruft ein wenig lauter, damit er euch hört. Vielleicht ist er beschäftigt, oder er ist unterwegs, oder aber er schläft.“ Die Propheten riefen noch lauter, und da sie auch Magie praktizierten, machten sie sich Einschnitte am Körper, weil sie hofften, durch das ausfließende Blut Larven und Elementargeister anzuziehen, die dann Feuer an den Altar bringen sollten. Aber es geschah nichts. Darauf sprach Elia: „Das ist nun genug; man bringe mir zwölf Steine.“ Mit diesen Steinen baute er einen Altar, um den ein Graben gezogen wurde. Auf die Steine legte er Holz und auf das Holz den zerlegten Stier. Dann ließ er alles mit Wasser übergießen und füllte auch den Graben damit. Nun war alles bereit, und Elia rief den Herrn an: „Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass heute kundwerden, dass Du Gott in Israel bist, dass ich Dein Diener bin und dass ich alles nach Deinem Wort getan habe!“ Und das Feuer fiel mit solcher Gewalt vom Himmel, dass es alles verzehrte. Es blieb weder etwas Opfertier übrig, noch vom Holz, von den Steinen oder vom Wasser. Das entsetzte Volk erkannte, dass der wahre Gott der Gott von Elia war. Darauf ließ Elia, den der Sieg wohl etwas zu stolz gemacht hatte, die vierhundertfünfzig Propheten des Baal zu einem Bach hinführen, wo er ihnen den Kopf abschlug.

Darum war damit zu rechnen, dass auch er einmal enthauptet würde. Denn es gibt ein Gesetz, das Jesus im Garten Gethsemane ausgesprochen hat, als Petrus sich auf den Diener des Kaiphas stürzte und ihm ein Ohr abschlug: „Petrus, stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.“ Allerdings kann man in einem einzigen Leben nicht immer die Wahrheit dieser Worte erkennen. Denn gerade Elia, wie ist er gestorben? Nicht nur, dass er nicht umgebracht wurde, ihm wurde auch noch ein feuriger Wagen geschickt, mit dem er in den Himmel fuhr. Jedoch erhielt er die Strafe für seine Verfehlung, als er in der Person von Johannes dem Täufer wieder auf die Erde kam. Jesus wusste, wer er war und welches Schicksal ihn erwartete. Darum tat er nichts, um ihn zu retten, obwohl er über ihn Großartiges gesagt hatte: „Unter allen, die vom Weibe geboren sind, gibt es keinen, der größer ist als Johannes der Täufer.“ Er hat nichts unternommen, weil die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen musste. Nun wird es klar, warum er das Land verließ, als er von seiner Gefangennahme erfuhr. Er durfte ihn nicht retten. Gesetz ist Gesetz.

Aber schauen wir weiter. Ich werde euch nun zeigen, dass nichts, weder in der Religion noch im sonstigen Leben, ohne die Reinkarnation einen Sinn bekommt. Geht einmal hin zu Priestern und Pastoren und verlangt folgendes: „Erklären Sie mir, warum der eine Mensch reich, schön, intelligent und stark ist, warum ihm alles gelingt, was er unternimmt, und warum ein anderer krank, hässlich, arm, heruntergekommen und dumm ist.“ Sie werden euch antworten, das sei so der Wille Gottes. Bisweilen werden sie euch auch von Vorsehung und von Gnade etwas erzählen; aber das wird euch keine bessere Erklärung geben. Auf jeden Fall ist es der Wille Gottes. Analysieren wir also diese Antwort. Da Gott uns ein wenig Hirnsubstanz mitgegeben hat, lassen wir die nicht einrosten!

Demnach hat Gott also Launen; Er macht, was Ihm gerade einfällt; Er gibt den einen alles und den anderen nichts? Gut, ich verstehe, Er ist Gott, es ist so Sein Wille. Das ist großartig, ich beuge mich. Aber dann finde ich es doch unverständlich, wenn Er nachher unzufrieden, zornig und gekränkt ist, wenn diejenigen, denen Er nichts Gutes gegeben hat, Verfehlungen begehen, böse, ungläubig und kriminell sind. Da es Gott ist, der den Menschen diese Mentalität, diesen Mangel an Intelligenz oder an Herzlichkeit mitgegeben hat, warum bestraft Er sie dann? Er, der Allmächtige, konnte Er sie nicht zu gutherzigen, ehrlichen, klugen, weisen, frommen, ja, einfach zu großartigen Menschen machen? Nun ist es nicht nur Seine Schuld, wenn sie Verbrechen begehen, nein, Er bestraft sie auch noch dafür! Also, da stimmt irgendwas nicht mehr. Er besitzt alle Macht, er tut, was Er will, meinetwegen, deswegen kann man Ihm keinen Vorwurf machen. Aber warum handelt Er dann nicht konsequenter, logischer und gerechter? Dann sollte Er doch die Menschen zumindest in Ruhe lassen. Aber nein, Er wirft sie für alle Ewigkeit in die Hölle! Und auch da, meine ich, passt etwas nicht zusammen. Ich würde sagen: “Wie lange haben sie gesündigt? Dreißig Jahre, vierzig Jahre? Gut, dann sollen sie auch vierzig Jahre in der Hölle bleiben, und nicht länger. Aber für alle Ewigkeit?!…” Also wirklich, da mache ich nicht mehr mit, damit bin ich nicht einverstanden. Überlegt doch einmal. Aber die Leute wagen es nicht zu überlegen, so sehr sind sie umwölkt von dem, was ihnen beigebracht wurde. Es scheint ja bald so, als sei es ein Verbrechen zu überlegen; und wofür ist dann die Intelligenz gut? Wenn Gott sie uns schon gegeben hat, was sollen wir dann damit anfangen?

Wenn man hingegen die Reinkarnation akzeptiert, wenn man sich mit dieser Anschauung näher befasst und sie versteht, dann ändert sich alles. Gott ist wirklich der größte, edelste und gerechteste Herr des Universums, und wir begreifen, dass es unser Fehler ist, falls wir arm, dumm und unglücklich sind, weil wir es nicht verstanden haben, alles, was Er uns ursprünglich mitgegeben hat, gut zu nutzen. Wir wollten kostspielige Erfahrungen machen. Und da Er, der Herr, großmütig und tolerant ist, hat Er uns gewähren lassen und sich gesagt: “Nun gut, sie werden leiden und sich den Kopf einrennen, aber das macht nichts. Ich werde ihnen weiterhin meine Schätze und meine Liebe schenken… und sie haben ja noch viele Inkarnationen vor sich.” Also hat Er uns die Freiheit gelassen; und wenn uns Übles widerfährt, so ist es unsere eigene Schuld.[1] Warum hat die Kirche alle Verantwortung für unser Schicksal auf den Herrn abgewälzt? Nun werdet ihr sagen: “Aber das hat sie doch gar nicht gemacht. Sie hat doch nur den Glauben an die Reinkarnation abgeschafft.” Wenn man darüber nachdenkt, läuft das aber doch eigentlich auf das gleiche hinaus.

Bis ins vierte Jahrhundert hinein glaubten die Christen an die Reinkarnation, so wie die Juden, die Ägypter, die Hindus, die Tibeter usw. Aber wahrscheinlich haben sich die Kirchenväter gesagt, dass dieser Glaube die Dinge nur in die Länge ziehen würde, denn damit hätten die Leute es wohl nicht eilig, sich zu bessern. Und indem sie nun den Glauben an die Reinkarnation abschafften, wollten sie die Menschen antreiben, die Vollkommenheit in einem einzigen Leben anzustreben. Im übrigen hat sich die Kirche dann nach und nach derart schreckliche Dinge einfallen lassen, um die Menschen einzuschüchtern, dass man im Mittelalter nur noch an den Teufel, die Hölle und die ewige Verdammnis glaubte. Die Kirche hat also den Glauben an die Reinkarnation abgeschafft, weil sie meinte, sie könnte die Menschen auf diese Weise dazu bewegen, sich schneller zu bessern. Aber diese haben sich nicht nur keineswegs gebessert, sie sind sogar schlimmer geworden… und dazu auch noch unwissender! Darum muss man diesen Glauben nun wieder annehmen, denn sonst stimmt einfach nichts. Das Leben hat sonst keinen Sinn, der Herr ist ein Ungeheuer usw…

Die Frage der Reinkarnation ist bereits sehr ernsthaft untersucht worden. Darum brauche ich mich hier nicht eingehender damit zu befassen. Es gibt genügend Bücher zu diesem Thema; man denke nur an die Art und Weise, wie die Tibeter den Dalai Lama herausfinden. Ich will euch nur noch von einem besonderen Fall erzählen, den ich in Bulgarien erlebt habe. In der Bruderschaft in Sofia war ein Elternpaar eines Tages sehr bestürzt, weil ihr Kind so unverständliche Dinge redete. Sie erzählten, dass sie es einmal auf einem Spaziergang zu einem Ort mitgenommen hatten, den es zuvor noch nie gesehen hatte. Und dort rief es aus: „Oh, ich kenne diesen Ort; ich bin schon einmal hier hergekommen.“ Es konnte sogar die Umgebung beschreiben, und alles stimmte überein. Dabei war es doch ein Ort, wo es noch nie hingekommen war. (Die Eltern wussten allerdings, dass ihr erstes Kind hier hingegangen war). „Erinnert ihr euch nicht? Auf dem Schulweg habe ich mich hier versteckt… und dort drüben im Fluss bin ich ertrunken.“ Das war tatsächlich der Ort, an dem ihr ersten Kind ertrunken war, aber dieses wusste nichts davon; niemand hatte ihm jemals etwas darüber gesagt. Dies war also ihr erstes Kind, das sich wieder in der gleichen Familie inkarniert hatte. So etwas ist sehr selten, aber es kann vorkommen. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr kann man Kinder über solche Dinge befragen; sie erinnern sich an vieles. Anstatt ihnen jedoch zuzuhören, gibt es Mütter, die ihnen einen Klaps geben und sagen: „Du erzählst Unfug, sei still.“ Das machen sie einmal, zweimal, dreimal… und auf die Dauer wagen es die Kinder nicht mehr, noch etwas zu erzählen.

Ich habe euch nun gezeigt, dass bestimmte Passagen der Evangelien, obwohl das Wort „Reinkarnation“ darin nicht geschrieben steht, doch deutlich machen, dass der Glaube daran zur Überlieferung gehörte. Dazu kann ich euch ein weiteres Beispiel geben. In einem Abschnitt sagt Jesus: „Ihr sollt vollkommen sein, gleichwie der Vater im Himmel vollkommen ist.“ Was soll man von diesem Satz halten? Entweder sagt Jesus das ganz unüberlegt, wenn er von so unvollkommenen Menschen verlangt, sie sollen in einigen Jahren die Vollkommenheit des himmlischen Vaters erlangen, oder aber er ist sich über Seine Größe überhaupt nicht im klaren und bildet sich ein, dass es ganz einfach sei, so zu werden wie Er. In beiden Fällen spricht das nicht für Jesus. In Wirklichkeit schließt jedoch dieser Satz die Reinkarnation mit ein. Jesus meinte nicht, der Mensch könne in einem einzigen Leben vollkommen werden. Aber er wusste, dass man durch den beständigen Wunsch und ständiges Bemühen nach vielen Inkarnationen schließlich das Ziel erreichen würde.

Und was hat Moses zu Beginn der Schöpfungsgeschichte geschrieben, dort wo von der Erschaffung des Menschen die Rede ist? „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel im Himmel und über das Vieh… Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn.“ Und was ist aus dieser Übereinstimmung nun geworden? Gewiss hatte Gott die Absicht, den Menschen nach Seinem Bilde und Ihm gleich zu erschaffen, also ebenso vollkommen wie Er selbst es ist; aber Er hat es nicht getan. Er hat ihn lediglich nach Seinem Bild erschaffen, mit den gleichen Anlagen, ohne ihm jedoch die Fähigkeiten voll entwickelt zu geben, also ohne die völlige Übereinstimmung.

Schaut euch eine Eichel an. Sie ist nach dem Bild ihres Vaters, der Eiche, geschaffen; das heißt, sie birgt die gleichen Anlagen in sich. Jedoch gleicht sie der Eiche nicht; sie ist noch nicht genau wie diese, sondern sie wird erst so, wenn sie in den Boden gesteckt wird. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen; das heißt, er besitzt Weisheit, Liebe und Kraft, jedoch in welch geringem Maß im Vergleich zur Weisheit, Liebe und Kraft des Schöpfers. Wenn er sich dann aber entwickelt, wird er mit der Zeit Ihm immer ähnlicher bis er Ihm dann eines Tages gleicht; dann wird er Seine Tugenden voll entwickelt besitzen. Ihr seht also, dass die Entwicklung vom Abbild bis hin zur völligen Übereinstimmung den Gedanken der Reinkarnation mit einschließt. Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“, aber Er hat es nicht völlig getan. „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn.“ Darin, dass im nachfolgenden Satz der Teil „…das uns gleich sei“ weggelassen ist, während das Wort „Bild“ wiederholt wird, hat Moses den Gedanken der Reinkarnation versteckt.

Aber die Leute verstehen es nicht, die Bücher zu lesen… und noch viel weniger das große Buch der lebendigen Natur, in welches ebenso die Reinkarnation eingeschrieben ist. Nehmen wir einmal das Bild eines Baumes. Allein die Kabbalisten haben das Bild des Baumes wirklich verstanden; und sie haben daraus eine Symbol für das Universum gemacht. Alle Geschöpfe finden irgendwo in diesem Baum ihren Platz, sei es als Wurzeln, Rinde, Blätter, Blüten oder Früchte. Nach ihrem sehr tiefen Wissen hat alles, was lebt, auch alle Tätigkeiten und alle Regionen, seinen Platz im Baum des Lebens. In den verschiedenen Jahreszeiten fallen die Blätter, die Blüten und die Früchte vom Baum. Diese zersetzen sich, sie werden zu Dünger und werden dann über die Wurzeln wieder aufgenommen. Das gleiche gilt für alle Lebewesen. Wenn ein Mensch stirbt, wird er über die Wurzeln des kosmischen Baumes wieder in diesen aufgenommen. Bald erscheint er jedoch wieder in neuer Gestalt, als Zweig, Blüte oder Blatt… Nichts geht verloren; unaufhörlich verschwinden die Wesen und erscheinen von neuem auf diesem großartigen Baum, dem Baum des Lebens.

Ihr seht, das Prinzip der Reinkarnation trifft man überall an. Wo denn noch? Im Wasserkreislauf der Natur. Das Wasser der Meere verdampft und steigt in die Luft. Dann fällt es woanders als Schnee oder Regen wieder herab und kehrt schließlich zum Meer zurück. Der Wassertropfen verschwindet nicht einfach; er unternimmt eine große Reise, um die Welt zu erforschen. Zuerst steigt er gen Himmel, fällt wieder herab auf die Berge, fließt in die Täler, sickert bis in tiefliegende Erdschichten hinab und nimmt dabei die verschiedensten Färbungen an, gelb, rot oder grün… Das Wasser steigt also auf und kommt dann wieder herab; auch daran lässt sich das Gesetz der Reinkarnation ablesen. So wie der Wassertropfen unternimmt jedes geistige Wesen eine Reise, um dadurch Erfahrungen zu sammeln und der Vollkommenheit zuzustreben.

Wollt ihr ein weiteres Argument hören? Nun, gut. Wenn ihr abends schlafen geht, legt ihr eure Kleider ab. Ein Kleidungsstück nach dem anderen zieht ihr aus: Jacke, Hemd, Unterhemd… Das Schlafengehen am Abend ist ein Symbol für den Tod. Die Kleidung, die ihr ablegt, stellt die verschiedenen Körper dar, von denen ihr euch nach und nach befreien müsst, zuerst einmal vom physischen Körper, dann, einige Zeit darauf, nach vielleicht ein oder zwei Wochen vom Ätherkörper. Danach kommt der Astralkörper; das dauert sehr viel länger, denn auf der Astralebene befinden sich die Leidenschaften, die Begierden und die niederen Empfindungen. Genau das ist die Hölle, die Astralebene und die niedere Mentalebene, wo man einige Zeit zubringen muss, um sich zu läutern… Danach befreit ihr euch vom Mentalkörper, und dort beginnt das Paradies mit dem ersten, zweiten, dritten Himmel usw. Der Überlieferung zufolge gibt es sieben. Erst wenn man alles völlig abgelegt hat, betritt man ganz nackt den siebten Himmel, „völlig nackt“, das heißt geläutert, ohne Dinge, die einem noch anhaften.

Der Morgen entspricht der Rückkehr des Menschen auf die Erde, der Geburt des Kindes. Man zieht sich wieder an: Unterhemd, Hemd usw. Wenn das Kind auf die Erde kommt umhüllt es sich zuerst mit den feinstofflichen Körpern, dem Atman-, Buddha- und Kausalkörper, dann mit dem Mental-, Astral- und Ätherkörper und schließlich schlüpft es in den physischen Körper. Ihr seht, jeden Abend zieht man sich aus, und jeden Morgen kleidet man sich wieder an. Das geht jahrein, jahraus immer weiter so, und doch wurde nie über diese Handgriffe nachgedacht noch erkannt, dass sie dem Prozess der Einverleibung und dem Verlassen des Körpers, also Geburt und Tod entsprechen. Verstände man es hingegen, die alltäglichen Handlungen, all die Handgriffe, Tätigkeiten und Verhaltensweisen zu deuten, ebenso wie den Verdauungsvorgang, die Atmung usw., dann würde man enorme Entdeckungen machen. Denn alle Geheimnisse des Universums spiegeln sich in unseren Gesten, Worten und Alltagshandlungen wider. Um sie allerdings richtig auszulegen, muss man an einer Einweihungsschule unterrichtet worden sein.

Bevor so manch einer an die Reinkarnation glaubt, wartet er ab, bis die Kirche diese offiziell anerkennt. Aber wann wird sie das tun? Schon oft hatte ich Gelegenheit, mit Vertretern der Kirche zu sprechen. Und ich habe festgestellt, dass viele von ihnen an die Reinkarnationslehre glauben. Nur wagen sie es aus Angst vor Schwierigkeiten nicht, darüber zu sprechen. Ich sage euch auf jeden Fall, solange ihr die Reinkarnationslehre nicht akzeptiert, werdet ihr niemals Klarheit bekommen über eure Situation und über die Geschehnisse in eurem Leben (warum man euch verfolgt und schlecht behandelt oder warum ihr immer wieder Hilfe und Unterstützung findet), noch darüber, wie ihr euch auf das nächste Leben vorbereiten müsst. Und wenn man die Wahrheit nicht kennt, welchen Weg soll man dann nehmen?…

[1]Siehe Band 3 der Reihe Gesamtwerke »Die beiden Bäume im Paradies«, Kapitel 9, Teil 3: »Die Heimkehr des verlorenen Sohnes«.

Welttag des Buches 2015

Welttag des Buches 2015

Welttag des Buches 2015

Auch dieses Jahr sind wir wieder am „Welttag des Buches“ mit einer Verlosung dabei!

Im Jahre 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches. An diesem Tag soll das Buch gefeiert werden, das Lesen und die Rechte der Autoren. Dabei wurde der 23. April nicht ganz zufällig ausgesucht: es ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes, und der Namenstag des Heiligen St. Georg.

Grund genug für uns, dieses Jahr drei Bücher zu verlosen. Ab dem 23. April 2015 kann Jeder/Jede durch eine einfache und kommentarlose E-Mail an unsere Verlosungs-Adresse teilnehmen. Das Verlosungsende ist der 30. April 2015 um 23:59 Uhr. Wir werden wie letztes Jahr – in einer feierlichen Ziehung – die drei Gewinner ermitteln und die Bücher verteilen.

Den Gewinnern werden dieses Jahr wahre Schätze zufallen. Wir haben uns entschieden, zwei Bildbände und ein Exemplar der diesjährigen „Gedanken für den Tag“ zur Verlosung bereitzustellen. Mehr zu den Büchern gibt es in einem der kommenden Blog-Artikel. Die Verlosungs-E-Mail-Adresse werden wir wie gehabt zum 23. April freischalten und hier im Blog ganz zuoberst und ganz groß bekanntgeben. Einfach draufdrücken und abschicken oder von Hand eine Mail an diese Adresse schreiben.

Wir freuen uns auf Euch!

Regelmäßige „Geplante Wartungsarbeiten“

Regelmäßige "Geplante Wartungsarbeiten"

Regelmäßige „Geplante Wartungsarbeiten“

Liebe Freunde des Verlags, liebe Interessierte, liebe Kunden,

die Umstellung unserer Webseite von „Joomla“ auf „WordPress“ und vor allem die Erneuerung unserer Shopsoftware hat sehr viele Vorteile gebracht. Nicht nur, dass für uns komplette Arbeitsabläufe intelligent rationalisiert werden konnten, wie z. B. das Anlegen eines neuen Produktes oder das Schreiben eines neuen Beitrages im Blog, sondern auch für Sie, z. B. die Annehmlichkeit für das Auge mit dem aufgeräumten Aussehen der gesamten Webseite und der intuitive Ablauf der Bestellung im Shop.

Uns haben einige sehr euphorische Lobe erreicht, dazu ein paar Anmerkungen, was besser zu machen wäre – aber keine einzige enttäuschte Kritik. Herzlichen Dank dafür!

Wir müssen natürlich trotzdem oder gerade deshalb ständig an der Webseite weiterarbeiten. Das System „WordPress“ hat laufend Aktualisierungen und ebenso die sog. Plugins, also Zusatzsoftware, wie z. B. „WooCommerce“, unser Shopsystem.

Wir haben uns entschieden, den Donnerstag in der Woche, als Prosveta WordPress Update-Tag zu deklarieren. Sollten also Aktualisierungen an der Webseite zu machen sein, werden wir diese jeden Donnerstag zwischen 15:00 und 16:00 Uhr ausführen. Die Aktualisierungen dauern in der Regel kaum länger als ein, zwei Minuten. Im Idealfall bekommen Sie davon überhaupt nichts mit.

Da WordPress die Seite aber für die Dauer der Aktualisierung einfriert, das System also anhält, wird in Zukunft ein ganzformatiges Bild erscheinen, das auf die kurze Unterbrechung hinweist. Wenn Sie also dieses Bild auf dem Bildschirm haben, drücken Sie bitte nach kurzer Wartezeit die Taste F5. Das lädt die Seite neu und sobald die Aktualisierungen vorbei sind, geht es für Sie an genau der Stelle weiter, an der Sie waren, bevor das Wartungsarbeiten-Bild eingeblendet wurde.

Nochmals vielen Dank für die positiven Rückmeldungen. Wir sind für jede Anmerkung und Kritik dankbar!

Neue Bezahl-Möglichkeiten: „Sofort Überweisung“ und „PayPal“

Neue Bezahl-Möglichkeiten: "Sofort Überweisung" und "PayPal"

Neue Bezahl-Möglichkeiten: „Sofort Überweisung“ und „PayPal“

Mit der Onlinestellung unserer neuen Seiten haben wir auch zwei alternative Bezahlmethoden für Sie eingerichtet: SOFORT Überweisung und PayPal.

Beide Methoden erlauben Ihnen, den fälligen Rechnungsbetrag Ihrer Bestellung sofort an uns zu bezahlen um später keine manuelle Überweisung mehr machen zu müssen. Wie erwartet, hat sich PayPal zur bevorzugten Bezahlmethode entwickelt, was nicht verwundert, denn PayPal ist die mit am meisten verbreitete Online-Bezahlmethode der Welt.

SOFORT Überweisung wie auch PayPal zählen zu den sicheren Bezahlmethoden, denn die eingegebenen Informationen werden verschlüsselt. Sie sind also während des Bezahlvorgangs vor Betrug und Trickserei geschützt. Bitte informieren Sie sich auch gern auf den Hilfe-Seiten der beiden Anbietern:

Der eigentliche Betrug und Missbrauch dieser beiden Bezahlmethoden geschieht außerhalb Ihres Online-Einkaufs: Die Cyber-Kriminellen verschicken oft täuschend echt aussehende E-Mails und Benachrichtigungen, sog. Spoof- und Phishing-Mails. In diesen werden Sie aufgefordert, Ihre Daten zur Überprüfung zu verifizieren und neu einzugeben. Auf diesem Weg bekommen die Kriminellen Ihre Zugangsdaten und können ungehindert auf Ihren Account zugreifen.

BITTE REAGIEREN SIE DESHALB NIEMALS AUF SOLCHE EMAILS, DIE SIE AUFFORDERN, DATEN ZU VERIFIZIEREN ODER ZU ÜBERPRÜFEN. HABEN SIE DIE ÜBERWEISUNG ODER DEN GELDTRANSFER WÄHREND IHRES EINKAUFS ERFOLGREICH ABGESCHLOSSEN, KÖNNEN SIE IN DER REGEL DAVON AUSGEHEN, DASS ALLES IN ORDNUNG WAR. EINE WEITERE AKTION IHRERSEITS IST NICHT NÖTIG.

Wenden Sie sich im Zweifelsfall an uns oder Ihre Bank, um zu klären, ob der Betrag überwiesen wurde.

Neuerscheinung 2014 „Gedanken für den Tag – Ausgabe 2015“

Neuerscheinung 2014 "Gedanken für den Tag - Ausgabe 2015"

Neuerscheinung 2014 „Gedanken für den Tag – Ausgabe 2015“

Leseprobe zur diesjährigen Neuerscheinung der „Gedanken für den Tag – Ausgabe 2015“

Mit der Ausgabe 2015 gibt es eine Besonderheit: Die Tagesgedanken stammen aus dem Band 19 der Buchreihe „Gesamtwerke“. Dieser Band ist bisher nicht in deutscher Sprache erschienen und wird auch in Zukunft nicht als Teil der Reihe „Gesamtwerke“ erscheinen. Er wurde ausgelassen, weil er nur Tagesgedanken aus dem Jahr 1985 enthält. Da diese bisher nicht in deutscher Sprache erschienen, werden sie der Inhalt des Tagesgedanken-Buches für das Jahr 2015 sein. Nachstehend finden Sie die ersten 15 Tage als Leseprobe.

 

1. Januar

Heute beginnt ein neues Jahr. Und da die ersten zwölf Tage eines Jahres mit den zwölf kommenden Monaten verbunden sind, solltet ihr euch bemühen, sie so gut wie möglich zu leben, damit das gesamte Jahr eine solide Grundlage erhält. Sagt euch, dass keiner eurer Gedanken, keines eurer Gefühle und keiner eurer Wünsche ohne Folgen bleiben: Sie sind wie Samen, die ihr in der Erde eurer Seele aussät und die aufgehen werden. Es ist die Aufgabe der Erde, das Wachstum der Samen zu begünstigen. Sobald sie gesät sind, wird sie sie ernähren und Wasser, Luft und Sonnenlicht werden ebenfalls zu ihrer Entwicklung beitragen. Seid also achtsam, denn, wer aus Nachlässigkeit oder schlechter Absicht Brennnesseln oder Disteln in seiner inneren Erde sät, darf nicht erwarten, dass dort Weizen wachsen wird.

Die Samen, die ihr an diesem ersten Tag des Jahres sät, können auch Worte wie »Freude«, »Licht«, »Frieden«, »Liebe«, »Hoffnung« usw. sein. Lasst ihren Sinn gut in euch eindringen und legt sie in die Tiefen eurer Seele hinein. Wacht über sie, dann werdet ihr fühlen, wie sie nach und nach in euch eine Arbeit des Keimens bewerkstelligen. Auf diese Weise werdet ihr während des gesamten Jahres von fruchtbaren Feldern und blühenden Gärten umgeben sein.

 

2. Januar

Denkt jeden Morgen beim Erwachen und mehrmals während des Tages an die Universalseele wie an eine Stimmgabel, auf die ihr euch einstimmen sollt. Auf diese Weise tretet ihr nach und nach in die kosmische Harmonie ein. Stellt euch vor, ihr wäret ein Musikinstrument und hättet eine große Arbeit der Anpassung auszuführen, damit ihr auch zu einem gut gestimmten Instrument werdet.

Ihr sagt: »Ein Musikinstrument?« Ja, zum Beispiel eine Geige, denn bei diesem Instrument kann man die Parallelen zum Menschen besonders gut entdecken. Auf dem hölzernen Korpus, der den physischen Körper darstellt, sind vier Saiten gespannt: G entspricht dem Herzen, D dem Verstand, A der Seele und E dem Geist. Der Bogen, der in ständiger Bewegung ist, um diese vier Saiten zum Schwingen zu bringen, repräsentiert den Willen. Die Geige kann nur dann harmonische Klänge erzeugen, wenn sie gestimmt ist. Deswegen beginnt der Geiger niemals zu spielen, bevor er nicht sein Instrument gestimmt hat. Wir sollten, genau wie er, nicht mit dem »Spielen« beginnen, bevor wir nicht unser Herz, unseren Verstand, unsere Seele und unseren Geist aufeinander eingestimmt haben, und wir müssen während des Tages darüber wachen, dass diese »Saiten« ihre Spannung behalten.

 

3. Januar

Erde – alle Elemente, die sie enthält, haben ihren Ursprung in der Sonne, wo wir sie im feinstofflichen Zustand finden können.

Alles, was auf der Erde existiert, existierte zuerst in einem ätherischen Zustand in der Sonne. Die vier Elemente haben sich nämlich durch sukzessives Kondensieren gebildet. Am Anfang war das Feuer. Von diesem Feuer ausgehend bildete sich die Luft, von der Luft ausgehend das Wasser und vom Wasser ausgehend die Erde. Nun ist die Sonne eine von zahlreichen Formen des Feuers und daher befinden sich in ihr, in feinstofflicher Form, alle Elemente, die unsere Erde und die anderen Planeten gebildet haben. Dadurch, dass sie sich von der Sonne entfernten, kondensierten sie.

Alles, was auf der Erde an mineralischen oder pflanzlichen Substanzen existiert, existiert also bereits im feinstofflichen, ätherischen Zustand in der Sonne. Wir müssen jetzt herausfinden, wie wir alle Substanzen, die wir für unsere körperliche, seelische und geistige Entfaltung benötigen, in ihrer ursprünglichen Reinheit auffangen können, indem wir uns auf die Sonne konzentrieren. Wer sie ausschließlich unten, auf der physischen Ebene sucht, ohne sich auch nur im Geringsten darum zu bemühen, sich zu erheben, der gewinnt nichts auf der spirituellen Ebene. Führt er aber mit Hilfe der Gedanken eine Arbeit aus, um diese Elemente an ihrer Quelle zu holen, dann wird er die Nahrung der Götter empfangen: Ambrosia.

 

4. Januar

Wir gehören zu einer riesigen, nicht nur auf der ganzen Erdoberfläche, sondern auch auf anderen Planeten und Sternen, verteilten Familie. Jeden Tag schickt die göttliche Welt allen Mitgliedern dieser Familie Botschaften. Aber diese Botschaften sind nicht wie die Zeitungen oder Prospekte, die die Menschen in ihren Briefkästen finden und in den Papierkorb werfen, nachdem sie sie nur kurz überflogen haben. Sie müssen sie aufmerksam lesen, um in ihnen Hinweise für den Tag, Inspirationen und Nahrung zu finden.

Jeder Mensch gehört von Natur aus der großen universellen Familie an. Aber um wirklich ein Teil von ihr zu werden, muss der Mensch dies bewusst wollen. So wie ihr auf der Erde zu einer Familie gehört, weil ihr einen Vater und eine Mutter habt, haben euch auf der geistigen Ebene die Kräfte des Geistes – eures Vaters – und der Seele – eurer Mutter – geboren, und ihr solltet eure Verbindungen mit ihnen vertiefen, damit sie euch auch weiterhin ernähren und formen.

 

5. Januar

Die Liebe besteht aus Austausch. Nun besteht aber der Austausch zwischen den Menschen nicht ausschließlich darin, dass sie einander auf der physischen Ebene begegnen. Sie können sich auch auf Entfernung durch Worte, Blicke und Gedanken treffen, ohne einander zu berühren, und sogar ohne einander zu sehen. Und dieser Austausch ist auch nicht auf das beschränkt, was Menschen untereinander tun können. Wenn ihr also den Mann oder die Frau, die euch so stark inspirieren, um euch verbinden zu wollen, noch nicht gefunden habt, so ist dies kein Grund, euch alleine und ohne Liebe zu fühlen.

Die Liebe ist eine kosmische Energie, die überall im Universum kreist. Deswegen könnt ihr sie in den Steinen, Pflanzen, Tieren… und auch im Wasser, in der Luft, in der Sonne und in den Sternen finden. Ja, warum solltet ihr leiden, nur weil ihr keinen Mann oder keine Frau in den Armen halten könnt? Nicht der Körper, nicht das Fleisch wird euch die Liebe geben, weil die Liebe dort nicht zu finden ist. Die Liebe kann sich des physischen Körpers als Überträger bedienen, aber sie selbst ist woanders, sie ist überall. Sie ist ein Licht, ein Nektar, eine Himmelsspeise, die den Raum erfüllt.

 

 

6. Januar

Versucht, euch der Verbindungen bewusst zu werden, die euch nicht nur mit den Mitgliedern eurer Familie, sondern auch mit der gesamten Gesellschaft vereinen. Welcher Natur sind diese Verbindungen? Jedes Mal, wenn ihr einen Fortschritt macht, beeinflussen die Reichtümer und Lichter, die ihr erhaltet, alle Personen, mit denen ihr nah und fern verbunden seid. Wegen eures Fortschrittes, schreiten auch sie voran. Vielleicht bemerken sie es nicht, aber in Wirklichkeit kommen sie dank euch weiter. Das Gleiche gilt, wenn ihr anfangt, euch gehenzulassen, euch zu verdunkeln: Eure Familie und die Gesellschaft, die mit euch verbunden sind, erhalten wegen euch schlechte Einflüsse. Auf diese Weise zieht ihr die Menschen mit zum Licht oder mit in die Dunkelheit. Ihr seht, wie weit eure Verantwortung reicht.

Wollt ihr nützlich sein, der gesamten Menschheit und sogar den Tieren, Pflanzen und Steinen helfen? Dann bemüht euch täglich, euer Leben reiner, reicher und lichtvoller zu machen, weil ihr dadurch ganz sachte und unbemerkt die gesamte Schöpfung nach oben mitzieht. Und wenn sie sehen, dass ihr Segen für alle Menschen heranzieht, werden die Wesen der unsichtbaren Welt kommen und euch belohnen.

 

7. Januar

Die zwölf Tierkreiskonstellationen sind wie zwölf Pforten in unserem Universum, dem Sonnensystem. Diese zwölf Pforten finden sich in unserem physischen Körper wieder: die Augen, die Ohren, der Mund, die Nasenlöcher, die Brüste, der Nabel und die beiden unteren Öffnungen sind ebenfalls Pforten. Genau wie die Pforten des Tierkreises einen Durchgangsort für die kosmischen Einflüsse darstellen, sind die zwölf Pforten unseres Körpers Öffnungen für spirituelle Kräfte und Wesenheiten.

Für denjenigen, der in seinem Inneren eine echte Reinigungsarbeit geleistet hat, dienen die Pforten seines Körpers dazu, mit den feinstofflichen und lichtvollen Elementen des Raumes in Verbindung zu treten. Deswegen überliefert die Einweihungstradition, dass neben jeder Pforte ein Engel steht. Ein Engel ist reine Energie, und dieser Engel, der segensreiche Einflüsse anzieht, verwandelt auch die negativen Ströme, welche einzudringen versuchen. Engel wachen über die Pforten all jener, die daran gearbeitet haben, aus ihrem Wesen ein Tabernakel des lebendigen Gottes zu machen.

 

8. Januar

Die Edelsteine gehören zum Erdelement. Sie sind das Produkt einer großen Arbeit, zu deren Verwirklichung die Erde fähig ist, und wurden deshalb als Symbole jener Tugenden gewählt, die der Mensch erlangen kann, wenn er lernt, an seiner eigenen Materie zu arbeiten.

Der Brauch, auf die Kleidung der Priester und die Krone der Könige Edelsteine zu setzen, kommt aus der Kenntnis dieser Symbolik. Sie repräsentieren die Eigenschaften und Tugenden, die diese Menschen besitzen müssen, um ihre Aufgabe würdig auszuüben. Jeder Tugend entspricht ein Stein: der Weisheit der Topas, dem Frieden und der Harmonie der Saphir, der Liebe der Rubin usw. Wir werden jetzt nicht zu genau nachschauen, ob diese hochstehenden Persönlichkeiten es verdienen, solche Schätze zu tragen, denn was zählt, ist die Symbolik. Und wenn die Könige der Erde, die Päpste und Kardinäle auf ihren Köpfen Edelsteinschmuck tragen, so deshalb, weil auf der Krone des Herren der Schöpfung Edelsteine angebracht sind. Diese Edelsteine sind die Engel, die Erzengel und die Gottheiten.

 

9. Januar

Das tägliche Leben ist wie ein Strom, der euch fortträgt, ohne dass ihr immer die Zeit und Möglichkeit habt, euch darüber klar zu werden, in welche Richtung er euch mitreißt. Deswegen lasst ihr euch ständig von allen denkbaren Aktivitäten und Verpflichtungen einfangen, die euch im Moment nützlich und vernünftig erscheinen. Aber nach einiger Zeit bemerkt ihr, dass ihr viel Zeit und Energie für nur wenige Resultate verloren habt. Dies soll nicht heißen, dass ihr euch ausschließlich spirituellen Arbeiten widmen müsst. In Wirklichkeit kann jede Aktivität segensreich sein, aber unter der Bedingung, dass ihr gut darauf achtet, mit einem hohen Ideal, einer göttlichen Philosophie verbunden zu bleiben.

Wenn ihr eines Tages gelernt haben werdet, in eurem Inneren um jene Mitte, die euer Geist ist, etwas Festes, Beständiges aufzubauen, dann werden alle eure Aktivitäten, sogar die Vergnügungen, dazu beitragen, das Leben in euch zu nähren. Der Geist, der einen Menschen bewohnt, ist nicht ablehnend gegenüber seiner Leber, seinem Darm oder seinen Füßen, nur weil sie nicht so edel sind wie er. Alles ist an seinem Platz und der Geist bedient sich aller Dinge, aber er bleibt im Zentrum. Eben gerade weil der Geist im Zentrum bleibt, ist dieser Mensch lebendig.

 

10. Januar

Wenn wir das Bedürfnis verspüren, mit der Universalseele zu verschmelzen, dann wenden wir ganz spontan unseren Blick auf weite Räume und die Unendlichkeit des Himmels. Aber wenn wir in diesem Zustand der Ausdehnung verharren würden, könnten wir auf der Erde nichts verwirklichen. Um handeln zu können, muss man das Gesetz der Konzentration anwenden. Wir brauchen große Weiten, um uns zu entfalten, und danach müssen wir uns wieder zurückziehen und konzentrieren, um Kräfte zu sammeln und eine Handlung auszuführen.

Ausdehnung und Konzentration entsprechen zwei astrologischen Zeichen: dem Löwen, einem Feuerzeichen, und dem Steinbock, einem Erdzeichen. Der Löwe ist ein Zeichen, das nach außen geht, er strahlt und verbraucht. Der Steinbock hingegen ist ein nach innen gehendes Zeichen, das sammelt und kondensiert. Unter seinem Einfluss, zwischen den Monaten Dezember und Januar, konzentriert die Erde die Energien in den Wurzeln der Bäume, um die Explosion der Monate Juli und August vorzubereiten, in denen, unter dem Einfluss des Löwen, eine Fülle von Früchten reift.

 

11. Januar

Nichts ist wichtiger, als jeden neu beginnenden Tag mit Dankbarkeit zu empfangen, und sich vorzunehmen, diesen Tag mit Liebe zu leben. Und was bedeutet, mit Liebe leben? Ganz einfach, mit Liebe atmen, essen, gehen, sehen und hören. Ihr glaubt, dies alles zu wissen? Nein, ihr wisst es nicht.

Mit Liebe zu leben bedeutet, sich bis zu jenem Bewusstseinszustand zu erheben, der eure Gedanken, eure Gefühle, eure Handlungen harmonisiert und euch im Gleichgewicht hält. Und dieser Bewusstseinszustand wird zu einer Quelle der Freude, der Kraft und der Gesundheit, nicht nur für euch, sondern für alle Geschöpfe, denen ihr begegnet. Wenn ihr einmal wirklich mit eurem ganzen Wesen zu verstehen beginnt, was es bedeutet, mit Liebe zu leben, dann wird dadurch euer ganzes Leben verwandelt. Die Liebe wird unablässig in euch hervorströmen, sogar wenn ihr schlaft. Ja, sogar während eures Schlafes.

 

12. Januar

Jede Religion hat einen speziell für den Gottesdienst reservierten Tag: Für die Christen ist es der Sonntag, für die Juden der Samstag, für die Moslems der Freitag… Aber in den Augen des Schöpfers von Himmel und Erde sind alle Tage heilig. Alle Tage: Freitag, Samstag, Sonntag aber auch Montag und Dienstag usw. sind da, um Seinen Namen zu heiligen und Gutes zu tun. Sonst macht das keinen Sinn. Sechs Tage lang wird man seelenruhig die Gesetze übertreten, und am siebten geht man in die Kirche, Moschee oder Synagoge, um zu versuchen, die während der sechs Tage begangenen Fehler auszulöschen! In welchem Zustand erscheint jemand vor dem Herrn, der sechs Tage auf unbewusste und triviale Weise gelebt hat? Wird Gott diese Scheinheiligkeit schätzen? Vor allem aber bringt ihm selbst diese Haltung nichts.

Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Ein Tag pro Woche reicht nicht aus, um auf dem Weg der Weisheit, der Liebe und der Reinheit vorwärtszukommen. Und davon abgesehen, hängt das, was man am siebten Tag erlebt, von der Art und Weise ab, wie man die anderen sechs Tage gelebt hat. Man muss sich also täglich – den ganzen Tag und die ganze Nacht – bemühen, in der Kirche Gottes zu sein, und die ganze Schöpfung ist die Kirche Gottes.

 

13. Januar

An mehreren Stellen der Bibel ist die Rede von einem Buch, welches »Buch des Lebens« genannt wird. In diesem Buch des Lebens, das natürlich ein Symbol ist, stehen Namen geschrieben. Ihr fragt euch, woher ihr wisst, ob euer Name in diesem Buch geschrieben steht? Das ist einfach, nämlich genauso, wie ihr wisst, ob ihr ihn in den Registern einer Organisation oder einer Verwaltung findet. Ihr hattet den Wunsch, eine Zeitung zu abonnieren, also notierte eine Sekretärin euren Namen und eure Adresse, und jetzt wirft der Briefträger jede neue Ausgabe dieser Zeitung in euren Briefkasten.

Wenn euer Name oben im Buch des Lebens geschrieben steht, ist es so wie in dem Beispiel, es ist, als hättet ihr eine Zeitung abonniert, aber eine sehr spezielle Zeitung, die sich an eure Seele, an euren Geist wendet und euch jeden Tag neues Wissen, ein besseres Verständnis der Dinge, und Hilfe in Schwierigkeiten bringt. Selig sind diejenigen, deren Name im Buch des Lebens geschrieben steht! Macht, Reichtum, Ruhm… alles verblasst daneben.

 

14. Januar

Selbst wenn sie sich täglich begegnen und leider auch wenn sie zusammenleben, werfen die Menschen nur einen oberflächlichen Blick auf die anderen. Sie befassen sich mit dem Äußeren, mit der Erscheinung, und das Äußere ist oft nichts Besonderes. Sie vergessen, dass es jenseits dieser äußeren Erscheinung auch eine Seele, einen Geist gibt, und selbst wenn diese Seele und dieser Geist sich nur selten und schwach ausdrücken, sind sie doch da. Warum also nicht aufmerksamer sein, um ihre Offenbarungen zu erkennen?

Ein Weiser weiß, dass alle Menschen, denen er begegnet, Söhne und Töchter Gottes sind, er beschäftigt sich mit diesem Gedanken und geht auf jeden mit diesem Gedanken zu. Selbst wenn die Menschen sich dessen nicht bewusst werden, bewirkt er damit eine schöpferische Arbeit an ihnen, die eines Tages Früchte bringen wird. Und er fühlt sich glücklich. Glaubt mir, die beste Art, den anderen nützlich zu sein ist, ihre Eigenschaften, ihre Tugenden, ihre geistigen Reichtümer zu entdecken und sich auf sie zu konzentrieren. Es erwacht dann in ihnen etwas Gutes, und sie verspüren das Bedürfnis, es weiterzuentwickeln.

 

15. Januar

Erde, Wasser, Luft und Feuer sind die Grundprinzipien der Materie, und auf sie übt unser Geist seine Wirkung aus.

Wenn man den Tierkreis studiert, der eine schematische Darstellung des Raumes ist, stellt man fest, dass die zwölf Konstellationen sich auf drei Kreuze verteilen. Es sind die Achsen Widder – Waage und Krebs – Steinbock, Löwe – Wassermann und Skorpion – Stier, Schütze – Zwillinge und Fische – Jungfrau. Auf jedem dieser Kreuze findet man die vier Elemente wieder. Feuer und Luft stellen das männliche Prinzip und Wasser und Erde das weibliche Prinzip dar (siehe Abbildung auf Seite 68).

Die beiden Prinzipien Männlich und Weiblich, welche die beiden Prinzipien der Schöpfung sind, wirken also im Universum durch die Vermittlung der vier Elemente, die symbolisch auf drei Kreuze verteilt sind. Und weil der Mensch nach dem Bilde des Universums geschaffen wurde, wirken die beiden Prinzipien Männlich und Weiblich auch in ihm durch die Vermittlung der vier Elemente.*

* Siehe auch Band 4 der Reihe Gesamtwerke »Das Senfkorn«, Kapitel 4: »Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich« oder Band 218 der Taschenbuchreihe Izvor »Die geometrischen Figuren und ihre Sprache«, Kapitel 6 »Das Kreuz«.

 

ISBN 978-3-89515-515-4
400 Seiten, 12,00 Euro

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Neuerscheinung 2014 Kurzbiografie „Die schöne Geschichte von einem Meister“

Neuerscheinung 2014 Kurzbiografie „Die schöne Geschichte von einem Meister“

Leseprobe zur diesjährigen Neuerscheinung der Kurzbiografie von Marie-Louise Frenette „Die schöne Geschichte von einem Meister“

 

Allen Kindern dieser Welt

 

Das kleine Kind lächelte, als es zur Welt kam

An dem Tag, an dem Mikhaël geboren wurde, war es sehr kalt. Der Tag dämmerte am 31. Januar 1900 in dem kleinen Dorf Serbtzi im schönen Land Mazedonien. Der Himmel war noch voller Sterne und der Hahn hatte gerade eben gekräht. Die Sonne würde bald aufgehen.

Mikhaël weinte nicht bei seiner Geburt, er schrie nicht wie alle anderen Neugeborenen. Im Gegenteil, er lächelte. Er lächelte den ganzen Tag jeden an, der sich über ihn beugte. In seiner Familie jubelten alle und freuten sich über die Geburt dieses so außergewöhnlichen Kindes.

Seine Mutter Dolia wollte, dass die Taufe am gleichen Tag stattfindet. Die ganze Familie versammelte sich, der Gemeindepfarrer kam, er träufelte Weihwasser auf Mikhaëls Stirn und sprach Gebete. Dieser Pfarrer trank normalerweise nie Wein, aber heute machte er eine Ausnahme, um Mikhaëls Geburt mit der Familie zu feiern. Er hob sein Glas und sagte: »Na zdravé! – Gesundheit!« Und dann fügte er hinzu:

»Wirklich, so etwas habe ich noch nie erlebt! Dieses Kind ist ganz anders als alle anderen. Später wird es Großartiges vollbringen. Aber es wird zwischen Gut und Böse wählen müssen.«

 

Eine Bauernfamilie

Mikhaël wuchs heran. Alle, welche die Worte des Pfarrers gehört hatten, vergaßen sie wieder, aber Dolia bewahrte seine Prophezeiung in ihrem Herzen. Sie wusste, dass ihr Sohn ein außergewöhnlicher Mensch werden würde, und sie zog ihn mit größter Liebe auf.

Ihr Leben war nicht leicht, denn sie lebte über lange Zeiten getrennt von ihrem Mann Ivan. Er arbeitete im Nachbarland Bulgarien und konnte nur ab und zu für kurze Zeit nach Serbtzi zurückkommen.

Man muss wissen, dass in der Zeit von Mikhaëls Kindheit das kleine Land Mazedonien oft von den Nachbarstaaten angegriffen wurde. Banden von bewaffneten Soldaten steckten ganze Dörfer in Brand und vernichteten die Ernten. Alle diese Kriege machten die Menschen sehr arm. Die Lebensverhältnisse wurden so schwierig, dass viele Männer notgedrungen ihre Dörfer verließen, um in den Städten zu arbeiten.

Aus diesem Grund hatte sich Mikhaëls Vater entschlossen, sein Glück in Bulgarien zu versuchen. Er hatte dort ein kleines Holzkohleunternehmen gegründet, und zwar in der Stadt Varna, die an der Küste des Schwarzen Meeres lag.

Dolia litt unter dieser Trennung, aber sie wusste, dass ihr Mann sie holen würde, sobald er die nötigen Mittel hätte, um sie und Mikhaël aufzunehmen. Bis dahin lebten sie bei ihren Schwiegereltern auf einem großen Bauernhof.

Die Familie war eine große Familie mit vielen Onkeln und Tanten, die alle verheiratet waren und Kinder hatten. Mikhaël gehörte also zur »Familie der Kleinen« innerhalb der »Familie der Großen«.

Jeden Morgen gingen die Männer und Frauen auf die Felder und bauten Getreide und Gemüse an. Die Frauen blieben abwechselnd einen Tag zu Hause, um sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern und für die anderen Arbeiter das Essen zuzubereiten.

 

 Die kleinen Glücksboten

Mit vier Jahren durfte Mikhaël an einem schönen Brauch seines Landes teilnehmen: Am Neujahrsmorgen gingen die kleinen Jungen von Haus zu Haus und baten um den himmlischen Segen für die Familien. An diesem Tag wurden sie als Glücksbringer betrachtet.

Manche Dorfbewohner fühlten, dass Mikhaël etwas Besonderes, etwas Gutes, etwas Ungewöhnliches und etwas Mysteriöses an sich hatte. Dieses Kind war anders als die anderen und sie wollten mit seinem Segen das neue Jahr beginnen. Sie hofften, dass er schon ganz früh, noch vor den anderen Kindern, käme.

Seine Mutter weckte ihn deshalb in der Morgendämmerung. Sie zog ihn warm an und ließ ihn die Segenssprüche noch einmal aufsagen. Am Vortag hatte sie einen Zweig von einem bestimmten Strauch, dem Hartriegel, abgeschnitten und bunte Bänder daran befestigt. Mikhaël nahm diesen Stock in seine rechte Hand und ging mit seiner Mutter in die Kälte und den Schnee hinaus.

Das Kind tat halb schlafend sein Bestes. In jedem Haus berührte es die Leute, die sich versammelten und auf es gewartet hatten, mit seinem Stab. Es sagte mit klarer Stimme: »Gott gebe euch gute Gesundheit und reiche Ernte!«

Serbtzi war ein Bauerndorf, und diese beiden Wünsche waren für alle sehr wichtig. Die Erwachsenen dankten mit einem Apfel, einem Milchbrötchen oder mit Bonbons.

An diesem Morgen bekamen alle kleinen Glücksbringer etwas geschenkt. Am Ende ihrer Runde war der Sack, den sie hinter sich herzogen, voll mit Leckereien, die sie an diesem Neujahrstag mit ihrer ganzen Familie teilten.

 

Wozu dienen Fäden?

Eine von Mikhaëls Kusinen war in der Familie die beste Weberin. Sie stellte Kleidung, Tischdecken, Handtücher und Bettlaken her. Ihr Webstuhl stand in einem Zimmer des großen Hauses.

Die Webstube, in der Wollfäden und Baumwollfäden in allen Farben hingen, zog Mikhaël unwiderstehlich an. Aber da man ihm verboten hatte, seine Kusine während der Arbeit zu stören, blieb er bei der Tür stehen und beobachtete sie.

Sie spannte zuerst die Fäden von unten nach oben. Dann schob sie ein kleines Holzstück, das man »Schiffchen« nennt, flink von links nach rechts – und dann von rechts nach links – durch die Fäden. Nach und nach entstand durch das Kreuzen der Fäden ein schöner Stoff.

Das Kind beobachtete, wie die Hände der Weberin auf dem Webstuhl leicht hin und her flogen. Das Weben erschien ihm wie eine wahre Zauberei.

Schon mit vier Jahren war Mikhaël sich der Bedeutung der Fäden bewusst, die dazu dienten, miteinander verknüpft zu werden, um so Stoffe, Teppiche oder Kleidung herzustellen. Jedes Mal, wenn er ein Band, ein Stück Faden oder Wolle herumliegen sah, hob er es auf und steckte es in seine Tasche. Alle diese Fäden waren Schätze für ihn. Er verknüpfte sie und versuchte, sie miteinander zu verweben, genauso wie es seine Kusine machte.

Eines Tages ging Mikhaël wie gewohnt an die Tür, aber die Weberin war nicht da. Nach einer Weile entschloss er sich hineinzugehen. Er ging zum Webstuhl. Auf dem Holzrahmen waren schöne rote Fäden gespannt. Sein Verlangen, sie ganz allein für sich zu haben, war so stark, dass er zur Schere griff und alle Fäden abschnitt, um sie mitzunehmen.

Genau in diesem Moment kam seine Kusine zurück und stutzte, als sie den kleinen Jungen in ihrer Webstube sah: Neben dem leergeräumten Webstuhl stehend, drückte er einen Haufen roter Fäden an sich. Das Mädchen stieß einen schrillen Schrei aus. Dolia, die in der Küche gerade Brot backte, kam mit anderen Frauen herbeigelaufen. Und dann folgte ein wahres Jammerkonzert an Vorwürfen und Klagen.

Mikhaël wurde sich bewusst, dass er etwas Wertvolles zerstört hatte. Als er die Fäden durchschnitt, hatte er doch nur daran gedacht, wie schön sie sind und er wollte doch nur seinem Wunsch nachgehen, selbst auch zu weben… Er wusste jedoch, welche Folgen seine Tat hatte: In seiner Familie gab es eine Strafe, die darin bestand, dass man kein Abendessen bekam.

Seine Mutter wusste schon, dass er nicht nachgedacht hatte, bevor er handelte und dass er nicht die Absicht hatte, seiner Kusine weh zu tun. An dem Abend sprach sie lange mit ihm. Sie erklärte ihm, wie wichtig es ist, die Arbeit der anderen zu respektieren und nichts kaputt zu machen. Nachdem sie ihn ins Bett gebracht hatte, machte sie den Schaden selbst wieder gut, indem sie einen Teil der Nacht damit verbrachte, neue Fäden auf den Webstuhl zu spannen.

Mikhaël vergaß die erhaltene Lektion nicht. Aber seine Vorliebe für Bänder ließ nie nach. Er sammelte weiterhin Fäden und erfand alle möglichen Wege, sie miteinander zu verknüpfen. Eine leise innere Stimme sagte ihm, dass alle Bindungen im Leben wichtig sind und eine besondere Kraft haben. Später begriff er, warum er in seiner Kindheit die Fäden so geliebt hatte.

 

 Die kristallklare Quelle

Mikhaël war noch keine fünf Jahre alt, als er ganz in der Nähe seines Heimathauses eine kleine Quelle entdeckte, die aus der Erde sprudelte. Er legte sich auf den Bauch ins Gras und sah ihr zu. Sie war klar und durchsichtig und machte ein leise gluckerndes Geräusch, während sie über die Steine sprudelte. Der kleine Junge liebte ihr heiteres Murmeln, aber mehr noch bewunderte er die Durchsichtigkeit und die Reinheit der Quelle.

Fortan ging er jeden Tag wieder zu ihr und schaute ihr zu. Manchmal, wenn er abends im Bett an sie dachte, hatte er Angst, dass sie aufhören könnte zu fließen. Aber jedes Mal, wenn er zu ihr zurückkehrte, sah er erleichtert, dass sie immer noch kristallklar und melodisch plätscherte.

»Wo ist Mikhaël?«, fragten die Erwachsenen.

»Er ist sicherlich bei der Quelle«, antwortete seine Mutter.

Und von dort holte man ihn, wenn es Zeit war, heimzukommen.

Er hatte bemerkt, dass um die Quelle herum vieles wuchs: Pflanzen, alle möglichen Gräser, Blumen, winzige grüne oder silbern schimmernde Mooskissen. Er stellte fest, dass dort, wo Wasser ist, auch Leben ist. Wasser ist ein Element, das wäscht und reinigt, aber auch den Pflanzen und Menschen Leben schenkt.

 

Das Feuer

Zur gleichen Zeit begeisterte Mikhaël auch das Feuer. Im Haus setzte er sich gerne neben den Kamin, in dem ein Feuer brannte. Abends, beim Abendessen, beobachtete er seine Großmutter, wie sie die Öllampe anzündete. Er stellte fest, dass sie jeden Tag das Glas der Lampe putzte, damit die Flamme schön und rein hindurchscheinen konnte.

Vor dem Schlafengehen versammelte sich die Familie vor der Ikone, einem kleinen Holzbrett mit dem Bild des Gottvaters. Zu Füßen der Ikone brannte ständig ein rotes Licht. Mikhaël betrachtete andächtig die Flamme, und später, wenn er in seinem Bett einschlief, sah er hinter seinen geschlossen Augenlidern noch das kleine tanzende Licht.
Auch wenn die Landwirte auf den Feldern das Gestrüpp verbrannten, blieb er stundenlang bei ihnen stehen und schaute in die Flammen.

All diese verschiedenen Bilder vom Feuer faszinierten ihn.

Mit ungefähr fünf Jahren entschloss er sich also, selbst ein kleines Feuer zu machen. Als er einmal alleine war, nahm er sich in der Küche einige Streichhölzer, versteckte sich hinter dem Haus, sammelte einige Zweige und schaffte es, sie in Brand zu stecken.

Keiner merkte etwas davon, und er war hocherfreut. Am nächsten Tag wagte er einen neuen Versuch. Auch diesmal sah ihn keiner. Es war sehr gefährlich, was er da machte, aber er war noch zu klein, um sich dessen bewusst zu sein. Und etwas Schlimmes passierte ihm.

Er kletterte in der Scheune auf den Dachboden hinauf, wo das Heu lagerte, mit dem die Kühe und Pferde im Winter gefüttert wurden. In einer Ecke sah er einen Haufen faules, schon ganz schwarzes Stroh und sagte begeistert: »Das ist hässlich und alt, das muss verbrannt werden!«

Er zündete eines seiner kostbaren Streichhölzer an und warf es auf das Stroh, das schnell Feuer fing. Er war überglücklich. Ein solches Feuer, das ist etwas Wunderbares…

Er hatte noch nie ein so schönes Feuer gesehen!

Aber das Feuer wurde größer, es wurde riesengroß und stieg immer höher bis zum Dach der Scheune auf. Plötzlich bekam Mikhaël Angst. Was sollte er tun? Würde die ganze Scheune abbrennen? Aufgeregt sah er sich um. Überall lag nur Heu. Es war kein Wasser da.

Glücklicherweise hatte man von draußen den Rauch gesehen. Einige Familienmitglieder eilten mit Wassereimern auf den Heuboden. Sie liefen zwischen dem Boden und dem Brunnen hin und her und kippten immer wieder Wasser aus, bis es ihnen gelang, das Feuer zu löschen.

Mikhaël schämte sich und war unglücklich. Als er das Feuer anzündete, hatte er nur einen Gedanken im Sinn gehabt: Den vergammelten Strohhaufen aus der Scheune zu entfernen. Schon wieder war er – ohne nachzudenken – seinem Impuls gefolgt. Er wollte das Stroh verbrennen, genauso wie die Landwirte das Gestrüpp in den Gräben verbrannten, die die Felder voneinander abgrenzten. Auch wenn er nichts Böses tun wollte, war er sich im Klaren darüber, dass seine Tat folgenschwer war.

Gequält von dem Gedanken, dass er die ganze Aufregung verursacht hatte, flüchtete er zu seiner Großmutter Astra, der Mutter seiner Mutter, die am anderen Ende des Dorfes wohnte. Als sie seine ängstliche Miene sah, sagte Astra zu ihm: »Aha, du hast wieder etwas angestellt!«

»Woher weißt du das, Großmutter?«, fragte Mikhaël ganz leise.

»Das sieht man! Aber das macht nichts, komm, du kannst dich hier verstecken.«

Sie hatte von ihrem Haus aus den Rauch aufsteigen gesehen und konnte nun erraten, was geschehen war. Bald darauf kam Dolia und fragte: »Wo ist Mikhaël?«

Dadurch, dass Astra dem kleinen Jungen erlaubt hatte, sich einige Minuten lang zu verstecken, gab sie ihm Zeit zum Nachdenken, damit er selbst herausfinden konnte, warum er so unvorsichtig war, und damit er auch den Entschluss fassen konnte, so etwas nie wieder zu tun. Astra kannte ihren Enkel ganz genau, sie wusste, dass er mit seinen fünf Jahren schon dazu fähig war, nachzudenken und vieles zu verstehen.

Als Dolia ankam und ihn wieder mit nach Hause nahm, akzeptierte er seine Strafe. Dieses Abenteuer hatte ihm gezeigt, dass Feuer gefährlich ist. Er wusste, dass er achtsamer werden musste! Schluss mit den Streichhölzern! Doch trotz allen Bedauerns, seiner Familie dieses ganze Unheil angetan zu haben, ließ seine Liebe für das Feuer nicht nach. Er fühlte bereits, dass dieses Naturelement in seinem Leben sehr bedeutsam sein würde. Später hat er gesagt: »Ich habe verstanden, dass andere Feuer entfacht werden müssen: In den Herzen, in den Seelen der Menschen…«

 

Die Weisen

Mikhaël liebte seine Großmutter Astra sehr. Sie verstand ihn sehr gut, sie war sehr zärtlich zu ihm und wenn er krank war, war sie diejenige, die ihn pflegte. Astra war keine gewöhnliche Großmutter, ihr Name bedeutete »Stern«. Sie war Hebamme und außerdem war sie eine der besten Heilerinnen der ganzen Umgebung. Sie hatte die Gabe, andere Menschen wieder gesund zu machen.

Die Leute kamen von weit her, um sich von ihr pflegen zu lassen. Ohne ihre eigenen Kräfte zu schonen, ging sie oft in weit entfernte Dörfer, um diejenigen zu heilen, die nicht mehr gehen konnten.

Mikhaël ging oft zu ihr, um sich Geschichten erzählen zu lassen. Wenn Astra nicht mit Kranken beschäftigt war, ließ sie sich in ihrem Sessel nieder, und der kleine Junge setzte sich zu ihren Füßen. Mit leuchtenden Augen hörte er ihr zu, wenn sie von edlen Rittern, schönen Prinzessinnen, Feen und Zauberern sprach. Indem Astra ihm die großen Kämpfe zwischen den weißen und den schwarzen Magiern schilderte, erklärte sie ihm, wie das Gute über das Böse triumphiert.

Mikhaël schlug sich immer auf die Seite der Ritter und der Weißmagier. Er wusste schon im Voraus, dass sie siegen würden, aber wenn sie von großen Gefahren bedroht wurden, empfand er doch starke Gefühle.

Abends in seinem Bett dachte er lange über das nach, was seine Großmutter ihm erzählt hatte. Er träumte davon, selbst auch ein wahrer, furchtloser Ritter, ein Ritter ohne Tadel zu werden. Bevor er einschlief, sah er sich auf einem weißen Pferd mit einer Fackel, mit der er den Menschen überall Licht brachte und ihnen half, aus ihren Schwierigkeiten herauszukommen.

 

»Ihr werdet sehen, was aus ihm werden wird«

Mikhaël hatte so viel Energie, dass er oft vergaß, wie ein wahrer Ritter zu handeln. Schon mit sechs Jahren versuchte er zu begreifen, wie die Dinge funktionierten. Sein Bedürfnis, alles kennenzulernen, veranlasste ihn zu Experimenten mit Knallkörpern oder mit Wasser, und dabei ging manchmal etwas schief: Es gab eine Überschwemmung, irgendetwas ging kaputt, irgendetwas explodierte…

Bei solchen Vorfällen kamen die Dorfbewohner und beklagten sich bei seiner Mutter. Dolia wusste, dass Mikhaëls Absichten gut waren und dass er nichts Schlimmes anstellen wollte. Aber wenn die Folgen seiner Spiele alle anderen störten, musste sie mit ihm schimpfen. Den Nachbarn gegenüber verteidigte sie ihn jedoch immer und bat sie um Geduld.

»Das geht uns auf die Nerven!«, sagte eine Frau aus dem Dorf.

»Sie kennen ihn nicht«, antwortete darauf Dolia. »Im Moment stört er Sie, aber warten Sie ab, dann werden Sie schon sehen, was aus ihm werden wird!«

Sie war davon überzeugt, dass er eines Tages sehr bedeutend und ein wahrer Diener Gottes sein würde. Obwohl sie auf seiner Seite war, blieb sie ihm gegenüber aber unnachgiebig und notfalls sogar sehr streng. Genau wie alle anderen Kinder musste auch Mikhaël lernen, vor seinem Handeln zu überlegen. Dolia erklärte ihm oft, dass er lernen müsse, seine Kräfte zu kontrollieren, damit er ein großartiger Mensch werden könne. Sie sagte ihm, wenn er das nicht täte, könne er jemand sehr Böses werden.

»Nun weißt du, was dich erwartet, du hast die Wahl!«, sagte Dolia zu ihm.

Sie zwang ihn niemals zu irgendetwas. Dazu war sie zu weise. Ihr Sohn musste lernen, seine eigene Wahl zu treffen, indem er beide Seiten eines Problems überprüfte.

Gewiss, Mikhaël wusste bereits, dass Gehorsamkeit zum Leben gehört, und dass jeder Mensch abwechselnd entweder gehorcht oder befiehlt. Ein Arbeiter gehorcht seinem Chef, aber er befiehlt dem neuen Lehrling. Der Chef befiehlt in seiner Fabrik, aber auf der Straße muss er den Verkehrsregeln gehorchen.

Dolia lehrte ihren Sohn, dass es sehr schlimm wäre, wenn keiner gehorchen würde, denn dann gäbe es überall in der Welt nur Unfälle und Katastrophen. Sie sagte ihm immer wieder: »Alles, was krumm ist, dauert nur bis morgen, aber alles, was gerade ist, dauert bis in alle Ewigkeit.« In ihrer bulgarischen Sprache hieß das:

Krivdina do pladnina
Pravdina do veknina.

Mit seinem Verlangen nach Edelmut – denn ein Ritter des Lichts ist doch edel – wusste Mikhaël ganz genau, dass er all das wählen musste, was gerade und gerecht ist. Wenn er eine Dummheit gemacht hatte und seine Mutter so mit ihm sprach, ergriff ihn die Reue.

Wenn er dann bei der Quelle oder in einem seiner Lieblings-Verstecke alleine war, weinte er manchmal. Dann fasste er gute Vorsätze und versprach, sich fortan einwandfrei zu benehmen.

 

 Das Leben des Heiligen Athanasius

Ein besonderes Ereignis half Mikhaël, seine Vorsätze zu beherzigen: Zu seinem sechsten Geburtstag bekam er einige Geschenke. Da er schon seit einiger Zeit lesen konnte, war das Geschenk, das ihn am meisten freute, ein kleines Buch über das Leben des heiligen Athanasius, des Heiligen, der an seinem Geburtstag verehrt wurde. Er setzte sich in eine Ecke und vertiefte sich in seine Lektüre.

Mit leidenschaftlichem Interesse entdeckte er das Leben dieses Heiligen, das mit Liebe zu Gott erfüllt war. Er fasste sofort den Entschluss, selbst auch ein großer Weiser zu werden, der im Stande sein würde, die Menschen zu den mystischen Welten des Lichts zu führen. Ein Weiser, das heißt ein Held, ein Vorbild, das die Menschen nachahmen könnten, jemand, der die besten Ratschläge geben kann.

Aber ein solcher Entschluss kann niemanden von heute auf morgen in das wunderbare Bild verwandeln, das er in seinem Kopf geformt hat. Trotz seines großen Verlangens nach Vollkommenheit, verhielt Mikhaël sich weiterhin wie alle anderen Kinder. Sein feuriges Temperament trieb ihn zu Taten, auf die er nicht immer stolz war. Dennoch vergaß er den Heiligen nicht, den er sehr bewunderte. Er versuchte weiterhin, ihm zu gleichen.

 

Mutter und Sohn

Mikhaël empfand eine tiefe Liebe für seine Mutter. Sie war für ihn ein Vorbild. Mit ihrer Güte und Großzügigkeit war sie stets bereit, den anderen zu helfen, bevor sie an sich selbst dachte. Mit ihrem Sinn für Humor fand sie immer das richtige Wort, das die Menschen zum Lachen brachte, wenn sie angespannt waren.

Aber eines Tages, als Mikhaël in die große Küche ging, sah er überrascht, dass seine Mutter weinte. Besorgt blieb er bei der Treppe stehen. Was hatte sie? Vielleicht war sie traurig, weil der Vater nicht da war. Das würde er verstehen, denn jede Rückkehr von Ivan bedeutete ein Fest für alle. Und die Zeit, bis sie ihm später nach Varna würden folgen können, erschien ihnen sehr lang.

Plötzlich ging die Tür auf, eine Nachbarin kam herein und fing an zu klagen. Mikhaël sah, dass seine Mutter sich schnell die Tränen aus den Augen wischte, bevor sie sich der Nachbarin lächelnd zuwandte. Dann hörte sie ihr mit größter Güte zu, ermutigte sie und gab ihr Ratschläge.

Das Kind ging leise aus dem Haus und setzte sich neben die Quelle. Es überlegte. Diese Szene war ihm eine Lektion wahrer Liebe. Die Bewunderung für seine Mutter wuchs noch mehr.

 

Die Geschichte der Schöpfung

Mikhaël lebte in einem Land mit vielen Bergen, Seen und schönen Flüssen. Der Sommer war heiß, aber im Winter war es manchmal sehr kalt.

Das Dorf Serbtzi war arm und die Schule war nur eine Holzbaracke mit einer gemeinsamen Klasse für die kleinen und großen Kinder. Mikhaël musste jeden Morgen, genau wie alle anderen Schüler, im Wald herumliegendes Holz für die Schule sammeln. Kein Schüler durfte diese Pflicht vergessen, denn wenn nicht genügend Holz da war, ging das Feuer im Ofen aus, und dann war es sehr kalt im Klassenzimmer.

Diese Verhältnisse waren für die Kinder ganz schön schwierig, aber auf diese Weise lernten sie, sich untereinander zu helfen. Sie merkten, dass jeder für das Wohlergehen aller anderen mitverantwortlich war. Mikhaël erfuhr also in der Schule und auch zuhause den Sinn von Brüderlichkeit, das heißt, die gegenseitige Hilfe, die unter Geschwistern und Freunden ganz natürlich sein sollte.

In seinem ersten Schuljahr erzählte der Lehrer, wie Gott die Welt erschuf und Mikhaël war begeistert. Die Geschichte war so interessant, dass er sich sehr anstrengte, alles zu behalten. Nach der Schulstunde bat er den Lehrer, ihm noch einmal zu wiederholen, was Gott am Montag, am Dienstag, am Mittwoch usw., bis zum Samstag, erschaffen hatte. Dank seines guten Gedächtnisses lernte er die Geschichte auswendig.

Während er langsam nach Hause ging, zählt er ganz leise die verschiedenen Tage der Schöpfung auf. Der Schnee fiel leise und die Schneeflocken tanzten um ihn herum, aber er hatte keine Lust mit seinen Kameraden zu spielen, er war zu sehr in diese schöne Geschichte vertieft, die er nicht vergessen wollte. Am Abend kündigte er beim Essen an: »Ich möchte euch gerne die Geschichte der Schöpfung erzählen!«

Nach dem Abendessen setzten sich alle Familienmitglieder ins Wohnzimmer, um ihm zuzuhören. Die Erwachsenen saßen auf Stühlen und die Kinder kauerten auf dem Fußboden. Mikhaël stand vor ihnen und erklärte ihnen, auf welche Weise Gott durch Sein Wort Wunderbares erschaffen hatte. Gott sprach und die Dinge sind erschienen: »Am ersten Tag hat Gott den Himmel und die Erde erschaffen.« Am zweiten Tag sprach Gott: »Es werde Licht! Und das Licht hat den Himmel und die Erde erleuchtet.«

Der kleine Junge sprach lebhaft und schilderte zahlreiche Einzelheiten. Er beschrieb, wie die Engel, die Sonne und die Sterne, die Erde und die Tiere, die Bäume und die Blumen erschaffen wurden, und schließlich Männer, Frauen und Kinder. Die ganze Familie hörte ihm staunend zu. Ein Lächeln zeigte sich auf ihren Gesichtern. Als er aufhörte, waren alle begeistert, dankten ihm und umarmten ihn.

Später dachte Mikhaël weiterhin über die Schöpfungsgeschichte nach. Seine Liebe zur Natur wurde immer größer. Er wurde sich mehr und mehr der Schönheit all dessen bewusst, was ihn umgab. Er stellte sich mithilfe der Vorstellungskraft immer wieder vor, wie das Licht erschien, das der ganzen Schöpfung das Leben gibt.

 

ISBN 978-3-89515-114-9
168 Seiten, 18,00 Euro

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Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 "Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule"

Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

Leseprobe zur diesjährigen Neuerscheinung des Gesamtwerkes Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

I

Für den »Tag der Sonne«

 Bei einem Vortrag von Omraam Mikhaël Aïvanhov trug jemand aus dem Publikum folgende Bitte vor: »Meister, meine Freunde und ich, wir sind erst seit ein paar Tagen hier bei Ihnen, und wir sind wirklich verblüfft, so viele neue Dinge zu hören, die für unser Leben so bedeutsam sind. Und da in diesem Jahr in Frankreich und in mehreren anderen Ländern der »Tag der Sonne« gefeiert wird, würden wir uns freuen, wenn sie über die Sonne, über das Licht und über deren Bedeutung für die körperliche und geistige Entfaltung des Menschen sprechen würden.«

Omraam Mikhael Aivanhov antwortete:
»Das Licht ist eines der wichtigsten Themen der spirituellen Wissenschaft und es gibt derart viel darüber zu sagen, dass ich mich frage, wie ich mit wenigen Worten darauf antworten kann.

Bevor ich über die Rolle des Lichtes spreche, muss über seinen Ursprung gesprochen werden. Der Ursprung des Lichts ist die Sonne. Aber was die Sonne genau ist, das weiß die Wissenschaft noch nicht wirklich. Sie stellt sie als eine Art Verbrennungsofen dar, in dessen Zentrum eine Temperatur von fünfzehn Millionen Grad herrscht; diese Temperatur, sowie ihre Strahlung werde durch die ununterbrochene Umwandlung von beträchtlichen Massen an Wasserstoff in Helium produziert. In Wirklichkeit wissen nur die großen Eingeweihten, welche die Möglichkeit haben, mit ihrem Astralkörper im Raum zu reisen und die so die Sonne sowie die anderen Planeten besucht haben, was diese wirklich sind. Ich habe schon viel über die Sonne gesprochen (ihr findet einige dieser Vorträge in den anderen Büchern, hauptsächlich in dem Band Pracht und Herrlichkeit von Tiphereth), und im Besonderen erklärt, dass diese Strahlen, welche die Wissenschaft als einen Photonenfluss beschreibt, für die Eingeweihten so etwas wie kleine, mit Nahrungsmitteln beladene Wagons sind, die nicht nur überallhin in den Raum Elemente transportieren, die für das Leben und das Wachstum von Pflanzen, Tieren und Menschen notwendig sind, sondern auch viel feinstofflichere Elemente, derer wir uns für unsere spirituelle Entwicklung bedienen können.

Zweifellos werdet ihr erstaunt sein zu erfahren, dass das von den Menschen schon immer sehr geschätzte Gold von den Sonnenstrahlen geformt wird. Genauso wie es auf der Erde Fabriken gibt, in denen alle möglichen Produkte und Gegenstände entstehen, so sind auch unter der Erde Fabriken am Werk, in denen Millionen von Wesenheiten wirken, und sie sind es, die das Gold herstellen, indem sie das Sonnenlicht verdichten. Ihr fragt: »Aber wie kann das Gold eine Verdichtung des Sonnenlichts sein?« Das ist sehr einfach, nehmen wir ein Beispiel: den Baum. Die Bäume – und unter ihnen ganz besonders solche wie Kiefern, Eichen und Nussbäume – scheinen aus einer äußerst dichten und harten Materie zu bestehen, da man Häuser, Schiffe und anderes daraus herstellen kann. Der Baum wächst aus der Erde empor und wird daher als ein Produkt der Erde betrachtet. Nun, das ist ein Irrtum. Der Baum ist aus dem Licht der Sonne entstanden. Nehmt einen Baum, den größten den es gibt, und verbrennt ihn: Es entweichen Flammen, eine große Menge an Flammen, eine geringere Menge an Gasen und noch weniger an Wasserdampf; und es bleibt am Boden nur ein kleines Häufchen Asche übrig; das ist der Anteil der Erde.

Der Baum besteht also aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, aber es ist das Feuer, die Strahlen der Sonne, die den größten Anteil in ihm ausmachen. Ein Baum besteht also nicht aus Erde, sondern aus verdichtetem Sonnenlicht.

Eines Tages lernte ich jemanden kennen, dessen Hauptbeschäftigung es war, Gold zu finden. Er hatte sich alle möglichen Bücher über Schätze besorgt sowie über magische Praktiken, um diese Schätze aufzuspüren. Eine Zeitlang ließ ich ihn gewähren, ohne etwas zu sagen (natürlich fand er nichts) und dann fragte ich ihn eines Tages: »Warum machen Sie dem Zimmermädchen schöne Augen und versuchen nicht, die Freundschaft der Schlossherrin zu gewinnen?« Er war entrüstet: »Aber ich bin verheiratet, ich mache niemandem schöne Augen.« – »Ich weiß wohl, dass Sie verheiratet und ein treuer Ehemann sind, aber ich sehe trotzdem, dass Sie versuchen das Zimmermädchen zu verführen.«

Er verstand nicht, und so erklärte ich ihm: » Nun, Sie suchen Gold. Aber das Gold ist das Zimmermädchen, und die Schlossherrin, die ist das Licht der Sonne, dessen Verdichtung im Inneren der Erde Gold hervorbrachte. Wenn die Schlossherrin also sieht, dass Sie ihrem Zimmermädchen nachstellen, anstatt zu versuchen, ihre Gunst, ihre Blicke, ihr Lächeln zu gewinnen, ist sie verärgert und verschließt Ihnen die Tür. Wenden Sie sich daher in Zukunft direkt an die Schlossherrin, an das Licht der Sonne, bemühen Sie sich, es zu lieben, es zu verstehen, seine Wohltaten anzuziehen, und früher oder später wird das Gold kommen. Wenn Sie der Freund des Königs sind, werden Sie von allen Bürgern geachtet. Wenn Sie aber nur die Freundschaft der Pförtnerin gewonnen haben, werden Sie bei der Pförtnerin bleiben, die anderen werden Sie nicht kennen.« Er war verblüfft: »Ich habe verstanden«, sagte er. Aber ich glaube ihm nicht, denn er hat weiterhin dem Zimmermädchen verliebte Blicke zugeworfen!

Gold ist also eine Verdichtung des Sonnenlichtes. Und auch der Mensch, so wie der Baum, besteht zum größten Teil aus Sonnenlicht. Je mehr Gold er also in seinem Blut hat, desto besser ist seine Gesundheit.

Dieses Bild vom Baum kann uns auch helfen, bestimmte Worte von Jesus in den Evangelien zu verstehen. Als die Pharisäer, die ihn bloßstellen wollten, indem sie ihn drängten, gegen Cäsar zu sprechen, ihm die Frage stellten: »Muss man Cäsar den Zehnten zahlen?«, antwortete Jesus: »Gebt mir eine Münze.« Man gab ihm eine. »Wen stellt dieses Bild dar?« – »Cäsar!« Daraufhin sagte Jesus: »Gebt dem Cäsar was des Cäsars ist und gebt Gott, was Gottes ist« (Mt 22,21). Das ist ein sehr bekannter Satz und man zitiert ihn sogar sehr oft, aber es wurde noch nie erklärt, wie viel man dem Cäsar geben sollte und wie viel dem Herrn. Wer ist Cäsar? Das ist der physische Körper, das ist der Bauch, das sind die Sexualorgane, die alle nur ständig fordern, und gerade ihnen gibt man alles. Aber der Mensch hat auch dem Herrn etwas zu geben, seinem höheren Selbst. Und wie viel? Wir haben gerade gesehen, dass, wenn ein Baum verbrennt, auf dem Boden nur etwas Asche übrigbleibt, Flammen, Gase und Wasserdampf hingegen entweichen nach oben. Nun, das ist die Antwort, die uns von der Natur gegeben wird: Ein Viertel sollte man dem Cäsar geben und drei Viertel dem Herrn.

Das Licht besitzt unglaubliche Kräfte, die sehr alte Zivilisationen wie die von Atlantis bereits kannten. Man weiß, dass sie mit Hilfe von riesigen Kristallen das Sonnenlicht einfingen und konzentrierten, mit dessen Hilfe sie alle Arten von Apparaten und Maschinen betrieben. In der heutigen Zeit hat die Wissenschaft den Laser entwickelt, mit dessen Hilfe starke Lichtbündel erzeugt und im technischen Bereich wunderbare Dinge umgesetzt werden, aber sie kennt noch nicht alle Möglichkeiten des Lichtes.

Nehmen wir jetzt folgende Passage aus den Evangelien, wo Jesus sagt: »Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Würmer noch Rost fressen, und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen« (Mt 6,20).Diebe Seit zweitausend Jahren wurde dieses Gleichnis noch nie korrekt interpretiert, weil man nicht verstand, dass Diebe, Würmer und Rost die Gefahren darstellen, die den Menschen in seinen drei grundlegenden Fähigkeiten bedrohen: dem Intellekt, dem Herzen und dem Willen.

Untersuchen wir also, was mit Rost, Würmern und Dieben gemeint ist. Der Rost ist vor allem dafür bekannt, Metalle anzugreifen, auf denen er sich niederlässt. Alle metallischen Gegenstände, die oft bei der Arbeit benutzt werden, glänzen, während die wenig benützten rosten. Und in der Umgangssprache sagt man zum Beispiel von einem Virtuosen, seine Finger seien eingerostet, weil er lange nicht mehr geübt hat. In welchem Bereich auch immer, all diejenigen, denen der Wille fehlt und die darauf aus sind, ohne Anstrengungen auszukommen, sind dabei einzurosten.

Würmer sind Tierchen, welche die Pflanzen angreifen. Sie tauchen auf und vermehren sich bei Feuchtigkeit, Trockenheit jedoch tötet sie. Da das Tierreich der Astral-Ebene entspricht, dem Bereich des Herzens, sind die Würmer also die unreinen Gefühle wie Hass, Eifersucht, Egoismus, Geringschätzung, Vergeltungssucht, die am Herzen des Menschen nagen und es daran hindern, köstliche Früchte hervorzubringen. Nur die Wärme der göttlichen Liebe kann diese Würmer im Herzen des Menschen töten.

Und was die Diebe angeht, die davon profitieren, dass man sie nicht sieht – also von der Dunkelheit –, um ihre Verbrechen zu begehen, sie sind das Symbol für die Gefahren, die den Verstand bedrohen, sobald er das Licht verloren hat. In dem Moment, wo der Mensch sein Licht verloren hat, schleichen sich die Diebe in Form von seltsamen Vorstellungen, Zweifeln und Verunsicherungen in ihn ein und lassen ihn verkümmern, schwach werden, ja, können ihn sogar bis in den Wahnsinn treiben. Wie viele Leute sind in psychiatrischen Kliniken, weil sie das Licht in ihrem Kopf gelöscht haben! Aufgrund der Dunkelheit kommen dann die Diebe. Wollt ihr euch also vor Dieben schützen, dann zündet das Licht an. Es ist übrigens gut, wenn man das Licht in den Schaufenstern der Geschäfte während der Nacht brennen lässt, weil Licht schützt.

Ich hatte eines Tages die Gelegenheit, mich mit Polizeiinspektoren zu unterhalten und habe ihnen erklärt: »Sie glauben, die Kriminalität bekämpfen zu können, indem Sie die Zahl der Polizisten erhöhen, indem Sie Ihre Überwachungs- und Fahndungsmethoden verbessern? Nun, da täuschen Sie sich, denn die äußeren Mittel sind in diesem Bereich nicht wirkungsvoll genug. Das einzig wirksame Mittel ist das Licht.« Sie sahen mich erstaunt an: »Das Licht? Und wie? – Nun, denken Sie nach, die Verbrecher können es sich nur erlauben, die Gesetze zu übertreten und in aller Ruhe ihre Diebstähle, Banküberfälle, Entführungen und Morde zu planen, weil sie wissen, dass in den meisten Fällen die Leute nichts von ihren Plänen ahnen, dass sie keine Intuition besitzen, die sie warnen könnte, damit sie Vorsichtsmaßnahmen treffen. Aber stellen Sie sich vor, die Leute besäßen ein inneres Licht, ein Gespür, das ihnen ermöglichte, das, was jemand gegen sie im Schilde führt, schon im Vorhinein und aus der Ferne aufzuspüren; sie würden Vorsichtsmaßnahmen treffen und der Übeltäter hätte keinen Erfolg. Das einzige Mittel, die Kriminalität zu beseitigen, ist daher das Licht. Und darum sollte man den Menschen beibringen, ihr inneres Licht zu entwickeln. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es ist das einzig sichere Mittel.« Diese Inspektoren sahen mich natürlich verblüfft an. An so etwas hatten sie noch nie gedacht!

Solange die Menschen das Einzige, was ihnen ermöglicht, zu sehen und vorherzusehen, das Licht, nicht in sich entwickelt haben, werden sie immer irgendwann von Leuten unvorbereitet erwischt, die ständig mit der Vorbereitung irgendwelcher Verbrechen beschäftigt sind. Selbst die am meisten perfektionierten technischen Hilfsmittel können keinen ausreichenden Schutz gegen Diebe sicherstellen, weil auch sie sich dieser Hilfsmittel bedienen. Nehmt nur all diese Bankeinbrüche! Trotz der gepanzerten Tresore, der elektronischen Alarmsysteme usw. gelangen die Einbrecher an ihr Ziel, da sie andere Mittel besitzen, um sie zu umgehen. Es wird erst dann gelingen, die Kriminalität zu beseitigen, wenn man sich dazu entschließt, das Licht zu benutzen.

Aber das Licht ist nicht nur der beste Schutz gegen Diebe, es ist auch der beste Schutz gegen Krankheit. Es widersetzt sich dem Eindringen aller schädlichen Elemente – der physischen ebenso wie der psychischen –, die sich in den Menschen einschleichen können, um ihn anzunagen und zu zersetzen. Der Mensch wird erst dann wahrhaft gesund sein, wenn er in der Lage sein wird, sich eine reine und machtvolle Aura zu bilden, mit allen Farben des Spektrums. Das ist die wahre Medizin. Dort, wo man sie sucht, ist gar keine Medizin. Die Menschen übertreten die Gesetze der Natur und stellen alle möglichen Verrücktheiten an, die sie zerstören, und dann wollen sie, dass alles für sie gut läuft! Doch genau das Gegenteil geschieht und trotz der neuesten medizinischen Entdeckungen tauchen immer mehr neue Krankheiten auf. Das einzige Heilmittel besteht darin, das Licht in sein Denken, sein Fühlen und sein Handeln einzuführen.

Kehren wir jetzt zur Sonne zurück. Ich stelle die Frage: »Ihr, die Wissenschaftler, die Gelehrten, die alles wissen, sagt mir, wer der erste Mensch war, der die Wissenschaft gebracht hat?« Sie suchen und finden ihn nicht und übrigens gab es ihn auch nicht, denn der Initiator der Wissenschaft ist die Sonne. Man wird mir erklären, das sei nicht möglich, die Sonne sei nicht intelligent, sie habe weder ein Gehirn zum Denken noch einen Mund zum Sprechen. Natürlich, es sind nur die Unwissenden, die angeblich intelligent sind, und diejenige, dank derer das Leben auf der Erde erst möglich ist, die ist nicht intelligent!…

Und es ist eben gerade die Sonne die Erste, die die Wissenschaft gebracht hat. Das ist sehr einfach zu verstehen. Wenn die Sonne ihr Licht sendet, beginnen die Menschen die Gegenstände, die Formen, die Umrisse, die Farben, die Entfernungen zu sehen. Und dank diesem Licht, das ihnen das Sehen ermöglicht, können sie sich orientieren, beobachten, vergleichen, berechnen. Ohne das Licht ist keine Wissenschaft möglich. Was könnt ihr in der Dunkelheit erkennen? Nichts.

Und wenn ich jetzt frage, wer die Religion gebracht hat, werden einige, die sich für große Philosophen halten, mir antworten, es sei die Angst, die Angst der Menschen angesichts der Kräfte der Natur… Nein, all das ist nur dummes Zeug, die Sonne hat die Religion geschaffen. Indem sie den Menschen ihre Wärme gibt, hat sie in ihnen das Bedürfnis geweckt, das Herz zu weiten, zu lieben, zu verehren. In der Kälte kann es keine Liebe geben. Aber erwärmt jemanden und er wird sich entfalten, sich wohl fühlen und er fängt an zu lieben. Und so ist die Religion erschienen – durch die Wärme, durch die Liebe. Es ist vielleicht am Anfang nur die Liebe zu einem Mann oder einer Frau oder auch zu einem Tier, einem Hund, einer Katze, einem Kanarienvogel, aber wie auch immer, es ist ein Anfang… Bis es schließlich zur Liebe und Verehrung für den Schöpfer des Universums, für den Herrn wird.

Im Augenblick ist die am weitesten verbreitete Religion die des Geldes. Und selbst diejenigen, die vorgeben, überhaupt keine Religion auszuüben, huldigen in Wirklichkeit dem Kult des Geldes: Sie errichten ihm Altäre und knien jeden Tag vor ihm nieder und beten zu ihm, rufen es an und meditieren über seine immensen Vorteile… der Gott, der in ihren Köpfen ist, in ihren Herzen, das ist der Gott des Geldes. Und übrigens kann man daran sehen, dass die Menschen instinktiv die Sonne in der Form von Gold anbeten.

Sehen wir uns jetzt an, wer der Initiator der Kunst war… Das ist auch die Sonne, weil sie das Leben bringt. Wenn man das Leben in sich hat, entsteht das Bedürfnis sich zu bewegen, zu handeln, sich auszudrücken, und das führt zum Tanz, zum Gesang, zur Malerei, zur Bildhauerei. Die Kunst beginnt mit dem Leben. Seht euch nur die Kinder an: Sie sind in Bewegung, sie schreien, sie kritzeln… Ihr Geschrei ist der Beginn der Musik; ihr Kritzeln ist der Beginn der Malerei; ihre kleinen Sandkuchen sind der Beginn der Bildhauerei; ihre kleinen Häuschen sind der Beginn der Architektur; und all ihre kleinen Bewegungen sind der Beginn des Tanzes. Ja, die Kunst beginnt mit dem Leben und das Leben kommt von der Sonne.

Die Sonne, die Licht, Wärme und Leben bringt, ist also der Initiator von Wissenschaft, von Religion und Kunst, aber sie wird als Letztes von den Menschen geliebt und geachtet. Und darum werde ich den Wissenschaftlern jetzt empfehlen: »Lasst alles, was ihr in euren Laboratorien untersucht beiseite und befasst euch mit der Sonne. Die Sonne vereint alles: Gesundheit, Reichtum und das Glück der Menschheit.«

Ihr wendet ein, dass manche Astronomen und Physiker die Sonne erforschen… Ja, ich weiß, ich bin auf dem Laufenden über die Forschungen der Wissenschaftler in allen Ländern, vor allem in Amerika und Russland. Sie trachten vor allem danach, wirksame Mittel zu finden für die Sicherheit und die Verteidigung ihres Landes, und all diese Entdeckungen sind zerstörerisch. Manche benutzen sogar Ratten; sie erforschen, wie man Ratten einsetzen kann, um Atomzentralen oder U-Boote zu zerstören, indem sie die Metallkabel und Gummiteile durchnagen. Denn Ratten sind in dieser Hinsicht sehr effektiv. Übrigens haben sie während des zweiten Weltkrieges vermutlich dazu beigetragen, dass die Deutschen vor Stalingrad besiegt wurden, indem sie die Antriebsriemen und die Kabel der Kampfpanzer zernagten, welche die Deutschen einige Zeit vorher dorthin gebracht und unter Stroh verborgen hatten!

Ich sage deshalb, dass die Wissenschaft sich nicht mit der Sonne befasst, weil sie noch nicht wirklich erforscht hat, was das Sonnenlicht ist, wie der Mensch mit ihm arbeiten, es in sich hineinfließen lassen kann, um sich zu reinigen, zu läutern und sich zu stärken. Denn die Sonnenstrahlen, welche bis in die Tiefen der Ozeane vordringen können (was es bestimmten Fischen, die besonders dafür ausgestattet sind, sie aufzufangen, ermöglicht, Licht auszusenden), können auch, wenn sie in den Menschen eindringen, der sie aufzunehmen weiß, Zentren in Bewegung setzen und Lampen entzünden, die in ihm verborgen liegen. Für mich sind die Sonnenstrahlen, wie ich schon sagte, kleine Wägelchen, gefüllt mit Proviant, das heißt mit Elementen und Energien, aus denen der Mensch nach Belieben für seine physische und psychische Entfaltung schöpfen kann. Alles, was der Mensch braucht, ist im Licht der Sonne enthalten.

Wenn ich frage, wie viele Tage ein Mensch ohne Essen auskommt, wird man mir antworten: »Dreißig, vierzig, fünfzig Tage…«, und wie lange ohne Trinken: »Zehn Tage, fünfzehn Tage…«, und wie lange ohne zu atmen: »Nur einige Minuten.« Also ist es offensichtlich, dass das feste Element (das der Erde entspricht) für den Menschen weniger bedeutsam ist, als das flüssige Element (das dem Wasser entspricht), und das flüssige Element ist weniger bedeutsam als das Luftelement. Und wenn ich jetzt frage, wie lange ein Mensch ohne Feuer auskommt, wird man mir antworten: »Aber jahrelang! Es gibt Leute, die jahrelang ohne Heizung ausgekommen sind oder sogar niemals eine hatten!« In Wirklichkeit handelt es sich nicht um dieses Feuer, sondern um das Feuer im Menschen, und da stirbt der Mensch sogar in derselben Sekunde, in der dieses Feuer erlischt. Ja, in der Sekunde, in der sein Herz seine Wärme verliert, verliert der Mensch sein Leben. Also ist das Feuer das bedeutsamste Element im Menschen; und darum muss er lernen, sich von ihm zu nähren.

Das ist etwas Neues. Die Menschen sind es gewohnt, sich nur von festen, flüssigen oder gasförmigen Elementen zu ernähren. Aber was machen sie mit dem vierten Element, dem Feuer, dem Licht? Nicht viel, nichts; sie verstehen es nicht, sich von Licht zu ernähren, das dennoch notwendiger ist als die Luft. Und darum zeigen all diejenigen, die uns kritisieren und uns belächeln, weil wir am Morgen zum Sonnenaufgang gehen, nur, dass sie Unwissende sind. Wir wohnen dem Sonnenaufgang bei, um uns von Licht zu nähren, und anstatt sich über uns lustig zu machen, sollten sie es uns gleichtun. Der Mensch muss sich mit Licht nähren, um sein Gehirn zu ernähren. Auch das Gehirn muss essen, und das Licht ist seine Nahrung: Dieses erweckt in ihm die Fähigkeiten, die den Zugang zur ätherischen Ebene ermöglichen. Solange sich der Mensch damit zufriedengibt, sein Gehirn mit festen, flüssigen und gasförmigen Elementen zu ernähren, welches nicht die Elemente sind, derer er am meisten bedarf, wird er in seinem Begriffsvermögen sehr begrenzt bleiben.

Ihr behauptet, dass ihr den gesamten Körper, einschließlich des Gehirns ernährt, indem ihr esst, trinkt und atmet. Das ist richtig, aber wenn ihr das Gehirn auch noch mit diesem subtilen Element, dem Licht, ernährt, werden andere Ergebnisse erzielt werden. Die Überlieferung berichtet, dass Zarathustra eines Tages den Gott Ahura Mazda fragte, wie sich der erste Mensch ernährte, und Ahura Mazda erwiderte ihm: »Er aß Feuer und trank Licht.« Denn Licht und Feuer sind zwei unterschiedliche Realitäten. Es ist das Feuer, welches das Licht hervorgebracht hat, und das Licht ist kalt, das Feuer hingegen heiß. Das Feuer ist das männliche Prinzip und das Licht ist das weibliche Prinzip.

Bei all seinen Aktionen sollte dem Menschen immer die Vorstellung vom Licht gegenwärtig sein als das beste Mittel für Erfolg, aber auch als Ziel, das es zu erreichen gilt. Ich verdeutliche das mit einem Bild. Um Feuer zu machen, nahmen die Naturvölker zum Beispiel zwei Stücke Holz, die sie aneinander rieben. Diese Bewegung brachte zunächst Wärme hervor und schließlich Feuer, Licht. Als Endziel jeder Handlung, jeder Bewegung muss das Licht stehen. Und das gilt besonders für die Liebenden. Sie wissen, welche Bewegung Wärme hervorbringen wird, aber sie wissen nicht, wie man Licht hervorbringt. Das ist offensichtlich: Sie sind weder erhellt noch erleuchtet. Sie wissen übrigens nicht einmal, dass sie dank ihrer Liebe bis zur Erleuchtung gelangen können. Aber es würde zu lange dauern, euch all das heute zu erklären.

Der Einweihungswissenschaft zufolge wurde jedes Hauptorgan unseres Körpers unter Beteiligung der Sonne oder eines Planeten gebildet, und die Augen wurden mithilfe der Sonne und des Mondes gebildet. Übrigens gleichen die Augen der Sonne. Man kann deshalb sehen, weil die Lichtstrahlen, die auf die Gegenstände fallen, diese sichtbar machen. Ohne das Licht sieht man nichts, was beweist, dass für uns nur deswegen eine unsichtbare Welt besteht, weil wir nicht fähig sind, Strahlen auf die Gegenstände und Wesenheiten zu projizieren, die diese bevölkern. Und die Eingeweihten hingegen sind deshalb fähig, derart viele Dinge zu sehen, welche die anderen nicht sehen, weil sie wissen, wie sie diese Strahlen aussenden können.

Das sind unbekannte Wahrheiten, und wer möchte sich übrigens schon darum kümmern, die Menschen zu lehren, wie sie Lichtstrahlen über ihr Herz, über ihren Intellekt, über ihre Seele und ihren Geist aussenden können? Es ist so viel interessanter ihnen beizubringen, wie sie sich in der Materie durchschlagen, Geld verdienen und sich eine Stellung erobern sollen! Aber sie schlagen sich vergeblich Tag und Nacht durch, sie werden dennoch immer unglücklicher und kränker. Darum müssen sie sich dazu entschließen, am Licht und mit dem Licht zu arbeiten und endlich lernen, wie man dieses Licht ausstrahlt, das allein es uns möglich macht zu sehen. Und außerdem, wie kommt es, dass nichts auf der Welt, selbst das Kostbarste wie Gold oder Edelsteine, in der Lage ist, die Finsternis zu vertreiben? Wie kommt es, dass der Schöpfer dem Licht allein diese unglaubliche Macht gegeben hat? Wenn ihr die Symbolsprache kennt, werdet ihr begreifen, dass Finsternis nichts anderes bedeutet, als Leiden, Schwächen, Krankheiten, und dass daher allein das Licht sie wirksam bekämpfen kann. Es ist zwecklos, woanders nach Heilmitteln für eure Schwierigkeiten suchen zu wollen. Sicher, auf der physischen Ebene wissen alle, dass sie Lampen anzünden müssen, um in die Erde, in Grotten oder Höhlen zu gelangen. Wenn es aber um das innere Leben geht, denken sie nicht daran, das Licht zu benutzen.

Nur wenn man lernt, das Licht besser zu verstehen, wird es gelingen, bestimmte Worte Jesu aufzuklären. Wenn Jesus sagt: »Ich bin das Licht der Welt«, was bedeutet das? Ist es Jesus oder Christus, der das Licht der Welt ist? Wie kommt es, dass die Christen noch nie verstanden haben, dass Christus und Jesus zwei verschiedene Wesenheiten waren, die zusammen wirkten, das heißt, dass Christus durch Jesus wirkte? Und Jesus ist nicht der einzige Fall. Wenn Gott wirklich Liebe ist, wie es in den Heiligen Büchern heißt, wie kann es dann sein, dass Er sich seit Millionen von Jahren, in denen die Menschheit schon existiert, nur ein einziges Mal entschlossen hätte – vor zweitausend Jahren –, der Welt zu helfen, indem Er seinen einzigen Sohn sandte? Der Kirche zufolge ist vor Jesus niemand gekommen und nach ihm auch nicht! Die Wahrheit ist, dass Gott Seine Söhne immer auf die Erde gesandt hat – weil sie zahlreich sind –, um den Menschen zu helfen, aber wenn die Menschen Sturköpfe sind und die Hilfe, die ihnen gebracht wird, nicht akzeptieren, ist das nicht die Schuld des Herrn. Genau so, wie bei den Buddhisten derjenige, der die Vollkommenheit erlangt, zum Buddha wird, so kann auch jeder beliebige Christ, der nach den göttlichen Gesetzen lebt, zum Christus werden. Denn Christus ist nicht ein Mensch, sondern ein göttliches Prinzip, mit dem sich jeder, wenn er dafür bereit ist, identifizieren kann.

Der Mensch wird von zwei Naturen bewohnt: Der niederen Natur, die wir Personalität genannt haben, und der höheren, der göttlichen Natur, die wir Individualität genannt haben. Je nach seinen Bestrebungen und seinen Aktivitäten räumt der Mensch der einen oder der anderen Natur Vorrang ein. Im Garten Gethsemane, angesichts des herannahenden Todes, als Jesus diese schreckliche Angst verspürte, die ihm die Blutstropfen auf die Stirn trieb, bat er seinen Vater, ihm diese Qual zu ersparen. Wäre er Gott gewesen, hätte er sich in seinen Gebeten an sich selbst gewandt für seine Rettung? Das wäre unsinnig. Tatsächlich war es der Mensch Jesus, der sprach, es war seine niedere Natur, die darum bat, verschont zu bleiben. Und am Kreuz, als er ausrief: »Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?« (Mt 27,46), war das ebenfalls seine Personalität, die sich beklagte. Denn die Individualität hat niemals Angst. Jesu Individualität, das war der Christus, und es ist Christus, nicht Jesus, der universell ist, der das Licht der Welt ist.

Wenn Jesus der einzige Sohn Gottes war, wie kommt man dann darauf, dass Gott der Vater aller Menschen ist? Buddhisten, Moslems, Juden und so weiter, die Jesus nicht anerkennen, sind sehr viel zahlreicher als Christen. Wäre Gott also allein der Vater der Christen, wäre Er zu parteiisch. Als Jesus also sagte: »Ich bin das Licht der Welt« (Joh 8,12), da sprach Christus durch ihn, der Christus, der die Welt durch die Sonne erhellt. Und eben weil die Sonne die ganze Welt erhellt, ist sie das Abbild des Christus.

Dank der Sonne kann man noch weitere Worte Jesu interpretieren. Wenn er zum Beispiel sagt: »Mein Vater wirkt und ich wirke auch« (Joh 5,17). Denn beständig wirkt die Sonne auf die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen ein, ebenso wie auf alle unsichtbaren Geschöpfe, die unzählig im Universum vorhanden sind.

Aber gehen wir weiter. Im Laufe des heiligen Abendmahles nahm Jesus Brot und Wein und sagte: »Esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut… Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben« (Mt 26,26-27), und man hat diese Worte so interpretiert, als würden Brot und Wein den eigenen Leib und das eigene Blut Jesu darstellen. Nein, in Wirklichkeit war es in diesem Moment Christus, der durch Jesus sprach, denn Brot und Wein sind nicht Leib und Blut Jesu, sondern der Leib und das Blut von Christus, und ihr werdet gleich verstehen, was das bedeutet.

Brot und Wein sind zwei höchst bedeutungsvolle Symbole, die schon lange vor Jesus bekannt waren. Wenn man die Bibel liest, sieht man, dass es Melchisedek ist, der als Erster die Kommunion eingeführt hat, indem er Abraham Brot und Wein brachte. Melchisedek war der König der Gerechtigkeit (im Hebräischen bedeutet Melek König, und Tsedek Gerechtigkeit); er wohnte im Königreich Salem (welches den gleichen Ursprung hat wie das Wort Shalom, Friede), und darum nennt man Melchisedek auch den König der Gerechtigkeit und des Friedens. Er brachte Abraham Brot und Wein, um ihn zu belohnen für seinen Sieg über die sieben schrecklichen Könige von Edom, welche die sieben Todsünden darstellen. Denn man darf nicht glauben, Melchisedek, der größte aller Eingeweihten, wäre gekommen, um Abraham für einen Sieg in einer Schlacht gegen einige hundert oder tausend Feinde zu belohnen. Abraham wohnte in Ur in Chaldea (Ur bedeutet Licht), wo er als Magier wirkte und die Geister anrief. Und um seine Einweihung zu vollenden, folgte er dem Rat der Geistwesen, die ihm dienten, und ging nach Ägypten.

Melchisedek brachte also Abraham Brot und Wein, und man könnte meinen, das sei keine allzu große Belohnung, außer man versteht deren symbolische Bedeutung. Tatsächlich repräsentieren Brot und Wein die gesamte Einweihungswissenschaft, die auf den beiden kosmischen Prinzipien gründet: Dem männlichen Prinzip, symbolisiert durch das Brot, und dem weiblichen Prinzip, symbolisiert durch den Wein, die in allen Bereichen des Universums wirken. Brot und Wein sind zwei Sonnensymbole. Es handelt sich daher weder um physisches Brot noch um physischen Wein, sondern um zwei Eigenschaften der Sonne: Ihre Wärme und ihr Licht, die Leben hervorbringen. Und ihre Wärme ist die Liebe und ihr Licht ist die Weisheit. Jesus wollte also sagen: »Wenn ihr meinen Leib esst – die Weisheit – und mein Blut trinkt – die Liebe –, werdet ihr das ewige Leben haben« (Joh 6,54).

Seit zweitausend Jahren haben die Christen Wagenladungen voll Hostien geschluckt und fässerweise Wein getrunken, ohne jemals das ewige Leben zu erlangen und leider auch ohne jegliche Verbesserung in ihrem Inneren. Sie bleiben die Gleichen, boshaft, eifersüchtig, grausam, schwach, unsicher… Und die Katholiken, die übrigens nur auf eine Art die Kommunion vollziehen, mit dem Brot, entstellen dieses große Mysterium der beiden Prinzipien. Das einzige Mittel, das ewige Leben zu erlangen, ist, Licht und Wärme des Christus, des Sonnengeistes, zu trinken.

Um alles mögliche andere zu erlernen, weiß man, wie und wo man das macht: Um schmieden zu lernen, geht man zu einem Schmied, um malen zu lernen, geht man zu einem Maler. Aber um das ewige Leben zu lernen, liest man Bücher und wendet sich an kranke oder bereits seit Jahrhunderten tote Leute! Warum nicht einsehen, dass uns einzig die Sonne das ewige Leben lehren kann, nur die Sonne, da sie ja nicht stirbt? Warum die Armen befragen, wie man reich wird, die Kahlköpfigen, wie man sich wieder Haare wachsen lässt und die Schwachen, wie man stark wird? Die meisten Leute werden zu Misstrauen gegenüber den am weitesten entwickelten Menschen erzogen, sie erscheinen ihnen nicht normal. Sie werden ihr Vertrauen in Betrüger setzen, die sie tüchtig ausnehmen werden, aber selbstlosen Menschen misstrauen sie, weil es ihnen nicht normal erscheint, selbstlos zu sein! Wer selbstlos erscheint, der verbirgt zweifelsohne etwas Verdächtiges. Arme Menschen! Sie werden sich immer täuschen und bestehlen lassen, weil ihnen jegliche Kriterien fehlen.

Brot und Wein, Weizen und Trauben sind Symbole der beiden Prinzipien Männlich und Weiblich. Wenn man sie sich übrigens genau ansieht, stellt man fest, dass die Kerne der Trauben einem kleinen Phallus gleichen, die Weizenkörner hingegen haben dasselbe Muster wie die Geschlechtsorgane der Frau. Der Weizen ist weiß und die Trauben sind rot, und kein Kind kann geboren werden, wenn der Mann nicht die weiße Farbe gibt, und die Frau die rote Farbe, das Blut, mit dem sie das Kind nährt. Bei den Bulgaren gibt es eine sehr alte Tradition: Zu Frühlingsanfang, wenn die Natur wieder zu neuem Leben erwacht, tragen alle zwei kleine Pompons, einen weißen und einen roten. Sie wissen vielleicht nicht einmal, woher diese Tradition stammt, aber sie respektieren sie.

Wenn ich allein das Thema Kommunion vertiefen wollte, wie sie auf eine wahrhaft spirituelle und göttliche Weise zu praktizieren ist, bräuchte ich viel Zeit. Die Menschen haben alles materiell und grob werden lassen, dabei sind diese Symbole voller Tiefe und Weisheit, aber unter der Bedingung, dass man sie oben und nicht unten zu verstehen sucht.

Ein Priester soll Brot und Wein segnen, um das göttliche Leben in sie herabsteigen zu lassen. Schön wär’s, denn ich glaube mehr als irgendjemand sonst an die Kraft der Segnung, an die Macht des magischen Wortes, bin aber trotzdem verpflichtet zu sagen, dass, bevor der Priester sie segnet, Gott sie bereits gesegnet hat, da sie ja das Leben enthalten. Es sind nicht die Menschen, die das Leben geben können, sie sind nur Übermittler, durch die es hindurchfließen kann. Wenn die Menschen fähig wären, das Leben zu geben, könnten sie nach Belieben darüber verfügen, was unglücklicherweise (oder glücklicherweise) nicht der Fall ist. Das Leben kommt woanders her, von weiter oben. Wenn die Segnung des Priesters derart wirksam wäre, könnte er genauso gut Sägespäne, Glas- oder Eisenstücke segnen, um sie zu verteilen. Also muss auch da noch mehr Licht hineingebracht werden. Es ist ein guter Brauch, die Nahrung zu segnen, aber man darf nicht glauben, dass das alles ist. Der Erste, der sie segnete, ist Gott, da Er ja schon das Leben in sie hat einfließen lassen, durch die Sonne als Vermittler.

Es ist also die Sonne, die Licht, Wärme und Leben bringt, und das kann uns helfen, einen der unklarsten Punkte in der christlichen Religion zu verstehen, das Mysterium der heiligen Dreieinigkeit. Da ihr anscheinend noch die Geduld habt zuzuhören, werde ich fortfahren. […]

 

ISBN 978-3-89515-111-8
576 Seiten, 27,00 Euro

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Hörbücher

Hörbücher

“Hörbücher sind nur was für Lesefaule” – Wer das denkt, kennt die beiden Hörbücher von Omraam Mikhael Aivanhov noch nicht. Gesprochen von zwei erfrischenden und klaren Stimmen, sind sie eine verblüffend wirksame und entspannende Methode, sich mit den Werken Aivanhovs zu beschäftigen.

 

Broschüre 302 “Die Meditation” wurde im Jahre 2006 für Sie gelesen und vertont. Die Stimme der Sprecherin zeichnet sich durch einen leichten und wunderschönen österreichischen Akzent aus. Sie liest fließend und mit genau der richtigen Betonung an wichtigen Stellen der Broschüre.

 

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Die insgesamte Spielzeit des Hörbuches “Die Meditiation” beträgt 53 Minuten und 41 Sekunden, aufgeteilt in neun Kapitel. Die ersten drei davon – knapp 15 Minuten – gibt es für Sie zum Probehören an dieser Stelle. Lehnen Sie sich zurück und geniesen Sie dieses Hörerlebnis.

 


 

 

Broschüre 309 “Die Aura” ist die zweite Ausgabe eines Titels aus der Reihe Broschüre, der als Hörbuch erschienen ist. Auch dieses Stück wird von einer Österreicherin gesprochen. Ihre Stimme ist klar mit einer professionellen Betonung.

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Auf dieser CD befinden sich 11 Kapitel mit einer Gesamtspielzeit von 54 Minuten und 5 Sekunden. Auch hier stellen wir die ersten drei Kapitel als Hörprobe zu Ihrer Verfügung und wünschen Ihnen viel Freude damit.

 

Reihe „Gedanken für den Tag“

Reihe "Gedanken für den Tag"

Reihe „Gedanken für den Tag“

Das Taschenbuch »Gedanken für den Tag« enthält für jeden Tag des Jahres ein Zitat von Omraam Mikhaël Aïvanhov als geistige Anregung und Begleiter für den Alltag. Es ist eine gute Meditationshilfe und auch als Geschenk bestens geeignet. Das Buch erscheint jährlich mit neuen Texten und ist einer unserer Bestseller.

 

 

Alle Ausgaben erscheinen mit 400 Seiten Umfang. Die hinteren Seiten enthalten einen ausführlichen Index, der eine gezielte Suche nach Stichwörtern zulässt. Eine schematische Grafik des Lebensbaums erklärt die hierarchischen Regionen, auf die sich die Lehre Omraam Mikhael Aivanhovs gründet.

Jedes Exemplar wiegt ca. 240 Gramm und hat die Maße 16 cm x 10 cm und ist ca. 2 cm dick.

Oben finden Sie Coverabbildungen von den aktuelleren Ausgaben ab dem Jahr 2009. Die unteren Cover zierten frühe Ausgaben der späten 80er Jahre. Zu dieser Zeit wurden die Tagesgedanken noch im Quartals-Rhythmus als Meditationshefte veröffentlicht. Die Ausgaben ab 2009 sind noch erhältlich, alle früheren Kalender und Hefte gibt es nur noch im Prosveta Verlags-Archiv.

 

 

Seit dem ersten Heft, das in Frankreich vor 40 Jahren erschienen ist, sind bis heute insgesamt ca. 14.800 verschiedene Gedanken für den Tag erschienen, eine wahrlich gigantische Fundgrube an Inspiration und Meditationshilfe. Da für Omraam Mikhael Aivanhov der Begin einer Sache oder einer Handlung das Wesentliche ist, finden sich in den Ausgaben immer folgende Zeilen als Einleitung: (Klick ins Bild für die Vergrößerung)

 

 

Die nächsten Seiten sind der Ausgabe 2009 entnommen und sollen Ihnen ein Bild vom Layout der Kalender geben: (Klick ins Bild für die Vergrößerung)

 

 

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