Autor Peter Deunov

Autor Peter Deunov

Autor Peter Deunov

Unsere Kunden fragen immer wieder nach Büchern von Peter Deunov, dem großen spirituellen Meister aus Bulgarien, zu dessen Schüler Omraam Mikhael Aivanhov im Alter von 17 Jahren wurde und von dem er viel erzählt hat.

Der Name von Peter Deunov wird bei den verschiedenen Verlagen abweichend geschrieben. So kann es zum Beispiel sein, dass er Peter Dunoff, Peter Danov, Petar Danov  oder Beinsa Duno (sein spiritueller Name) heißt.

Es gibt einige deutschsprachige Bücher, die aber größtenteils nicht in unserem Verlag erschienen sind. Die beste Übersicht über das deutschsprachige Sortiment finden Sie auf der Internet-Seite www.beinsa.de.

Buchreihen-Erklärung

Buchreihen-Erklärung

Buchreihen-Erklärung

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt eine große Auswahl an Büchern von Omraam Mikhaël Aïvanhov. Damit Sie sich gut zurechtfinden, wollen wir Ihnen hier einen kleinen Überblick geben.

Die erste Buchreihe, die entstand, ist die Reihe Gesamtwerke. Von den 32 Bänden, die es im Französischen gibt, wurden inzwischen 22 in die deutsche Sprache übersetzt. Sie enthalten Original-Vorträge von Omraam Mikhaël Aïvanhov. In diesen Büchern spürt man in besonderer Weise das Licht, die Klarheit und die Reinheit seiner Lehre. Jeder Vortrag ist ein in sich abgeschlossenes Werk, in dem sich mehrere Themen zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Mit der Zeit kam jedoch der Wunsch nach einer weiteren Buchreihe auf, die wichtige Themen konzentriert zusammenfasst.

So entstand die Taschenbuch-Reihe Izvor (bulgarisch: Quelle). Für diese Bücher wurden verschiedenen Vorträgen einzelne Teile entnommen und dann zusammengestellt. Dabei war es sinnvoll, auch Texte mit einzubeziehen, die bereits in der Reihe Gesamtwerke erschienen waren, denn nur so konnte jedes Thema möglichst klar und abgerundet behandelt werden.

Unser Bestseller ist die Reihe Gedanken für den Tag. Diese Bücher enthalten für jeden Tag des Jahres ein kurzes Zitat aus den Vorträgen von Omraam Mikhaël Aïvanhov. Jedes Jahr erscheint ein neuer Band.

Die Reihe Broschüren enthält je Ausgabe ein Kapitel aus den Büchern der Reihe Gesamtwerke oder Izvor. Die Tabelle zeigt, welchem Buch die einzelne Broschüre entstammt:

BroschüreUrsprungstext
301 - Das neue JahrGesamtwerk Band 31
(Neuerscheinung Herbst 2014)
302 – Die Meditation224 – Die Kraft der Gedanken
303 – Die Atmung32 – Die Früchte des Lebensbaums
304 – Der Tod und das Leben im Jenseits32 – Die Früchte des Lebensbaums
305 – Das Gebet224 – Die Kraft der Gedanken
306 – Musik und Gesang im spirituellen Leben223 – Geistiges und künstlerisches Schaffen
307 – Das hohe Ideal05 – Die Kräfte des Lebens
Neuerscheinung Herbst 2015
308 – Das Osterfest - Die Auferstehung und das Leben
Der Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
309 – Die Aura219 – Geheimnis Mensch – Seine feinstoffl. Körper und Zentren
310 – In die Stille gehenDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
311 – Wie Gedanken sich in der Materie verwirklichen224 – Die Kraft der Gedanken
312 – Die Reinkarnation12 – Die Gesetze der kosmischen Moral
313 – Das “Vaterunser”215 – Die wahre Lehre Christi
314 – Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der LiebeDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
315 – Die Quelle des Lebens05 – Die Kräfte des Lebens
316 – Die Nahrung, ein Liebesbrief des SchöpfersEinige Sätze stammen aus
204 – Yoga der Ernährung
317 – Die Kunst und das LebenDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
318 – Die wesentl. Aufgabe d. Mutter während der Schwangerschaft203 – Die Erziehung beginnt vor der Geburt
319 – Die Seele, Instrument des Geistes08 – Sprache der Symbole – Sprache der Natur
320 – Menschliches und göttliches Wort32 – Die Früchte des Lebensbaums
321 – Weihnachten und das Mysterium der Geburt Christi209 – Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre
322 – Die spirituellen Grundlagen der Medizin225 – Harmonie und Gesundheit
323 – Meditationen beim SonnenaufgangDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
324 - Der Friede, ein höherer BewusstseinszustandDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
325 - Das Ideal des brüderlichen LebensDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Leseprobe Izvor 212 – Das Licht, lebendiger Geist

Leseprobe Izvor 212 – Das Licht, lebendiger Geist

 

I
Das Licht, Essenz der Schöpfung

Es heißt, Gott sei ein verzehrendes Feuer, und in den meisten Mythologien ist der mächtigste Gott der des Feuers. Es handelt sich offensichtlich nicht um das Feuer, das wir kennen, das physische Feuer, das nur ein Aspekt des universellen Feuers ist. Denn in Wirklichkeit gibt es mannigfaltige Arten von Feuer. Jenes, das im Herzen des Menschen brennt, jenes, das an der Basis der Wirbelsäule schlummert, jenes der Sonne, jenes der Hölle, jenes, das im Innern der Steine, der Metalle verborgen ist, und so weiter…

Doch habt ihr bemerkt, dass man das Feuer nur wahrnehmen kann, wenn es mit Licht verbunden ist? Ja, das Licht ist die Materie, durch die sich das Feuer manifestiert. Wenn man dieses Bild überträgt, wird man entdecken, dass das Licht jene Substanz ist, die Gott, das Urfeuer, am Anfang der Welt aus sich ausstrahlte, als Er sagte: »Es werde Licht!« Dieses Licht ist nichts anderes als das Wort, das zu Beginn des Johannes-Evangeliums erwähnt wird: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort… Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht…« Das Licht, das ist das Wort, das der Schöpfer aussprach und durch das Er die Welt erschuf.

Die physische Welt, wie wir sie kennen, ist nur eine Kondensation des Urlichts. Gott, das aktive Prinzip, hat das Licht ausgestrahlt, und Er hat mit diesem Licht gearbeitet wie mit einer Materie, um das Universum zu schaffen. Hier beginnt man die Manifestation der beiden Prinzipien wahrzunehmen, des männlichen und des weiblichen, die der Anfang der Schöpfung sind, denn Gott, das Feuer, das männliche Prinzip, hat aus Sich Selbst das weibliche Prinzip projiziert, das Licht, die Materie, mit der Er erschaffen will.

Es heißt, Gott habe die Welt aus dem Nichts geschaffen. Nichts, was außerhalb von Ihm war, ja, und eben dies ist für uns schwierig zu verstehen, die wir nur etwas herstellen können mit Materialien und Geräten, die außerhalb von uns selbst sind. In Wirklichkeit kann man nichts aus nichts erschaffen, und diese Vorstellung einer Schöpfung aus dem Nichts bedeutet nur, dass Gott die Materie der Schöpfung aus Sich Selbst gezogen hat. Das Universum ist nichts anderes als diese Substanz, die aus Ihm herauskam und zu etwas außerhalb von Ihm wurde, die aber immer Er ist.

Womit spinnt die Seidenraupe ihren Kokon und die Spinne ihr Netz? Womit baut die Schnecke ihr Haus? Mit einer Substanz, die sie aus sich selbst nehmen können. Wenn man die Natur zu beobachten versteht, wie viele Phänomene können uns das enthüllen, was die Denker für die undurchdringlichsten Geheimnisse ansehen! Sogar die Wissenschaft wird eines Tages entdecken, dass das Licht die Urmaterie ist, aus der das Universum geschaffen wurde, und wenn es dem Menschen gelingt zu lernen, wie er es machen muss, kann auch er ein Schöpfer werden, wie Gott.

Gemäß dem Buch der Genesis war also das erste Ereignis auf der Welt die Erschaffung des Lichts. Gott sagte: »Es werde Licht!« Aber um welches Licht handelt es sich…? Im Bulgarischen haben wir zwei verschiedene Worte, um das Licht zu benennen: Svetlina und Videlina. Das Wort Svetlina bezeichnet das physische Licht und wird aus der Wurzel des Wortes gebildet, das »glänzen« bedeutet. Das Wort Videlina bezeichnet das geistige Licht und wird aus der Wurzel des Wortes gebildet, das »sehen« bedeutet. Videlina, das ist das Licht, durch das man die spirituelle Welt, die unsichtbare Welt, sehen kann; indem es sich materialisierte, wurde dieses Videlina zu Svetlina, dem physischen Licht.

Ihr werdet diesen Gedanken besser verstehen, wenn ich euch das Experiment mit der Crookesschen Röhre ins Gedächtnis rufe: An den beiden Enden einer Röhre, die man vorher luftleer gepumpt hat, sind zwei mit einer Stromquelle verbundene Elektroden angebracht. Man lässt Strom hindurchfließen: Die Kathode sendet Elektronen in Richtung Anode aus, sie selbst bleibt dunkel, doch in der Umgebung der Anode tritt ein Fluoreszieren auf.

Die Crooksche Röhre

Leseprobe Izvor 212 - Das Licht, lebendiger Geist

 

Das Licht, das uns die Sonne schickt, ist nicht das des ersten Tages, von dem die Genesis spricht. Hinter der sichtbaren Sonne existiert eine unsichtbare dunkle Sonne, die schwarze Sonne, die der sichtbaren Sonne unaufhörlich Energien schickt. Diese wandelt sie um und schickt sie als Licht zurück. Das Licht, welches wir sehen, ist nicht das, das Gott am Anfang schuf, als Er sagte: »Es werde Licht!« Es kam danach. Die erste Sonne sandte das Urlicht aus, Videlina, das die sichtbare Sonne umwandelt und in Form von Strahlen (Svetlina) zurückschickt. Videlina, das wahre Licht, enthüllt die Dinge nur, wenn es auf sie auftrifft. Wenn sich auf seinem Weg nichts befindet, bleibt es unsichtbar. Nur das Hindernis, das ihm begegnet, kann es offenbaren.

Am Anfang war Videlina, das heißt, die erste Bewegung, die sich im Geist Gottes in Form von Strömung, Strahlung nach außen, außerhalb von Ihm manifestierte. Ehe Gott erschuf, bildete er um sich einen Lichtkreis, den man seine Aura nennen könnte. Mit diesem Kreis aus Licht legte Er die Grenzen des Universums fest, und als diese Grenzen festgelegt waren, projizierte er in das Licht seiner Aura, Videlina, Bilder, die sich materialisierten, kristallisierten. Es ist also Videlina, das die Materie für die Schöpfung lieferte. Und wenn Johannes am Anfang seines Evangeliums sagt: »Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort«, so bedeutet »das Wort war bei Gott«, dass nichts ohne Mitwirkung von Videlina gemacht worden ist, der Aura Gottes. Das göttliche Wort ist das Licht.

Diesen Schöpfungsprozess können wir bei den großen Eingeweihten bestätigt sehen. Auch sie besitzen eine lichtvolle Aura, die nicht nur ihren Körper umgibt und schützt, sondern ihnen auch die Materie für ihre Schöpfung liefert. Wenn ein Eingeweihter durch den Gedanken erschaffen will, verwendet er die gleichen Mittel wie Gott, als Er das Universum schuf: Er projiziert ein Bild oder spricht ein Wort aus, das durch seine Aura dringen muss. Diese Aura, die es umhüllt, dient als Materie für die Manifestation. Das ausgesandte Bild oder das ausgesprochene Wort kleiden sich in die Materie der Aura. Ein Mensch, der eine Idee verwirklichen will, aber keine feinstoffliche Materie der Aura hat, kann nichts erschaffen. Ihr habt es sicherlich schon festgestellt: An gewissen Tagen redet ihr, ohne irgendeinen Eindruck auf die andern zu machen, die kalt, gleichgültig bleiben, während ihr dagegen andere Male mit ganz einfachen Worten einen großen Eindruck erreicht. Ja, weil diese Worte lebendig sind: Die Worte, die ihr gebraucht, sind vorher in eure Aura getaucht worden, sie haben sich dort belebt, gestärkt, und so mit Kraft versorgt konnten sie bis zu den Seelen der andern vordringen und sie zum Schwingen bringen. An den Tagen, wo eure Aura schwach ist, sind eure Worte unbedeutend, leer, inhaltslos; ihr redet, aber bewirkt nichts. Die Worte sind nicht von jenem Element durchdrungen, welches die Aura liefert, Videlina.

Die Kraft der Eingeweihten rührt daher, dass sie die Worte, die sie aussprechen, mit der Materie ihrer Aura tränken, die überströmend, intensiv, rein ist. Die Sprache ist nur eine Stütze, sie kann nur in dem Maß Wirkungen erzielen, wie sie mit Videlina, dem schöpferischen Element, durchdrungen ist. Wer die magischen Worte nicht zu sprechen versteht, kann schreien und sich aufregen wie er will, es wird ihm niemals gelingen, sich bei den höheren Geistern Gehör zu verschaffen und sie anzuziehen. Aber ein Eingeweihter, der die gleichen Worte spricht, ohne zu schreien, ohne Gesten zu vollführen, wird allein durch die innere Kraft seiner Aura großartige Ergebnisse erzielen.

Nicht die Sprache hat die Welt erschaffen, sondern das Wort, das heißt das Licht. Das Wort ist das erste Element, das Gott in Tätigkeit gesetzt hat, und die Sprache ist das Mittel, dessen das Wort sich bedient, um seine schöpferische Arbeit zu verwirklichen. Als die Urkraft aus Gott kam, war sie Geist; bei ihrer Rückkehr zu Gott wurde sie Licht. Die schwarze Sonne sendet Videlina, den Geist, zur leuchtenden Sonne und die leuchtende Sonne schickt das sichtbare Licht, Svetlina zur dunklen Sonne zurück. Auf dem Rückweg wandelt sich also der Geist in Licht um. Als Gott die erste Bewegung machte, trat sein Geist, das Wort, in Tätigkeit, und als der Geist zu Gott zurückkehrte, war er Licht geworden. Alles, was das Zentrum zur Peripherie schickt, kehrt zum Zentrum zurück, weil der Kreis eine Grenze hat, und so entsteht also ein ununterbrochener Kreislauf vom Zentrum zur Peripherie und von der Peripherie zum Zentrum. Bei der Rückkehr zum Zentrum besitzt der Kräftestrom neue Eigenschaften und ruft während seiner ganzen Rückreise neue Reaktionen hervor. Die Natur des Stroms ist beim Rückweg nicht dieselbe wie beim Hinweg.

Am Anfang war das Wort: Die erste Regung des göttlichen Geistes, der den Kreis erschuf, das Universum. Genauso muss der Magier einen Kreis um sich ziehen, ehe er ein magisches Ritual vollzieht. Der Ursprung dieser Übung, die sehr alt ist, geht auf ein außergewöhnliches Wissen über die menschliche Aura zurück. Wenn es heißt, dass der Magier in den Kreis treten muss, den er gezogen hat, bedeutet dies nicht nur, dass er auf der materiellen Ebene einen Kreis um sich ziehen muss, sondern dass er den lebendigen Kreis der Aura erschaffen und sich in seinen Mittelpunkt stellen muss; das heißt, sein Geist muss aktiv, wachsam sein, sonst läuft er Gefahr, ein Opfer unsichtbarer Geister zu werden. Wenn der Magier sich damit begnügt, einen materiellen Kreis um sich zu ziehen, ohne vorher durch seine Art zu leben an seiner Aura gearbeitet zu haben, um sie rein, leuchtend, mächtig zu machen, gelingt es ihm vielleicht zu bekommen, was er sich wünschte; doch wenn er den magischen Kreis verlässt, werden alle Wesen, die ihm gehorchten, als er sich im Kreis befand, anfangen, ihn zu verfolgen (denn die unsichtbaren Wesenheiten respektieren dieses Symbol, wie auch die magischen Worte, die gesprochen werden).

Solche Missgeschicke passieren allen Magiern, die die Gesetze nicht kennen, die ich euch erkläre. Die unsichtbaren Geister, die sehen, dass die Aura weder rein, noch lichtvoll ist, rächen sich schließlich dafür, dass sie gezwungen waren, Menschen zu gehorchen, die es nicht wert waren. Solche Magier wissen nicht, dass am Anfang das Wort ist, das heißt, dass man, ehe man sich in die Verwirklichung großer Unternehmungen stürzt, eine Aura erschaffen muss, einen wahren magischen Kreis aus Licht. Diesen Kreis kann man nicht automatisch ziehen, mit Kreide oder irgendetwas anderem, man bereitet ihn mit Liebe, Reinheit, Selbstlosigkeit vor. Warum erzielen jene, die sich in magische Praktiken stürzen, häufig nicht nur keine Resultate, sondern ziehen noch Unglück an? Weil ihre Aura noch nicht mächtig, lichtvoll, rein ist, und wenn sie ihren Gedanken aussenden wollen, entsteht nichts, was ihn bekleiden, ihn stark machen kann. Damit der Gedanke davonfliegen kann, muss man ihm Flügel geben; und diese Flügel finden sich in der Aura.

»Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort…« Als Gott diesen großen Lichtkreis schuf, durchtränkte er ihn mit seiner Quintessenz. Die Bäume, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen waren zuerst Bilder, in die Aura Gottes getaucht, und wir leben mitten in ihr, wie Paulus schon sagte: »In Ihm leben, weben und sind wir…(Apg 17,28).« Wir alle sind in die Aura Gottes getaucht: Sie durchdringt uns, sie geht durch uns hindurch.

Meditiert jeden Tag über die Kraft von Videlina, dem lebendigen Licht, das das Urelement jeder Schöpfung ist.

Eines der Symbole der Erschaffung der Welt ist die mystische Rose

rose

 

Die sechs Kreise, die die Blütenblätter bilden, stellen die sechs Tage da, die Gott brauchte, um die Welt zu erschaffen (natürlich sind die sechs Tage symbolisch gemeint, sie dauerten Milliarden von Jahren!). Übrigens interpretieren einige Esoteriker das erste Wort der Genesis: Bereschith, das »im Anfang« bedeutet, als bara, erschaffen, und schith, als sechs. Gebt jedem Kreis eine der sechs Farben: violett, blau, grün, gelb, orange und rot, und meditiert über sie… Der Kreis in der Mitte stellt das weiße Licht dar, aus dem die anderen sechs Farben hervorgegangen sind… Auch wenn ihr die Tiefe dieses Symbols nicht versteht, so erschafft ihr zumindest durch die Betrachtung dieser vollkommenen Figur Verbindungen zwischen ihr und euch, und das wird euch bei eurer spirituellen Arbeit helfen.

Das Licht ist der feinstofflichste Zustand der Materie, und das, was wir hier Materie nennen, ist nur die kondensierteste Form des Lichts. Im ganzen Universum handelt es sich also immer um dieselbe Materie… oder dasselbe Licht… mehr oder weniger feinstofflich, mehr oder weniger verdichtet. Alles, was ihr auf der Erde verdichtet findet, existiert auf der ätherischen Ebene in feinerer, reinerer Form. Und eben das ist der Sinn der spirituellen Arbeit, dass es uns gelingt, alles, was wir brauchen, in einem feinstofflichen Zustand zu finden, der dem Urzustand näher ist.

Wenn wir morgens zur Betrachtung des Sonnenaufgangs gehen, dann um die reinste Nahrung zu uns zu nehmen: das Licht. Als Jesus sagte: »Selig sind, die da hungern und dürsten…«, sprach er nicht von einem physischen Hunger und Durst, er sprach vom Hunger und Durst nach Wahrheit, nach Weisheit, Gerechtigkeit, Freiheit… bis es uns nur noch nach Feuer und Licht hungert und dürstet.

Die Seele hat Hunger, und der Geist hat Durst. Die Seele isst das Feuer, und der Geist trinkt das Licht. Das Feuer ist ein männliches Prinzip, die Seele ein weibliches Prinzip, und jedes nährt sich von dem Element, das es ergänzt. Die Seele sehnt sich nach einem positiven, aktiven, dynamischen Prinzip, und sie isst das Feuer. Der Geist, der männlich ist, braucht das weibliche Prinzip, und er trinkt das Licht. Genauso wie das männliche Prinzip das weibliche Prinzip zeugt, zeugt das Feuer das Licht; das Licht ist eine Manifestation, eine Emanation des Feuers. Wenn ihr ein Feuer anzündet, gibt es Licht. Und je reiner das Material ist, das das Feuer speist, desto feiner und reiner ist das Licht.

Das Licht ist das Kleid des Feuers, deshalb steht das Licht immer mit der Materie in Verbindung. Oben, in den feinstofflichen Regionen, steht das Licht mit der Materie in Verbindung und das Feuer mit dem Geist. Darum erschuf Gott, das Urfeuer, zuerst das Licht, und darum ist es das Licht, das dann die Welt erschuf, nichts ist ohne das Licht gemacht worden. Jedes Mal, wenn ihr ein Feuer anzündet, wiederholt sich deshalb vor euch ganz genau die Geschichte der Erschaffung der Welt.

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Leseprobe Izvor 211 – Die Freiheit, Sieg des Geistes

Leseprobe Izvor 211 – Die Freiheit, Sieg des Geistes

I
Die psychische Struktur des Menschen

Mein ganzes Leben hatte ich nur ein einziges Ziel: den Menschen nützlich zu sein. Das ist meine einzige Sorge, mein innigster Wunsch. Ich kenne ihre Lebensumstände, ich bin nicht so blind, ihre Schwierigkeiten nicht zu sehen. Um sich jedoch nicht völlig unterkriegen und zerstören zu lassen, sollten sie Methoden kennen, die ihnen Tag für Tag helfen, ihr inneres Leben zu stärken.

Die folgende Tabelle fasst alle Methoden unserer Lehre zusammen; ich glaube, dass ihr noch nie eine ähnliche Aufstellung gesehen habt. Im Augenblick seht ihr nur einzelne Wörter, die keine Beziehung miteinander haben. Aber wenn sie näher erklärt, verbunden und im Zusammenhang gesehen werden, erkennt ihr ihre Bedeutungen und Entsprechungen ganz klar. (Bitte auf das Bild klicken, um es zu vergrößern)

tabelle

Diese Tafel kann als synoptisch bezeichnet werden, denn sie bietet eine Übersicht über das gesamte Wesen des Menschen und die seinen verschiedenen Fähigkeiten entsprechenden Aktivitäten. Sie hat fünf senkrechte Spalten.

Die erste betrifft die Prinzipien, aus denen der Mensch besteht: physischer Körper, Wille, Herz, Verstand, Seele und Geist. Die zweite Spalte ist mit »Ideal« überschrieben, weil jedes Prinzip ein ihm eigenes Ideal anstrebt.

Damit nun ein Prinzip »sein« Ideal erreichen kann, muss dieses gefördert, unterstützt und genährt werden; deshalb heißt die dritte Spalte »Nahrung«.

Die beiden letzten Spalten schließlich betreffen die Bezahlung, d. h. den Preis für die Nahrung, sowie die Aktivität, d. h. die Arbeit, die man für diese Bezahlung verrichten muss. Zwischen den Begriffen besteht also eine völlig klare und logische Verbindung.

Um das Ganze verständlicher zu machen, wollen wir mit dem physischen Körper beginnen. Jeder weiß, was der physische Körper ist, jeder hat mit ihm zu tun, er ist sichtbar und greifbar: eine Realität, an der niemand zweifeln kann. Das Ideal des physischen Körpers ist die Gesundheit. Für ihn gibt es nichts Wichtigeres und Kostbareres als gesund, stark und kräftig zu sein. Diese Vitalität bezieht er aus allen möglichen festen, flüssigen und gasförmigen Nahrungsmitteln. Ohne Nahrung stirbt er. Wer überleben will, der muss essen, das wissen sogar die Kinder. Aber die Nahrung kostet Geld und um Geld zu besitzen, muss man arbeiten. Ihr kennt die Geschichte. Ein Steinhauer wird gefragt: »Antonio, warum klopfst du Steine?« – »Um Geld zu verdienen.« – »Und wozu brauchst du Geld?« – »Um Makkaroni zu kaufen.« – »Und wozu brauchst du Makkaroni?« – »Um etwas zum Essen zu haben.« – »Und wozu isst du?« »Um neue Kräfte zu schöpfen.« – »Und wozu brauchst du Kräfte?« – »Um Steine zu klopfen…« Ein endloser Kreislauf! Wenn man also essen will, braucht man Geld, und um Geld zu verdienen, muss man arbeiten. Das ist ein klarer Fall, das begreift ihr, nicht wahr?

Aber ihr habt noch nie daran gedacht, dass das, was euch auf physischer Ebene ganz klar erscheint, auch auf anderen Ebenen existiert. Wille, Herz, Verstand, Seele und Geist haben ebenfalls ein ihnen eigenes Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen sie Nahrung und um die Nahrung zu erwerben, ist Geld notwendig; das Geld wiederum verdient man, indem man eine bestimmte Arbeit verrichtet. Wenn ihr alle Einzelheiten dieser Aufstellung vollkommen begriffen habt, besitzt ihr den Schlüssel zur Psyche des Menschen.

Der physische Körper ist natürlich Träger aller anderen, feinstofflichen Prinzipien. Seele und Geist wohnen zum Beispiel nicht vollkommen im physischen Körper; sie manifestieren sich jedoch durch ihn, durch das Gehirn, den Solarplexus, die Augen. Wer äußert sich durch eure Augen, wenn ihr jemanden mit inniger Liebe, großer Reinheit und strahlendem Licht anseht? Die Augen sind Teil des physischen Körpers; aber wer manifestiert sich durch sie? Wer benutzt sie als Ausdrucksmittel? Vielleicht ist es die Seele, vielleicht der Geist, vielleicht Gott selbst… Wenn ihr jedoch jemandem einen bösen Blick zuwerft oder ihm böse Worte sagt, die ihn krank machen, dann äußern feindliche Kräfte sich durch euch und zerstören ihn. Unser physischer Körper ist also oft nur Übermittler und Werkzeug für gute oder böse Kräfte, die in ihm und außerhalb von ihm existieren.

Welches Ideal hat nun der Wille? Er verlangt Macht und Bewegung. Ihr werdet sagen: »Aber er kann auch Weisheit, Intelligenz oder Schönheit verlangen…« Nein, das sind nicht seine Gebiete, das fordern andere Prinzipien. Man kann den Willen zwar einsetzen, um seinen Verstand zu entwickeln oder ein Kunstwerk zu schaffen, aber was ihn selbst betrifft, so verlangt und fordert er nur Macht und Bewegung. Er will nicht untätig sein, er will sich beschäftigen, die Dinge berühren, bewegen, verändern.

Aber der Wille braucht genau wie der Körper Nahrung, um sein Ideal zu verwirklichen, und diese Nahrung ist die Kraft. Durch sie wird er energisch, während er ohne sie verkümmert. Zahlungsmittel, d. h. also das dieser Ebene entsprechende »Geld«, ist die Bewegung. Ja, man sollte immer Stillstand und Trägheit aufgeben, um Energien anzuregen, auszulösen und zu handhaben. Wenn der Wille handelt und sich in Bewegung setzt, »kauft« er Kraft und wird mächtig. Die erste aller Bewegungen ist der Atem. Sobald ein Kind geboren wird, atmet es und setzt dadurch alles andere in Bewegung.

Wer Geld verdienen will, um Nahrung für seinen Willen zu »kaufen«, sollte sich an die Ausführung bestimmter Übungen unserer Lehre gewöhnen: Atem- und Gymnastikübungen (Siehe Band 13 der Gesamtwerke.), Paneurhythmie (Die Paneurhythmie ist ein Tanz in Kreisformation mit Musik und Bewegungen von besonderer Schönheit. Die Musik ist auf CD erhältlich, ein Buch ist in Vorbereitung.) usw. All diese Übungen stärken die Willenskraft. Ihr könnt natürlich noch viele andere Tätigkeiten des täglichen Lebens hinzufügen, die man nicht alle aufzuzählen braucht. Es gibt eine ganze Menge, die ihr kennt, aber ich spreche hier von Übungen, die hauptsächlich das spirituelle Leben betreffen.

Ihr habt vielleicht geglaubt, dass diese Übungen nicht so sehr den Willen entwickeln, sondern eher dem Körper Vitalität bzw. dem Herzen Freude geben. Auch das ist wahr, denn alles ist miteinander verbunden. Im Augenblick trenne ich jedoch die verschiedenen Ebenen und verbinde jede mit dem, was ihr entspricht, um besser verstanden zu werden. In Wirklichkeit aber sind die einzelnen Prinzipien nicht voneinander zu trennen. Von den Atem- oder Gymnastikübungen profitiert natürlich auch der Körper: Die Gesundheit wird besser, die Lebenskraft stärker, die Gedanken werden klarer und ihr fühlt euch freier und fröhlicher. Nichts ist vom Ganzen getrennt, alles ist verbunden.

Betrachten wir nun das Herz. Der Mensch besitzt eine Fähigkeit der Empfindung und Rührung, die man »Herz« nennt. Dieses Herz ist nicht das physische Herz der Anatomie und Physiologie; wir sprechen nicht vom Hauptorgan des Blutkreislaufs, das eine Art hydraulische Pumpe ist, sondern von dem wahren Organ der Empfindsamkeit und des Gefühls, das sich im Sonnengeflecht befindet. Ich habe schon oft davon gesprochen (Siehe: »Der Solarplexus und das Gehirn«, Band 6 der Gesamtwerke.) und werde sicher wieder darauf zurückkommen.

Welches Ideal hat nun das Herz? Verlangt es nach Wissen, Kenntnissen oder Macht? Nein, es verlangt nach Glück, Freude und Wärme, denn Wärme belebt es, während Kälte es tötet. Das Herz nährt sich von allen möglichen Gefühlen, guten und schlechten. Da wir nicht auf alles eingehen können, wollen wir hier nur von den guten Gefühlen sprechen, die die Herzen der Söhne und Töchter Gottes nähren.

Die Münze, mit der man Glück und Freude bezahlt, ist die Liebe. Sobald ihr liebt, wird euer Herz ernährt. Wie oft habe ich schon gesagt, dass weder Reichtum noch Macht oder gar Schönheit euch glücklich machen, sondern nur die Liebe. Liebe macht glücklich! Ihr könnt dem Herzen alles mögliche andere geben, es wird unzufrieden bleiben und sagen: »Gib mir Liebe!« Mit Liebe kann es sich alles kaufen, was es braucht. Wenn ihr jemanden liebt, ist eure Liebe das Geld, mit dem ihr alle möglichen Empfindungen, Gemütsregungen und Gefühle »kaufen« könnt. Durch eure Liebe entstehen täglich Tausende von Gefühlen. Sobald ihr jedoch nicht mehr liebt, habt ihr kein Geld mehr und könnt euch keine Gefühle oder Gemütsregungen mehr kaufen. Ihr empfindet nichts mehr! Wenn ihr eure Frau nicht mehr liebt, könnt ihr sie so oft küssen wie ihr wollt, ihr empfindet trotzdem weder Freude noch Glück dabei. Aber wenn ihr sie liebt, habt ihr auch ohne Küsse unbeschreibliche Gefühle und Empfindungen ganz einfach durch eure Liebe.

Das Ideal des Verstandes ist das Wissen. Die Nahrung zur Erreichung dieses Ziels ist das Denken. Wenn ich vom Denken spreche, kann man darunter natürlich genau wie beim Herzen ein schlechtes oder ein gutes Denken verstehen, denn es gibt alle möglichen Gedanken. Aber auch hier wollen wir uns nur mit den besten und lichtvollsten Gedanken beschäftigen. Das Denken nährt den Verstand. Wenn ihr nicht nachdenkt, werdet ihr nichts erkennen. Manche Leute sagen: »Warum sich den Kopf zerbrechen? Zu viel denken ist gefährlich, man wird verrückt davon.« Ja, das stimmt, wenn man schlechte Gedanken hat! Aber gute, klare Gedanken sind die beste Nahrung für den Verstand. Wenn ihr euren Verstand nicht ernährt, wird er dunkel und schwach: Ihr habt ihn sozusagen verhungern lassen.

Wenn man sich die besten Gedanken »kaufen« will, braucht man Geld, und dieses Geld ist die Weisheit. Nur mit Weisheit könnt ihr die guten Gedanken kaufen, mit denen euer Verstand das ersehnte Licht erwirbt. Die Weisheit ist das Geld… oder besser das Gold, das von der Sonne kommt. Ja, diese Weisheit, das spirituelle Gold, kommt von der Sonne. Mit diesem Gold könnt ihr in den himmlischen Läden genauso einkaufen wie in den irdischen Läden mit dem materiellen Gold. Wenn ihr den himmlischen Wesenheiten gegenüber eure Wünsche äußert, prüfen sie zuerst, ob ihr Gold habt. Wenn ja, füllen sie eure Einkaufstaschen, andernfalls geben sie euch nichts.

Um dieses Geld zu verdienen, muss man arbeiten: lesen, lernen, nachdenken, meditieren. Nun, und wenn in der letzten Spalte der Tabelle nicht erwähnt wird, dass auch die Betrachtung des Sonnenaufganges zum Erhalt dieses Goldes führt, könnt ihr dies ruhig hinzufügen. Denn im Frühjahr und Sommer sollte man beim Sonnenaufgang das Sonnengold aufnehmen.

Und das Ideal der Seele? Vielleicht werdet ihr erstaunt sein, dass die Seele weder Wissen noch Licht oder Glück verlangt. Ihr Ideal ist der Raum, die unendliche Weite. Sie will nur eins: sich ausdehnen, zerfließen, sich ins Endlose ausweiten. Ihr Ideal ist die Unendlichkeit. Wenn man sie einengt, ist sie unglücklich. Die menschliche Seele ist Teil der Universalseele und fühlt sich in unserem Körper so begrenzt und eingeengt, dass sie erstickt und nur den Wunsch hat, sich im Raum zu verlieren. Man glaubt im Allgemeinen, die Seele wohne ganz und gar im Menschen. In Wirklichkeit weilt nur ein winziger Teil in ihm, der größte Teil führt außerhalb von ihm ein unabhängiges Leben im kosmischen Ozean. Da die Universalseele jedoch Pläne mit uns hat, da sie uns Leben und Schönheit geben möchte, versucht sie in uns einzudringen, um uns mehr und mehr zu prägen. Unsere Seele ist also nicht auf unseren Körper begrenzt, sie ist etwas viel Größeres, das stets nach Unendlichkeit und endloser Weite strebt.

Um dieses Ideal zu erreichen, braucht die Seele Kraft und auch für sie gibt es eine ihr entsprechende Nahrung, nämlich die guten Eigenschaften des höheren Bewusstseins: Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, Opfergeist, kurz all das, was den Menschen dazu treibt, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen und seinen Egoismus zu besiegen. Alle eigennützigen und egoistischen Einstellungen bauen Grenzen und Abtrennungen auf. Sobald man sagt: »Das gehört mir!« führt man die Abtrennung ein, während eine selbstlose Einstellung alle Schranken durchbricht.

Auch die Nahrung für die Seele kostet »Geld«. Dieses Geld, d. h. das einzige Mittel, durch das die Seele im Unendlichen aufgehen kann, ist die Ausdehnung, die Verschmelzung, die Ekstase. Diesen göttlichen Zustand kann man durch Gebet, Anbetung und Kontemplation erreichen. Das Gebet ist die Suche nach der göttlichen Herrlichkeit, und wenn der Mensch diese Herrlichkeit erreicht, empfindet er solch eine Erweiterung, dass er sich von seinem Körper losgelöst glaubt. Das ist die Ekstase. Alle, die eine Ekstase erlebt haben, äußern sich in diesem Punkt ähnlich: Sie waren nicht mehr auf der Erde in ihrem begrenzten physischen Körper, sondern hatten das Gefühl, in die Universalseele einzutauchen und völlig mit ihr zu verschmelzen.

Die Seele ist das weibliche Prinzip par excellence, sie ist ein großartiger göttlicher Ausdruck des weiblichen Prinzips. Der Geist ist der göttliche Ausdruck des männlichen Prinzips. Auch Verstand und Herz stellen das männliche und das weibliche Prinzip dar, aber auf einer niedrigeren Ebene. Die beiden Prinzipien sind in allen Bereichen des Universums unter verschiedenen Aspekten gegenwärtig: positiv und negativ, ausstrahlend und empfangend. Überall finden wir das weibliche und das männliche Prinzip.

Wonach verlangt der Geist? Er strebt weder nach Raum noch nach Wissen, Glück, Macht oder Gesundheit. All das braucht er nicht, denn er ist nie krank, schwach, unglücklich, betrübt oder kalt. Der Geist verlangt nur eins: die Ewigkeit. Da er seinem Wesen nach unsterblich ist, will er sich nicht durch die Zeit begrenzen lassen, er will die Ewigkeit. Ebenso wie der Raum das Reich der Seele ist, ist die Zeit das Reich des Geistes. Deshalb kann ich den Physikern und Philosophen sagen, dass sie das Wesen von Zeit und Raum nie begreifen werden, solange sie das Wesen von Seele und Geist nicht kennen. Denn Raum und Zeit sind Begriffe einer vierten Dimension, die die Seele und den Geist betreffen. Die Wissenschaftler werden die Geheimnisse von Zeit und Raum nicht durchdringen können, solange sie nicht bewusst in ihrer Seele und ihrem Geist die Begriffe von »Unendlichkeit« und »Ewigkeit« vertieft haben.

Um die Ewigkeit zu erreichen bzw. in das menschliche Bewusstsein hinabzuholen – denn der Geist selbst ist seinem Wesen nach ewig – braucht auch er Nahrung. Ihr wundert euch, dass der Geist Nahrung braucht? Ich sagte euch bereits, dass sogar der Herr sich ernährt. Die Nahrung des Geistes ist die Freiheit! Die Seele will sich ausdehnen und der Geist seinerseits will alle Bindungen durchbrechen, die ihn an die Zeit fesseln.

Aber die Freiheit muss erkauft werden. Der Geist braucht also Geld, und dieses Geld ist die Wahrheit. Weder Weisheit noch Liebe können den Geist befreien, sondern nur die Wahrheit. Jede Wahrheit, die ihr einmal über ein bestimmtes Thema erkannt habt, löst gewisse Fesseln. Jesus sagte: »Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen« (Jh 8,32). Ja, die Wahrheit macht frei. »Und die Liebe?«, werdet ihr sagen. Ah, die Liebe! Sie bindet und fesselt euch eher. Ihr wollt euch an etwas oder jemanden binden? Ruft die Liebe zu Hilfe, denn nichts bindet euch so stark wie sie. Ihr wollt euch befreien? Dann wendet euch an die Wahrheit. Seht einmal, was mit den alten Leuten passiert. Sie erkennen langsam die Wahrheit und da die Wahrheit befreit, lösen sie sich von dieser Welt und gehen ins Jenseits. Wenn man dagegen verliebt ist, will man sich nicht befreien, dann möchte man lieber ewig auf dieser Erde bleiben, bei dem anderen sein und ihn küssen. Denkt einmal darüber nach, ihr könnt nicht umhin, damit einverstanden zu sein!

Um die Wahrheit zu besitzen, muss man etwas tun, eine Arbeit verrichten. Und diese Arbeit ist die Identifikation mit dem Schöpfer. Durch sie nähert man sich dem Herrn, wird eins mit Ihm und erkennt die Wahrheit. Als Jesus sagte: »Ich und der Vater sind eins« (Jh 10,30), sprach er von dem Prozess der Identifikation. Durch diese Arbeit könnt ihr das Gold verdienen, das man Wahrheit nennt. Und diese Wahrheit lautet: Der Mensch ist Geist, ein von Gott kommender Funke, der eines Tages wieder zu Ihm zurückkehrt. Seht ihr, das ist die Wahrheit. Sobald der Mensch dies verstanden, erkannt und gefühlt hat, ist er frei: frei von Leidenschaften, frei von irdischen Zielen, frei von Schmerz und Angst. Dann tritt er in die Ewigkeit ein.

Einige von euch werden erstaunt sein, die Freiheit mit Zeit und nicht mit dem Raum verbunden zu sehen. Sie werden sagen: »Frei sein heißt doch, sich bewegen und von allen Beschränkungen lösen zu können. Die Freiheit müsste also zu dem Bereich der Seele gehören.« Nein, man sollte die Freiheit nicht mit dem Raum verwechseln. Die wahre Freiheit besteht nicht darin, sich ohne Einschränkungen fortzubewegen. Stellt euch einen Mann vor, der von seiner Schwiegermutter so geplagt wird, dass er eines Tages seine Koffer packt und in die Berge zieht. Aber sogar dort oben ist er nicht frei. Warum nicht? Weil er die gleichen Vorwürfe und Diskussionen mit sich herumträgt. Körperlich ist er zwar weit von ihr entfernt, aber geistig hat er sie nicht verlassen, denn er denkt ja ständig an sie. Und was für wunderbare Gedanken er ihr schickt! Der Begriff der Freiheit ist nicht an den Raum gebunden, denn der Raum gibt keine wahre Freiheit. Er gibt zwar eine gewisse Bewegungsmöglichkeit, aber die wahre Freiheit ist etwas ganz anderes! Die wahre Freiheit ist das Bewusstsein der Ewigkeit.

»Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Jh 17,3), hat Jesus gesagt. Um welche Erkenntnis handelt es sich hier? Sicher nicht um das intellektuelle Wissen, das Wissen von Leuten, die einige Bücher gelesen haben und behaupten: »Ich weiß Bescheid!« Das wahre Wissen ist etwas anderes: »Dich erkennen, Dich den einzigen wahren Gott«; dies bedeutet, mit Ihm eins zu sein, sich mit Ihm zu identifizieren. Die Identifikation, die Verschmelzung kann der Mensch nur durch seinen Geist verwirklichen, und erst dann ist er frei.

Spürt ihr jetzt, wie wahr meine Worte sind? Wenn ihr mir natürlich mit einer rein intellektuellen und sachlichen Einstellung zuhört, spürt ihr vielleicht überhaupt nichts und denkt vielleicht sogar, dass meine Worte nicht mit euren Ansichten übereinstimmen. Aber es ist nicht meine Schuld, wenn die ganze gegenwärtige Kultur euch Ideen in den Kopf gesetzt hat, die euch am Verständnis der Dinge hindern! Ihr solltet euch beeilen, meine Sichtweise anzunehmen, dann werdet ihr begeistert sein. Ihr werdet sagen: »Ich habe erkannt, wie wichtig diese Tabelle ist. Ich will es überall mitnehmen und es studieren, egal ob ich im Zug, in der U-Bahn, beim Zahnarzt oder bei der Kosmetikerin bin.« Ja, diese Tabelle kann euch eine große Hilfe sein, vermindert seinen Wert niemals.

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Leseprobe Izvor 210 – Die Antwort auf das Böse

Leseprobe Izvor 210 - Die Antwort auf das Böse

Leseprobe Izvor 210 – Die Antwort auf das Böse

1
Die zwei Bäume des Para­dieses

Seit Jahr­tau­senden ver­suchen die Men­schen, den Ur­sprung der Welt wie auch das Er­schei­nen des Bösen in dieser Welt und seine Folge, das Leid zu ver­stehen. Sie haben diese Themen oft in Form von Mythen dar­ge­stellt, und darum finden sich in den heili­gen Schrif­ten aller Reli­gionen symbol­hafte Erzäh­lungen, die man zu deuten wissen muss. Die christ­liche Tradition hat die Schöp­fungs­geschich­te von Moses über­nommen, aber haben die Chris­ten sie wirk­lich ver­stan­den?

Schau­en wir, was Moses schrieb. Am sechs­ten Schöp­fungs­tag schuf Gott den Mann und die Frau und setzte sie in einen Garten namens Eden, in­mitten von Tieren und Pflan­zen aller Art. Zwei Bäume in diesem Garten hebt Moses be­son­ders her­vor: den Baum des Lebens und einen zwei­ten, der seit­dem be­son­ders be­rühmt wurde, den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse. Gott ver­bot Adam und Eva, von den Früch­ten dieses Baumes zu essen. So­lange sie den Ge­boten des Herrn ge­horch­ten, lebten sie in Glück und Über­fluss. Doch dann kam die Schlan­ge und über­redete Eva, von der Frucht des Baumes der Er­kennt­nis des Guten und Bösen zu essen. Und Eva über­redete Adam, auch davon zu kosten. Darauf ver­trieb Gott sie aus dem Para­dies. Wir werden gleich auf be­stimm­te Punkte dieser Ge­schich­te näher ein­gehen.

Viele Men­schen sind schon auf die Suche nach dem irdi­schen Para­dies gegangen, weil sie glaub­ten, es müsse in Indien, Ame­rika oder Afrika liegen. Und natür­lich haben sie es nicht ge­funden. Das Para­dies war sehr wohl auf der Erde, aber um welche Erde han­delt es sich? Alles ist symbo­lisch, wie ihr sehen werdet. Aber es wird mir nicht mög­lich sein, alles zu er­klären, weil diese Ge­schich­te vom ersten Mann und der ersten Frau viel zu um­fang­reich ist. Zuerst werde ich euch jedoch etwas über die beiden Bäume sagen: den Baum des Lebens und vor allem über den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse.

Adam und Eva lebten also im Para­dies und durf­ten von allen Früch­ten des Gar­tens essen, außer von den Früch­ten des Baumes der Er­kennt­nis des Guten und Bösen. Aber ihr wisst nicht, was diese Frucht be­deutet: Sie ist das Symbol der Kräfte, die der erste Mann und die erste Frau noch nicht zu lenken, zu ver­wan­deln und zu nutzen ver­stan­den. Darum hatte Gott zu ihnen ge­sagt: »Es wird eine Zeit kommen, in der ihr von dieser Frucht essen könnt, aber im Moment seid ihr noch zu schwach. Wenn ihr sie esst und mit den in ihr ent­halte­nen Kräf­ten in Be­rüh­rung kommt, werdet ihr ster­ben.« Das hieße, sie würden ihren Be­wusst­seins­zu­stand ver­ändern. Diese Ver­ände­rung des Be­wusst­seins­zustan­des wird in der Gene­sis er­wähnt, aber man hat diesen Hin­weis nicht immer zu deuten gewusst. Von der Zeit, in der Adam und Eva glück­lich im Para­dies lebten, heißt es: »Sie waren beide nackt, der Mann und sein Weib, und schäm­ten sich nicht.« Und später, als sie die ver­botene Frucht ge­gessen hatten: »Da gingen beiden die Augen auf, und sie er­kann­ten, dass sie nackt waren. Sie hefte­ten Feigen­blät­ter zu­sammen und mach­ten sich einen Schurz« . Dieses plötz­liche Be­wusstsein ihrer Nackt­heit be­weist, dass sich etwas in ihnen ver­ändert hatte.

Der Baum des Lebens stellt die Ein­heit des Lebens dar, in der sich die Polari­sation noch nicht manifes­tiert, das heißt, wo es weder Gut noch Böse gibt, es ist ein Bereich über dem Guten und dem Bösen. Der andere Baum da­gegen symboli­siert die Welt der Polarisation, in der man den Wech­sel von Tag und Nacht, Freude und Leid, usw. erleben muss. Die beiden Bäume sind also Regionen des Uni­ver­sums oder auch Be­wusst­seins­zustän­de und nicht ein­fach Pflan­zen. Und wenn Gott Adam und Eva ver­bot, vom Baum der Er­kennt­nis zu essen, bedeutet dies, dass sie noch nicht in die Ebene der Polari­sation ein­drin­gen soll­ten. Und warum nicht? Weil dieses Verbot eine Laune des Herrn war? Nein! War der Baum dann nutz­los? Nein, auch das nicht, denn Gott hat nie­mals etwas Nutz­loses er­schaf­fen. Die Idee eines Baumes, der Früch­te trägt, die nie jemand essen kann und die keinem zu­gute kommen, wider­spricht der gött­lichen Weis­heit, die nichts erschafft, was nicht auch nütz­lich­ ist.

Be­stimm­te Wesen aßen die Früch­te vom Baum der Er­kennt­nis; doch sie konn­ten sie ver­tragen, Adam und Eva jedoch noch nicht. Denn die Früch­te ent­hiel­ten zu­sammen­zie­hende Kräfte, unter deren Einfluss die feinst­off­liche Mate­rie ihrer Körper sich ver­festi­gen und ver­dich­ten muss­te. Und ge­nau das ge­schah. Des­halb spricht die Über­liefe­rung von einem »Fall«. Dieser Aus­druck symboli­siert den Über­gang von einer feinst­off­lichen in eine grob­stoff­liche Mate­rie. Nach­dem Adam und Eva von der ver­bote­nen Frucht ge­gessen hatten, wurden sie schwer und plump, was die Worte aus­drü­cken: »Sie wurden ge­wahr, dass sie nackt waren.« Nackt waren sie auch vor­her ge­wesen, aber sie sahen sich in Licht ge­klei­det. Nach ihrer Ver­feh­lung fühlten sie sich jedoch plötzlich ihres Licht­klei­des be­raubt, sie schäm­ten und ver­bargen sich.

Adam und Eva lebten weiter, nach­dem sie vom Baum der Er­kennt­nis ge­sessen hatten, aber für einen höhe­ren Be­wusst­seins­zu­stand waren sie ge­stor­ben: Sie wurden aus dem irdi­schen Para­dies, dem Symbol dieses Be­wusst­seins­zustan­des, ver­trie­ben. Und seit­dem hütet ein mit einem Schwert be­waff­neter Engel den Ein­gang. Adam und Eva wurden aus dem »irdi­schen« Para­dies ver­trie­ben; also waren sie schon auf der Erde. Was be­deutet es dann, dass sie nach dem Ver­lassen des Para­dieses »auf die Erde« ge­schickt wurden? Um welche Erde han­delt es sich? Die Kab­bala lehrt, dass die Erde in sieben Formen exis­tiert. Sie nennt ihre Namen, ihre charakte­ristischen Merk­male, die von den grob­stoff­lichs­ten bis zu den feinst­off­lichs­ten rei­chen. Und ge­rade die feinst­off­lichs­te Ebene ist es, von der die Men­schen ver­trie­ben wurden. Was weiß man von der Erde? Nicht viel!

Der Ein­wei­hungs­wissen­schaft zu­folge hat die Erde ein ätheri­sches Doppel, das sie wie eine licht­volle Atmo­sphäre um­hüllt. Diese ätheri­sche, feinst­off­liche Erde ist die wahre, aus Gottes Händen her­vor­gegan­gene Erde, von der die Gene­sis spricht. Die wahre Erde ist nicht die er­starr­te, ver­dich­tete Erde, die wir hier be­rühren, sondern die ätheri­sche. In diese Region, Para­dies ge­nannt, stell­te Gott die ersten Men­schen. Dort lebten sie mit dem strah­len­den, lich­ten Körper, von dem ich eben sprach. Sie kann­ten weder Leid noch Krank­heit noch Tod.

Und wisst ihr, dass es dieses Para­dies immer noch gibt? Es nie auf­gehört hat zu exis­tieren? Ob­wohl man es nicht sieht, ist es über­all, jedoch im feinst­off­lichen Be­reich der Mate­rie, denn die ätheri­sche Ebene ist stoff­lich. Auch den Baum des Ewigen Lebens gibt es noch im Para­dies. Er steht für die Ele­mente, die die ersten Men­schen aufnahmen, von denen sie sich nährten. Sie lebten in dieser ätheri­schen Sub­stanz der Erde und nähr­ten sich von ihr. Durch diese ätherische Substanz wurden Licht und Rein­heit ihres Lebens aufrechter­halten. Ich erwähn­te be­reits, dass der Baum des Lebens kein Baum war, son­dern ein Strom, ein von der Sonne aus­gehen­der Strom. Die Men­schen nähr­ten sich von den Sonnen­strah­len, die diese Region durch­strö­men. Der Baum des Lebens ist die Sonne!

Und da der Mensch die­selbe Struk­tur wie in der fernen Ver­gangen­heit seiner Er­schaf­fung bei­behal­ten hat, be­sitzt er noch die Fähig­keit in sich, er­neut die Sonnen­strah­len auf­zu­nehmen, wieder die Früch­te vom Baum des Lebens zu essen, also in den Schoß Gottes zu­rück­zukeh­ren. Jede Reli­gion hat ihre eigene Spra­che, ihre eige­ne Aus­drucks­weise, aber alle spre­chen von der Wieder­ver­eini­gung mit Gott, von der Rück­kehr zum Urgrund aller Dinge. Sie ver­wenden unter­schied­liche Be­griffe, aber sie spre­chen alle von der­selben Wirk­lich­keit.

Was ist nun der Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse? Er stellt einen anderen Strom dar, der auch durch das Para­dies zog. Und er ist es, der die Men­schen mit der grob­stoff­lichs­ten Form der Erde in Kon­takt brach­te. Gott hatte zu den ersten Men­schen ge­sagt: »Be­gnügt euch damit, den Be­reich des Lebensbaumes zu er­for­schen. Für euch ist die Zeit noch nicht ge­kommen, dieses Reich des Lich­tes zu ver­lassen, um hinab­zu­stei­gen und die Wur­zeln der Schöp­fung zu er­grün­den. Lasst diese Frage im Moment bei­seite, ver­sucht nicht, alles auf ein­mal wissen zu wollen.« Da nun dieser zweite Baum auch exis­tierte, konnte man ihn nicht ein­fach fällen, wie man auch einem Men­schen den Darm oder die Leber usw. nicht einfach heraus­nehmen kann. Denn so wie das Uni­versum, be­steht auch der Mensch aus zwei Be­rei­chen: einem höhe­ren, der dem Baum des Lebens ent­spricht, und einem niede­ren, der durch den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse symboli­siert wird. In ihm be­finden sich die Wur­zeln der Dinge.

Die Früch­te des Baumes der Er­kennt­nis hatten derart stark zu­sammen­zie­hende Eigen­schaf­ten, dass die ersten Men­schen ihnen nicht wider­stehen konn­ten. Sie stell­ten die Strömung »co­agula« dar, und der Herr wusste, dass sich durch den Kon­takt mit ihr die Be­schaf­fen­heit des Be­wusst­seins von Adam und Eva sofort ver­ändern würde. Und so ge­schah es. Bei der Be­rüh­rung mit dieser zu­sammen­zie­henden Kraft ver­wan­delte sich die Mate­rie ihres Kör­pers und be­gann, fest, dicht, un­durch­sichtig und stumpf zu werden. Als Gott den ersten Men­schen ver­bot, von diesen Früch­ten zu essen, das heißt diesen Strom zu er­for­schen, diese Kräfte der Natur zu er­fahren, wollte Er sie vor Leid, Krank­heit und Tod schüt­zen – dem Tod des physi­schen Kör­pers natürlich und nicht dem Tod des Geis­tes – denn sie waren un­sterb­lich er­schaf­fen worden. Ihr lich­tvolles Da­sein war so jedoch gestorben, und sie er­wach­ten zu einem ande­ren, finsteren und schwe­ren Da­sein. Sie muss­ten folglich dieses Reich ver­lassen, das Para­dies, in dem sie in Un­be­schwert­heit, Licht und Freude lebten und in die niede­ren Schich­ten der Erde hinab­­stei­gen, in denen wir heute leben. Denn wir sind jetzt auf dieser Erde, weil wir jene andere Erde, unse­re ur­sprüng­liche Heimat, ver­lassen haben.

Wer war nun diese Schlan­ge, die Eva ver­suchte? Diese intelli­gente Schlan­ge, die spre­chen konnte und so über­zeu­gende Worte fand? Die Schlange ist ein Symbol von sehr tiefer und umfassender Be­deu­tung, das in allen Reli­gionen zu finden ist. Alle Ein­geweih­ten haben sich zu allen Zeiten mit der Schlan­ge be­schäf­tigt, auch wenn sie nicht offen davon spre­chen woll­ten. Dieses Symbol der Schlan­ge reprä­sentiert schein­bar sehr unterschiedliche Wirk­lich­keiten: die Kundalini-Kraft, das Böse, den Teufel oder auch die magi­sche Kraft, die die Dinge vom Himmel zur Erde und von der Erde zum Himmel leitet.

Die Ein­geweih­ten halten die Schlan­ge nicht für das ab­solute Symbol des Bösen. Sie unter­schei­den einen niede­ren, stump­fen und dunk­len Teil an ihr und einen höhe­ren, licht­vollen. Für sie ist die Schlan­ge das magi­sche Agens, das sowohl das Gute als auch das Böse weiter­leitet, das »Astral­licht«, wie Eliphas Lévi es nennt, das auf seinem Weg schäd­liche Wir­kungen aus­löst, wenn es un­reine Ele­mente ent­hält. Wenn es aber mit den licht­vollen Ge­danken der Heili­gen und Pro­pheten ge­tränkt ist, leitet es diese bis zum Thron Gottes. Die Schlange ist also in ihrer höhe­ren Hälfte licht­voll und dunkel in ihrer niede­ren Hälfte. Im Zohar, dem »Buch der Herr­lich­keit«, findet man ein Bild, das einen weißen lich­ten Kopf darstellt, der sich im Ab­grund, im See der dich­ten Mate­rie, als schwar­zer, ent­setz­licher Kopf wider­spie­gelt. Es ist der Schat­ten Gottes… Doch diese Dinge möchte ich für später zu­rück­stel­len, wenn ihr für ihr Ver­ständ­nis besser vor­berei­tet seid. Die Schlan­ge (oder der Drache) ist also ein Symbol dieses magi­schen Agens, welches das ganze Uni­versum bis zu den Ster­nen durch­dringt und sowohl gute als auch schlech­te Aus­strah­lungen weiter­leitet.

Wenn ihr die Tarotkarten kennt, wisst ihr, dass die 15. Karte den Teufel dar­stellt. Stanislas de Guaita hat die Tiefe dieses Arcanums ver­stan­den, denn er beschreibt auch ein Bild, das in der oberen Hälfte das strah­len­de, licht­volle Ant­litz eines sieg­rei­chen, all­mäch­tigen Ein­geweih­ten zeigt und in der unte­ren Hälfte wie ein Zerr­bild das er­schre­ckende, frat­zen­hafte, zor­nige Ge­sicht eines ge­falle­nen Wesens: das Bild des Teu­fels. Beide zu­sammen bilden ein und die­selbe Wirk­lich­keit. Diese kann auch durch zwei Drei­ecke dar­ge­stellt werden, die aber nicht wie beim Siegel Salo­mons. Diese Figur be­deutet, dass der Teufel und das licht­volle magi­sche Agens die­selbe Wirk­lich­keit dar­stel­len, jedoch in ver­schie­denen Regionen. Es ist wie beim Men­schen: Seine nie­dere Seite ist schmut­zig und ab­sto­ßend, seine höhere da­gegen schön, himm­lisch und gött­lich. Alles hängt also davon ab, mit wel­chen Kräf­ten er arbei­tet, in wel­cher Region sich sein Be­wusst­sein be­findet und mit wel­chen Ele­menten er um­geht und in Berührung kommt.

Die Schlan­ge der Gene­sis stellt also einen von der Erde auf­stei­genden Strom dar, der sehr hohe Regio­nen er­reicht. In den Höhen ist er rein und licht­voll, in den niede­ren Regio­nen da­gegen matt und ab­sto­ßend. Auf jeden Fall befand er sich im Garten des Para­dieses, denn das war auch sein Bereich. Eva ging dort spa­zieren. Da sie sehr neu­gierig war, wollte sie wissen, was dieser Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse eigent­lich war. Sie prüfte ihn von weitem, um sich eine erste Vor­stel­lung davon zu machen. Aber die Neu­gierde plagte sie, und so ging sie immer näher heran. Je länger sie ihn jedoch be­trach­tete, desto emp­fäng­licher wurde sie für die Stimme der Schlan­ge, das heißt für den irdischen Strom, die ihr klug zu­redete: »Siehst du, du weißt nicht alles. Du musst noch zu uns kommen und lernen, denn wir be­sitzen ein großes Wissen.«

Diese Schlan­ge war übri­gens nicht ein Einzel­wesen, son­dern eine Schar von Ge­schöp­fen, die Gott lange vor den Men­schen er­schaf­fen hatte – eine Genera­tion von Engeln, Erz­engeln und Gott­heiten, von Gott be­auf­tragt, in den Tiefen der Erde an Metal­len, Kris­tallen, dem Feuer usw. zu arbei­ten, alle unter­irdi­schen Schät­ze vor­zu­berei­ten, und um nach ge­taner Arbeit wieder zu Ihm zu­rück­zukeh­ren. Ja, so sagt es die Über­liefe­rung, nicht ich. Ich füge nur von Zeit zu Zeit ein paar kleine Aus­schmü­ckungen hinzu, ein paar Unter­haltungen, um die Erzäh­lung leben­diger zu machen, aber ich er­finde nichts. Die Über­liefe­rung be­stä­tigt also, dass Gott Licht­wesen, eine ganze Hierar­chie von Engeln und Erz­engeln er­schaf­fen hatte, die nach Er­fül­lung ihres Auf­trages wieder in den Schoß des Ewigen zu­rück­kehren soll­ten. Aber da sie frei waren, woll­ten einige, be­ein­flusst von diesem Leben da unten nicht mehr zu­rück­kehren, und das war der Auf­stand der Engel. Sie haben nicht oben im Himmel revol­tiert, son­dern als sie weit von Gott ent­fernt waren.

Der Schöp­fer wollte sie jedoch nicht mit Tod oder Ver­nich­tung stra­fen. Er sagte zu ihnen: »Bleibt dort unten; ihr werdet viel lernen, und wenn ihr ge­nug habt vom Leben in Fins­ter­nis und Be­gren­zung, kommt zu­rück. Ich werde euch wieder auf­nehmen.« Ja, sogar den ge­falle­nen Wesen gab er die Mög­lich­keit, zu Ihm zu­rück­zukeh­ren. Seht ihr, so ist die Liebe Gottes. Wenn Gott Liebe ist, wie könnte er die Schul­digen, die zu Ihm zu­rück­kehren wollen, für immer ab­weisen? Nein, das wäre Grau­samkeit, das ist nicht ­mög­lich. Da er die ab­solute Liebe ist, werden selbst die Dämonen zu Ihm zu­rück­kehren können. Denn man darf nicht glau­ben, dass sie in dieser Situ­ation glück­lich sind. Nein, sie leiden; aber ihr Hoch­mut hin­dert sie daran, zu Gott zu­rück­zukeh­ren. Die Tür bleibt für sie jedoch offen, und wenn sie be­reuen und auf­hören, den Men­schen zu scha­den, werden sie den ver­lore­nen Platz wieder ein­nehmen, und Luzi­fer wird wieder der Erz­engel des Lichts werden.

Eine Über­liefe­rung be­rich­tet, dass in dem Moment, als Luzi­fer mit den auf­ständi­schen Engeln in den Ab­grund ge­stürzt wurde, ein Stein aus seiner Krone fiel, ein riesen­großer Sma­ragd. Und aus diesem Sma­ragd soll der Hei­lige Gral ge­formt worden sein, der Kelch, in dem das Blut Chris­ti auf­gefan­gen wurde. Ja, welche Ver­bin­dungen be­stehen zwi­schen Luzi­fer und Chris­tus? Was haben sie mit­einan­der zu tun…?

Aber kehren wir zur Schlan­ge zu­rück. Ich sagte euch, dass sie das Symbol für alle die Geis­ter ist, die sich von Gott ge­trennt haben. Dies waren hoch­ent­wickel­te Wesen, die ein phantas­tisches Wissen und enorme Kennt­nisse be­saßen. Und dank dieses Wis­sens und dieser Kennt­nisse ge­lang es ihnen übri­gens, Eva zu ver­führen, in­dem sie ihr ver­spra­chen, sie in ihre Ge­heim­nisse ein­zu­weihen. Die Schöp­fungs­geschich­te stellt es so dar, dass Eva den Apfel aß… Einen Apfel zu essen – was ist daran so krimi­nell? Jeder isst Äpfel! Es ist jedoch die symbo­lische Seite, die inte­ressant ist. Unter diesem Apfel ist eine ganze Lehre zu ver­stehen, die Adam und Eva bis dahin un­be­kannt war. Die Schlan­ge sagte zu Eva: »Gott ver­bietet euch, die Früch­te dieses Baumes zu essen, weil Er weiß, dass ihr dann ge­nau­so mäch­tig werdet wie Er, und das will Er nicht. Er hat euch ge­sagt, dass ihr ster­ben würdet, aber das ist nicht wahr. Ihr werdet leben und Be­reiche ken­nen lernen, die euch bis jetzt un­be­kannt ge­blie­ben sind.« Da ließ Eva sich ver­führen, und der Kab­bala zu­folge emp­fing sie zum ers­ten Mal und wurde schwan­ger. Das war die erste Ein­wei­hung. Be­geis­tert eilte sie zu Adam und be­rich­tete ihm von ihrer neuen Erfah­rung. Vor­her war dieser Be­reich beiden un­be­kannt ge­wesen.

Aber hier müsst ihr wissen, dass es meh­rere Deu­tungs­mög­lich­keiten für den Be­richt der Bibel gibt. Denn der Garten Eden mit dem Baum des Lebens und dem Baum der Er­kennt­nis von Gute und Böse ist das Symbol einer Wirk­lich­keit, die nicht nur im Uni­versum exis­tiert, son­dern auch im Men­schen selbst. In der einen oder der ande­ren Form kosten Mann und Frau in ihren physi­schen Kör­pern (symbo­lisch dem Garten Eden) immer noch von der Frucht des Lebensbaumes oder des Baumes der Er­kennt­nis von Gut und Böse. Adam und Eva hatten sehr wohl beide diesen Baum der Er­kennt­nis des Guten und des Bösen in sich, aber sie aßen nicht von seinen Früch­ten. Sie kann­ten ihre Eigen­schaf­ten nicht. Die erste Ein­wei­hung Adams und Evas be­stand also darin, mit den ihnen un­bekann­ten Kräf­ten der Natur in Be­rüh­rung zu kommen. Da es in dem Schlan­ge ge­nann­ten Egregore weib­liche Wesen­heiten gab, wurde Adam von einem Dämon, der in der Über­liefe­rung unter dem Namen Lilith bekannt ist, ein­ge­weiht, wäh­rend Eva von einem Dämon namens Samael ein­ge­weiht wurde. Und Adam aß seiner­seits von der Frucht. Von diesem Augen­blick an gingen Adam und Eva ge­trenn­te Wege. Ihre Ein­heit als Paar war zer­bro­chen.

Nun be­gann die zu­sammen­zie­hende Kraft ihre Arbeit der Ver­dich­tung. Bis­lang hatten Adam und Eva einen Körper aus Licht und schäm­ten sich ihrer Nackt­heit nicht. Aber nun, da sie sich der­art dicht, schwer und plump sahen, schäm­ten sie sich ihrer Nackt­heit. Des­halb heißt es in der Bibel, dass sie »sich im Garten ver­steck­ten«. Aber wie soll man sich verstecken? Dem Blick Gottes kann man sich nicht ent­ziehen.

Man darf aber nicht glau­ben, dass Gott zornig war, als Er sah, dass sie von dieser Frucht ge­gessen hatten. Wie hätte Er zornig sein können, frage ich euch? Ihr könn­tet sagen, das wäre in An­be­tracht ihres Un­gehor­sams normal ge­wesen. Aber woher wisst ihr, dass dieser Un­gehor­sam nicht Teil der Pläne des Herrn war? Die Ge­schich­te der Erb­sünde ist die Ge­schich­te vom Ab­stieg des Men­schen in die Mate­rie. Die Frage ist nun aber, ob nur der Mensch darü­ber be­stimmt hat, oder ob nicht der Herr un­er­gründ­liche, ferne, groß­artige Pläne hatte, inner­halb derer die Men­schen trotz allem eine ge­wisse Frei­heit der Wahl be­hiel­ten, näm­lich im Para­dies zu blei­ben oder andere Be­reiche der Schöp­fung zu er­for­schen.

Das, was manche Reli­gionen Sünden­fall nennen, ist nichts ande­res als die Ent­schei­dung der ersten Men­schen, hinab­zu­stei­gen und die Mate­rie zu er­for­schen. Diese Vor­stel­lung kann auch durch das Bild des Baumes ver­an­schau­licht werden. Man kann sagen, dass die ersten Men­schen, die im Para­dies lebten, in der Krone des Baumes wohn­ten. Die Krone des Baumes sind auch die Blüten. Sie lebten also in den Blüten, und dort waren sie in Ver­bin­dung mit dem Licht, mit der Wärme, dem Leben, der Schön­heit, der Frei­heit… Sie könn­ten sich nun aber ge­fragt haben: »Was ist dieser Baum eigent­lich? Woher kommt diese Ener­gie, dieser Saft? Wir sehen einen Stamm, aber weiter unten ist auch noch etwas Ver­borge­nes. Was ist das? Wir möch­ten es wissen. »Da man die Dinge, um sie ken­nen zu lernen, an Ort und Stelle er­for­schen muss, haben diese ersten Men­schen ihre herr­liche Bleibe ver­lassen, die den Himmel be­rührte, und sind über den Stamm bis zu den Wur­zeln hinab­gestie­gen. Wenn man aber den Ort wech­selt, muss man neue Be­din­gungen er­tragen. Und jetzt, da sie sich in den Wur­zeln be­finden, leiden sie, jam­mern sie, weil es dort fins­ter und schwer ist und sie sich er­drückt fühlen.

Tröst­lich ist aber trotz allem, dass dieses ganze Leben, das der Mensch im Para­dies ge­nossen hat, sich in seinem Inne­ren als un­aus­lösch­licher Ein­druck ein­ge­prägt hat. Er ist da, und ab und zu emp­findet der Mensch ein Echo dieser Harmo­nie und Herr­lich­keit, er kostet von neuem Augen­blicke im Para­dies in der Schön­heit, der Musik, der Poesie. Das Para­dies ist im Inneren jeder mensch­lichen Seele, denn jede lebte ursprünglich im Para­dies. Heute führen die Men­schen jedoch ein so ge­wöhn­liches, stump­fes, be­grenz­tes Leben, dass sie nicht mehr die Voraus­set­zungen haben, sich zu erin­nern. Manchmal wenn sie sich in eine mysti­sche Lek­türe vertiefen, be­stimm­ten Ge­schöp­fen be­gegnen, Land­schaf­ten be­trach­ten oder schöne Musik hören, er­wacht etwas in ihnen, und sie kosten von neuem für kurze Zeit das Para­dies. Leider ist nach eini­gen Minu­ten alles wieder aus­ge­löscht; sie ver­gessen das Er­lebte oder meinen sogar, es sei eine Täu­schung ge­wesen, bei der man nicht ver­weilen soll. Diese Über­legung ist schade, denn solche himmli­schen Be­wusst­seins­zustän­de ent­spre­chen einer Wirk­lich­keit. Sie sind sogar das Wirklichste, das es gibt, und es ist wün­schens­wert, solche Augen­blicke sooft wie mög­lich zu er­leben, bis man end­gültig ins Para­dies, in den Schoß Gottes zu­rück­kehrt.

Diese Rück­kehr wird eines Tages ge­sche­hen. Gott ist immer da, um uns zu emp­fangen und uns in seine Arme zu schlie­ßen. Er ist den Men­schen nicht böse, nein, Er wartet auf sie bis zu dem Tage, da sie zu Ihm zu­rück­kehren wollen. Und da Er ihnen die Ewig­keit geschenkt hat, ist Er groß­zügig, ver­ständ­nis­voll und sagt: »Sie werden eine Weile, ein paar Mil­lionen Jahre, leiden. Aber dann werden sie zu­rück­kehren und so glück­lich sein, dass sie all das ver­gessen. Ihr Geist ist un­sterb­lich. Es ist nicht schlimm; es ist nicht schlecht, ein biss­chen zu leiden. Was sind schon ein paar Mil­lionen Jahre, ge­messen an der Ewig­keit?« Seht ihr, so denkt der Herr. Seine Über­legun­gen sind anders als die unse­ren. Er hat es weni­ger eilig .

Bis die Men­schen in den Schoß Gottes zu­rück­kehren, lernen sie viel. Und da sie nun ein­mal mit der Er­for­schung der festen Mate­rie be­gonnen haben, müssen sie sie auch zu Ende führen. Sie hätten ewig in der gött­lichen Welt blei­ben können, aber ein­mal hinab­gestie­gen, sind sie ge­zwun­gen, alle Stufen zu durch­laufen. Stellt euch vor, ihr wäret auf dem Gipfel eines Berges. Wenn ihr ver­nünf­tig seid und auf­passt, dass ihr nicht aus­rutscht, stürzt ihr nicht ab, und könnt dort oben blei­ben, so­lange ihr wollt. Sobald ihr aber anfangt zu rutschen, seid ihr ge­zwun­gen, einem be­stimm­ten Weg zu folgen, über Felsen und durch Dornen, stän­dig in Ge­fahr, in Ab­gründe zu stür­zen. Habt ihr einmal eine Ge­setzmäßigkeit, einen Mecha­nis­mus aus­gelöst, hängt nichts mehr von euch ab; ihr habt nicht mehr die Macht, zu tun, was ihr wollt sondern müsst durch alle mög­lichen Schick­sals­prü­fungen gehen.

Man darf nicht glau­ben, dass sich die Ge­schich­te der Mensch­heit ohne das Ein­ver­ständ­nis des Herrn ab­spie­len konnte und dass weder ihr Un­gehor­sam noch die Wech­sel­fälle ihres Schick­sals vor­her­gese­hen waren. Der Mensch hat sich von Gott ent­fernt, aber Gott war nicht ab­solut da­gegen, sonst hätte der Mensch sich ganz einfach nie­mals ent­fernen können. Alles, was der Mensch tut, ge­schieht ge­wisser­maßen mit der Zu­stim­mung Gottes. Und jetzt wird er zu Ihm zu­rück­kehren. Auf die In­volu­tion folgt die Evolu­tion, oder die Rückführung, die Rück­kehr in den Schoß des Ewigen, wie es in der Ein­wei­hungs­wissen­schaft heißt.

Damit ihr seht, dass dieser Ge­danken­gang nicht im Wider­spruch zur Lehre Jesu steht, will ich euch zeigen, dass er im Gleich­nis vom ver­lore­nen Sohn ent­halten ist. Ihr kennt dieses Gleich­nis? Ein junger Mann hatte sein Eltern­haus ver­lassen, um in ein fernes Land zu gehen, wo er sein ganzes Geld ver­schwen­dete. Er hatte nicht einmal mehr etwas zu essen. Schließ­lich war er ge­zwun­gen, Schwei­ne zu hüten, um zu über­leben. Aber man gab ihm nicht ein­mal die Eicheln, von denen sich die Schwei­ne nähr­ten, und er hatte Hunger. Da erin­nerte er sich an sein Eltern­haus, wo es reich­lich Nah­rung gab, und er ent­schloss sich zur Rück­kehr. In diesem Gleich­nis hat Jesus die Ge­schich­te der Mensch­heit zu­sammen­ge­fasst. Ihr wisst, wie der Vater seinen Sohn emp­fing: Als er ihn von weitem kommen sah, lief er ihm ent­gegen, schloss ihn in seine Arme und ordnete an, zur Feier seiner Rück­kehr das beste Kalb zu schlach­ten. Das ist ge­nau das, was ich euch er­zähle.

Der Herr wartet auf die Rück­kehr des Men­schen, der in die Welt ziehen wollte. Er war neu­gierig; er wollte Ent­deckun­gen machen – warum ihn daran hin­dern? Der Herr wusste im Voraus, dass er un­glück­lich werden, dass er Hunger und Durst haben, dass er leiden würde, weil nie­mand ihn so lieben würde wie Er. Er wusste, dass der Mensch dann aber zu­rück­kehren und alles wieder gut werden würde. Man stellt sich immer vor, der Herr sei über den Fehl­tritt des Men­schen er­zürnt ge­wesen. Ganz und gar nicht! Der Herr ließ ihn ge­währen. Er tat dies in guter Absicht und sagte sich: »Früher oder später werden meine Kinder zu­rück­kehren.« Und wie der Vater des ver­lore­nen Sohnes wird Er ihnen ein Fest­mahl be­reiten, um sie zu laben.

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Leseprobe Broschüre 301 – Das Neue Jahr

Leseprobe Broschüre 301 - Das Neue Jahr

Leseprobe Broschüre 301 – Das Neue Jahr

I

 Ich möchte euch heute einiges darüber sagen, was uns die esoterische Tradition über den ersten Tag eines neuen Jahres lehrt. Aber ihr wisst, dass mich einzig die Kenntnisse interessieren, die man auch praktizieren kann; also könnt ihr das, was ich euch sage, sofort in eurem täglichen Leben anwenden.

Meist findet man am ersten Tag des Jahres die Leute in den Tanzbars und den Nachtclubs. Sie möchten gern das neue Jahr begrüßen und beginnen es deshalb mit Vergnügungen, Freuden und Narrheiten. Aber danach werden sie das ganze Jahr genauso in Nichtigkeiten und Unüberlegtheit leben, und weil Unüberlegtheit Missgeschicke nach sich zieht, werden diese sehr schnell erscheinen. Es ist dumm, das Jahr auf solche Weise zu beginnen und beweist, dass man keine Ahnung vom spirituellen und magischen Aspekt der Dinge hat. Aber genau das ist es, was mich interessiert.

Die Kabbala lehrt uns, dass jeder Tag ein lebendes, sensibles Wesen ist, das all unsere physischen und psychischen Aktivitäten aufzeichnet. Man kann also sagen, dass die 365 Tage des Jahres wie ein Tonband sind, auf dem jeder Tag mit seinen guten oder schlechten, glücklichen oder unglücklichen Aspekten aufgenommen wird. Jedes Jahr unseres Lebens stellt so ein bespieltes Tonband dar.

Das neue Jahr ist ganz neu, aber gleichzeitig ist es alt durch all das, was der Mensch schon erlebt hat. Wie das reine Wasser der Berge sich mit dem stehenden Wasser der Ebene vermischt, so ist das neue Jahr nicht wirklich ganz neu, weil es von Menschen gelebt wird, die zu viele alte Dinge mit sich herumschleppen. Und deshalb schaffen sie es nicht, ein neues Leben zu führen, obwohl alles neu ist. Das neue Jahr ist jungfräulich und ohne Makel, aber wohin strömt es, in wen tritt es ein? Die Vergangenheit, d.h. die Zustände und die Ereignisse, die der Mensch gelebt hat, werden in ihm aufgezeichnet und bleiben dort eingeprägt; und deshalb fällt es ihm so schwer, diese Prägungen, diese Aufzeichnungen und diese Klischees der Vergangenheit zu löschen. Um das zu erreichen, braucht er ein großes Wissen und auch viel Geduld und Willenskraft.

Aber wenn ich von der Vergangenheit spreche, handelt es sich nicht nur um die Vergangenheit dieser Inkarnation, die Tage und Jahre, die man gerade gelebt hat. Es geht auch um die anderen Inkarnationen, denn der Mensch schleppt die Aufzeichnungen seiner nahen und fernen Vergangenheit mit sich. Nur die Eingeweihten wissen, wie sie an sich arbeiten müssen, um sich von den Belastungen der Vergangenheit zu befreien. Die anderen ahnen nicht einmal, dass man arbeiten muss, damit die Gegenwart, die immer neu hervorsprudelt, nicht vom Alten, Verfaulten oder Hinfälligen angesteckt wird. Ihr seht, die Frage ist nicht so einfach, wie man glaubt.

Leider denkt die Mehrheit der Leute nicht daran, dass es etwas zu studieren, zu vertiefen und umzuwandeln gibt. Sie erwarten jedes neue Jahr mit der festen Hoffnung, dass ihnen dieses endlich das bringen wird, was sie sich wünschen: den großen Lottogewinn, die Hochzeit mit einem Prinzen, die sagenhafte Erbschaft einer Großmutter oder des Onkels aus Amerika. Andere suchen Tag und Nacht nach Lösungen, die es ihnen ermöglichen, verborgene Schätze in Höhlen oder auf dem Meeresgrund zu finden. Man will immer in Illusionen leben, man sagt sich: »Das neue Jahr wird mir dies oder das bringen«, und man wartet ab. Aber das Jahr geht vorbei wie die anderen, und manchmal sogar schlimmer als die anderen. Man hat nichts gesät und erwartet, dass etwas wächst! Nein, unter diesen Bedingungen ist niemals etwas irgendwo gewachsen. Wenn ihr etwas gepflanzt habt, dann habt ihr auch das gute Recht, Früchte zu erwarten; sonst gibt es nichts zu erwarten.

Habt ihr gearbeitet? Habt ihr die Erde bestellt – eure eigene Erde? Habt ihr etwas in euch selbst gesät und gepflanzt? Dann könnt ihr erwarten, dass das neue Jahr euch Freude, Glück und Frieden bringt; und selbst wenn ihr das nicht erwartet, wird es euch das alles bringen. Aber wenn ihr niemals etwas gepflanzt habt und trotzdem hofft… welch trostlose Hoffnung, das versichere ich euch! Denn sie ist auf keinem Naturgesetz begründet.

Das neue Jahr ist von dem vorhergehenden nicht vollkommen getrennt. Vielleicht nicht direkt, aber indirekt ist es immer noch mit ihm verbunden. Weil es neu ist, scheint das Jahr jungfräulich und frisch wie ein Kind… und von einem Kind, das gerade geboren ist, sagt man, es sei ohne Makel, unschuldig. Ja, aber nur anscheinend, denn dieses Kind, das schon verbunden ist mit seinen Eltern, seinen Großeltern und seinen Urgroßeltern, mit der Gesellschaft und dem Geist des Jahrhunderts, bringt auch die Eindrücke aus seinen früheren Leben mit, und eines Tages tritt dies alles auf die eine oder andere Weise zutage. Das neue Jahr ist jungfräulich, rein und unschuldig; es ist aus Stoffen von einem unbefleckten Weiß gewebt, aber sobald es mit den Menschen in Kontakt kommt, beginnt es sich zu färben: wie das reine Wasser, das vom Himmel kommt und die Farbe der Böden annimmt, auf denen es fließen muss.

Das Jahr, welches man neu nennt, ist also schon alt von seinem Beginn an, weil es auf einen Menschen trifft, der schon alt ist in seinen Gedanken, seinen Gefühlen und seinen Gewohnheiten. Der Mensch hat nicht daran gedacht, die Behälter, die Töpfe oder die Krüge zu säubern, mit denen er das reine Wasser des neuen Jahres auffangen will, obwohl man das eigentlich in jeder Küche lernt. Wenn man sauberes Wasser in ein Gefäß füllen will, reinigt man es, und manchmal ist man sogar gezwungen, die Wände des Gefäßes zu scheuern, weil sonst das Wasser schmutzig werden  würde. Selbst die Kinder wissen dies. Aber wenn es darum geht, reines Wasser in seine Seele, in seinen Kopf oder in sein Herz zu gießen, denkt der Mensch nicht daran, sich selbst zu reinigen. Er hat nichts von dem behalten, was er jeden Tag in seiner Küche macht. Er hat nicht verstanden, dass er innerlich dieselben Regeln befolgen muss: rauswerfen, was schon schmutzig ist und nur das behalten, was rein ist.* Wie viele Details aus dem täglichen Leben können uns diese Wahrheit begreiflich machen! In einem Haus zum Beispiel gibt es Bilder, schöne Möbel oder wertvollen Schmuck, die man jahrelang, manchmal sogar jahrhundertelang aufhebt. Aber alles, was keinerlei Wert hat, wirft man weg. Auch die Blumen behält man ein paar Tage, und dann muss man sie ersetzen… Aber der Mensch glaubt, ewig alles in sich behalten zu können, was alt, schmutzig und verdorben ist!

Man muss das neue Jahr jetzt besser verstehen, es mit der tiefen Überzeugung empfangen, dass es ein lebendiges, reiches Wesen ist, das große Geschenke mit sich bringt. Und dass man, um diese Geschenke zu empfangen, viele Orte in sich selbst vorbereiten und sie unablässig säubern muss, um die alten Dinge, die sich im Herzen und im Kopf angesammelt haben, rauszuwerfen. Schon vor seiner Ankunft muss man im Inneren dem neuen Jahr Platz schaffen.

Die Kabbala sagt außerdem, dass das neue Jahr von den Sternen beeinflusst wird. Die Geburt eines Jahres ist vergleichbar mit der Geburt eines Kindes. Es ist die Geburt eines Lebens, welches ein Jahr dauern wird. Wenn ein Kind geboren wird, erstellt man sein Horoskop nach dem Tag und der Stunde seiner Geburt, um den Ablauf der Ereignisse in seinem Leben näher zu bestimmen. Für das Jahr trifft dasselbe zu, und man muss auch wissen, dass der erste Tag den ersten Monat bestimmt, der zweite Tag den zweiten Monat, der dritte Tag den dritten Monat usw. Man muss also zumindest für die Dauer der ersten zwölf Tage korrekt leben, denken, fühlen und handeln, um eine intelligente, lichtvolle Basis aufzubauen, dank derer die zwölf Monate des Jahres zum Guten hin beeinflusst und bestimmt werden.

Manche werden sagen: »Ich habe alles getan, was mir möglich war, in den ersten zwölf Tagen, aber das Jahr war nicht besonders.« Dann habt ihr es von den alten Dingen der Vergangenheit beeinflussen lassen. Man muss alles in sich säubern, schrubben, waschen und läutern. Aber man tut es nicht, man denkt nicht daran. Natürlich ist es unmöglich, alles an einem Tag zu säubern und zu reinigen. Der Einfluss der vergangenen Jahrhunderte ist vorhanden, und das neue Jahr wird immer mit dem vorhergehenden vermischt sein. Um eine hundertprozentige Verbesserung zu erreichen, müsste man eine Gottheit sein; aber die Situation um zwanzig, dreißig oder fünfzig Prozent zu verbessern, ist für die Schüler schon gut.

Wenn ihr ein Horoskop erstellen wollt, um zu sehen, was euch das neue Jahr bringen wird, dürft ihr nicht die Mitternachtsstunde nehmen, denn – trotz der unterschiedlichen Längen- und Breitengrade – würde das Mitternachtshoroskop ein Horoskop für die gesamte Menschheit sein und nicht den Ereignissen entsprechen, die im Leben des Einzelnen auftreten können. Natürlich ist es möglich, dieses kollektive Horoskop mit eurem Geburtshoroskop zu vergleichen, um Ereignisse vorauszusehen oder zu erklären, aber wenn man ein Jahreshoroskop für eine bestimmte Person erstellen will, muss man den Moment nehmen, in dem er erwacht und seinen Tag beginnt. Das ist der Augenblick seiner »Geburt« am ersten Tag des neuen Jahres. Wenn ein Mann um 11 Uhr morgens aufsteht, dann muss man um 11 Uhr das Horoskop erstellen, weil er in diesem Augenblick begonnen hat, sich zu bewegen, zu rufen und seine Frau zu fragen: »Wo sind meine Strümpfe, mein Hemd?«… und vor allem die unauffindbaren Manschettenknöpfe! Ja, das Leben des Einzelnen ist bestimmt von dem, was er beim Erwachen am ersten Tag des Jahres beginnt.

 

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Leseprobe Gesamtwerk 103 – Die beiden Bäume im Paradies

Leseprobe Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

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Einführung

»Allen meinen Freunden nah und fern, die bei uns teilgenommen haben und die bewusst an der wunderbaren Arbeit der Universellen Weißen Bruderschaft teilnehmen, schicke ich von ganzem Herzen mein »pozdrav i privet«* für ihr Glück und dauernde Freude.«

* Eine bulgarische Begrüßungs-Formel, mit der man dem Gegenüber Gesundheit und Wohlergehen wünscht. Der erste Begriff betrifft die physische Gesundheit, der zweite drückt eher einen Wunsch auf spiritueller Ebene aus.

»Pozdrav i privet« allen meinen geliebten, in Freundschaft verbundenen Brüdern und Schwestern, die dem inneren Ruf, und somit der Einladung gefolgt sind, das neue Leben aus den himmlischen Regionen anzunehmen und zu leben, als Mittler für andere Menschen, die sich nach dem reinen Wasser der Quelle sehnen, nach der belebenden Luft der Berge, nach den leuchtenden Strahlen der Sonne, damit die ganze Welt endlich eine große, lichtvolle Familie wird, in der man sich versteht und in Frieden lebt. Das Goldene Zeitalter der Dichter ist keine Fabel. Das Goldene Zeitalter gab es wirklich. Gott lebte unter den Menschen, die Menschen lebten nach den Gesetzen der Liebe, Güte und Harmonie. Was in der Vergangenheit möglich war durch die Arbeit herausragender Menschen, kann auch heute Wirklichkeit werden. Dazu muss man mit ganzer Kraft und mit allen Mitteln, die uns die einzigartige Lehre der Liebe bringt, den Segen des Himmels und alle Macht der hohen Hierarchien erbitten. Alles ist möglich für den starken entschlossenen Willen, für den erleuchteten und in den Gesetzen der Weisheit unterrichteten Intellekt, für Herzen, die im heiligen Feuer göttlicher Liebe erglühen, für Seelen, die so weit sind wie das All und für mächtige, mit Gott vereinte Geister. Es gibt nichts Schöneres und Großartigeres, als an diesem wunderbaren Werk unserer edlen älteren Brüder teilzuhaben, unter der Führung desjenigen, der uns ein einzigartiges Beispiel gab und da sagte: »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Gehet hinaus und lehret alle Völker, …und lehret sie halten alles, was ich euch gelehrt habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.« (Mt. 28,18) Nichts ist ruhmvoller, als alle seine Kräfte, sein Denken und seine Gefühle auf die Verwirklichung dieses großartigen Vorhabens hin auszurichten: Das Reich Gottes auf der Erde.

»Pozdrav i privet« meinen geliebten Freunden, Brüdern und Schwestern, die Hoffnung, Glaube und Liebe in ihren Herzen bewahrt haben, trotz aller Hindernisse, gegen alle Schicksalsschläge beim Aufstieg zu den höchsten Höhen spiritueller Gipfel, die sich ihren Glauben und ihr Vertrauen in die Kraft der Güte und Liebe bewahrt haben, um Schärfe und Gift menschlicher Herzen zu neutralisieren, die den Glauben an die Macht und Wirksamkeit der Güte bewahrt haben, welche die magische Kraft besitzt, das menschliche Herz zu erleichtern, zu trösten und zu verwandeln.«

»Pozdrav i privet« allen Freunden nah und fern, die voller Freude und Zuversicht, voller Liebe und Mut unermüdlich weitermarschiert sind auf steinigen Wegen, staubtrockenen Pfaden, vorbei an Schluchten und Abgründen, und die trotz heftiger Stürme und Gewitter, trotz giftiger Insekten und wilder Tiere ihren Weg zum gelobten Land gegangen sind und immer noch gehen, wo Flüsse lebendigen Wassers fließen, wo Blumen von göttlicher Schönheit blühen, wo köstliche und duftende Früchte reifen, wo Vögel in himmlischer Harmonie singen und wo die Menschen brüderlich zusammenleben. Zu diesem schönen Land zeigt uns die selbstlose Liebe den Weg. Die Sonne strahlt; sie geht schon auf über der Welt. Die Luft ist rein, der Raum ist unendlich, der Geist ist unsterblich, Gott ist ewig. Seine Schönheit ist unbeschreiblich, Seine Güte ist unerschöpflich, Seine Weisheit unergründlich und Seine Liebe allmächtig!

»Pozdrav i privet« an alle!

 

I

Das theozentrische, das biozentrische und das egozentrische System

 

Freier Vortrag

Ich bin sehr glücklich, dass ich euch heute den Brief vorlesen konnte, den ich vor kurzem von meinem Meister* erhielt.

* Meister Peter Deunov aus Bulgarien. Näheres über ihn siehe Band 1 der Gesamtwerke »Das geistige Erwachen«, Kap. 7 »Bei Meister Peter Deunov in Bulgarien Erlebtes« oder Band 200 der Reihe Izvor »Hommage an Meister Peter Deunov«.

Ihr habt seinen Inhalt verstanden; alles ist klar, einleuchtend und verständlich. Aber es gibt in diesem Brief vielleicht einen Satz, dessen Sinn ihr nicht vollständig erfasst habt, und zu dem ich euch gerne einige Erklärungen geben würde. Der Meister sagt: »Es gibt drei Systeme im Leben: das egozentrische, das biozentrische und das theozentrische. Alle Menschen lassen sich in eines dieser Systeme einstufen.«

Die Bedeutung dieser Begriffe ist leicht zu definieren. Das egozentrische System (vom griechischen »ego« – ich) hat als Zentrum das Ich, das Individuum. Das biozentrische System (vom griechischen »bios« – Leben) hat als Zentrum das Leben mit all seinen verschiedenen Manifestationen. Und das theozentrische System schließlich (vom griechischen »theos« – Gott) hat Gott als Zentrum. Ihr seht also, drei Zentren: das Ich, das Leben und Gott. Übrigens kann man diese drei Systeme auch im Menschen selbst wiederfinden. Das egozentrische System hat seinen Sitz im Bauch und in den Eingeweiden, das biozentrische System hat seinen Sitz im Herzen und in der Lunge und das theozentrische System hat ihn im Zentrum des Gehirns, in der Zirbeldrüse, der Epiphyse.

Das egozentrische System ist mit der »Personalität« verbunden, mit all den Kräften im Menschen, die sich ausschließlich egoistischer Mittel bedienen, um seine rein materiellen Interessen zu wahren und sein Hab und Gut zu schützen.

Das biozentrische System ist bereits mehr den Anderen zugewandt. Es versetzt die Menschen in die Lage, Handel zu betreiben, eine Familie zu gründen und am sozialen Leben teilzunehmen. Im Unterschied zum egozentrischen System, welches das Individuum dazu drängt, nur für sich selbst zu leben, treibt ihn das biozentrische System dazu, für die Gemeinschaft zu arbeiten, den Kreis seiner Aktivität, seiner Beschäftigungen zu erweitern.

Das theozentrische System übertrifft noch das biozentrische System. Im Inneren dieses Systems gibt es nur Platz für all das, was unpersönlich und göttlich ist, für die Qualitäten und Aktivitäten unseres höheren Ichs, das seine Aufgabe darin sieht, alles zu Gott hinzuführen und in jedem Geschöpf Sein Reich zu errichten.

Die Menschen des egozentrischen Systems sind begrenzt, geistig unbeweglich und grob. Sie sind unfähig zu sehen, dass es eine Welt gibt, in der man sich mit Dingen befasst, die den ihren überlegen sind. Sie stellen den Großteil der Menschheit dar, der nur daran denkt, seine primitivsten Bedürfnisse zu befriedigen. Das sind die Menschen, die manchmal für sehr intelligent gehalten werden, weil sie ihre Probleme immer auf Kosten der anderen lösen, sie wissen jedoch nicht, dass sie mit solch einer Haltung nach und nach zerfallen, bis sie zu chemischem Dünger werden.

Die Menschen, die zum biozentrischen System gehören, arbeiten daran, Kommunikationswege vorzubereiten und spirituelle Brücken zu bauen. Sie begeben sich hinaus in den Raum, um zu studieren, zu forschen und anderen von ihren Entdeckungen zu berichten. Sie dienen als Mittler zwischen den Menschen der ersten und der dritten Kategorie. Unter ihnen findet man Künstler, Philosophen und Forscher.

Die Menschen, die dem theozentrischen System angehören, dienen ebenso als Bindeglied. Sie führen die Menschen des biozentrischen Systems zu einem erhabeneren Ideal, zum Schöpfer des Universums. Diese Kategorie umfasst die bemerkenswertesten Mystiker und Philosophen, die Eingeweihten und die großen Meister.

Diese drei Systeme, das egozentrische, das biozentrische und das theozentrische, finden sich überall in der Natur wieder: in den Steinen, in den Pflanzen, den Tieren, den Sternen… Aber wir werden sie besonders im Menschen untersuchen.

Ich habe euch gerade gesagt, dass diese drei Systeme ihren Sitz in uns im Magen, im Herzen und in der Lunge sowie im Kopf haben. Aber man findet sie auch wieder im Gesicht: das egozentrische System im Mund, das biozentrische System in der Nase und das theozentrische System in den Augen. Durch den Mund nimmt der Mensch ständig Nahrung zu sich, die einzig seiner eigenen Lebenserhaltung dient. Bei den Tieren dient der Duft dazu, den ersten Kontakt herzustellen. Und selbst beim Menschen regelt der Spürsinn seine Beziehungen zum Nächsten. Auch das Leben dringt dank der Luft durch die Nase in den Menschen ein. Es heißt in der Genesis, dass Gott dem Menschen eine lebendige Seele durch die Nasenlöcher einhauchte. Man atmet durch die Nase, und die Atmung – sie ist das Leben. Was nun die Augen angeht, so stehen sie für das theozentrische System, weil man mit den Augen das Licht, die Wahrheit und die Schönheit betrachtet.

Diese Entsprechungen sind allerdings nicht absolut, denn je nachdem auf welche Art es sich manifestiert, kann jedes Organ eines dieser drei Systeme repräsentieren. Nehmen wir als Beispiel den Mund. Der Mund repräsentiert das egozentrische System, wenn er Hähnchen, Schinken oder Blutwurst isst; er repräsentiert jedoch das biozentrische System, wenn er sich zu Gespräch und Austausch an andere Menschen wendet, und er repräsentiert das theozentrische System, wenn er über etwas Hochstehendes, etwas Erhabenes spricht, über etwas, was dem Leben einen Sinn verleiht. Das Gleiche kann man von den anderen Organen sagen; in ihnen findet man ebenso die drei Ebenen von Aktivitäten wieder.

Untersuchen wir diese Frage jetzt aus der Sicht der Phrenologie, der Schädellehre. Im Bereich um das Ohr herum, hinterhalb und oberhalb, sowie auf dem höchsten hinteren Punkt des Schädels findet sich das egozentrische System. Seht euch diese Abbildungen an: Das Zentrum 1 versucht, die Personalität und die egoistischen Neigungen in den Vordergrund zu stellen. Die Zentren 2, 3 und 4 versuchen, die Personalität zu verteidigen und sie zu schützen, damit sie ihre Neigungen realisieren kann (Abb. 1).

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Das biozentrische System ist ebenfalls durch zwei Bereiche vertreten. Das eine befindet sich am Hinterkopf und das andere vorne, an der Stirn (Abb. 2). Die Bereiche 5, 6 und 7, am Hinterkopf gelegen, regen im Menschen den Wunsch an, zu heiraten, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben. Die Bereiche 8, 9 und 10 sind bemüht, ihm alle intellektuellen Mittel zu verschaffen, die ihn zur Verwirklichung seiner Wünsche führen werden.

Das theozentrische System schließlich, wird durch die auf dem Oberhaupt gelegenen Bereiche repräsentiert, auf beiden Seiten der Schädelmittellinie (Abb. 3). Dort liegen drei Zentren: die Zentren der Liebe, der Hoffnung sowie des Glaubens an Gott – die drei Tugenden, die man die göttlichen Tugenden* nennt.

* Gemeint sind die drei göttlichen Tugenden (frz.vertus theologales) Liebe, Glaube, Hoffnung, wie sie im Alten und Neuen Testament erwähnt werden; nicht zu verwechseln mit den vier Kardinaltugenden, mit denen sie in den Schriften der Kirchenväter ergänzt werden.

Je nach Entwicklung eines jeden dieser Schädelteile kann man die Menschen einstufen und ihre Neigungen und Vorlieben erahnen.

Die Ohrmuschel repräsentiert ebenso diese drei Systeme:

1. – Der Lobulus (Ohrläppchen) steht für das egozentrische System; je dicker und größer er ist, desto mehr dominiert dieses System.

2. – Die Anthelix (innerer Teil der Ohrkrempe) steht für das biozentrische System.

3. – Die Helix (äußere Ohrkrempe) steht für das theozentrische System

 

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Diese drei Systeme lassen sich ebenfalls im Lebensablauf des Menschen wiederfinden. Wenn das Kind noch ganz klein ist, macht es nichts anderes als zu essen und zu trinken: Es steckt alles in den Mund; alles, was ihm in die Finger kommt, erscheint ihm zum Essen geeignet, und es bildet sich ein, man müsse auf alle seine Quengeleien eingehen. Es denkt weder an seine Eltern noch an seine Brüder oder Schwestern, es ist das perfekte Beispiel des egozentrischen Systems. Dennoch unterstützt, liebt und schützt man das kleine Kind, weil man weiß, dass es eines Tages in ein anderes System wechseln wird… Wenn das Kind dann größer wird, tritt es nicht vollständig aus diesem egozentrischen System heraus, aber es fängt an, sich im biozentrischen System zu entwickeln, es knüpft Freundschaften und nimmt Beziehungen auf. Jahre später wird es zu einem Erwachsenen, der eine Familie gründet und durch seinen Beruf und seine politischen Überzeugungen am sozialen Leben teilnimmt. Es steht vollständig im biozentrischen Leben. Aber die Zeit vergeht und der Mensch wird älter, er fühlt sich erschöpft vom vielen Denken an sich selbst und an die anderen, weil er oft enttäuscht wurde. Er bereitet sich darauf vor, ins Jenseits hinüberzugehen, er entledigt sich seiner Reichtümer, und die Vorstellung von Gott und dem Jenseits beschäftigen ihn. Sein Denken nähert sich dem theozentrischen System.

Natürlich spreche ich hier nur allgemein, denn in Wirklichkeit muss man nicht erst alt werden, um in das theozentrische System einzutreten. Manche jungen Leute sind dort schon sehr früh angelangt, während es Greise gibt, die im egozentrischen System gefangen bleiben.

Nehmen wir jetzt ein Beispiel aus der Astronomie – mit den Sonnen, den Planeten und den Kometen. Die Kometen sind Himmelskörper, die um keine Sonne kreisen. Ihre Bahn ist unvorhersehbar, sie sind die Vagabunden des Raumes. Das Leben von Menschen, die mit dem egozentrischen System verbunden sind, ist identisch mit dem der umherirrenden Kometen; sie hören nur auf ihre Launen und man kann nicht auf sie zählen. Es ist besser, eine Begegnung mit ihnen zu vermeiden, denn sie sind gefährlich, und ihr Erscheinen in unserem Leben gilt, alten Überlieferungen zufolge, wie bei den Kometen, als Vorzeichen von Unglück.

Im Unterschied zu den Kometen kreisen die Planeten um ein Zentrum, um eine Sonne, und sie beschreiben im Raum eine regelmäßige Bahn. Auf die gleiche Weise kreisen die Schüler um einen Eingeweihten oder einen Meister. Das Leben, das sie in Kontakt mit diesem Zentrum führen, lehrt sie jeden Tag neue und nützliche Dinge. Auf den Planeten entwickelt sich eine Flora, eine Fauna, eine Zivilisation. Das gilt ebenso für Menschen, die Planeten gleichen. Die Bewegung der Planeten ist nicht vollkommen regelmäßig – einmal entfernen sie sich etwas von der Sonne, dann nähern sie sich ihr wieder. Das Gleiche geschieht auch mit den Schülern: Einmal nähern sie sich ihrem Ideal, dann wieder entfernen sie sich davon, sie befinden sich abwechselnd in der Freude und im Leid.

Nun, die Menschen, die den Sonnen gleichen, sind die großen Eingeweihten und Meister der Menschheit. Sie tragen Licht, Wärme und Leben in sich, und sie kreisen um ein den Menschen noch fast unbekanntes Zentrum: um Gott. Sie wechseln nicht, wie die Planeten, vom Licht zur Dunkelheit oder von der Freude zur Traurigkeit, sie kennen keine inneren Veränderungen.

Werfen wir ganz kurz einen Blick auf die Bewegungen von Kometen, Planeten und Sonnen. Die Kometen beschreiben keine durchgehende Bahn, die Planeten beschreiben eine spiralförmige Bahn, und von der Bahn der Sonnen kann man sagen, dass es sich um einen Kreis handelt, mit dem Zentrum im Unendlichen.

Wenn wir den Menschen betrachten, finden wir die unterbrochene Linie, wie bei Kometen, in seinen Gliedern wieder, in Beinen und Armen. Die Spirale befindet sich im Torso, im Brustkasten, mit den Bewegungen des Ein- und Ausatmens sowie in den beiden Kreisläufen, dem venösen und dem arteriellen; das ist das Leben der Planeten mit dem Wechsel von Tagen und Nächten… Und der Kreis schließlich, das ist der Kopf, der symbolisch die Bewegung der Sonnen um das Zentrum beschreibt: um Gott in der Unendlichkeit. Das bedeutet, dass die Menschen, die sich im egozentrischen System befinden, in den Armen und Beinen des »kosmischen Menschen« leben, des Adam Kadmon, wie ihn die Kabbalisten nennen. Diejenigen, die mit dem biozentrischen System verbunden sind, leben in seinem Herzen und in seinen Lungen. Und diejenigen schließlich, die mit dem theozentrischen System verbunden sind, leben in seinem Kopf.

Wenn wir nun diese drei Systeme unter den Insekten suchen, finden wir die Spinne als Symbol für das egozentrische System, die Ameise als Symbol für das biozentrische und die Biene als Symbol für das theozentrische System. Viele andere Insekten können diese drei Systeme ebenso repräsentieren, doch diese drei Beispiele sollen genügen.

Die Spinne lebt ungesellig, alleinstehend, sie fängt die Mücken, und sobald sich eine in ihrem Netz verfangen hat, eilt sie zu ihr hin, um sie ins Zentrum ihres Netzes zu bringen und sie zu fressen. Die Ameisen, obgleich sie noch zum egozentrischen System gehören, sind bereits ins biozentrische System eingetreten: Sie leben in gemeinschaftlich organisierten Staaten. Die Bienen jedoch übertreffen sie, denn das Ziel ihrer Arbeit ist es, anderen Wesen auf einer höheren Entwicklungsstufe als der ihren etwas Wertvolles zu geben. Die Spinnen und Ameisen arbeiten nur für sich selbst, die Bienen jedoch stellen ein Nahrungsmittel für die Menschen her.

Ihr seht, das Wort »theozentrisch« bedeutet nicht, dass alles auf Gott ausgerichtet ist, sondern dass jede Manifestation eines Wesens über die Personalität hinausgeht. Und die Aktivität der Bienen geht über die Personalität hinaus, da sie Honig für die Menschen zubereiten. Sie tun es zwar nicht für Gott, aber es ist bereits nicht mehr einzig für sie selbst. Dieser Akt ist unpersönlich und gehört daher ins theozentrische System. Manch einer mag entgegnen, dass die Bienen den Honig für sich selbst herstellen, und dass die Menschen ihn stehlen. Einverstanden, doch in Wirklichkeit lässt die Natur die Bienen den Honig sehr wohl auch für die Menschen zubereiten, genauso wie sie die Bäume dazu drängt, ihre Früchte hervorzubringen, um andere Geschöpfe als nur sich selbst zu ernähren.

Der Begriff »theozentrisch« bedeutet daher nicht zwingend: »der Gott als Zentrum hat«, sondern kann vielmehr auf alle wahrhaft selbstlosen Taten angewandt werden. Es gibt Personen, die – ohne religiös zu sein und sogar ohne an die Existenz Gottes zu glauben –, ein edleres und selbstloseres Verhalten an den Tag legen als mancher Religionsanhänger, der an Gott denkt, Ihm Gebete sendet, aber in seinem Egoismus und seinen kleinlichen Berechnungen stecken bleibt. Was also zählt, sind die tief im Menschen verborgenen Beweggründe und Motive. Es sind diese Beweggründe, die ihn in das eine oder andere System einstufen.

Beim Baum findet sich das egozentrische System in den Wurzeln wieder, die im Boden verankert sind, aus dem sie die Nährstoffe ziehen. Der Stamm mit den Ästen und Zweigen steht für das biozentrische System, denn dort im Stamm steigen all die Vitalkräfte auf und ab. Er stellt die Brücke dar, die Verbindung, welche die Wurzeln mit den Blättern, Blüten und Früchten vereint. Mit den Blättern beginnt sich das unpersönliche Leben des Baumes zu manifestieren, und es endet in den Früchten, dem höchsten Ausdruck von Unpersönlichkeit. Die Bäume, die keine Früchte tragen, sind noch nicht entwickelt und bleiben an das biozentrische und egozentrische System gebunden.

Je nach seinem Evolutionsgrad kann der Mensch sich entweder um sich selbst drehen, um seine Familie und die Gesellschaft kreisen oder um Gott. Um sich selbst herum zu kreisen ist der schlimmste Zustand, weil der Kreis, den man so beschreibt, extrem begrenzt ist, und jeden Tag wird er noch enger. Auch um seine Familie oder die Gesellschaft zu kreisen, bietet noch nicht die besten Bedingungen zur Entwicklung, obwohl der Kreis, den man auf diese Weise beschreibt, schon viel größer ist. Die besten Bedingungen sind verwirklicht, wenn man um Gott kreist, denn nach und nach lösen sich die Verbindungen mit der Erde und man fühlt sich bereit, sich in den Weltenraum aufzuschwingen und im Universum zu reisen. Die großen Eingeweihten sind frei, ihren Körper zu verlassen, weil sie im theozentrischen System leben. Ihre innere Bewegung ist so intensiv, dass nichts ihren Elan bremsen oder sie daran hindern kann, zu handeln.

Es existieren also mehrere Arten von Liebe, und jede von ihnen wird von ihrem Aktionsbereich charakterisiert. Auf diese Weise unterscheidet man zwischen der Liebe zu sich selbst, der Liebe zu seiner Familie, der Liebe zu seinem Land, der Liebe zu seiner Rasse, der Liebe zur Menschheit und der Liebe zum Schöpfer. Bei jeder dieser Arten von Liebe erweitert sich der Kreis – der Aktionsrahmen erweitert sich ständig. Im egozentrischen System gibt es nur einen Weg, eine Richtung: Man steigt zum Zentrum der Erde hinab. Das biozentrische System bietet zwei Möglichkeiten: nach links oder nach rechts, nach unten oder nach oben, vor oder zurück. Im theozentrischen System hingegen findet man sehr zahlreiche Wege, eine unbegrenzte Auswahl: die vollständige Freiheit.

In den Annalen der Menschheit sind die Aufzeichnungen über den Fall der ersten Menschen aufbewahrt. Mit der Ursünde wurde die gesamte Schöpfung mit in den Fall hineingezogen, alle, die Tiere, die Vegetation und selbst die Erde. In dem Moment geschah es auch, dass die Erdachse sich neigte und einen Winkel von 23° 27’ bildete, bezogen auf ihre ursprüngliche Position.

 

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Der Sündenfall hatte also die Neigung der Erdachse zur Folge, was eine Veränderung der Position der magnetischen und elektrischen Erdströmungen nach sich zog. Und gleichzeitig neigte das menschliche Herz, das bis dahin genau im Zentrum der Brust platziert war, seine Spitze nach links.

Jetzt ist die Erdachse auf dem Rückweg zu ihrer ursprünglichen Position, und diese Bewegung wird zu großen Erdumwandlungen führen. Die Pflanzen werden dann Früchte mit neuen Kräften und Qualitäten hervorbringen, die sie aus dem Mineralreich ziehen werden. Das Tierreich wird gleichfalls Veränderungen erfahren, aufgrund der bei den Pflanzen auftretenden Veränderungen, und für die Menschen gilt das Gleiche. Im Augenblick erscheint noch keine dieser Transformationen, sie bleiben verborgen, und allein sensitive Menschen nehmen sie wahr. Aber bevor die Erdachse ihre ursprüngliche Position wieder einnimmt, wird die Menschheit große Prüfungen durchlaufen, um sich zu reinigen. Später wird dann alles leuchten: Die Steine und das Wasser der Flüsse werden leuchten und die Materie wird transparent werden…

Im Augenblick ist die Vegetation – Obst und Gemüse, welches wir essen – von negativen Kräften durchdrungen. Die Erde ist ein großer Friedhof, mit dem Blut der Menschen bewässert und von ihren Verbrechen geprägt. Die Menschen, die auf den Feldern und in den Gärten arbeiten, tun es allzu oft ohne Liebe, in einem Zustand innerer Auflehnung. Ihre Gedanken und ihre Gefühle dringen in die Samen ein und vergiften die Erde und die Früchte. Eines Tages jedoch werden die Menschen in der Kunst unterrichtet werden, wie man die Erde nach den Regeln der Einweihung kultiviert. Die Samen absorbieren dann die kosmischen Kräfte auf ganz andere Weise, und die Früchte, welche die Menschen verzehren, vermitteln ihnen ihre Qualitäten. Die Menschen sind nur deshalb krank, weil sie sich in ihrer Unwissenheit unablässig Bedingungen für ein ungesundes Leben schaffen. Ohne es zu wissen, essen sie Kadaver, gehen über Kadaver und schlafen auf Kadavern.

Mit Hilfe des theozentrischen Systems wird alles wieder richtig gestellt werden in der Welt. Dieses System muss im weitesten Sinne dieses Begriffes verstanden werden, als ein Leben voller Liebe, Gerechtigkeit und Güte. Um ein ausgeglichenes Leben zu führen, muss der Schüler um Gott herum kreisen, Ihm dienen und Seinen Willen erfüllen. Aber der Mensch kann nur für den Herrn arbeiten, indem er die anderen aufklärt, indem er sie zur Quelle führt und ihnen ein Beispiel an Liebe, Güte und Opferbereitschaft gibt, was dem biozentrischen System entspricht. Um jedoch diese Arbeit tun zu können, muss man stark sein, gesund, robust, widerstandsfähig, selbst gut entwickelt, was alles dem egozentrischen System entspricht. Egozentrisches und biozentrisches System haben also ihren Daseinsgrund: Sobald sie in den Dienst des theozentrischen Systems gestellt werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung. Der Mensch wird zu einem vollständigen, geeinten Wesen. Ist er jedoch nicht zuerst wieder an das theozentrische System angeschlossen, verliert das Leben, das er im Kontakt mit anderen führt, und auch sein persönliches Leben, vollständig seinen Sinn. Genau das muss man richtig verstehen.

Ich bin sehr glücklich, dass ich euch ein paar Erläuterungen zu diesem Satz aus dem Brief des Meisters geben konnte. Ich hoffe, dass sie es euch ermöglichen, eure Lebenslage besser einzuordnen und euch im Leben besser zu orientieren. Dies sind einfache, elementare, aber außerordentlich wichtige Erklärungen.

Und zum Schluss möchte ich euch jetzt einige Passagen aus dem Buch »Die heiligen Worte des Meisters« vorlesen:

»Wenn etwas deinen Blick beunruhigt, erfasse hinter dem Schleier der vorüberziehenden Formen das unermüdliche Wirken des Geistes, der die Seelen zum Ewigen zu erheben sucht. Hinter jeder Form erblicke das Bild des Ewigen.

Die Formen sind nur die Hülle, sie beunruhigen den Schüler in keiner Weise, denn er sucht immer nach der ewigen Idee, die in den Formen wirkt und ihnen ihren Wert verleiht. Er verbindet sich auf diese Weise mit der Welt des Geistes, mit dem Leben des Universums.

Niemand sollte von deinen spirituellen Erfahrungen wissen, solange du nicht in dir selbst einen sicheren Stützpunkt geschaffen hast.

Sei immer in Verbindung mit dem Gott der Liebe. Die Sünde entsteht außerhalb von Gott.

Es ist notwendig, dass der Schüler einige Zeit in der Einsamkeit verbringt, damit er stark wird. Auf diese Weise festigt sich sein Denken.

Unter den Strahlen der Sonne öffnen sich die Blüten und die Früchte reifen. Die Seele des Schülers wächst nur in der Liebe Gottes.

Der Schüler freut sich über die Erhebung einer jeden Seele, und er trägt dazu bei. Es gibt ein Gesetz in der spirituellen Welt, das besagt: »Wenn einer sich erhebt, erheben sich alle! «

Wenn der Schüler seinen Meister richtig versteht, ist er bereit zu empfangen, und ihm wird immer gegeben werden.

 

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Leseprobe Gesamtwerk 2 – Die spirituelle Alchimie

Leseprobe Gesamtwerk 2 – Die spirituelle Alchimie

I

Sanftmut und Demut
(Jesus zwischen den beiden Verbrechern)

 

»Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes! Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.«

Lk 23, 32-43

 

All meine Vorträge haben als grundlegendes Thema den Menschen, und auch heute Abend ist er wieder Gegenstand unserer Betrachtungen, aber von einem anderen Blickwinkel aus als in den letzten Vorträgen. Das, was ich euch sagen werde, ist sehr einfach, aber zugleich auch sehr vielschichtig, denn wir werden Symbole interpretieren müssen.

Für die materialistische Wissenschaft besteht der Mensch einzig und allein aus Materie (Zellen, Moleküle, Atome). Er ist nichts anderes als sein physischer Körper. Die spirituelle Wissenschaft hingegen lehrt, dass er jenseits des physischen Leibes auch noch das besitzt, was die christliche Religion Seele und Geist nennt. Ich beschäftige mich jetzt nicht mit den verschiedenen Aufteilungen, die von all jenen vorgeschlagen wurden, die über die menschliche Psyche meditierten. Für heute nehmen wir diejenige, die Jesus gab, als er sagte: »Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.« Diese Worte setzen selbstverständlich voraus, dass für Jesus Herz, Verstand, Seele und Geist die vier Prinzipien unseres psychischen Lebens sind. Denn das Wort »Kraft« bezieht sich auf den Geist. Der Einweihungswissenschaft zufolge besitzt der Geist die wahre Kraft.

Das Herz und die Seele sind die Träger, die Vehikel unserer Emotionen, unserer Gefühle und unserer Wünsche; wobei aber das Herz der Sitz der gewöhnlichen, mit Instinkten, Begehrlichkeiten und Enttäuschungen verbundenen Emotionen ist, und die Seele ist der Sitz der spirituellen und göttlichen Emotionen und der spirituellen und göttlichen Impulse. Die reine, uneigennützige Liebe, die den Menschen fähig macht, Opfer zu bringen und ihn dazu drängt, sich mit allen höheren Wesen des Universums zu verbinden, die befindet sich auf der Buddhi-Ebene.

Zwischen Verstand und Geist gibt es die gleiche Verbindung wie zwischen Herz und Seele. Der Verstand, der Mentalkörper ist das Vehikel für die gewöhnlichen Gedanken und Überlegungen, die nur anstreben, materielle Bedürfnisse, egoistische Interessen zu befriedigen. Der Kausalkörper hingegen, (der also mit dem Atmankörper verbunden ist), ist das Prinzip der rein spirituellen, schöpferischen Gedanken und Tätigkeiten.

Das Herz und die Seele sind ein und dasselbe Prinzip, das weibliche Prinzip, das seine Tätigkeit zwischen einer niederen Region, dem Herzen oder Astralkörper und einer höheren Region, der Seele oder dem Buddhikörper aufteilt. Verstand und Geist sind auch nur ein einziges Prinzip, das männliche Prinzip, das sich in den Regionen der Mental-Ebene und der Kausal- und Atman-Ebene manifestiert. Ihr seht also, wie in uns die beiden Prinzipien, das männliche und das weibliche, arbeiten und vier Vehikel benutzen: das Herz, den Verstand, die Seele und den Geist. Diese zwei Prinzipien und diese vier Vehikel nehmen den gleichen Wohnsitz ein: den physischen Körper.

Leseprobe Gesamtwerk 2 - Schematische Darstellung der verschiedenen Körper

Um diesen Punkt noch verständlicher zu machen, der für viele noch unklar bleibt, gebe ich euch ein ganz einfaches Bild, dessen Entsprechungen genau übereinstimmen. Stellt euch ein Haus vor, in dem der Hausherr und die Hausherrin mit einem Diener und einer Dienerin wohnen. Es kommt manchmal vor, dass der Hausherr auf Reisen geht. Er lässt seine Frau zurück, die traurig und sehnsüchtig die Rückkehr ihres Gatten erwartet. Wenn er dann mit Geschenken beladen nach Hause kommt, gibt es ein großes Fest im Haus. Manchmal brechen Hausherr und Hausherrin gemeinsam zu einer langen Reise auf. Da nun die beiden Bediensteten merken, dass sie allein und ohne Aufsicht sind, wollen sie diese Freiheit für sich nutzen: Sie beginnen die Schränke zu durchforsten, wo sie Proviant, Weinflaschen und alles Mögliche finden. Und da es lustiger ist, beim Trinken und Essen in Gesellschaft zu sein, laden sie noch Nachbarn und Nachbarinnen ein… Nach einer Orgiennacht gibt es natürlich ein paar umgestürzte Tische und ebenso ein paar zerbrochene Flaschen oder sogar eingeschlagene Köpfe. Wenn die Herrschaften dann zurückkommen, sind sie entsetzt über das sich ihnen bietende Spektakel. Sie verteilen natürlich Strafen und sorgen dafür, dass das Haus wieder gereinigt und alles in Ordnung gebracht wird.

Interpretieren wir nun diese kleine Geschichte. Das Haus ist der physische Körper; die Dienerin ist das Herz; der Diener ist der Verstand; die Hausherrin ist die Seele und der Hausherr ist der Geist. Oft verlässt uns der Geist und unsere Seele weint und jammert. Aber wenn der Geist zurückkehrt, bringt er Inspirationen und eine Überfülle an Licht mit. Wenn Seele und Geist auf Reisen gehen, beeilen sich das Herz und der Verstand, alle Dummheiten zu machen, die man gemeinsam und in Gesellschaft mit anderen Herzen und Intellekten machen kann. Hier liegt also der Ursprung aller Unordnung und aller Konflikte in der Welt.

Wenn wir uns noch weiter mit diesem Bild beschäftigen wollen, entdecken wir bis in alle Einzelheiten die jeweiligen Rollen des Herzens, des Verstandes, der Seele und des Geistes. Die Dienerin zum Beispiel ist mehr mit dem Bedienen der Hausherrin beschäftigt, während der Diener sich eher um den Herrn kümmert, aber es kommt natürlich vor, dass der Diener und die Dienerin zusammen gegen das Interesse ihrer Herrschaften handeln. Die Herrschaften unterscheiden sich von den Bediensteten durch ihren Lebensstil, ihre Verhaltensweisen und ihre Beschäftigungen. Sie weihen sie nicht immer in ihre Arbeitsgeheimnisse, ihre Pläne ein. Auf diese Weise handeln Seele und Geist, ohne ihre Absichten dem Herzen und dem Verstand zu offenbaren. Wenn die Dienerin, das Herz, durch ihr untadeliges Verhalten das uneingeschränkte Vertrauen ihrer Herrin, der Seele, erlangt, spricht die Seele manchmal von ihren Plänen, ihrem Glück, von der Liebe, die sie für ihren Gemahl, den Geist empfindet. In diesem Fall ist die Dienerin aufgrund dieser Vertraulichkeiten von Freude erfüllt. Dasselbe geschieht, wenn der Diener, der Verstand, durch seine Arbeit das Vertrauen seines Herrn gewinnt. Dann beginnt dieser, ihm gewisse Dinge zu enthüllen und der Verstand ist dadurch aufgeklärter und klarer. Aber damit das geschieht, ist es notwendig, dass Dienerin und Diener gemeinsam im Dienst an ihren Herrschaften in vollkommener Harmonie leben. Wenn sie in Zwietracht sind und die Wünsche des einen die Bedürfnisse des anderen durchkreuzen, stören sie die Arbeit ihrer Herrschaften. Dieses Bild hat vielerlei Kombinationsmöglichkeiten und verschiedene Anwendungsarten, über die ihr meditieren solltet, denn alle Zustände von Gesundheit oder Krankheit, von Glück oder Leid, kann man mit Hilfe dieser vier Bewohner des menschlichen Hauses erklären.

Die Beziehung zwischen diesen vier Prinzipien erklärt, warum der Verstand und das Herz nur Dummheiten machen, wenn sie dem Geist und der Seele – Sohn und Tochter Gottes – nicht untergeordnet sind. In ferner Zukunft werden auch das Herz und der Verstand Sohn und Tochter Gottes sein. Momentan sind sie nur Bedienstete. Symbolisch gesprochen handelt ein wahrer Sohn in Harmonie mit seinem Vater und eine wahre Tochter in Harmonie mit ihrer Mutter. Das ist dann der Fall, wenn das Herz und der Verstand es verstehen, den göttlichen Willen auszuführen, das heißt, wenn sie es verstehen, der Liebe und der Weisheit gemäß zu handeln, erst dann werden sie Sohn und Tochter Gottes sein. Solange sie nicht gehorchen und Zweifel, Unruhe und Auflehnung in ihnen wohnen, sind sie weder Sohn noch Tochter Gottes, sondern nur des Menschen.

Nach diesen wenigen Erklärungen können wir zur Geschichte der beiden Verbrecher zurückkehren, die an Jesu Seite gekreuzigt wurden. Der erste beschuldigte ihn, indem er sagte: »Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und uns!« Aber der andere wies ihn zurecht und sagte: »Nicht einmal du fürchtest Gott? Uns hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten. Dieser aber hat nichts Unrechtes getan.« Und er sagt zu Jesus: »Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.« Die Charaktere dieser beiden Verbrecher sind klar beschrieben und dies ist kein Zufall. Wir finden diese beiden Charaktere überall wieder, in allen Bereichen des Lebens, sogar in uns, denn die Kreuzigungsszene Jesu, zwischen den beiden Verbrechern, ist auch ein Symbol unseres Innenlebens. Ihr werdet gleich verstehen, dass der erste Verbrecher den Verstand und der zweite das Herz darstellt und wie Christus, zwischen den beiden, das göttliche Prinzip darstellt, das sich durch die Seele und den Geist als Liebe und Weisheit, Wärme und Licht manifestiert.

Ich werde euch eine kleine Geschichte erzählen. Ein Bauer bat auf seinem Totenbett, man solle ihm den Pfarrer und den Notar holen. Man ließ die beiden holen und als der Bauer sie eintreten sah, gab er ihnen ein Zeichen, dass sie sich an sein Krankenbett setzen sollten, einer rechts und der andere links. Alle beide waren überzeugt, dass der Sterbende nach ihnen geschickt hatte, um sein Testament zu diktieren und seine Sünden zu beichten. Der Bauer schaute sie von Zeit zu Zeit schweigend und mit offensichtlicher Zufriedenheit an, schloss dann immer wieder seine Augen und kümmerte sich nicht weiter um sie. Eine Viertelstunde ging so vorbei, eine halbe Stunde – und er hatte sich immer noch nicht geäußert. Der Notar und der Pfarrer wurden allmählich ungeduldig und baten schließlich seinen Sohn, ihn zu fragen, aus welchem Grund er sie hatte holen lassen. Der Sohn wandte sich an seinen Vater, der antwortete: »Mein Sohn, jetzt bin ich zufrieden, ich kann in Frieden sterben. Ich wollte nur wie Christus sterben: zwischen zwei Schächern.« Natürlich ist das nur eine Anekdote, aber es ist interessant festzustellen, dass symbolisch gesprochen der Notar den Verstand und der Pfarrer das Herz darstellt. Wenn die beiden Personen dieser Geschichte wirklich ein unehrlicher Notar und ein schlechter Pfarrer (das soll auch vorkommen!) waren, dann symbolisieren sie tatsächlich die beiden Schächer, im esoterischen Sinn der Geschichte.

Ich sagte euch also, dass der erste Schächer den menschlichen Verstand darstellt. Der Verstand ist erfüllt von Hochmut, Zweifel, Verachtung und Kritik. Er möchte immer bei einem Wunder dabei sein. Doch trotz dieses Bedürfnisses und obwohl es überall auf der Welt Wunder gibt, gelingt es ihm nicht, sie zu sehen. Der menschliche Verstand überlegt immer folgendermaßen: »Würde Gott existieren, so würde Er sich zeigen und Er würde mir Reichtum, Gesundheit, Schönheit, Unsterblichkeit usw. schenken. Die ganze Welt würde mir dienen. Ich würde niemals leiden.« Nach der Logik des Verstandes dürfte Gott nur existieren, um die Angelegenheiten der Menschen zu regeln. Bei der geringsten Unannehmlichkeit – entstanden, weil er sich dummerweise verkalkuliert hat – überhäuft er Gott mit seiner Kritik, seinen Anschuldigungen und seinem Protestgeschrei.

Das Herz seinerseits wünscht sich, nur in Freude und Leichtigkeit zu leben. Es erwartet, dass alles angenehm für es sei und wird ärgerlich, wenn ihm nur ein klein wenig Bitternis widerfährt und es nicht immer und überall eitel Sonnenschein und Freude begegnet.

Wenn der Verstand nicht vom Geist erhellt wird, wird er zum Opfer des Hochmuts. Wenn das Herz nicht von der Seele erwärmt wird, verfällt es der Zügellosigkeit. Beim geringsten Hindernis erfasst Hass den Verstand und Zorn das Herz. Der Hochmütige verachtet die ganze Welt, wenn er bemerkt, dass man ihn nicht in dem Maße schätzt, wie er es für angemessen hält. Er wird abweisend, schweigsam, lebt weit weg von allen in der inneren Kälte und bereitet sich ein ganz übles Schicksal, denn indem er sich innerlich verzehrt, vergiftet er sich. Das Herz hingegen, geizig und Besitz ergreifend, wird vom Feuer des Zorns verwüstet, wenn es fühlt, dass die Dinge und Wesen ihm entwischen oder ihm nicht ausschließlich gehören. Wenn ihnen nicht von Seele und Geist, das heißt von Liebe und Weisheit geholfen wird, versinken Herz und Verstand in der Hölle. Nur eines kann sie retten, nämlich ihre Herrschaften zu finden und ihnen als treue Diener zu dienen. Dann wird das Herz zum Gefäß der Seele und wird göttliche Liebe manifestieren; der Verstand wird zum Vermittler des Geistes und wird göttliche Weisheit manifestieren.

Der erste Schächer lehnte es ab, anzuerkennen, dass ein absolutes Gesetz von Ursache und Wirkung existiert.1 Er war hochmütig und wollte nicht anerkennen, dass er sein Schicksal verdiente. Der zweite Schächer hingegen fühlte, dass er seine Strafe verdiente und sagte zum anderen: »Schweig! Du musst wissen, dass uns die göttliche Gerechtigkeit bestraft für unser Handeln, Jesus jedoch ist unschuldig.« Vom astrologischen Gesichtspunkt aus betrachtet wurde der erste Schächer unter einem schlechten Einfluss von Jupiter in einem ungünstigen Aspekt mit Saturn geboren. Der zweite Schächer wurde unter dem negativen Einfluss von Mars in einem schlechten Aspekt mit Venus geboren. Der erste hatte seinen Vater getötet und der zweite seine Frau, aus Eifersucht.* Der erste bereute sein Verbrechen nicht, der zweite bereute es jedoch, diejenige getötet zu haben, die er noch immer liebte.

* Der Leser wird von diesen biografischen Details, die nicht in den Evangelien erwähnt werden, überrascht sein. Man darf aber nicht vergessen, dass Omraam Mikhaël Aïvanhov zu Beginn des Vortrages ankündigte, er wolle die Kreuzigungsszene mit Christus zwischen den beiden Schächern als Symbol des Innenlebens interpretieren. Das heißt also, die Feststellung: »Der erste tötete seinen Vater und der zweite seine Frau aus Eifersucht«, sollte symbolisch als Drama unseres psychischen und spirituellen Lebens interpretiert werden. Der Unterschied hingegen, der besteht zwischen dem Fehler des Herzens, den der Schuldige bereut und Vergebung erlangt und dem Fehler des Verstandes, den der Schuldige nicht bereut, entspricht auch gewissen Kulturphänomenen und psychologischen Typen, die genau bestimmt werden können.

Jede intellektuelle Auflehnung manifestiert sich kulturell durch einen übertrieben kritischen und zerstörerischen Geist, der in der Verneinung Gottes mündet. Wenn man nun den historischen Kontext betrachten möchte, um die Nuancen gewisser Strömungen deutlich zu machen, könnte man den Libertinismus und den Nihilismus anführen. Die Auflehnung gegen Gott, die den ersten Schächer veranlasst, Jesus nach Beweisen für seine Macht zu fragen, ist eigentlich nur die Wiederholung seines Vatermordes. Der Mord an seinem Vater stellt den Akt dar, durch den der Sohn sich von einer Vormundschaft befreien möchte, die er als unterdrückend und vom Wesen her sozusagen als göttlich empfindet. Aber dieser Mord befreit ihn nicht. Das Drama des Verstandes ist also wirklich der Hochmut, der sich durch die Behauptung seiner persönlichen Macht äußert, selbst dann, als seine totale Machtlosigkeit enthüllt wird, da er ja nur herrschen kann, wenn er zerstört und durch diese Zerstörung aber zugleich auch seine Herrschaft wieder zunichte macht.

Die Ermordung der geliebten Frau aus Eifersucht ist hingegen eine Handlung, durch die unbewusst eine Versöhnung, eine absolute Übereinstimmung gesucht wird. Othello zum Beispiel sah nach dem Mord an Desdemona seinen Fehler ein und erflehte die Vergebung des Opfers und des Himmels. Das Tor des Paradieses bleibt für denjenigen angelehnt, der trotz seines Verbrechens seine Liebe bewahrt hat, obwohl an dieser Liebe noch viel zu arbeiten ist, denn sie ist noch zu gewalttätig, zu ausschließlich. Die Psychoanalyse hat durch die Analyse des männlichen Unterbewusstseins gezeigt, dass der Vater derjenige ist, den man immer verleugnen möchte (den Verstand) und die Frau oder die Mutter diejenige ist, die man immer besitzen möchte (das Herz), aber dass diese beiden Wünsche in der Radikalität ihrer Typologie im Ergebnis zum gleichen Verbrechen führen. (Anmerkung des Herausgebers)

Der erste Schächer wollte also seine Fehler nicht einsehen und lehnte sich auf, während der zweite, der sich seines Verbrechens bewusst war, bescheiden war und die Leiden Christi mitempfand. Er beichtete ihm: »Meister, ich bin ein Verbrecher, ich habe meine Frau getötet, aber ich habe unter dem Einfluss einer Leidenschaft gehandelt, derer ich nicht Herr werden konnte. Ich bereue es, und da du der Sohn Gottes bist, verzeih mir.« Und Jesus antwortete: »Ich weiß, ich weiß. Wahrlich ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«

Es wurde viel diskutiert über diese Antwort, die Jesus dem zweiten Schächer gab, und manche glaubten, er sei von der Demut und dem Vertrauen, die jener zeigte, berührt gewesen. Wer das Gesetz von Ursache und Wirkung nicht kennt, kann sagen, was er will, Tatsache aber ist, dass die großen Meister weder von guten Worten beschwichtigt noch von Kritik verletzt werden. Sie sehen in der tiefsten Tiefe der Seele, was der Mensch in der Vergangenheit gelebt hat, was er verdient und was er noch abzahlen muss. Wenn Jesus dem zweiten Schächer sagte, er werde mit ihm im Paradies sein, dann deshalb, weil dieser Mann in anderen Verkörperungen Gutes getan hatte. Nach dem Gesetz des Schicksals also musste er trotz seines Verbrechens für diese guten Taten belohnt werden. Der Mensch wechselt nicht augenblicklich vom bösen Menschen zum guten. Er kann nicht das Gute tun, wenn er nicht auch ein Element des Guten in sich trägt. Wenn ein paar Sekunden Reue ausreichen würden, um die Tore des Reiches Gottes zu öffnen, wie kommt es dann, dass so viele Sünder, die doch Worte der Reue ausgesprochen haben, noch immer in der Hölle sind?

Die Antwort Jesu beweist also die Wirksamkeit der Reue, aber die Reue ermöglicht keineswegs die vollständige Sühne aller Verbrechen der Vergangenheit. Der zweite Schächer konnte mit Jesus ins Reich Gottes eintreten, aber nur für eine gewisse Zeit. Er musste danach wieder zur Erde zurückkehren, um seine schlechten Taten wiedergutzumachen. Wer die Gesetze nicht kennt, erklärt immer alles falsch.2 Ein Mensch, der nur Böses getan hat, kann nicht ins Reich Gottes eintreten. Niemand kann für ihn eintreten, damit er unberechtigterweise dort hineinkommt, nicht einmal Christus, denn Christus ist der Erste, der die Gesetze beachtet. Es stimmt zwar, dass ihm alle Macht gegeben war, aber er bedient sich ihrer nicht, um sich gegen die Gesetze zu wenden. Ein wahrer Eingeweihter handelt niemals so, dass er seine Macht missbraucht oder willkürliche Entscheidungen trifft, so wie es die Menschen tun, sobald sie die Möglichkeit dazu haben.

Die meisten Christen stellen sich vor, dass Jesus handelte, ohne die Gesetze zu berücksichtigen, dass er jeden beliebigen Menschen von Krankheiten oder Dämonen befreien konnte. Das ist nicht richtig. Es gab viele Kranke und Besessene, die er nicht rettete, weil es ihr Schicksal war, noch leiden zu müssen. Er selbst sagte: »Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hofe sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein« (Jh 10,16). Und an einer anderen Stelle: »Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast. […] Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein« (Jh 17, 6-8). Warum hat Jesus Pharisäer und Sadduzäer nicht gerettet? Weil er nicht für sie gekommen war. Sie gehörten nicht zu seinen Schafen. Dies ist also der Beweis, dass die Schafe, die er retten durfte, gezählt und vorherbestimmt waren. Dies wissen die Christen nicht. Natürlich ist seine Philosophie, die Lehre, die er hinterlassen hat, für alle Menschen, aber das ist ein anderes Thema.

Ihr werdet sagen: »Aber, da Jesus doch gekreuzigt wurde, hatte er denn auch noch Fehler wiedergutzumachen?« Nein, er war ohne Sünde. Er wurde gekreuzigt zum Heil der Menschen. Ich sagte es euch übrigens bereits vorhin: Christus, der zwischen den beiden Schächern gekreuzigt wurde, ist ein Symbol, das man auch im Menschen wiederfindet, wo das göttliche Prinzip ständig vom Verstand und vom Herzen gekreuzigt wird. Der Verstand und das Herz, die an der Arbeit des göttlichen Prinzips teilnehmen sollten, behindern diese Arbeit nicht nur, sondern machen sich sogar über sie lustig oder verleugnen sogar seine Existenz. Auf diese Weise wird Christus ständig in uns zwischen diesen beiden Schächern gekreuzigt: dem hochmütigen Verstand und dem jähzornigen Herzen.

Hochmut und Zorn sind zwei hochwirksame Gifte, und nur sehr wenige Menschen haben die Macht, sie zu neutralisieren. Die Chemiker wissen, wie man Gifte mit Gegengiften neutralisiert, aber im Bereich des psychischen Lebens ist man unwissend, kennt man keine Gegengifte. Nur die Eingeweihten haben sich damit beschäftigt, Heilmittel gegen Hochmut und Zorn zu finden. Diese Heilmittel sind die Sanftmut und die Demut. In einer bestimmten astrologischen Überlieferung repräsentieren Saturn und Mars »das große Übel« und »das kleine Übel«, während Jupiter und Venus »das große Glück« und »das kleine Glück« repräsentieren. Und als Jesus sagte: »Kommt zu mir, die ihr beladen seid, ich werde euch erquicken, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen«, reichte er seine Hände den beiden großen Übeln, die die Menschheit quälen: Zorn und Hochmut.

Sanftmut und Demut sind die beiden grundlegenden Tugenden für den Schüler, denn sie ermöglichen es ihm, die schwierigsten Probleme zu lösen. Der sanftmütige und demütige Mensch ist nicht schwach, wie man gewöhnlich glaubt. Da er die Wärme des vergeistigten Herzens und das Licht des vergeistigten Verstandes besitzt, bewegt er sich auf dem Pfad der Macht. Alle, die glauben, dass man gezwungenermaßen ein Opfer der anderen wird, wenn man Demut und Sanftmut in sich pflegt, irren gewaltig. Wer sanftmütig und demütig ist, besitzt Kraftreserven, die er sich angesammelt hat, und ist immer in Sicherheit, denn es heißt in der Heiligen Schrift, dass Gott sich gegen die Hochmütigen wendet und die Demütigen erhebt.

Aber die Astrologen werden mich am besten verstehen, weil sie wissen, dass die Planeten Saturn und Mars als Missgeschicks- und Unglücksfaktoren betrachtet werden. Mars ist in seinem negativen Aspekt der Planet der Gewalttätigkeit und Saturn der Planet des Hochmutes. Die Gewalttätigkeit von Mars muss also durch die Sanftmut neutralisiert werden und der Hochmut Saturns durch die Demut.

Tatsächlich haben viele Menschen keine sehr klare Vorstellung von Hochmut und Demut und verwechseln oft das eine mit dem anderen. Wenn sie einen Menschen sehen, der sich vor den Mächtigen dieser Welt beugt und eine unterwürfige Haltung einnimmt, weil er sich ihnen gegenüber arm, unwissend und schwach fühlt, so sagen sie, er sei demütig. Aber wenn sie einen Menschen treffen, der das Reich Gottes verwirklichen will, rufen sie: »Was für ein Hochmut!« Nein, sie täuschen sich. Der erstere ist nicht demütig, weil er sich vor den Reichen und Mächtigen verneigt. Gebt ihm ein bisschen Reichtum, gebt ihm ein paar Gelegenheiten, aus seinen Lebensumständen herauszukommen, und ihr werdet sehen, ob er demütig ist! Lasst ihn ein paar Prüfungen durchmachen und ihr werdet sehen, ob er vor dem Herrn demütig ist. Wie viele Menschen lehnen sich bei den geringsten Schwierigkeiten gegen Gott auf oder verleugnen sogar Seine Existenz! Wahre Demut besteht nicht darin, sich vor den Mächtigen und Reichen zu verneigen, sondern vor Gott demütig zu sein. Wahre Demut besteht darin, dem Himmel dienen und seinen Willen ausführen zu wollen, darin, Achtung zu haben vor allem, was heilig ist und es in sich und um sich herum bewahren zu wollen. Selbstverständlich soll Jesus, wenn man die Meinung mancher Menschen hört, hochmütig gewesen sein, weil er sich »Sohn Gottes« nannte, weil er die Händler mit einer Peitsche aus dem Tempel vertrieb und die Pharisäer »Schlangenbrut« und »ausgebleichte Gräber« nannte… Nein, in Wirklichkeit besaß Jesus wahre Demut, weil er vor dem Herrn demütig war und in den schrecklichsten Leiden sagte: »Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.«

Ein Hochmütiger ist jemand, der sich einbildet, von nichts und niemandem abhängig zu sein, so wie eine Lampe, die behauptet, sie spende das Licht, ohne zu ahnen, dass sie ohne das Elektrizitätswerk, welches ihr den Strom liefert, dunkel bleiben würde. Der Hochmütige glaubt, er selbst sei die Quelle aller Manifestationen. Der demütige Mensch hingegen weiß, dass nichts von ihm abhängt, und dass er, wenn er nicht mit dem Himmel verbunden bleibt, weder Kraft noch Licht noch Weisheit haben wird. Er vergisst niemals, dass er in Wirklichkeit nur ein Leiter ist. Ich möchte auf diese Frage nicht länger eingehen, aber ich kann euch sagen, dass derjenige, der glaubt, über allem zu stehen und nur von sich selbst abhängig zu sein und dabei die Kraftquelle vergisst, die sich durch ihn manifestiert, früher oder später damit endet, dass er alles verliert.

Ich werde euch eine kleine Geschichte erzählen. Es lebte einmal in der Antike in Babylon ein armer Steinklopfer. Er arbeitete am Rand einer Straße, auf der ein großer Eingeweihter jeden Morgen vorbeiging und sie grüßten sich jedes Mal. Eines Tages bat der Steinklopfer den Eingeweihten, ob er etwas tun könne, damit er ein bisschen aus seinem Elend herauskomme, und da dieser bemerkte, dass er ein guter Arbeiter war, sagte er: »Gehe zu jener Stelle. Dort ist ein Schatz vergraben. Nimm ihn und du wirst reich werden.« Von einem Tag auf den anderen wurde der Steinklopfer unglaublich reich. Er begann mit den hochgestelltesten Menschen zu leben und gab große Feste. Eines Tages wollte der Eingeweihte ihn besuchen, aber der frühere Steinklopfer hatte ihn vollständig vergessen, zu sehr war er beschäftigt mit den großen Persönlichkeiten, die er nun regelmäßig aufsuchte, und als man ihm den Besuch ankündigte, antwortete er: »Ein Prinz ist gerade bei mir. Er soll warten, bis ich frei bin.« Der Eingeweihte wartete sehr lange und schließlich kam jemand, um ihm zu sagen, dass er aus Zeitmangel nicht empfangen werden könne. Als er wieder ging, redete ihm der Engel, der ihn begleitete, ins Gewissen: »Glaubst du wirklich, dass du weise warst, als du diesem Mann geholfen hast? Wegen dir hat er seine Seele verloren und ist so hart und hochmütig geworden. Es bleibt dir nichts anderes übrig, als deinen Fehler wiedergutzumachen. Versuche ab jetzt besser zu verstehen, wem du helfen sollst.« Der Eingeweihte verstand und machte sofort seinen Fehler wieder gut: Der Neureiche verlor sein ganzes Vermögen und musste wieder Steine klopfen, und er sah wieder jeden Tag den Eingeweihten vorbeigehen. […]

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Leseprobe Izvor 209 – Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre

Leseprobe Izvor 209 - Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre

Leseprobe Izvor 209 – Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre

I

Das Weihnachtsfest

Die vier wichtigsten Feste Weihnachten, Ostern, Johanni und Michaeli sind kein Zufall und nicht beliebig von einigen Geistlichen eingeführt worden, sondern es sind Zeitpunkte, die kosmischen Phänomenen entsprechen. In einem Jahr durchläuft die Sonne vier Kardinalpunkte (Tagundnachtgleiche im Frühjahr und Herbst und die Sommer- und Wintersonnenwende). Während dieser vier Zeitabschnitte ist in der Natur ein gewaltiges Strömen und Kreisen von Energien zu beobachten, das die ganze Erde mit all ihren Bewohnern beeinflusst: Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Eingeweihten haben diese Phänomene studiert und festgestellt, dass große Veränderungen im Menschen stattfinden können, wenn er aufmerksam ist, sich vorbereitet und sich in Harmonie bringt, um diese Ausströmungen aufzunehmen.

In der christlichen Tradition heißt es, dass Jesus am 25. Dezember um Mitternacht geboren sei. An diesem Tag tritt die Sonne in das Sternbild Steinbock ein. Symbolisch gesehen ist der Steinbock mit den Bergen und Höhlen verbunden, und gerade in der Finsternis einer Höhle kann das Jesuskind geboren werden. Das Jahr hindurch waren Natur und Menschen sehr aktiv, aber beim Herannahen des Winters werden viele Arbeiten eingestellt, die Tage werden kürzer, die Nächte länger; der Mensch hat jetzt Zeit für Meditation und Besinnung; er kann in die Tiefen seines Wesens hinabsteigen und die Voraussetzungen für die Geburt des Kindes finden.

Nach dem Steinbock tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen des Wassermanns ein. Der Wassermann stellt das Wasser, die Taufe, das sprudelnde Leben dar, das neue Strömungen hervorbringt. Danach durchläuft sie die Konstellation der Fische, wo der Fischfang stattfindet, von dem Jesus sprach, als er zu seinen Jüngern sagte, dass sie »Menschenfischer« sein würden.

Kehren wir aber zurück zur Geburt Jesu. Jedes Jahr steigt am 25. Dezember um Mitternacht das Sternbild Jungfrau am Horizont auf und darum heißt es, Jesus sei von der Jungfrau geboren. Gegenüber erscheinen die Fische und in der Mitte des Firmaments ist das wunderschöne Sternbild Orion zu sehen, dessen Zentrum drei aneinander gereihte Sterne bilden, die volkstümlich die drei Weisen genannt werden.

Ob Jesus nun wirklich am 25. Dezember um Mitternacht zur Welt kam, soll uns hier nicht beschäftigen; was uns interessiert ist, dass an diesem Tag das Christus-Prinzip in der Natur geboren wird, das Licht und die Wärme, die alles verwandeln. Zur gleichen Zeit wird dieses Fest auch im Himmel gefeiert: Die Engel singen und alle Heiligen, hohen Meister und Eingeweihten versammeln sich, um zu beten, um den Ewigen zu ehren und die Geburt des Christus zu feiern, der wahrhaft im Universum geboren wird.

Und was macht währenddessen die Mehrzahl der Menschen auf der Erde? Sie hält sich in Kneipen, Tanzbars und Nachtlokalen auf, wo gegessen, getrunken und Unsinn gemacht wird, um die Geburt Jesu zu feiern… eine seltsame Mentalität! Das Erstaunliche dabei ist, dass sogar die intelligentesten Menschen es normal finden, Weihnachten auf diese Art zu feiern, anstatt sich der Bedeutung eines nur einmal jährlich stattfindenden Ereignisses bewusst zu sein. Wenn die ganze Natur aufmerksam das neue Leben vorbereitet, ist der Mensch mit seinen Gedanken woanders. Deshalb empfängt er auch nichts vom Himmel, sondern verliert im Gegenteil dessen Gnade und Liebe. Denn was kann der Himmel einem Menschen, der den göttlichen Strömungen gegenüber unempfindlich ist, schon geben? Der Schüler dagegen bereitet sich vor. Er weiß, dass in der Weihnachtsnacht Christus als Licht, Wärme und Leben geboren wird, und er schafft günstige Bedingungen, damit dieses göttliche Kind auch in ihm geboren wird.

Jesus wurde vor zweitausend Jahren in Palästina geboren. Doch das ist der historische Aspekt von Weihnachten, der aber, wie ihr wisst, für die Eingeweihten zweitrangig ist, denn Christi Geburt ist eher ein kosmisches als ein historisches Ereignis. Es ist die erste Manifestation  des Lebens in der Natur, überall beginnen neue Energien hervorzusprudeln. Außerdem ist diese Geburt auch ein mystisches Ereignis, das heißt, dass Christus in jeder Menschenseele als Prinzip des Lichtes und der göttlichen Liebe geboren werden soll. Dies ist die Bedeutung der Geburt Jesu. Aber solange der Mensch nicht von Licht und Liebe erfüllt ist, kann das Christkind nicht in ihm geboren werden, er kann es feiern und erwarten… und wird nie etwas bekommen.

Zur Erinnerung an die Geburt Jesu vor zweitausend Jahren geht man in die Kirche und singt, dass er gekommen ist, uns zu erlösen. Und da wir nun bereits erlöst sind, können wir in aller Ruhe weiter sündigen, trinken und schlemmen und brauchen uns für alle Ewigkeit keine Sorgen mehr zu machen! Das ist es, was die Menschen unter der Geburt Jesu verstehen. Aber wer denkt schon daran, an sich selbst zu arbeiten, zu lernen und sich zu bemühen, damit Jesus in jeder Seele, in jedem Geist geboren wird? Wäre das Kommen Jesu vor zweitausend Jahren ausreichend gewesen, warum ist dann das Reich Gottes auf Erden noch nicht Wirklichkeit geworden? Kriege, Elend und Krankheiten hätten schon längst verschwinden müssen.

Ich leugne nicht, dass Jesu Geburt ein äußerst wichtiges historisches Ereignis war, aber das Wesentliche sind die kosmischen und mystischen Aspekte des Weihnachtsfestes. Die Geburt Christi ist nicht nur ein alljährliches Ereignis im Universum, sondern kann auch jeden Augenblick in unserem Inneren stattfinden. Ihr könnt die Geschichte der Geburt Jesu lesen, so oft ihr wollt und singen: »Es ist geboren, das himmlische Kind…«, solange Christus nicht in euch selbst geboren ist, hat all das keinen Zweck. Jetzt kommt es darauf an, dass jeder den Wunsch hat, Ihn in seiner eigenen Seele zur Welt zu bringen, um selbst so zu werden wie Er, damit die Welt von Menschen bevölkert wird, die alle den Geist Christi in sich tragen. Gerade dies wollte Jesus im Übrigen erreichen, als er sagte: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater« (Jh 14,12). Aber wo sind diese Werke, die größer sind als die Werke Jesu?

Für einige ist Christus bereits geboren, für manche wird er bald geboren werden, und für andere wird er leider erst in einigen Jahrhunderten geboren. Es kommt eben darauf an, ihm die richtigen Bedingungen zu schaffen. Um die ganze Bedeutung des Weihnachtsfestes zu begreifen, ist es daher sehr wichtig, sich lange vorher darauf vorzubereiten. Was bedeutet zum Beispiel die Geburt Jesu in einer Krippe zwischen Esel und Ochse? Was stellen die Hirten, die drei Weisen dar? Ihr sagt: »Aber das weiß doch jeder!« Wir werden gleich sehen, ob man es weiß oder nicht, und was man sich darunter vorstellt. Lukas hat die meisten Einzelheiten über dieses Ereignis berichtet; alle anderen Evangelisten erwähnen es kaum oder beginnen erst mit der Taufe Jesu am Ufer des Jordan durch Johannes den Täufer. Ich möchte euch deshalb jetzt gerne die Schilderung von Jesu Geburt aus dem Lukas-Evangelium vorlesen (Lk 2,1-32).

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.« Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!« Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Und da acht Tage um waren, und man das Kind beschneiden musste, da ward sein Name genannt Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward.

Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, auf dass sie ihn darstellten dem Herrn. Wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des Herrn: »Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt heißen«, und dass sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben«. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon, und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm. Und ihm war eine Antwort geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, dass sie für ihn täten, wie man pflegt nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

 

»Herr, nun lässest du deinen Diener in

Frieden fahren, wie du gesagt hast.

Denn meine Augen haben deinen Heiland

gesehen,

Welchen du bereitet hast vor allen Völkern,

Ein Licht zu erleuchten die Heiden,

Und zum Preis deines Volkes Israel…«.

 

Diese Geschichte habt ihr bestimmt schon öfter gelesen oder gehört. Sie enthält zahlreiche symbolische Details und zwei sehr mysteriöse Stellen. Warum heißt es: »Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen«? Folglich musste sie von diesen Worten etwas für sich behalten. Hätte es sich um die Aussagen der Hirten gehandelt, hätte sie darüber sprechen können, denn diese waren für niemanden ein Geheimnis. Also war es etwas anderes, etwas Heiliges, das sie kostbar in ihrer Seele hütete. Und wer war Simeon? Es heißt, dass der Heilige Geist über ihm war, er war also ein sehr reiner Mensch. Die Frage nach Simeon kann ich indes nicht behandeln, denn das würde jedes christliche Bewusstsein erschüttern. Ja, wer war Simeon? Welche Verbindung hatte er zu Jesus?…

Jetzt werdet ihr gleich sehen, ob ihr dieses Kapitel wirklich verstanden habt. Zunächst: Wer waren Maria und Joseph? Wenn sie als Jesu Eltern ausgewählt wurden, dann waren sie auch darauf vorbereitet worden und würdig, Jesus, den Erlöser der Menschheit, in ihrer Familie zu empfangen. In ihren vorangegangenen Leben hatten sie sicherlich eine bedeutende spirituelle Arbeit geleistet. Sie waren außergewöhnliche Menschen und für dieses Ereignis vorherbestimmt. Maria hatte sich schon sehr jung dem Herrn geweiht. Sie war in den Tempel gegangen, um Seine Dienerin zu werden. Sie hatte sich also geläutert und die größten Opfer gebracht, um würdig zu sein, einen so erhabenen und mächtigen Geist wie Christus in ihrem Schoße zu empfangen. An solche Dinge denkt niemand. Man ist überzeugt, Gott sei alles möglich und Er tue, was ihm gefällt, sogar die unglaublichsten Dinge, und deshalb könne Er auch den Erstbesten für die allerhöchste Mission auswählen. Nein, auch auf diesem Gebiet gibt es eine Gerechtigkeit, Regeln und Gesetze, die der Herr selbst erlassen hat, also wird Er selbst sie bestimmt nicht übertreten.

Wenn Gott Geschöpfe auswählt, dann erfüllen sie bestimmte Voraussetzungen. Gewiss, »Er kann aus Steinen Kinder Abrahams machen«, aber zuerst müssen diese vom Stadium der Steine zu dem der Pflanzen und der Tiere übergehen, bevor sie die Ebene der Menschen erreichen. Das Gleiche gilt für das Kind. Der Keim durchwandert auch viele Formen und Zustände, bevor er das Aussehen eines menschlichen Wesens annimmt. Genauso musste auch Jesus bestimmte Etappen durchschreiten, bevor er Christus wurde. Auch das können die Christen nicht akzeptieren. Ihrer Meinung nach war Jesus Gott selbst und von Geburt an vollkommen. Aber warum musste er dann bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr warten, um den Heiligen Geist zu empfangen und Wunder zu vollbringen? Selbst wenn Gott persönlich sich auf Erden verkörpern will, wird Er dabei Seine eigenen Gesetze befolgen. Er, der Herr, respektiert Sich selbst, versteht ihr? So sehen die Eingeweihten die Dinge; in ihrem Kopf ist alles geordnet, logisch und sinnvoll.

Maria und Joseph waren rein. Um würdig zu sein, Jesus zu empfangen, hatten sie sich lange vorbereitet, schon in früheren Inkarnationen. Ist Jesus vom Heiligen Geist geboren? Ja, es war der Heilige Geist auf der himmlischen Ebene, aber auf der körperlichen Ebene war auch etwas nötig, beziehungsweise jemand, damit auch auf dieser Ebene sich der Heilige Geist widerspiegelte. Der Heilige Geist brauchte auch auf der physischen Ebene einen Mittler, damit auf physischer, spiritueller und göttlicher Ebene alles heilig, lichtvoll und rein war und eine völlige Übereinstimmung der drei Welten erreicht wurde.

Ihr sagt: »Aber für den Heiligen Geist ist alles möglich!« Ich weiß, er hätte sich zum Beispiel ein bisschen Materie aus dem Raum nehmen und sich damit einen Körper formen können, der nicht von einer Frau geboren zu werden brauchte. Nur, ein solcher aus ätherischen Stoffen bestehender Körper kann kaum einige Stunden, vielleicht einen Tag überleben, und dann entfliehen die Teilchen wieder. Das ist das, was bei spiritistischen Sitzungen geschieht. Wenn ein Körper Bestand haben soll, benötigt er die von der Mutter kommenden materiellen Teilchen. Deshalb brauchte der Heilige Geist eine reine Frau, um sich in ihrem Schoß einen Körper zu bilden. Das Übrige werde ich euch nicht sagen, das könnt ihr selbst erraten!

Ist Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes geboren worden? Ja, gewiss insoweit, als seine Zeugung von keinerlei Begierde, Leidenschaft oder Sinnlichkeit befleckt wurde, kann man sagen, dass er durch das Wirken des Heiligen Geistes geboren wurde. Auf dieser Ebene ist die Jungfräulichkeit Mariens zu verstehen. Die Keuschheit ist eher eine spirituelle denn eine physische Eigenschaft. Wie viele Frauen sind nach außen hin Jungfrauen, aber im Inneren schlimmer als Straßenmädchen! So, mehr sage ich euch nicht… das war schon sehr viel!

Die Geburt Jesu muss in den drei Welten verstanden werden. Das heißt als historisches, psychisch-mystisches und schließlich als kosmisches Phänomen. Heute interessiert mich vor allem das mystische Phänomen.

Von den Evangelisten war Lukas der gelehrteste und gebildetste; er beginnt sein Evangelium mit den Worten: »So habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hoch geehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfahrest, in der du unterrichtet bist« (Lk 1,3-4). Er war also nicht wie die anderen, Zeuge der Geschehnisse, sondern hat Nachforschungen angestellt und in seinem Bericht von der Geburt Jesu nur die Bilder der Ereignisse festgehalten, die sich in der Seele eines jeden Menschen ständig wiederholen. Wir wollen jetzt diese symbolischen Bilder näher betrachten.

Das Jesuskind braucht einen Vater und eine Mutter, um geboren zu werden. Der Vater, Joseph, stellt den Intellekt, den Geist des Menschen dar. Die Mutter, Maria, ist das Herz, die Seele. Wenn Herz und Seele geläutert sind, dann wird das Kind geboren. Aber es wird nicht von Intellekt und Geist, sondern von der Universalseele geboren, die nichts anderes ist als der Heilige Geist in Form von Feuer, von göttlicher Liebe… eine reine Flamme, die das Herz und die Seele des menschlichen Wesens befruchtet. Herz und Seele verkörpern das weibliche, empfängliche Prinzip. Intellekt und Geist dagegen stellen das männliche Prinzip dar, das die Bedingungen vorbereitet, damit der Heilige Geist, das heißt die Universalseele, die Feuer ist, Besitz ergreift von der Seele, von Maria. Dann wird das Christkind geboren. Aber da die Geburt in allen drei Welten stattfinden soll, muss das Kind auch auf physischer Ebene auf die Welt kommen. Ihr seht, all das ist viel komplexer als ihr euch vorstellt.

Als Maria und Joseph in einer Herberge Unterkunft suchten, fanden sie keinen Platz. Mit anderen Worten: Menschen, die nur für Essen, Trinken und Vergnügungen leben, haben für den Eingeweihten, der das Kind empfing, keinen Platz. Das göttliche Kind, das er bereits als Licht in sich trägt, kann ein Ideal oder eine Idee sein, die er nährt und innig liebt, aber wohin mit diesem Kind? Niemand öffnet ihm die Tür, das heißt niemand versteht ihn. Zum Glück gibt es einen Stall. Der Stall mit der Krippe ist ein Symbol, das zunächst auf die Armut und die äußeren Schwierigkeiten hinweist. Ja, so wird es für den Menschen, in dem der Geist wohnt, immer sein: Von den Menschen wird er weder geschätzt noch aufgenommen. Aber andere werden das Licht, das er über die Krippe hinaus ausstrahlt, von weither sehen und ihn aufsuchen.

Das durch den fünfzackigen Stern dargestellte Licht ist eine absolute Realität. Es leuchtet über dem Haupt aller Eingeweihten, deren weibliches Prinzip – Seele und Herz – das vom Heiligen Geist gezeugte Christkind zur Welt gebracht hat. In dem Fall soll der Intellekt, Joseph, anstatt Maria eifersüchtig zu verstoßen und wie ein grober Mensch zu schimpfen: »Das Kind, das du geboren hast, ist nicht von mir, verschwinde!…« sich beugen und sagen: »Gott selbst hat Marias Seele und Herz mit Seinem Hauch gestreift. Ich war nicht dazu imstande«. Der Intellekt darf sich also nicht empören und zornig werden, sondern muss Maria behalten, die Lage richtig einschätzen und zugeben: »Hier ist etwas, das meine Kenntnisse übersteigt!« Maria zu verstoßen würde bedeuten, die Hälfte seines eigenen Wesens aufzugeben und wie die rein intellektuellen und rational eingestellten Menschen zu werden, die alle Regungen des Gemüts, alles Empfängliche, alle Eigenschaften der Milde, Demut und Güte verbannt haben. Viele haben Maria verstoßen, weil sie sich gerne vom Heiligen Geist besuchen ließ…

Ihr müsst verstehen, dass Maria und Joseph Symbole des Innenlebens sind. Wer Maria verbannt, verdorrt und hat nur noch einen Intellekt, der alles zersetzt, kritisiert und immer unzufrieden ist. Aber ihr habt gesehen, dass Joseph Maria im Gegenteil achtete, sie bei sich behielt und sich sagte: »Oh, sie erwartet ein Kind, ich will sie schützen, denn sie braucht meine Hilfe.«

Was bedeutet nun der Stern? Er zeugt von einem Phänomen, das sich unvermeidlich im Leben eines wahren Mystikers, eines wahren Eingeweihten ereignet. Über seinem Haupt erscheint ein Stern, ein leuchtendes Pentagramm. Das, was oben ist, ist wie das, was unten ist und das, was unten ist, ist wie das, was oben ist, und deshalb muss auch das Pentagramm zweifach existieren.

 

 

Leseprobe Izvor 209 - Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre

 

 

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Neuerscheinung „Die Gymnastik-Übungen – Sinn, Ablauf und Entsprechung zu heiligen Symbolen“

Neuerscheinung "Die Gymnastik-Übungen - Sinn, Ablauf und Entsprechung zu heiligen Symbolen"

Neuerscheinung „Die Gymnastik-Übungen – Sinn, Ablauf und Entsprechung zu heiligen Symbolen“

1
Versteckte Schätze in einfachen Übungen

Ihr wünscht euch alle ein Leben, das reich an Enthüllungen, Inspirationen und Segnungen ist und ihr denkt, dass jemand kommen sollte, der euch außerordentliche Geheimnisse verrät. Wenn ich euch sage, dass diese Geheimnisse, nach denen ihr euch sehnt, in einigen sehr einfachen Übungen enthalten sind, werdet ihr denken: »Ist das alles?« Ja, die größten Geheimnisse, um jeden Tag in Harmonie, Freude und Hoffnung zu leben, bestehen in sehr einfachen Übungen. Lasst ihr sie weg, werdet ihr niemals erfahren, was sie euch hätten bringen können.
Nehmen wir nur einmal unsere Gymnastikübungen. Spürt ihr deren Nützlichkeit, um die Geschmeidigkeit, die Vitalität und das Gleichgewicht eures Körpers aufrechtzuerhalten? Ihr macht sie einige Tage lang, dann lasst ihr sie wieder weg, und wenn ihr sie wieder aufnehmen wollt, seid ihr schon steif, schwer und ungeschickt. Man muss sie regelmäßig machen, wie die Tänzer, die keinen einzigen Tag auslassen, ohne zu trainieren. Sagt nicht, dass die Übungen zu viel Zeit brauchen. Sie dauern nur ungefähr zehn Minuten.
Nehmen wir mal an, ihr macht diese Übungen jeden Tag. Da sie einfach sind, könnt ihr sie genauso gut in korrekter Weise ausüben und an nichts anderes denken, denn ihr habt nur wirklich einen Nutzen, wenn ihr euch darauf konzentriert. Gebt euch nicht damit zufrieden, eure Arme und eure Beine mechanisch nach links oder nach rechts zu heben, versucht einen guten Rhythmus zu finden. Auf diese Weise werden die Zellen eurer Beine, eurer Arme, eures Sonnengeflechts, eures Gehirns und eures ganzen Körpers nach und nach vibrieren und eines Tages werdet ihr spüren, dass ihr feinstoffliche Ströme aussendet, die sich harmonisch im Raum verbreiten.
Seid euch also zu Beginn der Übungen bewusst, dass ihr Wellen aussenden und Energieströme hervorbringen werdet. Desgleichen werdet euch eurer Atmung bewusst. Auf diese Weise tragt ihr zur Geschmeidigkeit eures Körpers, zur Verjüngung eurer Zellen, zur Ausgeglichenheit und Aktivität eures Nervensystems bei.
Man assoziiert die Idee der Gymnastik zu oft mit der Pflege des physischen Körpers und der Entwicklung der Muskeln. Für eine gute Gesundheit und ausreichende Energie muss hauptsächlich das Nervensystem unterstützt, gestärkt und stimuliert werden. Ein Sportler kann die stärksten Muskeln haben, wenn aber sein Nervensystem geschwächt und ausgelaugt ist, hebt er nicht einmal eine Flasche Wasser hoch. Beobachtet euch und fragt euch, warum ihr an manchen Tagen von morgens bis abends aktiv seid und zehn Kilometer zu Fuß gehen könnt, ohne müde zu werden, und an anderen Tagen schleppt ihr euch jämmerlich dahin. Ihr habt die gleichen Muskeln, habt aber weniger Nervenenergie. Mit unseren Gymnastikübungen versuchen wir also, vor allem das Nervensystem zu stärken, weil selbst die Leistung der Muskeln von ihm abhängt.
Und was stärkt und nährt das Nervensystem? Es ist das Bewusstsein, der Glaube und die Begeisterung, womit man sich an die Aufgabe macht. Ich fühle sehr wohl, dass ihr hinter mir seid, wenn wir die Übungen zusammen machen, aber ich spüre, dass ihr nicht immer bewusst dabei seid. Wenn ihr euch ab jetzt bemüht, all diese Bewegungen mit der Überzeugung zu machen, dass ihr etwas Gutes und etwas Schönes tut, wird euer ganzer Tag dann günstig beeinflusst werden. Ihr habt dann eine Harmonie in euch hineingebracht, die sich auch auf euer Verhalten gegenüber eurer Umgebung auswirken wird: auf eure Familie, eure Freunde, eure Nachbarn, eure Arbeitskollegen und auf alle Personen, denen ihr begegnet.
Unsere Lehre vermittelt viele Methoden (die Gymnastikübungen sind nur eine unter vielen): das Gebet, die Meditation, die Lieder, den Surya-Yoga (Sonnenyoga), den Hrani-Yoga (Yoga der Ernährung), die Atemübungen, die Paneurhythmie, usw. Für jede dieser Praktiken habe ich euch erklärt, wie ihr eure Gedanken lenken sollt, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Eine Methode an sich repräsentiert noch nichts Großartiges, sie ist nur ein Werkzeug. Ein Wort oder eine Geste, die man wiederholt, entfaltet seine Macht nur, wenn man seinem Inhalt einen Gedanken und sogar ein Gefühl hinzufügt.
Ihr habt ungeahnte Ressourcen und ihr müsst lernen, sie zu nutzen, indem ihr bei allem, was ihr tut, gegenwärtig seid. Ihr seid oft nicht müde vom zu vielen Arbeiten, sondern weil ihr nicht wisst, welche Anstrengungen ihr machen sollt und vor allem nicht, wie ihr sie machen sollt. Wenn ihr so weit seid, unsere Gymnastikübungen nicht mehr als eine rein körperliche Anstrengung zu betrachten, sondern auch als eine psychische und spirituelle Tätigkeit, werdet ihr spüren, wie sich vom ganzen Universum Ströme reiner Energie über euch ergießen.
Bei jeder Bewegung sprechen wir eine Formel, ein Gebet. Diese Formeln und diese Gebete helfen uns nicht nur, uns über die Wichtigkeit dieser Geste und ihrer Bedeutung bewusst zu werden, sondern sie senden auch Schwingungen aus, die selbst die Materie unseres Wesens durchdringen. Eines Tages werde ich euch zeigen, wie jede dieser Bewegungen einem Symbol, einer geometrischen Figur zugeordnet werden kann.
Es ist wünschenswert, diese Gymnastikübungen – wie jede spirituelle Übung – in der Stille machen zu können, in äußerer Stille, aber auch – und insbesondere – in innerer Stille. Bevor ihr beginnt, werft also einen Blick in euch selbst, um diese Stille in euch herzustellen, die Ausdruck des Friedens, der Harmonie und des Lichtes ist. Es ist unnütz, nach spirituellen Verwirklichungen – nach welchen auch immer – zu streben, solange man es nicht schafft, den lärmenden und chaotischen Lauf seiner Gedanken und Gefühle zu unterbrechen. Wenn ihr diese Stille schaffen könnt, werdet ihr unmerklich euren Gebärden eine Anmut und einen Rhythmus übermitteln, die auf all eure Zellen übertragen und auch auf alle Wesen um euch günstig einwirken werden. Ich habe euch auch oft gesagt, dass selbst die Tiere und die Pflanzen empfindsam für die Atmosphäre sind, die von euch ausgeht.
Wenn die Stille einmal hergestellt ist, könnt ihr mit den Übungen beginnen, indem ihr die Formeln in Gedanken sprecht. Diese innere Stimme nennt man das WORT*. Das WORT ist eine Sprache, die noch nicht auf die physische Ebene herabgekommen ist. Es ist vorhanden – real, lebendig, aber unhörbar – und manifestiert sich in der unsichtbaren Welt der Formen, der Farben und der Schwingungen. Dank des WORTES könnt ihr euch in den verschiedenen Bereichen der Natur hörbar machen, denn es findet immer sofort einen geeigneten Ausdruck, den alle Geschöpfe verstehen, selbst die Engel und Erzengel. Ja, weil das WORT die universelle Sprache ist.
Am Ende jeder Formel fügen wir hinzu: »Zum Ruhme Gottes«. Warum? Weil es im spirituellen Leben sehr wichtig ist, zu wissen, in wessen Dienst wir uns stellen. Selbst die Gymnastikübungen müssen für uns eine Gelegenheit sein, den Herrn zu rühmen.
Und zu diesem Thema füge ich noch ein paar Worte hinzu. Statt »zum Ruhme Gottes« können wir auch sagen »zum Ruhme unseres Himmlischen Vaters« oder »zum Ruhme meines Himmlischen Vaters«. Mit dieser Formel versuchen wir, direkter mit unserem höheren Ich, unserem göttlichen Ich in Kontakt zu kommen. Denn in Wahrheit sind wir oben in der göttlichen Welt ein Funke von gleicher Natur, von gleichem Wesen wie Gott, unser Himmlischer Vater. Die Menschen sind alle Söhne und Töchter des gleichen Himmlischen Vaters und wenn man »unser Himmlischer Vater« oder »mein Himmlischer Vater« sagt, unterstreicht jeder noch stärker seine Abstammung, seine Identität. Er weckt in sich das Bewusstsein seines göttlichen Ursprungs, er verbindet sich so sehr mit Gott, dass er mit Ihm verschmilzt. Denn es liegt in unserer Bestimmung, eines Tages wie Jesus zu sagen: »Mein Vater und ich sind eins« (Joh 10,30).

 

2
Von der Bewegung zum Licht

Für ein spirituelles Leben muss man nicht unbedingt viel Wissen ansammeln. Das Wesentliche im spirituellen Leben ist die Praxis. Es ist nicht gut, zu lesen und zu studieren, ohne zu versuchen, etwas zu verwirklichen, und zu konkretisieren. Natürlich ist die Praxis ohne ausreichende Kenntnisse arm und leer. Wenn man aber einmal einige Kenntnisse erlangt hat, muss man sich darauf konzentrieren, jeden Tag einige Übungen zu wiederholen. Unsere Lehre bringt uns bei, wie man mit dem Geist, der Seele, dem Intellekt und dem Herzen, aber auch mit dem Willen arbeitet. Und der Wille entwickelt sich durch die Praxis, durch Gesten, die das Ergebnis von Aktivitäten des Geistes, der Seele, des Intellekts und des Herzens sind.
Man begegnet im Leben sehr einfachen Leuten, die nur ein paar Zettel besitzen, auf die sie ein paar der wichtigsten Aktivitäten des Geistes, der Seele, des Intellekts und des Herzens geschrieben haben, und man spürt, dass sie vom Geist und vom Licht beseelt sind. Und man trifft auf andere, auf Gelehrte, die in ihrer Bibliothek alle heiligen Bücher der Menschheit besitzen, die sie zitieren können; aber es geht nichts Spirituelles von ihnen aus. Wesentlich ist, einige spirituelle Kenntnisse zu haben, um mit ihnen etwas aufzubauen. Wir können dieses »Bauwerk« unsere Zukunft nennen… oder unseren Tempel. Und es ist tatsächlich dieser Tempel, an den der Apostel Paulus gedacht hat, als er den zweiten Brief an die Korinther schrieb: »Wir sind der Tempel des lebendigen Gottes.«
Damit ihr dieses Bauwerk verwirklichen könnt, präsentiere ich euch viele Methoden, denn in meiner Eigenschaft als Pädagoge muss ich auf euch Rücksicht nehmen. Ihr habt nicht alle das gleiche Temperament, die gleichen Bedürfnisse, die gleichen Fähigkeiten, die gleiche Arbeitskraft, deswegen muss ich euch viele und auch unterschiedliche Methoden vorschlagen. Ich sage euch nicht, dass ihr sie alle anwenden müsst, denn das wäre gefährlich. Ihr müsst selbst sehen, welche euch am meisten entsprechen. Ihr müsst natürlich immer die wichtigsten Regeln im Kopf bereit haben, die ich euch für die tägliche Lebensführung gegeben habe, aber was die Übungen betrifft, wählt einige aus und konzentriert euch auf sie, um eine tiefere Arbeit zu machen. Später könnt ihr sie lassen, um andere anzuwenden. Aber zerstreut euch nicht, das wäre nicht gut für euer Gleichgewicht.
Zu viele Schüler einer spirituellen Lehre verstehen noch nicht die Notwendigkeit, einfache Übungen zu praktizieren. Sie tauchen in Werke der Kabbala, der Astrologie, der Magie, der Alchimie, der indischen Spiritualität oder andere ein, ohne etwas über Demut, Reinheit, Geduld und Dankbarkeit gelernt zu haben. Sie wissen nicht, wie sie in Harmonie mit den Menschen und mit der ganzen Schöpfung kommen können. Deswegen sind sie bei der ersten Gelegenheit gestört und krank: Diese Lektionen, die sie ohne Unterscheidungsvermögen gemacht haben, brachten sie an den Rand eines Abgrunds. Sie bildeten sich ein, dass sie Zugang zu den großen Mysterien haben, das Rätsel des Universums lösen, die Einweihung bekommen und dass sie, weil sie mit diesen grandiosen Projekten beschäftigt sind, bestimmte Tätigkeiten des täglichen Lebens, die ihrer überhaupt nicht würdig sind, vernachlässigen könnten, sowie auch alle grundlegenden Wahrheiten, die ihren Weg hätten erleuchten können. Aber es sind die grundlegenden Wahrheiten, die die wichtigsten sind. Hätten sie diese angewandt, hätten sie die richtige Haltung gefunden, sie wären geschützt gewesen, indem sie diese einfach weiterstudiert hätten.
Seid demütig und macht jeden Tag bestimmte kleine Gesten mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Lichtvolle Wesenheiten werden kommen, um euch zu beschützen und die Strömungen umzulenken, die euch durcheinanderbringen oder schädigen könnten. Ihr werdet es spüren. Zwingt euch, jeden Tag wenigstens eine Anstrengung, eine Übung zu machen. Sprecht ihr wenigstens ein Gebet? Lest ihr den Tagesgedanken? Ihr braucht einige wesentliche Wahrheiten, an die ihr euch ständig erinnert, um weiterzukommen, sowie die Anstrengungen und Übungen, damit sie all eure Handlungen durchdringen. Dazu dient die Sammlung von Tagesgedanken, die jedes Jahr vorbereitet werden, um euch zu helfen. Und lest nicht alle Gedanken auf einmal, wie es mir einige anvertraut haben, sondern einen pro Tag und denkt darüber nach. Jeden Tag sollt ihr den Geschmack für diese Wahrheiten in eurer Seele wiederbeleben.
Die Menschen wissen viel, aber wozu dient es ihnen, wenn sie mit dem, was sie wissen, nichts anfangen? Wählt eine Tugend wie zum Beispiel die Stabilität oder die Geduld oder die Güte oder die Dankbarkeit… Und beobachtet, ob ihr fähig seid, sie in die Praxis umzusetzen. Ihr kommt in die Bruderschaft… und was gibt es da für ein Feld von Übungen! Es gibt kein besseres. Das gemeinschaftliche Leben leben, das brüderliche Leben, verlangt, ständig auf die anderen zu achten, um sie nicht zu stören und nicht mit ihnen zusammenzustoßen. Ihr habt nicht das Recht, sie zu ignorieren oder euch gegen sie zu stellen, nur weil sie anders sind als ihr. Es ist besser zu versuchen, sie zu verstehen. So lässt sich in euch eine gute Gewohnheit nieder, die euch vor vielen Gefahren schützt.
Es gibt Leute, die stolz auf ihren sozialen Status sind und sich derart groß und so bedeutend fühlen, dass sie sich keine Mühe um kleine Ameisen geben. Wenn sie sich aber eines Tages in der Situation befänden, in ein paar Stunden Millionen von Getreide -, Gersten-, oder Reiskörnern verlesen zu müssen, wären sie sehr froh, wenn diese Ameisen ihnen zu Hilfe kämen. Oder wenn sie ganz fest angebunden wären und eine Maus käme, die sich daran macht, an ihrer Kordel zu nagen, um sie zu befreien. Ihr werdet sagen: »Aber das sind doch Fabeln, Märchen für Kinder!« Wenn ihr so wollt. Diese Mäuse, diese Ameisen, das sind Personen, mit denen ihr lebt, für die ihr aber keine große Wertschätzung habt: Wer weiß, ob die kleinen Gesten, die ihr ihnen heute gegenüber macht, euch später nicht retten werden?
Und wenn ihr auf einem Weg, an dem ihr vorbeikommt, Steine wegräumt, durch die jemand stolpern könnte, oder Glasscherben, die verletzen könnten, wisst ihr auch nicht, was ihr innerlich dadurch erhalten könnt: Diese Vorsichtsmaßnahmen werden auch euch eines Tages vielleicht retten, denn das Vorausschauen wird dann für euch zur Gewohnheit geworden sein. Glaubt mir, man hat niemals genug von diesen Gewohnheiten. Sie sind anscheinend unbedeutend, jedoch eben nur anscheinend.
Seid nicht erstaunt, wenn unsere Lehre so sehr auf das Praktizieren besteht: Dank der praktischen Anwendungen werdet ihr eines Tages das Licht besitzen. Ich habe euch oft daran erinnert, wie die Primitiven das Feuer angezündet haben, und ihr könnt selbst die Erfahrung machen. Nehmt beispielsweise zwei Holzstücke, die ihr aneinander reibt. Diese Reibung erzeugt Wärme und aus dieser Wärme entfacht sich letztlich eine Flamme, das Licht. Die Bewegung, die Wärme, das Licht, das sind drei Etappen, die ihre Entsprechung in unserem psychischen Leben haben: die Bewegung (der Wille, die Handlung) erzeugt die Wärme (die Liebe, das Gefühl), und die Wärme erzeugt das Licht (den Gedanken, das Verständnis). Nun, um zum Licht zu kommen, muss man den Willen in Aktion bringen, bis er die Wärme – die Liebe – erzeugt, sodass diese Wärme, diese Liebe, selbst zum Licht wird. Wenn man sich wirklich bemüht, Übungen anzuwenden, kann man sie letztlich nicht mehr lassen, und eines Tages kommt das Licht zutage.
Wenn ihr den Willen aufbringt, jeden Tag einige Übungen zu machen, gewinnt ihr immer mehr Geschmack daran, ihr werdet sie lieben, und dank dieser Liebe wird das Licht hervorkommen; ihr werdet ihren tieferen Sinn durchdringen. Geht morgens früh zum Sonnenaufgang, esst in Stille, indem ihr euch auf die Nahrung konzentriert, macht Atem- und Gymnastikübungen, meditiert, betet, singt… Am Anfang findet ihr vielleicht, dass es euch nicht genug inspiriert, macht jedoch weiter. Wenn ihr diese Übungen macht, werdet ihr einen ganzen Mechanismus in euch auslösen, und dank ihrer werdet ihr eines Tages spüren, dass euch die Kräfte der Natur in eurer Arbeit unterstützen.
Sagt mir jetzt nicht, dass ihr nicht genügend Zeit zum Üben habt, weil ihr morgens zur Arbeit müsst, und weil ihr vieles erledigen müsst, bevor ihr wegfahrt, und wenn ihr abends heimkommt auch… Denn ich antworte euch darauf: Wenn ihr keine Zeit habt, in der Harmonie und im Licht zu sein, werdet ihr immer Zeit haben, um in Schwierigkeiten, Chaos und Dunkelheit zu sein. Wenn es etwas gibt, das im Leben ganz sicher kommt, dann ist es Traurigkeit, Schwäche und Mutlosigkeit. Und was weniger sicher ist, das ist glücklich, stark und heiter zu sein. Warum? Wegen dieser Worte, mit denen sich alle umgeben: »Ich habe keine Zeit!« Das ist eine bequeme Art, die Faulheit und die Trägheit zu rechtfertigen. Keine Zeit zum Meditieren, zum Beten und Übungen zu machen, um widerstandsfähiger und aufgeklärter zu werden… Welches Schicksal bereitet man sich auf diese Weise?
Und sagt mir auch nicht, dass ihr es langweilig findet, immer die gleichen Übungen zu machen, denn dann frage ich euch, warum ihr es nicht langweilig findet, drei Mal am Tag das gleiche Brot zu essen und das gleiche Wasser zu trinken. Ihr nehmt täglich die fast gleiche Nahrung zu euch, um Kraft zum Lernen, zum Arbeiten und zum Lieben zu haben… Jeden Tag habt ihr Appetit auf irdische Nahrungsmittel, warum habt ihr nicht den gleichen Appetit auf die spirituellen Nahrungsmittel, die genauso notwendig zum Leben sind?

 

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Beschreibung der Gymnastikübung

Erste Übung

 

 

 

 

 

136 Seiten & DVD
ISBN 978-3-89515-112-5
17,00 Euro

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