Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 "Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule"

Neuerscheinung 2014 Gesamtwerk Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

Leseprobe zur diesjährigen Neuerscheinung des Gesamtwerkes Band 30/31 „Leben und Arbeit in einer Einweihungsschule“

I

Für den »Tag der Sonne«

 Bei einem Vortrag von Omraam Mikhaël Aïvanhov trug jemand aus dem Publikum folgende Bitte vor: »Meister, meine Freunde und ich, wir sind erst seit ein paar Tagen hier bei Ihnen, und wir sind wirklich verblüfft, so viele neue Dinge zu hören, die für unser Leben so bedeutsam sind. Und da in diesem Jahr in Frankreich und in mehreren anderen Ländern der »Tag der Sonne« gefeiert wird, würden wir uns freuen, wenn sie über die Sonne, über das Licht und über deren Bedeutung für die körperliche und geistige Entfaltung des Menschen sprechen würden.«

Omraam Mikhael Aivanhov antwortete:
»Das Licht ist eines der wichtigsten Themen der spirituellen Wissenschaft und es gibt derart viel darüber zu sagen, dass ich mich frage, wie ich mit wenigen Worten darauf antworten kann.

Bevor ich über die Rolle des Lichtes spreche, muss über seinen Ursprung gesprochen werden. Der Ursprung des Lichts ist die Sonne. Aber was die Sonne genau ist, das weiß die Wissenschaft noch nicht wirklich. Sie stellt sie als eine Art Verbrennungsofen dar, in dessen Zentrum eine Temperatur von fünfzehn Millionen Grad herrscht; diese Temperatur, sowie ihre Strahlung werde durch die ununterbrochene Umwandlung von beträchtlichen Massen an Wasserstoff in Helium produziert. In Wirklichkeit wissen nur die großen Eingeweihten, welche die Möglichkeit haben, mit ihrem Astralkörper im Raum zu reisen und die so die Sonne sowie die anderen Planeten besucht haben, was diese wirklich sind. Ich habe schon viel über die Sonne gesprochen (ihr findet einige dieser Vorträge in den anderen Büchern, hauptsächlich in dem Band Pracht und Herrlichkeit von Tiphereth), und im Besonderen erklärt, dass diese Strahlen, welche die Wissenschaft als einen Photonenfluss beschreibt, für die Eingeweihten so etwas wie kleine, mit Nahrungsmitteln beladene Wagons sind, die nicht nur überallhin in den Raum Elemente transportieren, die für das Leben und das Wachstum von Pflanzen, Tieren und Menschen notwendig sind, sondern auch viel feinstofflichere Elemente, derer wir uns für unsere spirituelle Entwicklung bedienen können.

Zweifellos werdet ihr erstaunt sein zu erfahren, dass das von den Menschen schon immer sehr geschätzte Gold von den Sonnenstrahlen geformt wird. Genauso wie es auf der Erde Fabriken gibt, in denen alle möglichen Produkte und Gegenstände entstehen, so sind auch unter der Erde Fabriken am Werk, in denen Millionen von Wesenheiten wirken, und sie sind es, die das Gold herstellen, indem sie das Sonnenlicht verdichten. Ihr fragt: »Aber wie kann das Gold eine Verdichtung des Sonnenlichts sein?« Das ist sehr einfach, nehmen wir ein Beispiel: den Baum. Die Bäume – und unter ihnen ganz besonders solche wie Kiefern, Eichen und Nussbäume – scheinen aus einer äußerst dichten und harten Materie zu bestehen, da man Häuser, Schiffe und anderes daraus herstellen kann. Der Baum wächst aus der Erde empor und wird daher als ein Produkt der Erde betrachtet. Nun, das ist ein Irrtum. Der Baum ist aus dem Licht der Sonne entstanden. Nehmt einen Baum, den größten den es gibt, und verbrennt ihn: Es entweichen Flammen, eine große Menge an Flammen, eine geringere Menge an Gasen und noch weniger an Wasserdampf; und es bleibt am Boden nur ein kleines Häufchen Asche übrig; das ist der Anteil der Erde.

Der Baum besteht also aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, aber es ist das Feuer, die Strahlen der Sonne, die den größten Anteil in ihm ausmachen. Ein Baum besteht also nicht aus Erde, sondern aus verdichtetem Sonnenlicht.

Eines Tages lernte ich jemanden kennen, dessen Hauptbeschäftigung es war, Gold zu finden. Er hatte sich alle möglichen Bücher über Schätze besorgt sowie über magische Praktiken, um diese Schätze aufzuspüren. Eine Zeitlang ließ ich ihn gewähren, ohne etwas zu sagen (natürlich fand er nichts) und dann fragte ich ihn eines Tages: »Warum machen Sie dem Zimmermädchen schöne Augen und versuchen nicht, die Freundschaft der Schlossherrin zu gewinnen?« Er war entrüstet: »Aber ich bin verheiratet, ich mache niemandem schöne Augen.« – »Ich weiß wohl, dass Sie verheiratet und ein treuer Ehemann sind, aber ich sehe trotzdem, dass Sie versuchen das Zimmermädchen zu verführen.«

Er verstand nicht, und so erklärte ich ihm: » Nun, Sie suchen Gold. Aber das Gold ist das Zimmermädchen, und die Schlossherrin, die ist das Licht der Sonne, dessen Verdichtung im Inneren der Erde Gold hervorbrachte. Wenn die Schlossherrin also sieht, dass Sie ihrem Zimmermädchen nachstellen, anstatt zu versuchen, ihre Gunst, ihre Blicke, ihr Lächeln zu gewinnen, ist sie verärgert und verschließt Ihnen die Tür. Wenden Sie sich daher in Zukunft direkt an die Schlossherrin, an das Licht der Sonne, bemühen Sie sich, es zu lieben, es zu verstehen, seine Wohltaten anzuziehen, und früher oder später wird das Gold kommen. Wenn Sie der Freund des Königs sind, werden Sie von allen Bürgern geachtet. Wenn Sie aber nur die Freundschaft der Pförtnerin gewonnen haben, werden Sie bei der Pförtnerin bleiben, die anderen werden Sie nicht kennen.« Er war verblüfft: »Ich habe verstanden«, sagte er. Aber ich glaube ihm nicht, denn er hat weiterhin dem Zimmermädchen verliebte Blicke zugeworfen!

Gold ist also eine Verdichtung des Sonnenlichtes. Und auch der Mensch, so wie der Baum, besteht zum größten Teil aus Sonnenlicht. Je mehr Gold er also in seinem Blut hat, desto besser ist seine Gesundheit.

Dieses Bild vom Baum kann uns auch helfen, bestimmte Worte von Jesus in den Evangelien zu verstehen. Als die Pharisäer, die ihn bloßstellen wollten, indem sie ihn drängten, gegen Cäsar zu sprechen, ihm die Frage stellten: »Muss man Cäsar den Zehnten zahlen?«, antwortete Jesus: »Gebt mir eine Münze.« Man gab ihm eine. »Wen stellt dieses Bild dar?« – »Cäsar!« Daraufhin sagte Jesus: »Gebt dem Cäsar was des Cäsars ist und gebt Gott, was Gottes ist« (Mt 22,21). Das ist ein sehr bekannter Satz und man zitiert ihn sogar sehr oft, aber es wurde noch nie erklärt, wie viel man dem Cäsar geben sollte und wie viel dem Herrn. Wer ist Cäsar? Das ist der physische Körper, das ist der Bauch, das sind die Sexualorgane, die alle nur ständig fordern, und gerade ihnen gibt man alles. Aber der Mensch hat auch dem Herrn etwas zu geben, seinem höheren Selbst. Und wie viel? Wir haben gerade gesehen, dass, wenn ein Baum verbrennt, auf dem Boden nur etwas Asche übrigbleibt, Flammen, Gase und Wasserdampf hingegen entweichen nach oben. Nun, das ist die Antwort, die uns von der Natur gegeben wird: Ein Viertel sollte man dem Cäsar geben und drei Viertel dem Herrn.

Das Licht besitzt unglaubliche Kräfte, die sehr alte Zivilisationen wie die von Atlantis bereits kannten. Man weiß, dass sie mit Hilfe von riesigen Kristallen das Sonnenlicht einfingen und konzentrierten, mit dessen Hilfe sie alle Arten von Apparaten und Maschinen betrieben. In der heutigen Zeit hat die Wissenschaft den Laser entwickelt, mit dessen Hilfe starke Lichtbündel erzeugt und im technischen Bereich wunderbare Dinge umgesetzt werden, aber sie kennt noch nicht alle Möglichkeiten des Lichtes.

Nehmen wir jetzt folgende Passage aus den Evangelien, wo Jesus sagt: »Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Würmer noch Rost fressen, und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen« (Mt 6,20).Diebe Seit zweitausend Jahren wurde dieses Gleichnis noch nie korrekt interpretiert, weil man nicht verstand, dass Diebe, Würmer und Rost die Gefahren darstellen, die den Menschen in seinen drei grundlegenden Fähigkeiten bedrohen: dem Intellekt, dem Herzen und dem Willen.

Untersuchen wir also, was mit Rost, Würmern und Dieben gemeint ist. Der Rost ist vor allem dafür bekannt, Metalle anzugreifen, auf denen er sich niederlässt. Alle metallischen Gegenstände, die oft bei der Arbeit benutzt werden, glänzen, während die wenig benützten rosten. Und in der Umgangssprache sagt man zum Beispiel von einem Virtuosen, seine Finger seien eingerostet, weil er lange nicht mehr geübt hat. In welchem Bereich auch immer, all diejenigen, denen der Wille fehlt und die darauf aus sind, ohne Anstrengungen auszukommen, sind dabei einzurosten.

Würmer sind Tierchen, welche die Pflanzen angreifen. Sie tauchen auf und vermehren sich bei Feuchtigkeit, Trockenheit jedoch tötet sie. Da das Tierreich der Astral-Ebene entspricht, dem Bereich des Herzens, sind die Würmer also die unreinen Gefühle wie Hass, Eifersucht, Egoismus, Geringschätzung, Vergeltungssucht, die am Herzen des Menschen nagen und es daran hindern, köstliche Früchte hervorzubringen. Nur die Wärme der göttlichen Liebe kann diese Würmer im Herzen des Menschen töten.

Und was die Diebe angeht, die davon profitieren, dass man sie nicht sieht – also von der Dunkelheit –, um ihre Verbrechen zu begehen, sie sind das Symbol für die Gefahren, die den Verstand bedrohen, sobald er das Licht verloren hat. In dem Moment, wo der Mensch sein Licht verloren hat, schleichen sich die Diebe in Form von seltsamen Vorstellungen, Zweifeln und Verunsicherungen in ihn ein und lassen ihn verkümmern, schwach werden, ja, können ihn sogar bis in den Wahnsinn treiben. Wie viele Leute sind in psychiatrischen Kliniken, weil sie das Licht in ihrem Kopf gelöscht haben! Aufgrund der Dunkelheit kommen dann die Diebe. Wollt ihr euch also vor Dieben schützen, dann zündet das Licht an. Es ist übrigens gut, wenn man das Licht in den Schaufenstern der Geschäfte während der Nacht brennen lässt, weil Licht schützt.

Ich hatte eines Tages die Gelegenheit, mich mit Polizeiinspektoren zu unterhalten und habe ihnen erklärt: »Sie glauben, die Kriminalität bekämpfen zu können, indem Sie die Zahl der Polizisten erhöhen, indem Sie Ihre Überwachungs- und Fahndungsmethoden verbessern? Nun, da täuschen Sie sich, denn die äußeren Mittel sind in diesem Bereich nicht wirkungsvoll genug. Das einzig wirksame Mittel ist das Licht.« Sie sahen mich erstaunt an: »Das Licht? Und wie? – Nun, denken Sie nach, die Verbrecher können es sich nur erlauben, die Gesetze zu übertreten und in aller Ruhe ihre Diebstähle, Banküberfälle, Entführungen und Morde zu planen, weil sie wissen, dass in den meisten Fällen die Leute nichts von ihren Plänen ahnen, dass sie keine Intuition besitzen, die sie warnen könnte, damit sie Vorsichtsmaßnahmen treffen. Aber stellen Sie sich vor, die Leute besäßen ein inneres Licht, ein Gespür, das ihnen ermöglichte, das, was jemand gegen sie im Schilde führt, schon im Vorhinein und aus der Ferne aufzuspüren; sie würden Vorsichtsmaßnahmen treffen und der Übeltäter hätte keinen Erfolg. Das einzige Mittel, die Kriminalität zu beseitigen, ist daher das Licht. Und darum sollte man den Menschen beibringen, ihr inneres Licht zu entwickeln. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es ist das einzig sichere Mittel.« Diese Inspektoren sahen mich natürlich verblüfft an. An so etwas hatten sie noch nie gedacht!

Solange die Menschen das Einzige, was ihnen ermöglicht, zu sehen und vorherzusehen, das Licht, nicht in sich entwickelt haben, werden sie immer irgendwann von Leuten unvorbereitet erwischt, die ständig mit der Vorbereitung irgendwelcher Verbrechen beschäftigt sind. Selbst die am meisten perfektionierten technischen Hilfsmittel können keinen ausreichenden Schutz gegen Diebe sicherstellen, weil auch sie sich dieser Hilfsmittel bedienen. Nehmt nur all diese Bankeinbrüche! Trotz der gepanzerten Tresore, der elektronischen Alarmsysteme usw. gelangen die Einbrecher an ihr Ziel, da sie andere Mittel besitzen, um sie zu umgehen. Es wird erst dann gelingen, die Kriminalität zu beseitigen, wenn man sich dazu entschließt, das Licht zu benutzen.

Aber das Licht ist nicht nur der beste Schutz gegen Diebe, es ist auch der beste Schutz gegen Krankheit. Es widersetzt sich dem Eindringen aller schädlichen Elemente – der physischen ebenso wie der psychischen –, die sich in den Menschen einschleichen können, um ihn anzunagen und zu zersetzen. Der Mensch wird erst dann wahrhaft gesund sein, wenn er in der Lage sein wird, sich eine reine und machtvolle Aura zu bilden, mit allen Farben des Spektrums. Das ist die wahre Medizin. Dort, wo man sie sucht, ist gar keine Medizin. Die Menschen übertreten die Gesetze der Natur und stellen alle möglichen Verrücktheiten an, die sie zerstören, und dann wollen sie, dass alles für sie gut läuft! Doch genau das Gegenteil geschieht und trotz der neuesten medizinischen Entdeckungen tauchen immer mehr neue Krankheiten auf. Das einzige Heilmittel besteht darin, das Licht in sein Denken, sein Fühlen und sein Handeln einzuführen.

Kehren wir jetzt zur Sonne zurück. Ich stelle die Frage: »Ihr, die Wissenschaftler, die Gelehrten, die alles wissen, sagt mir, wer der erste Mensch war, der die Wissenschaft gebracht hat?« Sie suchen und finden ihn nicht und übrigens gab es ihn auch nicht, denn der Initiator der Wissenschaft ist die Sonne. Man wird mir erklären, das sei nicht möglich, die Sonne sei nicht intelligent, sie habe weder ein Gehirn zum Denken noch einen Mund zum Sprechen. Natürlich, es sind nur die Unwissenden, die angeblich intelligent sind, und diejenige, dank derer das Leben auf der Erde erst möglich ist, die ist nicht intelligent!…

Und es ist eben gerade die Sonne die Erste, die die Wissenschaft gebracht hat. Das ist sehr einfach zu verstehen. Wenn die Sonne ihr Licht sendet, beginnen die Menschen die Gegenstände, die Formen, die Umrisse, die Farben, die Entfernungen zu sehen. Und dank diesem Licht, das ihnen das Sehen ermöglicht, können sie sich orientieren, beobachten, vergleichen, berechnen. Ohne das Licht ist keine Wissenschaft möglich. Was könnt ihr in der Dunkelheit erkennen? Nichts.

Und wenn ich jetzt frage, wer die Religion gebracht hat, werden einige, die sich für große Philosophen halten, mir antworten, es sei die Angst, die Angst der Menschen angesichts der Kräfte der Natur… Nein, all das ist nur dummes Zeug, die Sonne hat die Religion geschaffen. Indem sie den Menschen ihre Wärme gibt, hat sie in ihnen das Bedürfnis geweckt, das Herz zu weiten, zu lieben, zu verehren. In der Kälte kann es keine Liebe geben. Aber erwärmt jemanden und er wird sich entfalten, sich wohl fühlen und er fängt an zu lieben. Und so ist die Religion erschienen – durch die Wärme, durch die Liebe. Es ist vielleicht am Anfang nur die Liebe zu einem Mann oder einer Frau oder auch zu einem Tier, einem Hund, einer Katze, einem Kanarienvogel, aber wie auch immer, es ist ein Anfang… Bis es schließlich zur Liebe und Verehrung für den Schöpfer des Universums, für den Herrn wird.

Im Augenblick ist die am weitesten verbreitete Religion die des Geldes. Und selbst diejenigen, die vorgeben, überhaupt keine Religion auszuüben, huldigen in Wirklichkeit dem Kult des Geldes: Sie errichten ihm Altäre und knien jeden Tag vor ihm nieder und beten zu ihm, rufen es an und meditieren über seine immensen Vorteile… der Gott, der in ihren Köpfen ist, in ihren Herzen, das ist der Gott des Geldes. Und übrigens kann man daran sehen, dass die Menschen instinktiv die Sonne in der Form von Gold anbeten.

Sehen wir uns jetzt an, wer der Initiator der Kunst war… Das ist auch die Sonne, weil sie das Leben bringt. Wenn man das Leben in sich hat, entsteht das Bedürfnis sich zu bewegen, zu handeln, sich auszudrücken, und das führt zum Tanz, zum Gesang, zur Malerei, zur Bildhauerei. Die Kunst beginnt mit dem Leben. Seht euch nur die Kinder an: Sie sind in Bewegung, sie schreien, sie kritzeln… Ihr Geschrei ist der Beginn der Musik; ihr Kritzeln ist der Beginn der Malerei; ihre kleinen Sandkuchen sind der Beginn der Bildhauerei; ihre kleinen Häuschen sind der Beginn der Architektur; und all ihre kleinen Bewegungen sind der Beginn des Tanzes. Ja, die Kunst beginnt mit dem Leben und das Leben kommt von der Sonne.

Die Sonne, die Licht, Wärme und Leben bringt, ist also der Initiator von Wissenschaft, von Religion und Kunst, aber sie wird als Letztes von den Menschen geliebt und geachtet. Und darum werde ich den Wissenschaftlern jetzt empfehlen: »Lasst alles, was ihr in euren Laboratorien untersucht beiseite und befasst euch mit der Sonne. Die Sonne vereint alles: Gesundheit, Reichtum und das Glück der Menschheit.«

Ihr wendet ein, dass manche Astronomen und Physiker die Sonne erforschen… Ja, ich weiß, ich bin auf dem Laufenden über die Forschungen der Wissenschaftler in allen Ländern, vor allem in Amerika und Russland. Sie trachten vor allem danach, wirksame Mittel zu finden für die Sicherheit und die Verteidigung ihres Landes, und all diese Entdeckungen sind zerstörerisch. Manche benutzen sogar Ratten; sie erforschen, wie man Ratten einsetzen kann, um Atomzentralen oder U-Boote zu zerstören, indem sie die Metallkabel und Gummiteile durchnagen. Denn Ratten sind in dieser Hinsicht sehr effektiv. Übrigens haben sie während des zweiten Weltkrieges vermutlich dazu beigetragen, dass die Deutschen vor Stalingrad besiegt wurden, indem sie die Antriebsriemen und die Kabel der Kampfpanzer zernagten, welche die Deutschen einige Zeit vorher dorthin gebracht und unter Stroh verborgen hatten!

Ich sage deshalb, dass die Wissenschaft sich nicht mit der Sonne befasst, weil sie noch nicht wirklich erforscht hat, was das Sonnenlicht ist, wie der Mensch mit ihm arbeiten, es in sich hineinfließen lassen kann, um sich zu reinigen, zu läutern und sich zu stärken. Denn die Sonnenstrahlen, welche bis in die Tiefen der Ozeane vordringen können (was es bestimmten Fischen, die besonders dafür ausgestattet sind, sie aufzufangen, ermöglicht, Licht auszusenden), können auch, wenn sie in den Menschen eindringen, der sie aufzunehmen weiß, Zentren in Bewegung setzen und Lampen entzünden, die in ihm verborgen liegen. Für mich sind die Sonnenstrahlen, wie ich schon sagte, kleine Wägelchen, gefüllt mit Proviant, das heißt mit Elementen und Energien, aus denen der Mensch nach Belieben für seine physische und psychische Entfaltung schöpfen kann. Alles, was der Mensch braucht, ist im Licht der Sonne enthalten.

Wenn ich frage, wie viele Tage ein Mensch ohne Essen auskommt, wird man mir antworten: »Dreißig, vierzig, fünfzig Tage…«, und wie lange ohne Trinken: »Zehn Tage, fünfzehn Tage…«, und wie lange ohne zu atmen: »Nur einige Minuten.« Also ist es offensichtlich, dass das feste Element (das der Erde entspricht) für den Menschen weniger bedeutsam ist, als das flüssige Element (das dem Wasser entspricht), und das flüssige Element ist weniger bedeutsam als das Luftelement. Und wenn ich jetzt frage, wie lange ein Mensch ohne Feuer auskommt, wird man mir antworten: »Aber jahrelang! Es gibt Leute, die jahrelang ohne Heizung ausgekommen sind oder sogar niemals eine hatten!« In Wirklichkeit handelt es sich nicht um dieses Feuer, sondern um das Feuer im Menschen, und da stirbt der Mensch sogar in derselben Sekunde, in der dieses Feuer erlischt. Ja, in der Sekunde, in der sein Herz seine Wärme verliert, verliert der Mensch sein Leben. Also ist das Feuer das bedeutsamste Element im Menschen; und darum muss er lernen, sich von ihm zu nähren.

Das ist etwas Neues. Die Menschen sind es gewohnt, sich nur von festen, flüssigen oder gasförmigen Elementen zu ernähren. Aber was machen sie mit dem vierten Element, dem Feuer, dem Licht? Nicht viel, nichts; sie verstehen es nicht, sich von Licht zu ernähren, das dennoch notwendiger ist als die Luft. Und darum zeigen all diejenigen, die uns kritisieren und uns belächeln, weil wir am Morgen zum Sonnenaufgang gehen, nur, dass sie Unwissende sind. Wir wohnen dem Sonnenaufgang bei, um uns von Licht zu nähren, und anstatt sich über uns lustig zu machen, sollten sie es uns gleichtun. Der Mensch muss sich mit Licht nähren, um sein Gehirn zu ernähren. Auch das Gehirn muss essen, und das Licht ist seine Nahrung: Dieses erweckt in ihm die Fähigkeiten, die den Zugang zur ätherischen Ebene ermöglichen. Solange sich der Mensch damit zufriedengibt, sein Gehirn mit festen, flüssigen und gasförmigen Elementen zu ernähren, welches nicht die Elemente sind, derer er am meisten bedarf, wird er in seinem Begriffsvermögen sehr begrenzt bleiben.

Ihr behauptet, dass ihr den gesamten Körper, einschließlich des Gehirns ernährt, indem ihr esst, trinkt und atmet. Das ist richtig, aber wenn ihr das Gehirn auch noch mit diesem subtilen Element, dem Licht, ernährt, werden andere Ergebnisse erzielt werden. Die Überlieferung berichtet, dass Zarathustra eines Tages den Gott Ahura Mazda fragte, wie sich der erste Mensch ernährte, und Ahura Mazda erwiderte ihm: »Er aß Feuer und trank Licht.« Denn Licht und Feuer sind zwei unterschiedliche Realitäten. Es ist das Feuer, welches das Licht hervorgebracht hat, und das Licht ist kalt, das Feuer hingegen heiß. Das Feuer ist das männliche Prinzip und das Licht ist das weibliche Prinzip.

Bei all seinen Aktionen sollte dem Menschen immer die Vorstellung vom Licht gegenwärtig sein als das beste Mittel für Erfolg, aber auch als Ziel, das es zu erreichen gilt. Ich verdeutliche das mit einem Bild. Um Feuer zu machen, nahmen die Naturvölker zum Beispiel zwei Stücke Holz, die sie aneinander rieben. Diese Bewegung brachte zunächst Wärme hervor und schließlich Feuer, Licht. Als Endziel jeder Handlung, jeder Bewegung muss das Licht stehen. Und das gilt besonders für die Liebenden. Sie wissen, welche Bewegung Wärme hervorbringen wird, aber sie wissen nicht, wie man Licht hervorbringt. Das ist offensichtlich: Sie sind weder erhellt noch erleuchtet. Sie wissen übrigens nicht einmal, dass sie dank ihrer Liebe bis zur Erleuchtung gelangen können. Aber es würde zu lange dauern, euch all das heute zu erklären.

Der Einweihungswissenschaft zufolge wurde jedes Hauptorgan unseres Körpers unter Beteiligung der Sonne oder eines Planeten gebildet, und die Augen wurden mithilfe der Sonne und des Mondes gebildet. Übrigens gleichen die Augen der Sonne. Man kann deshalb sehen, weil die Lichtstrahlen, die auf die Gegenstände fallen, diese sichtbar machen. Ohne das Licht sieht man nichts, was beweist, dass für uns nur deswegen eine unsichtbare Welt besteht, weil wir nicht fähig sind, Strahlen auf die Gegenstände und Wesenheiten zu projizieren, die diese bevölkern. Und die Eingeweihten hingegen sind deshalb fähig, derart viele Dinge zu sehen, welche die anderen nicht sehen, weil sie wissen, wie sie diese Strahlen aussenden können.

Das sind unbekannte Wahrheiten, und wer möchte sich übrigens schon darum kümmern, die Menschen zu lehren, wie sie Lichtstrahlen über ihr Herz, über ihren Intellekt, über ihre Seele und ihren Geist aussenden können? Es ist so viel interessanter ihnen beizubringen, wie sie sich in der Materie durchschlagen, Geld verdienen und sich eine Stellung erobern sollen! Aber sie schlagen sich vergeblich Tag und Nacht durch, sie werden dennoch immer unglücklicher und kränker. Darum müssen sie sich dazu entschließen, am Licht und mit dem Licht zu arbeiten und endlich lernen, wie man dieses Licht ausstrahlt, das allein es uns möglich macht zu sehen. Und außerdem, wie kommt es, dass nichts auf der Welt, selbst das Kostbarste wie Gold oder Edelsteine, in der Lage ist, die Finsternis zu vertreiben? Wie kommt es, dass der Schöpfer dem Licht allein diese unglaubliche Macht gegeben hat? Wenn ihr die Symbolsprache kennt, werdet ihr begreifen, dass Finsternis nichts anderes bedeutet, als Leiden, Schwächen, Krankheiten, und dass daher allein das Licht sie wirksam bekämpfen kann. Es ist zwecklos, woanders nach Heilmitteln für eure Schwierigkeiten suchen zu wollen. Sicher, auf der physischen Ebene wissen alle, dass sie Lampen anzünden müssen, um in die Erde, in Grotten oder Höhlen zu gelangen. Wenn es aber um das innere Leben geht, denken sie nicht daran, das Licht zu benutzen.

Nur wenn man lernt, das Licht besser zu verstehen, wird es gelingen, bestimmte Worte Jesu aufzuklären. Wenn Jesus sagt: »Ich bin das Licht der Welt«, was bedeutet das? Ist es Jesus oder Christus, der das Licht der Welt ist? Wie kommt es, dass die Christen noch nie verstanden haben, dass Christus und Jesus zwei verschiedene Wesenheiten waren, die zusammen wirkten, das heißt, dass Christus durch Jesus wirkte? Und Jesus ist nicht der einzige Fall. Wenn Gott wirklich Liebe ist, wie es in den Heiligen Büchern heißt, wie kann es dann sein, dass Er sich seit Millionen von Jahren, in denen die Menschheit schon existiert, nur ein einziges Mal entschlossen hätte – vor zweitausend Jahren –, der Welt zu helfen, indem Er seinen einzigen Sohn sandte? Der Kirche zufolge ist vor Jesus niemand gekommen und nach ihm auch nicht! Die Wahrheit ist, dass Gott Seine Söhne immer auf die Erde gesandt hat – weil sie zahlreich sind –, um den Menschen zu helfen, aber wenn die Menschen Sturköpfe sind und die Hilfe, die ihnen gebracht wird, nicht akzeptieren, ist das nicht die Schuld des Herrn. Genau so, wie bei den Buddhisten derjenige, der die Vollkommenheit erlangt, zum Buddha wird, so kann auch jeder beliebige Christ, der nach den göttlichen Gesetzen lebt, zum Christus werden. Denn Christus ist nicht ein Mensch, sondern ein göttliches Prinzip, mit dem sich jeder, wenn er dafür bereit ist, identifizieren kann.

Der Mensch wird von zwei Naturen bewohnt: Der niederen Natur, die wir Personalität genannt haben, und der höheren, der göttlichen Natur, die wir Individualität genannt haben. Je nach seinen Bestrebungen und seinen Aktivitäten räumt der Mensch der einen oder der anderen Natur Vorrang ein. Im Garten Gethsemane, angesichts des herannahenden Todes, als Jesus diese schreckliche Angst verspürte, die ihm die Blutstropfen auf die Stirn trieb, bat er seinen Vater, ihm diese Qual zu ersparen. Wäre er Gott gewesen, hätte er sich in seinen Gebeten an sich selbst gewandt für seine Rettung? Das wäre unsinnig. Tatsächlich war es der Mensch Jesus, der sprach, es war seine niedere Natur, die darum bat, verschont zu bleiben. Und am Kreuz, als er ausrief: »Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?« (Mt 27,46), war das ebenfalls seine Personalität, die sich beklagte. Denn die Individualität hat niemals Angst. Jesu Individualität, das war der Christus, und es ist Christus, nicht Jesus, der universell ist, der das Licht der Welt ist.

Wenn Jesus der einzige Sohn Gottes war, wie kommt man dann darauf, dass Gott der Vater aller Menschen ist? Buddhisten, Moslems, Juden und so weiter, die Jesus nicht anerkennen, sind sehr viel zahlreicher als Christen. Wäre Gott also allein der Vater der Christen, wäre Er zu parteiisch. Als Jesus also sagte: »Ich bin das Licht der Welt« (Joh 8,12), da sprach Christus durch ihn, der Christus, der die Welt durch die Sonne erhellt. Und eben weil die Sonne die ganze Welt erhellt, ist sie das Abbild des Christus.

Dank der Sonne kann man noch weitere Worte Jesu interpretieren. Wenn er zum Beispiel sagt: »Mein Vater wirkt und ich wirke auch« (Joh 5,17). Denn beständig wirkt die Sonne auf die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen ein, ebenso wie auf alle unsichtbaren Geschöpfe, die unzählig im Universum vorhanden sind.

Aber gehen wir weiter. Im Laufe des heiligen Abendmahles nahm Jesus Brot und Wein und sagte: »Esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut… Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben« (Mt 26,26-27), und man hat diese Worte so interpretiert, als würden Brot und Wein den eigenen Leib und das eigene Blut Jesu darstellen. Nein, in Wirklichkeit war es in diesem Moment Christus, der durch Jesus sprach, denn Brot und Wein sind nicht Leib und Blut Jesu, sondern der Leib und das Blut von Christus, und ihr werdet gleich verstehen, was das bedeutet.

Brot und Wein sind zwei höchst bedeutungsvolle Symbole, die schon lange vor Jesus bekannt waren. Wenn man die Bibel liest, sieht man, dass es Melchisedek ist, der als Erster die Kommunion eingeführt hat, indem er Abraham Brot und Wein brachte. Melchisedek war der König der Gerechtigkeit (im Hebräischen bedeutet Melek König, und Tsedek Gerechtigkeit); er wohnte im Königreich Salem (welches den gleichen Ursprung hat wie das Wort Shalom, Friede), und darum nennt man Melchisedek auch den König der Gerechtigkeit und des Friedens. Er brachte Abraham Brot und Wein, um ihn zu belohnen für seinen Sieg über die sieben schrecklichen Könige von Edom, welche die sieben Todsünden darstellen. Denn man darf nicht glauben, Melchisedek, der größte aller Eingeweihten, wäre gekommen, um Abraham für einen Sieg in einer Schlacht gegen einige hundert oder tausend Feinde zu belohnen. Abraham wohnte in Ur in Chaldea (Ur bedeutet Licht), wo er als Magier wirkte und die Geister anrief. Und um seine Einweihung zu vollenden, folgte er dem Rat der Geistwesen, die ihm dienten, und ging nach Ägypten.

Melchisedek brachte also Abraham Brot und Wein, und man könnte meinen, das sei keine allzu große Belohnung, außer man versteht deren symbolische Bedeutung. Tatsächlich repräsentieren Brot und Wein die gesamte Einweihungswissenschaft, die auf den beiden kosmischen Prinzipien gründet: Dem männlichen Prinzip, symbolisiert durch das Brot, und dem weiblichen Prinzip, symbolisiert durch den Wein, die in allen Bereichen des Universums wirken. Brot und Wein sind zwei Sonnensymbole. Es handelt sich daher weder um physisches Brot noch um physischen Wein, sondern um zwei Eigenschaften der Sonne: Ihre Wärme und ihr Licht, die Leben hervorbringen. Und ihre Wärme ist die Liebe und ihr Licht ist die Weisheit. Jesus wollte also sagen: »Wenn ihr meinen Leib esst – die Weisheit – und mein Blut trinkt – die Liebe –, werdet ihr das ewige Leben haben« (Joh 6,54).

Seit zweitausend Jahren haben die Christen Wagenladungen voll Hostien geschluckt und fässerweise Wein getrunken, ohne jemals das ewige Leben zu erlangen und leider auch ohne jegliche Verbesserung in ihrem Inneren. Sie bleiben die Gleichen, boshaft, eifersüchtig, grausam, schwach, unsicher… Und die Katholiken, die übrigens nur auf eine Art die Kommunion vollziehen, mit dem Brot, entstellen dieses große Mysterium der beiden Prinzipien. Das einzige Mittel, das ewige Leben zu erlangen, ist, Licht und Wärme des Christus, des Sonnengeistes, zu trinken.

Um alles mögliche andere zu erlernen, weiß man, wie und wo man das macht: Um schmieden zu lernen, geht man zu einem Schmied, um malen zu lernen, geht man zu einem Maler. Aber um das ewige Leben zu lernen, liest man Bücher und wendet sich an kranke oder bereits seit Jahrhunderten tote Leute! Warum nicht einsehen, dass uns einzig die Sonne das ewige Leben lehren kann, nur die Sonne, da sie ja nicht stirbt? Warum die Armen befragen, wie man reich wird, die Kahlköpfigen, wie man sich wieder Haare wachsen lässt und die Schwachen, wie man stark wird? Die meisten Leute werden zu Misstrauen gegenüber den am weitesten entwickelten Menschen erzogen, sie erscheinen ihnen nicht normal. Sie werden ihr Vertrauen in Betrüger setzen, die sie tüchtig ausnehmen werden, aber selbstlosen Menschen misstrauen sie, weil es ihnen nicht normal erscheint, selbstlos zu sein! Wer selbstlos erscheint, der verbirgt zweifelsohne etwas Verdächtiges. Arme Menschen! Sie werden sich immer täuschen und bestehlen lassen, weil ihnen jegliche Kriterien fehlen.

Brot und Wein, Weizen und Trauben sind Symbole der beiden Prinzipien Männlich und Weiblich. Wenn man sie sich übrigens genau ansieht, stellt man fest, dass die Kerne der Trauben einem kleinen Phallus gleichen, die Weizenkörner hingegen haben dasselbe Muster wie die Geschlechtsorgane der Frau. Der Weizen ist weiß und die Trauben sind rot, und kein Kind kann geboren werden, wenn der Mann nicht die weiße Farbe gibt, und die Frau die rote Farbe, das Blut, mit dem sie das Kind nährt. Bei den Bulgaren gibt es eine sehr alte Tradition: Zu Frühlingsanfang, wenn die Natur wieder zu neuem Leben erwacht, tragen alle zwei kleine Pompons, einen weißen und einen roten. Sie wissen vielleicht nicht einmal, woher diese Tradition stammt, aber sie respektieren sie.

Wenn ich allein das Thema Kommunion vertiefen wollte, wie sie auf eine wahrhaft spirituelle und göttliche Weise zu praktizieren ist, bräuchte ich viel Zeit. Die Menschen haben alles materiell und grob werden lassen, dabei sind diese Symbole voller Tiefe und Weisheit, aber unter der Bedingung, dass man sie oben und nicht unten zu verstehen sucht.

Ein Priester soll Brot und Wein segnen, um das göttliche Leben in sie herabsteigen zu lassen. Schön wär’s, denn ich glaube mehr als irgendjemand sonst an die Kraft der Segnung, an die Macht des magischen Wortes, bin aber trotzdem verpflichtet zu sagen, dass, bevor der Priester sie segnet, Gott sie bereits gesegnet hat, da sie ja das Leben enthalten. Es sind nicht die Menschen, die das Leben geben können, sie sind nur Übermittler, durch die es hindurchfließen kann. Wenn die Menschen fähig wären, das Leben zu geben, könnten sie nach Belieben darüber verfügen, was unglücklicherweise (oder glücklicherweise) nicht der Fall ist. Das Leben kommt woanders her, von weiter oben. Wenn die Segnung des Priesters derart wirksam wäre, könnte er genauso gut Sägespäne, Glas- oder Eisenstücke segnen, um sie zu verteilen. Also muss auch da noch mehr Licht hineingebracht werden. Es ist ein guter Brauch, die Nahrung zu segnen, aber man darf nicht glauben, dass das alles ist. Der Erste, der sie segnete, ist Gott, da Er ja schon das Leben in sie hat einfließen lassen, durch die Sonne als Vermittler.

Es ist also die Sonne, die Licht, Wärme und Leben bringt, und das kann uns helfen, einen der unklarsten Punkte in der christlichen Religion zu verstehen, das Mysterium der heiligen Dreieinigkeit. Da ihr anscheinend noch die Geduld habt zuzuhören, werde ich fortfahren. […]

 

ISBN 978-3-89515-111-8
576 Seiten, 27,00 Euro

Leseprobe drucken: hier klicken
Das Buch im Shop: hier klicken

Hörbücher

Hörbücher

“Hörbücher sind nur was für Lesefaule” – Wer das denkt, kennt die beiden Hörbücher von Omraam Mikhael Aivanhov noch nicht. Gesprochen von zwei erfrischenden und klaren Stimmen, sind sie eine verblüffend wirksame und entspannende Methode, sich mit den Werken Aivanhovs zu beschäftigen.

 

Broschüre 302 “Die Meditation” wurde im Jahre 2006 für Sie gelesen und vertont. Die Stimme der Sprecherin zeichnet sich durch einen leichten und wunderschönen österreichischen Akzent aus. Sie liest fließend und mit genau der richtigen Betonung an wichtigen Stellen der Broschüre.

 

Die-Meditation-front

 

Die insgesamte Spielzeit des Hörbuches “Die Meditiation” beträgt 53 Minuten und 41 Sekunden, aufgeteilt in neun Kapitel. Die ersten drei davon – knapp 15 Minuten – gibt es für Sie zum Probehören an dieser Stelle. Lehnen Sie sich zurück und geniesen Sie dieses Hörerlebnis.

 


 

 

Broschüre 309 “Die Aura” ist die zweite Ausgabe eines Titels aus der Reihe Broschüre, der als Hörbuch erschienen ist. Auch dieses Stück wird von einer Österreicherin gesprochen. Ihre Stimme ist klar mit einer professionellen Betonung.

3093D

Auf dieser CD befinden sich 11 Kapitel mit einer Gesamtspielzeit von 54 Minuten und 5 Sekunden. Auch hier stellen wir die ersten drei Kapitel als Hörprobe zu Ihrer Verfügung und wünschen Ihnen viel Freude damit.

 

Reihe „Gedanken für den Tag“

Reihe "Gedanken für den Tag"

Reihe „Gedanken für den Tag“

Das Taschenbuch »Gedanken für den Tag« enthält für jeden Tag des Jahres ein Zitat von Omraam Mikhaël Aïvanhov als geistige Anregung und Begleiter für den Alltag. Es ist eine gute Meditationshilfe und auch als Geschenk bestens geeignet. Das Buch erscheint jährlich mit neuen Texten und ist einer unserer Bestseller.

 

 

Alle Ausgaben erscheinen mit 400 Seiten Umfang. Die hinteren Seiten enthalten einen ausführlichen Index, der eine gezielte Suche nach Stichwörtern zulässt. Eine schematische Grafik des Lebensbaums erklärt die hierarchischen Regionen, auf die sich die Lehre Omraam Mikhael Aivanhovs gründet.

Jedes Exemplar wiegt ca. 240 Gramm und hat die Maße 16 cm x 10 cm und ist ca. 2 cm dick.

Oben finden Sie Coverabbildungen von den aktuelleren Ausgaben ab dem Jahr 2009. Die unteren Cover zierten frühe Ausgaben der späten 80er Jahre. Zu dieser Zeit wurden die Tagesgedanken noch im Quartals-Rhythmus als Meditationshefte veröffentlicht. Die Ausgaben ab 2009 sind noch erhältlich, alle früheren Kalender und Hefte gibt es nur noch im Prosveta Verlags-Archiv.

 

 

Seit dem ersten Heft, das in Frankreich vor 40 Jahren erschienen ist, sind bis heute insgesamt ca. 14.800 verschiedene Gedanken für den Tag erschienen, eine wahrlich gigantische Fundgrube an Inspiration und Meditationshilfe. Da für Omraam Mikhael Aivanhov der Begin einer Sache oder einer Handlung das Wesentliche ist, finden sich in den Ausgaben immer folgende Zeilen als Einleitung: (Klick ins Bild für die Vergrößerung)

 

 

Die nächsten Seiten sind der Ausgabe 2009 entnommen und sollen Ihnen ein Bild vom Layout der Kalender geben: (Klick ins Bild für die Vergrößerung)

 

 

Die Gedanken für den Tag im Online-Shop als gedruckte Ausgabe: hier klicken
Die Tagesgedanken als Online-Ausgabe: hier klicken
Die Tagesgedanken als tägliche Email in Ihrem Postfach: hier anmelden

Autor Peter Deunov

Autor Peter Deunov

Autor Peter Deunov (Beinsa Duno)

Unsere Kunden fragen immer wieder nach Büchern von Peter Deunov, dem großen spirituellen Meister aus Bulgarien, zu dessen Schüler Omraam Mikhael Aivanhov im Alter von 17 Jahren wurde und von dem er viel erzählt hat.

Der Name von Peter Deunov wird bei den verschiedenen Verlagen abweichend geschrieben. So kann es zum Beispiel sein, dass er Peter Dunoff, Peter Danov, Petar Danov  oder Beinsa Duno (sein spiritueller Name) heißt.

Es gibt einige deutschsprachige Bücher, die aber größtenteils nicht in unserem Verlag erschienen sind. Die beste Übersicht über das deutschsprachige Sortiment finden Sie auf der Internet-Seite www.beinsa.de.

Buchreihen-Erklärung

Buchreihen-Erklärung

Buchreihen-Erklärung

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt eine große Auswahl an Büchern von Omraam Mikhaël Aïvanhov. Damit Sie sich gut zurechtfinden, wollen wir Ihnen hier einen kleinen Überblick geben.

Die erste Buchreihe, die entstand, ist die Reihe Gesamtwerke. Von den 32 Bänden, die es im Französischen gibt, wurden inzwischen 22 in die deutsche Sprache übersetzt. Sie enthalten Original-Vorträge von Omraam Mikhaël Aïvanhov. In diesen Büchern spürt man in besonderer Weise das Licht, die Klarheit und die Reinheit seiner Lehre. Jeder Vortrag ist ein in sich abgeschlossenes Werk, in dem sich mehrere Themen zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Mit der Zeit kam jedoch der Wunsch nach einer weiteren Buchreihe auf, die wichtige Themen konzentriert zusammenfasst.

So entstand die Taschenbuch-Reihe Izvor (bulgarisch: Quelle). Für diese Bücher wurden verschiedenen Vorträgen einzelne Teile entnommen und dann zusammengestellt. Dabei war es sinnvoll, auch Texte mit einzubeziehen, die bereits in der Reihe Gesamtwerke erschienen waren, denn nur so konnte jedes Thema möglichst klar und abgerundet behandelt werden.

Unser Bestseller ist die Reihe Gedanken für den Tag. Diese Bücher enthalten für jeden Tag des Jahres ein kurzes Zitat aus den Vorträgen von Omraam Mikhaël Aïvanhov. Jedes Jahr erscheint ein neuer Band.

Die Reihe Broschüren enthält je Ausgabe ein Kapitel aus den Büchern der Reihe Gesamtwerke oder Izvor. Die Tabelle zeigt, welchem Buch die einzelne Broschüre entstammt:

BroschüreUrsprungstext
301 - Das neue JahrGesamtwerk Band 31
(Neuerscheinung Herbst 2014)
302 – Die Meditation224 – Die Kraft der Gedanken
303 – Die Atmung32 – Die Früchte des Lebensbaums
304 – Der Tod und das Leben im Jenseits32 – Die Früchte des Lebensbaums
305 – Das Gebet224 – Die Kraft der Gedanken
306 – Musik und Gesang im spirituellen Leben223 – Geistiges und künstlerisches Schaffen
307 – Das hohe Ideal05 – Die Kräfte des Lebens
Neuerscheinung Herbst 2015
308 – Das Osterfest - Die Auferstehung und das Leben
Der Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
309 – Die Aura219 – Geheimnis Mensch – Seine feinstoffl. Körper und Zentren
310 – In die Stille gehenDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
311 – Wie Gedanken sich in der Materie verwirklichen224 – Die Kraft der Gedanken
312 – Die Reinkarnation12 – Die Gesetze der kosmischen Moral
313 – Das “Vaterunser”215 – Die wahre Lehre Christi
314 – Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der LiebeDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
315 – Die Quelle des Lebens05 – Die Kräfte des Lebens
316 – Die Nahrung, ein Liebesbrief des SchöpfersEinige Sätze stammen aus
204 – Yoga der Ernährung
317 – Die Kunst und das LebenDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
318 – Die wesentl. Aufgabe d. Mutter während der Schwangerschaft203 – Die Erziehung beginnt vor der Geburt
319 – Die Seele, Instrument des Geistes08 – Sprache der Symbole – Sprache der Natur
320 – Menschliches und göttliches Wort32 – Die Früchte des Lebensbaums
321 – Weihnachten und das Mysterium der Geburt Christi209 – Weihnachten und Ostern in der Einweihungslehre
322 – Die spirituellen Grundlagen der Medizin225 – Harmonie und Gesundheit
323 – Meditationen beim SonnenaufgangDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
324 - Der Friede, ein höherer BewusstseinszustandDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch
325 - Das Ideal des brüderlichen LebensDer Text dieser Broschüre
entstammt keinem anderen Buch

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Leseprobe Izvor 212 – Das Licht, lebendiger Geist

Leseprobe Izvor 212 – Das Licht, lebendiger Geist

 

I
Das Licht, Essenz der Schöpfung

Es heißt, Gott sei ein verzehrendes Feuer, und in den meisten Mythologien ist der mächtigste Gott der des Feuers. Es handelt sich offensichtlich nicht um das Feuer, das wir kennen, das physische Feuer, das nur ein Aspekt des universellen Feuers ist. Denn in Wirklichkeit gibt es mannigfaltige Arten von Feuer. Jenes, das im Herzen des Menschen brennt, jenes, das an der Basis der Wirbelsäule schlummert, jenes der Sonne, jenes der Hölle, jenes, das im Innern der Steine, der Metalle verborgen ist, und so weiter…

Doch habt ihr bemerkt, dass man das Feuer nur wahrnehmen kann, wenn es mit Licht verbunden ist? Ja, das Licht ist die Materie, durch die sich das Feuer manifestiert. Wenn man dieses Bild überträgt, wird man entdecken, dass das Licht jene Substanz ist, die Gott, das Urfeuer, am Anfang der Welt aus sich ausstrahlte, als Er sagte: »Es werde Licht!« Dieses Licht ist nichts anderes als das Wort, das zu Beginn des Johannes-Evangeliums erwähnt wird: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort… Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht…« Das Licht, das ist das Wort, das der Schöpfer aussprach und durch das Er die Welt erschuf.

Die physische Welt, wie wir sie kennen, ist nur eine Kondensation des Urlichts. Gott, das aktive Prinzip, hat das Licht ausgestrahlt, und Er hat mit diesem Licht gearbeitet wie mit einer Materie, um das Universum zu schaffen. Hier beginnt man die Manifestation der beiden Prinzipien wahrzunehmen, des männlichen und des weiblichen, die der Anfang der Schöpfung sind, denn Gott, das Feuer, das männliche Prinzip, hat aus Sich Selbst das weibliche Prinzip projiziert, das Licht, die Materie, mit der Er erschaffen will.

Es heißt, Gott habe die Welt aus dem Nichts geschaffen. Nichts, was außerhalb von Ihm war, ja, und eben dies ist für uns schwierig zu verstehen, die wir nur etwas herstellen können mit Materialien und Geräten, die außerhalb von uns selbst sind. In Wirklichkeit kann man nichts aus nichts erschaffen, und diese Vorstellung einer Schöpfung aus dem Nichts bedeutet nur, dass Gott die Materie der Schöpfung aus Sich Selbst gezogen hat. Das Universum ist nichts anderes als diese Substanz, die aus Ihm herauskam und zu etwas außerhalb von Ihm wurde, die aber immer Er ist.

Womit spinnt die Seidenraupe ihren Kokon und die Spinne ihr Netz? Womit baut die Schnecke ihr Haus? Mit einer Substanz, die sie aus sich selbst nehmen können. Wenn man die Natur zu beobachten versteht, wie viele Phänomene können uns das enthüllen, was die Denker für die undurchdringlichsten Geheimnisse ansehen! Sogar die Wissenschaft wird eines Tages entdecken, dass das Licht die Urmaterie ist, aus der das Universum geschaffen wurde, und wenn es dem Menschen gelingt zu lernen, wie er es machen muss, kann auch er ein Schöpfer werden, wie Gott.

Gemäß dem Buch der Genesis war also das erste Ereignis auf der Welt die Erschaffung des Lichts. Gott sagte: »Es werde Licht!« Aber um welches Licht handelt es sich…? Im Bulgarischen haben wir zwei verschiedene Worte, um das Licht zu benennen: Svetlina und Videlina. Das Wort Svetlina bezeichnet das physische Licht und wird aus der Wurzel des Wortes gebildet, das »glänzen« bedeutet. Das Wort Videlina bezeichnet das geistige Licht und wird aus der Wurzel des Wortes gebildet, das »sehen« bedeutet. Videlina, das ist das Licht, durch das man die spirituelle Welt, die unsichtbare Welt, sehen kann; indem es sich materialisierte, wurde dieses Videlina zu Svetlina, dem physischen Licht.

Ihr werdet diesen Gedanken besser verstehen, wenn ich euch das Experiment mit der Crookesschen Röhre ins Gedächtnis rufe: An den beiden Enden einer Röhre, die man vorher luftleer gepumpt hat, sind zwei mit einer Stromquelle verbundene Elektroden angebracht. Man lässt Strom hindurchfließen: Die Kathode sendet Elektronen in Richtung Anode aus, sie selbst bleibt dunkel, doch in der Umgebung der Anode tritt ein Fluoreszieren auf.

Die Crooksche Röhre

Leseprobe Izvor 212 - Das Licht, lebendiger Geist

 

Das Licht, das uns die Sonne schickt, ist nicht das des ersten Tages, von dem die Genesis spricht. Hinter der sichtbaren Sonne existiert eine unsichtbare dunkle Sonne, die schwarze Sonne, die der sichtbaren Sonne unaufhörlich Energien schickt. Diese wandelt sie um und schickt sie als Licht zurück. Das Licht, welches wir sehen, ist nicht das, das Gott am Anfang schuf, als Er sagte: »Es werde Licht!« Es kam danach. Die erste Sonne sandte das Urlicht aus, Videlina, das die sichtbare Sonne umwandelt und in Form von Strahlen (Svetlina) zurückschickt. Videlina, das wahre Licht, enthüllt die Dinge nur, wenn es auf sie auftrifft. Wenn sich auf seinem Weg nichts befindet, bleibt es unsichtbar. Nur das Hindernis, das ihm begegnet, kann es offenbaren.

Am Anfang war Videlina, das heißt, die erste Bewegung, die sich im Geist Gottes in Form von Strömung, Strahlung nach außen, außerhalb von Ihm manifestierte. Ehe Gott erschuf, bildete er um sich einen Lichtkreis, den man seine Aura nennen könnte. Mit diesem Kreis aus Licht legte Er die Grenzen des Universums fest, und als diese Grenzen festgelegt waren, projizierte er in das Licht seiner Aura, Videlina, Bilder, die sich materialisierten, kristallisierten. Es ist also Videlina, das die Materie für die Schöpfung lieferte. Und wenn Johannes am Anfang seines Evangeliums sagt: »Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort«, so bedeutet »das Wort war bei Gott«, dass nichts ohne Mitwirkung von Videlina gemacht worden ist, der Aura Gottes. Das göttliche Wort ist das Licht.

Diesen Schöpfungsprozess können wir bei den großen Eingeweihten bestätigt sehen. Auch sie besitzen eine lichtvolle Aura, die nicht nur ihren Körper umgibt und schützt, sondern ihnen auch die Materie für ihre Schöpfung liefert. Wenn ein Eingeweihter durch den Gedanken erschaffen will, verwendet er die gleichen Mittel wie Gott, als Er das Universum schuf: Er projiziert ein Bild oder spricht ein Wort aus, das durch seine Aura dringen muss. Diese Aura, die es umhüllt, dient als Materie für die Manifestation. Das ausgesandte Bild oder das ausgesprochene Wort kleiden sich in die Materie der Aura. Ein Mensch, der eine Idee verwirklichen will, aber keine feinstoffliche Materie der Aura hat, kann nichts erschaffen. Ihr habt es sicherlich schon festgestellt: An gewissen Tagen redet ihr, ohne irgendeinen Eindruck auf die andern zu machen, die kalt, gleichgültig bleiben, während ihr dagegen andere Male mit ganz einfachen Worten einen großen Eindruck erreicht. Ja, weil diese Worte lebendig sind: Die Worte, die ihr gebraucht, sind vorher in eure Aura getaucht worden, sie haben sich dort belebt, gestärkt, und so mit Kraft versorgt konnten sie bis zu den Seelen der andern vordringen und sie zum Schwingen bringen. An den Tagen, wo eure Aura schwach ist, sind eure Worte unbedeutend, leer, inhaltslos; ihr redet, aber bewirkt nichts. Die Worte sind nicht von jenem Element durchdrungen, welches die Aura liefert, Videlina.

Die Kraft der Eingeweihten rührt daher, dass sie die Worte, die sie aussprechen, mit der Materie ihrer Aura tränken, die überströmend, intensiv, rein ist. Die Sprache ist nur eine Stütze, sie kann nur in dem Maß Wirkungen erzielen, wie sie mit Videlina, dem schöpferischen Element, durchdrungen ist. Wer die magischen Worte nicht zu sprechen versteht, kann schreien und sich aufregen wie er will, es wird ihm niemals gelingen, sich bei den höheren Geistern Gehör zu verschaffen und sie anzuziehen. Aber ein Eingeweihter, der die gleichen Worte spricht, ohne zu schreien, ohne Gesten zu vollführen, wird allein durch die innere Kraft seiner Aura großartige Ergebnisse erzielen.

Nicht die Sprache hat die Welt erschaffen, sondern das Wort, das heißt das Licht. Das Wort ist das erste Element, das Gott in Tätigkeit gesetzt hat, und die Sprache ist das Mittel, dessen das Wort sich bedient, um seine schöpferische Arbeit zu verwirklichen. Als die Urkraft aus Gott kam, war sie Geist; bei ihrer Rückkehr zu Gott wurde sie Licht. Die schwarze Sonne sendet Videlina, den Geist, zur leuchtenden Sonne und die leuchtende Sonne schickt das sichtbare Licht, Svetlina zur dunklen Sonne zurück. Auf dem Rückweg wandelt sich also der Geist in Licht um. Als Gott die erste Bewegung machte, trat sein Geist, das Wort, in Tätigkeit, und als der Geist zu Gott zurückkehrte, war er Licht geworden. Alles, was das Zentrum zur Peripherie schickt, kehrt zum Zentrum zurück, weil der Kreis eine Grenze hat, und so entsteht also ein ununterbrochener Kreislauf vom Zentrum zur Peripherie und von der Peripherie zum Zentrum. Bei der Rückkehr zum Zentrum besitzt der Kräftestrom neue Eigenschaften und ruft während seiner ganzen Rückreise neue Reaktionen hervor. Die Natur des Stroms ist beim Rückweg nicht dieselbe wie beim Hinweg.

Am Anfang war das Wort: Die erste Regung des göttlichen Geistes, der den Kreis erschuf, das Universum. Genauso muss der Magier einen Kreis um sich ziehen, ehe er ein magisches Ritual vollzieht. Der Ursprung dieser Übung, die sehr alt ist, geht auf ein außergewöhnliches Wissen über die menschliche Aura zurück. Wenn es heißt, dass der Magier in den Kreis treten muss, den er gezogen hat, bedeutet dies nicht nur, dass er auf der materiellen Ebene einen Kreis um sich ziehen muss, sondern dass er den lebendigen Kreis der Aura erschaffen und sich in seinen Mittelpunkt stellen muss; das heißt, sein Geist muss aktiv, wachsam sein, sonst läuft er Gefahr, ein Opfer unsichtbarer Geister zu werden. Wenn der Magier sich damit begnügt, einen materiellen Kreis um sich zu ziehen, ohne vorher durch seine Art zu leben an seiner Aura gearbeitet zu haben, um sie rein, leuchtend, mächtig zu machen, gelingt es ihm vielleicht zu bekommen, was er sich wünschte; doch wenn er den magischen Kreis verlässt, werden alle Wesen, die ihm gehorchten, als er sich im Kreis befand, anfangen, ihn zu verfolgen (denn die unsichtbaren Wesenheiten respektieren dieses Symbol, wie auch die magischen Worte, die gesprochen werden).

Solche Missgeschicke passieren allen Magiern, die die Gesetze nicht kennen, die ich euch erkläre. Die unsichtbaren Geister, die sehen, dass die Aura weder rein, noch lichtvoll ist, rächen sich schließlich dafür, dass sie gezwungen waren, Menschen zu gehorchen, die es nicht wert waren. Solche Magier wissen nicht, dass am Anfang das Wort ist, das heißt, dass man, ehe man sich in die Verwirklichung großer Unternehmungen stürzt, eine Aura erschaffen muss, einen wahren magischen Kreis aus Licht. Diesen Kreis kann man nicht automatisch ziehen, mit Kreide oder irgendetwas anderem, man bereitet ihn mit Liebe, Reinheit, Selbstlosigkeit vor. Warum erzielen jene, die sich in magische Praktiken stürzen, häufig nicht nur keine Resultate, sondern ziehen noch Unglück an? Weil ihre Aura noch nicht mächtig, lichtvoll, rein ist, und wenn sie ihren Gedanken aussenden wollen, entsteht nichts, was ihn bekleiden, ihn stark machen kann. Damit der Gedanke davonfliegen kann, muss man ihm Flügel geben; und diese Flügel finden sich in der Aura.

»Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort…« Als Gott diesen großen Lichtkreis schuf, durchtränkte er ihn mit seiner Quintessenz. Die Bäume, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen waren zuerst Bilder, in die Aura Gottes getaucht, und wir leben mitten in ihr, wie Paulus schon sagte: »In Ihm leben, weben und sind wir…(Apg 17,28).« Wir alle sind in die Aura Gottes getaucht: Sie durchdringt uns, sie geht durch uns hindurch.

Meditiert jeden Tag über die Kraft von Videlina, dem lebendigen Licht, das das Urelement jeder Schöpfung ist.

Eines der Symbole der Erschaffung der Welt ist die mystische Rose

rose

 

Die sechs Kreise, die die Blütenblätter bilden, stellen die sechs Tage da, die Gott brauchte, um die Welt zu erschaffen (natürlich sind die sechs Tage symbolisch gemeint, sie dauerten Milliarden von Jahren!). Übrigens interpretieren einige Esoteriker das erste Wort der Genesis: Bereschith, das »im Anfang« bedeutet, als bara, erschaffen, und schith, als sechs. Gebt jedem Kreis eine der sechs Farben: violett, blau, grün, gelb, orange und rot, und meditiert über sie… Der Kreis in der Mitte stellt das weiße Licht dar, aus dem die anderen sechs Farben hervorgegangen sind… Auch wenn ihr die Tiefe dieses Symbols nicht versteht, so erschafft ihr zumindest durch die Betrachtung dieser vollkommenen Figur Verbindungen zwischen ihr und euch, und das wird euch bei eurer spirituellen Arbeit helfen.

Das Licht ist der feinstofflichste Zustand der Materie, und das, was wir hier Materie nennen, ist nur die kondensierteste Form des Lichts. Im ganzen Universum handelt es sich also immer um dieselbe Materie… oder dasselbe Licht… mehr oder weniger feinstofflich, mehr oder weniger verdichtet. Alles, was ihr auf der Erde verdichtet findet, existiert auf der ätherischen Ebene in feinerer, reinerer Form. Und eben das ist der Sinn der spirituellen Arbeit, dass es uns gelingt, alles, was wir brauchen, in einem feinstofflichen Zustand zu finden, der dem Urzustand näher ist.

Wenn wir morgens zur Betrachtung des Sonnenaufgangs gehen, dann um die reinste Nahrung zu uns zu nehmen: das Licht. Als Jesus sagte: »Selig sind, die da hungern und dürsten…«, sprach er nicht von einem physischen Hunger und Durst, er sprach vom Hunger und Durst nach Wahrheit, nach Weisheit, Gerechtigkeit, Freiheit… bis es uns nur noch nach Feuer und Licht hungert und dürstet.

Die Seele hat Hunger, und der Geist hat Durst. Die Seele isst das Feuer, und der Geist trinkt das Licht. Das Feuer ist ein männliches Prinzip, die Seele ein weibliches Prinzip, und jedes nährt sich von dem Element, das es ergänzt. Die Seele sehnt sich nach einem positiven, aktiven, dynamischen Prinzip, und sie isst das Feuer. Der Geist, der männlich ist, braucht das weibliche Prinzip, und er trinkt das Licht. Genauso wie das männliche Prinzip das weibliche Prinzip zeugt, zeugt das Feuer das Licht; das Licht ist eine Manifestation, eine Emanation des Feuers. Wenn ihr ein Feuer anzündet, gibt es Licht. Und je reiner das Material ist, das das Feuer speist, desto feiner und reiner ist das Licht.

Das Licht ist das Kleid des Feuers, deshalb steht das Licht immer mit der Materie in Verbindung. Oben, in den feinstofflichen Regionen, steht das Licht mit der Materie in Verbindung und das Feuer mit dem Geist. Darum erschuf Gott, das Urfeuer, zuerst das Licht, und darum ist es das Licht, das dann die Welt erschuf, nichts ist ohne das Licht gemacht worden. Jedes Mal, wenn ihr ein Feuer anzündet, wiederholt sich deshalb vor euch ganz genau die Geschichte der Erschaffung der Welt.

Leseprobe drucken: hier klicken
Dieses Buch im Online-Shop: hier klicken

Leseprobe Izvor 211 – Die Freiheit, Sieg des Geistes

Leseprobe Izvor 211 – Die Freiheit, Sieg des Geistes

I
Die psychische Struktur des Menschen

Mein ganzes Leben hatte ich nur ein einziges Ziel: den Menschen nützlich zu sein. Das ist meine einzige Sorge, mein innigster Wunsch. Ich kenne ihre Lebensumstände, ich bin nicht so blind, ihre Schwierigkeiten nicht zu sehen. Um sich jedoch nicht völlig unterkriegen und zerstören zu lassen, sollten sie Methoden kennen, die ihnen Tag für Tag helfen, ihr inneres Leben zu stärken.

Die folgende Tabelle fasst alle Methoden unserer Lehre zusammen; ich glaube, dass ihr noch nie eine ähnliche Aufstellung gesehen habt. Im Augenblick seht ihr nur einzelne Wörter, die keine Beziehung miteinander haben. Aber wenn sie näher erklärt, verbunden und im Zusammenhang gesehen werden, erkennt ihr ihre Bedeutungen und Entsprechungen ganz klar. (Bitte auf das Bild klicken, um es zu vergrößern)

tabelle

Diese Tafel kann als synoptisch bezeichnet werden, denn sie bietet eine Übersicht über das gesamte Wesen des Menschen und die seinen verschiedenen Fähigkeiten entsprechenden Aktivitäten. Sie hat fünf senkrechte Spalten.

Die erste betrifft die Prinzipien, aus denen der Mensch besteht: physischer Körper, Wille, Herz, Verstand, Seele und Geist. Die zweite Spalte ist mit »Ideal« überschrieben, weil jedes Prinzip ein ihm eigenes Ideal anstrebt.

Damit nun ein Prinzip »sein« Ideal erreichen kann, muss dieses gefördert, unterstützt und genährt werden; deshalb heißt die dritte Spalte »Nahrung«.

Die beiden letzten Spalten schließlich betreffen die Bezahlung, d. h. den Preis für die Nahrung, sowie die Aktivität, d. h. die Arbeit, die man für diese Bezahlung verrichten muss. Zwischen den Begriffen besteht also eine völlig klare und logische Verbindung.

Um das Ganze verständlicher zu machen, wollen wir mit dem physischen Körper beginnen. Jeder weiß, was der physische Körper ist, jeder hat mit ihm zu tun, er ist sichtbar und greifbar: eine Realität, an der niemand zweifeln kann. Das Ideal des physischen Körpers ist die Gesundheit. Für ihn gibt es nichts Wichtigeres und Kostbareres als gesund, stark und kräftig zu sein. Diese Vitalität bezieht er aus allen möglichen festen, flüssigen und gasförmigen Nahrungsmitteln. Ohne Nahrung stirbt er. Wer überleben will, der muss essen, das wissen sogar die Kinder. Aber die Nahrung kostet Geld und um Geld zu besitzen, muss man arbeiten. Ihr kennt die Geschichte. Ein Steinhauer wird gefragt: »Antonio, warum klopfst du Steine?« – »Um Geld zu verdienen.« – »Und wozu brauchst du Geld?« – »Um Makkaroni zu kaufen.« – »Und wozu brauchst du Makkaroni?« – »Um etwas zum Essen zu haben.« – »Und wozu isst du?« »Um neue Kräfte zu schöpfen.« – »Und wozu brauchst du Kräfte?« – »Um Steine zu klopfen…« Ein endloser Kreislauf! Wenn man also essen will, braucht man Geld, und um Geld zu verdienen, muss man arbeiten. Das ist ein klarer Fall, das begreift ihr, nicht wahr?

Aber ihr habt noch nie daran gedacht, dass das, was euch auf physischer Ebene ganz klar erscheint, auch auf anderen Ebenen existiert. Wille, Herz, Verstand, Seele und Geist haben ebenfalls ein ihnen eigenes Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen sie Nahrung und um die Nahrung zu erwerben, ist Geld notwendig; das Geld wiederum verdient man, indem man eine bestimmte Arbeit verrichtet. Wenn ihr alle Einzelheiten dieser Aufstellung vollkommen begriffen habt, besitzt ihr den Schlüssel zur Psyche des Menschen.

Der physische Körper ist natürlich Träger aller anderen, feinstofflichen Prinzipien. Seele und Geist wohnen zum Beispiel nicht vollkommen im physischen Körper; sie manifestieren sich jedoch durch ihn, durch das Gehirn, den Solarplexus, die Augen. Wer äußert sich durch eure Augen, wenn ihr jemanden mit inniger Liebe, großer Reinheit und strahlendem Licht anseht? Die Augen sind Teil des physischen Körpers; aber wer manifestiert sich durch sie? Wer benutzt sie als Ausdrucksmittel? Vielleicht ist es die Seele, vielleicht der Geist, vielleicht Gott selbst… Wenn ihr jedoch jemandem einen bösen Blick zuwerft oder ihm böse Worte sagt, die ihn krank machen, dann äußern feindliche Kräfte sich durch euch und zerstören ihn. Unser physischer Körper ist also oft nur Übermittler und Werkzeug für gute oder böse Kräfte, die in ihm und außerhalb von ihm existieren.

Welches Ideal hat nun der Wille? Er verlangt Macht und Bewegung. Ihr werdet sagen: »Aber er kann auch Weisheit, Intelligenz oder Schönheit verlangen…« Nein, das sind nicht seine Gebiete, das fordern andere Prinzipien. Man kann den Willen zwar einsetzen, um seinen Verstand zu entwickeln oder ein Kunstwerk zu schaffen, aber was ihn selbst betrifft, so verlangt und fordert er nur Macht und Bewegung. Er will nicht untätig sein, er will sich beschäftigen, die Dinge berühren, bewegen, verändern.

Aber der Wille braucht genau wie der Körper Nahrung, um sein Ideal zu verwirklichen, und diese Nahrung ist die Kraft. Durch sie wird er energisch, während er ohne sie verkümmert. Zahlungsmittel, d. h. also das dieser Ebene entsprechende »Geld«, ist die Bewegung. Ja, man sollte immer Stillstand und Trägheit aufgeben, um Energien anzuregen, auszulösen und zu handhaben. Wenn der Wille handelt und sich in Bewegung setzt, »kauft« er Kraft und wird mächtig. Die erste aller Bewegungen ist der Atem. Sobald ein Kind geboren wird, atmet es und setzt dadurch alles andere in Bewegung.

Wer Geld verdienen will, um Nahrung für seinen Willen zu »kaufen«, sollte sich an die Ausführung bestimmter Übungen unserer Lehre gewöhnen: Atem- und Gymnastikübungen (Siehe Band 13 der Gesamtwerke.), Paneurhythmie (Die Paneurhythmie ist ein Tanz in Kreisformation mit Musik und Bewegungen von besonderer Schönheit. Die Musik ist auf CD erhältlich, ein Buch ist in Vorbereitung.) usw. All diese Übungen stärken die Willenskraft. Ihr könnt natürlich noch viele andere Tätigkeiten des täglichen Lebens hinzufügen, die man nicht alle aufzuzählen braucht. Es gibt eine ganze Menge, die ihr kennt, aber ich spreche hier von Übungen, die hauptsächlich das spirituelle Leben betreffen.

Ihr habt vielleicht geglaubt, dass diese Übungen nicht so sehr den Willen entwickeln, sondern eher dem Körper Vitalität bzw. dem Herzen Freude geben. Auch das ist wahr, denn alles ist miteinander verbunden. Im Augenblick trenne ich jedoch die verschiedenen Ebenen und verbinde jede mit dem, was ihr entspricht, um besser verstanden zu werden. In Wirklichkeit aber sind die einzelnen Prinzipien nicht voneinander zu trennen. Von den Atem- oder Gymnastikübungen profitiert natürlich auch der Körper: Die Gesundheit wird besser, die Lebenskraft stärker, die Gedanken werden klarer und ihr fühlt euch freier und fröhlicher. Nichts ist vom Ganzen getrennt, alles ist verbunden.

Betrachten wir nun das Herz. Der Mensch besitzt eine Fähigkeit der Empfindung und Rührung, die man »Herz« nennt. Dieses Herz ist nicht das physische Herz der Anatomie und Physiologie; wir sprechen nicht vom Hauptorgan des Blutkreislaufs, das eine Art hydraulische Pumpe ist, sondern von dem wahren Organ der Empfindsamkeit und des Gefühls, das sich im Sonnengeflecht befindet. Ich habe schon oft davon gesprochen (Siehe: »Der Solarplexus und das Gehirn«, Band 6 der Gesamtwerke.) und werde sicher wieder darauf zurückkommen.

Welches Ideal hat nun das Herz? Verlangt es nach Wissen, Kenntnissen oder Macht? Nein, es verlangt nach Glück, Freude und Wärme, denn Wärme belebt es, während Kälte es tötet. Das Herz nährt sich von allen möglichen Gefühlen, guten und schlechten. Da wir nicht auf alles eingehen können, wollen wir hier nur von den guten Gefühlen sprechen, die die Herzen der Söhne und Töchter Gottes nähren.

Die Münze, mit der man Glück und Freude bezahlt, ist die Liebe. Sobald ihr liebt, wird euer Herz ernährt. Wie oft habe ich schon gesagt, dass weder Reichtum noch Macht oder gar Schönheit euch glücklich machen, sondern nur die Liebe. Liebe macht glücklich! Ihr könnt dem Herzen alles mögliche andere geben, es wird unzufrieden bleiben und sagen: »Gib mir Liebe!« Mit Liebe kann es sich alles kaufen, was es braucht. Wenn ihr jemanden liebt, ist eure Liebe das Geld, mit dem ihr alle möglichen Empfindungen, Gemütsregungen und Gefühle »kaufen« könnt. Durch eure Liebe entstehen täglich Tausende von Gefühlen. Sobald ihr jedoch nicht mehr liebt, habt ihr kein Geld mehr und könnt euch keine Gefühle oder Gemütsregungen mehr kaufen. Ihr empfindet nichts mehr! Wenn ihr eure Frau nicht mehr liebt, könnt ihr sie so oft küssen wie ihr wollt, ihr empfindet trotzdem weder Freude noch Glück dabei. Aber wenn ihr sie liebt, habt ihr auch ohne Küsse unbeschreibliche Gefühle und Empfindungen ganz einfach durch eure Liebe.

Das Ideal des Verstandes ist das Wissen. Die Nahrung zur Erreichung dieses Ziels ist das Denken. Wenn ich vom Denken spreche, kann man darunter natürlich genau wie beim Herzen ein schlechtes oder ein gutes Denken verstehen, denn es gibt alle möglichen Gedanken. Aber auch hier wollen wir uns nur mit den besten und lichtvollsten Gedanken beschäftigen. Das Denken nährt den Verstand. Wenn ihr nicht nachdenkt, werdet ihr nichts erkennen. Manche Leute sagen: »Warum sich den Kopf zerbrechen? Zu viel denken ist gefährlich, man wird verrückt davon.« Ja, das stimmt, wenn man schlechte Gedanken hat! Aber gute, klare Gedanken sind die beste Nahrung für den Verstand. Wenn ihr euren Verstand nicht ernährt, wird er dunkel und schwach: Ihr habt ihn sozusagen verhungern lassen.

Wenn man sich die besten Gedanken »kaufen« will, braucht man Geld, und dieses Geld ist die Weisheit. Nur mit Weisheit könnt ihr die guten Gedanken kaufen, mit denen euer Verstand das ersehnte Licht erwirbt. Die Weisheit ist das Geld… oder besser das Gold, das von der Sonne kommt. Ja, diese Weisheit, das spirituelle Gold, kommt von der Sonne. Mit diesem Gold könnt ihr in den himmlischen Läden genauso einkaufen wie in den irdischen Läden mit dem materiellen Gold. Wenn ihr den himmlischen Wesenheiten gegenüber eure Wünsche äußert, prüfen sie zuerst, ob ihr Gold habt. Wenn ja, füllen sie eure Einkaufstaschen, andernfalls geben sie euch nichts.

Um dieses Geld zu verdienen, muss man arbeiten: lesen, lernen, nachdenken, meditieren. Nun, und wenn in der letzten Spalte der Tabelle nicht erwähnt wird, dass auch die Betrachtung des Sonnenaufganges zum Erhalt dieses Goldes führt, könnt ihr dies ruhig hinzufügen. Denn im Frühjahr und Sommer sollte man beim Sonnenaufgang das Sonnengold aufnehmen.

Und das Ideal der Seele? Vielleicht werdet ihr erstaunt sein, dass die Seele weder Wissen noch Licht oder Glück verlangt. Ihr Ideal ist der Raum, die unendliche Weite. Sie will nur eins: sich ausdehnen, zerfließen, sich ins Endlose ausweiten. Ihr Ideal ist die Unendlichkeit. Wenn man sie einengt, ist sie unglücklich. Die menschliche Seele ist Teil der Universalseele und fühlt sich in unserem Körper so begrenzt und eingeengt, dass sie erstickt und nur den Wunsch hat, sich im Raum zu verlieren. Man glaubt im Allgemeinen, die Seele wohne ganz und gar im Menschen. In Wirklichkeit weilt nur ein winziger Teil in ihm, der größte Teil führt außerhalb von ihm ein unabhängiges Leben im kosmischen Ozean. Da die Universalseele jedoch Pläne mit uns hat, da sie uns Leben und Schönheit geben möchte, versucht sie in uns einzudringen, um uns mehr und mehr zu prägen. Unsere Seele ist also nicht auf unseren Körper begrenzt, sie ist etwas viel Größeres, das stets nach Unendlichkeit und endloser Weite strebt.

Um dieses Ideal zu erreichen, braucht die Seele Kraft und auch für sie gibt es eine ihr entsprechende Nahrung, nämlich die guten Eigenschaften des höheren Bewusstseins: Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, Opfergeist, kurz all das, was den Menschen dazu treibt, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen und seinen Egoismus zu besiegen. Alle eigennützigen und egoistischen Einstellungen bauen Grenzen und Abtrennungen auf. Sobald man sagt: »Das gehört mir!« führt man die Abtrennung ein, während eine selbstlose Einstellung alle Schranken durchbricht.

Auch die Nahrung für die Seele kostet »Geld«. Dieses Geld, d. h. das einzige Mittel, durch das die Seele im Unendlichen aufgehen kann, ist die Ausdehnung, die Verschmelzung, die Ekstase. Diesen göttlichen Zustand kann man durch Gebet, Anbetung und Kontemplation erreichen. Das Gebet ist die Suche nach der göttlichen Herrlichkeit, und wenn der Mensch diese Herrlichkeit erreicht, empfindet er solch eine Erweiterung, dass er sich von seinem Körper losgelöst glaubt. Das ist die Ekstase. Alle, die eine Ekstase erlebt haben, äußern sich in diesem Punkt ähnlich: Sie waren nicht mehr auf der Erde in ihrem begrenzten physischen Körper, sondern hatten das Gefühl, in die Universalseele einzutauchen und völlig mit ihr zu verschmelzen.

Die Seele ist das weibliche Prinzip par excellence, sie ist ein großartiger göttlicher Ausdruck des weiblichen Prinzips. Der Geist ist der göttliche Ausdruck des männlichen Prinzips. Auch Verstand und Herz stellen das männliche und das weibliche Prinzip dar, aber auf einer niedrigeren Ebene. Die beiden Prinzipien sind in allen Bereichen des Universums unter verschiedenen Aspekten gegenwärtig: positiv und negativ, ausstrahlend und empfangend. Überall finden wir das weibliche und das männliche Prinzip.

Wonach verlangt der Geist? Er strebt weder nach Raum noch nach Wissen, Glück, Macht oder Gesundheit. All das braucht er nicht, denn er ist nie krank, schwach, unglücklich, betrübt oder kalt. Der Geist verlangt nur eins: die Ewigkeit. Da er seinem Wesen nach unsterblich ist, will er sich nicht durch die Zeit begrenzen lassen, er will die Ewigkeit. Ebenso wie der Raum das Reich der Seele ist, ist die Zeit das Reich des Geistes. Deshalb kann ich den Physikern und Philosophen sagen, dass sie das Wesen von Zeit und Raum nie begreifen werden, solange sie das Wesen von Seele und Geist nicht kennen. Denn Raum und Zeit sind Begriffe einer vierten Dimension, die die Seele und den Geist betreffen. Die Wissenschaftler werden die Geheimnisse von Zeit und Raum nicht durchdringen können, solange sie nicht bewusst in ihrer Seele und ihrem Geist die Begriffe von »Unendlichkeit« und »Ewigkeit« vertieft haben.

Um die Ewigkeit zu erreichen bzw. in das menschliche Bewusstsein hinabzuholen – denn der Geist selbst ist seinem Wesen nach ewig – braucht auch er Nahrung. Ihr wundert euch, dass der Geist Nahrung braucht? Ich sagte euch bereits, dass sogar der Herr sich ernährt. Die Nahrung des Geistes ist die Freiheit! Die Seele will sich ausdehnen und der Geist seinerseits will alle Bindungen durchbrechen, die ihn an die Zeit fesseln.

Aber die Freiheit muss erkauft werden. Der Geist braucht also Geld, und dieses Geld ist die Wahrheit. Weder Weisheit noch Liebe können den Geist befreien, sondern nur die Wahrheit. Jede Wahrheit, die ihr einmal über ein bestimmtes Thema erkannt habt, löst gewisse Fesseln. Jesus sagte: »Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen« (Jh 8,32). Ja, die Wahrheit macht frei. »Und die Liebe?«, werdet ihr sagen. Ah, die Liebe! Sie bindet und fesselt euch eher. Ihr wollt euch an etwas oder jemanden binden? Ruft die Liebe zu Hilfe, denn nichts bindet euch so stark wie sie. Ihr wollt euch befreien? Dann wendet euch an die Wahrheit. Seht einmal, was mit den alten Leuten passiert. Sie erkennen langsam die Wahrheit und da die Wahrheit befreit, lösen sie sich von dieser Welt und gehen ins Jenseits. Wenn man dagegen verliebt ist, will man sich nicht befreien, dann möchte man lieber ewig auf dieser Erde bleiben, bei dem anderen sein und ihn küssen. Denkt einmal darüber nach, ihr könnt nicht umhin, damit einverstanden zu sein!

Um die Wahrheit zu besitzen, muss man etwas tun, eine Arbeit verrichten. Und diese Arbeit ist die Identifikation mit dem Schöpfer. Durch sie nähert man sich dem Herrn, wird eins mit Ihm und erkennt die Wahrheit. Als Jesus sagte: »Ich und der Vater sind eins« (Jh 10,30), sprach er von dem Prozess der Identifikation. Durch diese Arbeit könnt ihr das Gold verdienen, das man Wahrheit nennt. Und diese Wahrheit lautet: Der Mensch ist Geist, ein von Gott kommender Funke, der eines Tages wieder zu Ihm zurückkehrt. Seht ihr, das ist die Wahrheit. Sobald der Mensch dies verstanden, erkannt und gefühlt hat, ist er frei: frei von Leidenschaften, frei von irdischen Zielen, frei von Schmerz und Angst. Dann tritt er in die Ewigkeit ein.

Einige von euch werden erstaunt sein, die Freiheit mit Zeit und nicht mit dem Raum verbunden zu sehen. Sie werden sagen: »Frei sein heißt doch, sich bewegen und von allen Beschränkungen lösen zu können. Die Freiheit müsste also zu dem Bereich der Seele gehören.« Nein, man sollte die Freiheit nicht mit dem Raum verwechseln. Die wahre Freiheit besteht nicht darin, sich ohne Einschränkungen fortzubewegen. Stellt euch einen Mann vor, der von seiner Schwiegermutter so geplagt wird, dass er eines Tages seine Koffer packt und in die Berge zieht. Aber sogar dort oben ist er nicht frei. Warum nicht? Weil er die gleichen Vorwürfe und Diskussionen mit sich herumträgt. Körperlich ist er zwar weit von ihr entfernt, aber geistig hat er sie nicht verlassen, denn er denkt ja ständig an sie. Und was für wunderbare Gedanken er ihr schickt! Der Begriff der Freiheit ist nicht an den Raum gebunden, denn der Raum gibt keine wahre Freiheit. Er gibt zwar eine gewisse Bewegungsmöglichkeit, aber die wahre Freiheit ist etwas ganz anderes! Die wahre Freiheit ist das Bewusstsein der Ewigkeit.

»Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Jh 17,3), hat Jesus gesagt. Um welche Erkenntnis handelt es sich hier? Sicher nicht um das intellektuelle Wissen, das Wissen von Leuten, die einige Bücher gelesen haben und behaupten: »Ich weiß Bescheid!« Das wahre Wissen ist etwas anderes: »Dich erkennen, Dich den einzigen wahren Gott«; dies bedeutet, mit Ihm eins zu sein, sich mit Ihm zu identifizieren. Die Identifikation, die Verschmelzung kann der Mensch nur durch seinen Geist verwirklichen, und erst dann ist er frei.

Spürt ihr jetzt, wie wahr meine Worte sind? Wenn ihr mir natürlich mit einer rein intellektuellen und sachlichen Einstellung zuhört, spürt ihr vielleicht überhaupt nichts und denkt vielleicht sogar, dass meine Worte nicht mit euren Ansichten übereinstimmen. Aber es ist nicht meine Schuld, wenn die ganze gegenwärtige Kultur euch Ideen in den Kopf gesetzt hat, die euch am Verständnis der Dinge hindern! Ihr solltet euch beeilen, meine Sichtweise anzunehmen, dann werdet ihr begeistert sein. Ihr werdet sagen: »Ich habe erkannt, wie wichtig diese Tabelle ist. Ich will es überall mitnehmen und es studieren, egal ob ich im Zug, in der U-Bahn, beim Zahnarzt oder bei der Kosmetikerin bin.« Ja, diese Tabelle kann euch eine große Hilfe sein, vermindert seinen Wert niemals.

Leseprobe drucken: hier klicken
Dieses Buch im Online-Shop: hier klicken

Leseprobe Izvor 210 – Die Antwort auf das Böse

Leseprobe Izvor 210 - Die Antwort auf das Böse

Leseprobe Izvor 210 – Die Antwort auf das Böse

1
Die zwei Bäume des Para­dieses

Seit Jahr­tau­senden ver­suchen die Men­schen, den Ur­sprung der Welt wie auch das Er­schei­nen des Bösen in dieser Welt und seine Folge, das Leid zu ver­stehen. Sie haben diese Themen oft in Form von Mythen dar­ge­stellt, und darum finden sich in den heili­gen Schrif­ten aller Reli­gionen symbol­hafte Erzäh­lungen, die man zu deuten wissen muss. Die christ­liche Tradition hat die Schöp­fungs­geschich­te von Moses über­nommen, aber haben die Chris­ten sie wirk­lich ver­stan­den?

Schau­en wir, was Moses schrieb. Am sechs­ten Schöp­fungs­tag schuf Gott den Mann und die Frau und setzte sie in einen Garten namens Eden, in­mitten von Tieren und Pflan­zen aller Art. Zwei Bäume in diesem Garten hebt Moses be­son­ders her­vor: den Baum des Lebens und einen zwei­ten, der seit­dem be­son­ders be­rühmt wurde, den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse. Gott ver­bot Adam und Eva, von den Früch­ten dieses Baumes zu essen. So­lange sie den Ge­boten des Herrn ge­horch­ten, lebten sie in Glück und Über­fluss. Doch dann kam die Schlan­ge und über­redete Eva, von der Frucht des Baumes der Er­kennt­nis des Guten und Bösen zu essen. Und Eva über­redete Adam, auch davon zu kosten. Darauf ver­trieb Gott sie aus dem Para­dies. Wir werden gleich auf be­stimm­te Punkte dieser Ge­schich­te näher ein­gehen.

Viele Men­schen sind schon auf die Suche nach dem irdi­schen Para­dies gegangen, weil sie glaub­ten, es müsse in Indien, Ame­rika oder Afrika liegen. Und natür­lich haben sie es nicht ge­funden. Das Para­dies war sehr wohl auf der Erde, aber um welche Erde han­delt es sich? Alles ist symbo­lisch, wie ihr sehen werdet. Aber es wird mir nicht mög­lich sein, alles zu er­klären, weil diese Ge­schich­te vom ersten Mann und der ersten Frau viel zu um­fang­reich ist. Zuerst werde ich euch jedoch etwas über die beiden Bäume sagen: den Baum des Lebens und vor allem über den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse.

Adam und Eva lebten also im Para­dies und durf­ten von allen Früch­ten des Gar­tens essen, außer von den Früch­ten des Baumes der Er­kennt­nis des Guten und Bösen. Aber ihr wisst nicht, was diese Frucht be­deutet: Sie ist das Symbol der Kräfte, die der erste Mann und die erste Frau noch nicht zu lenken, zu ver­wan­deln und zu nutzen ver­stan­den. Darum hatte Gott zu ihnen ge­sagt: »Es wird eine Zeit kommen, in der ihr von dieser Frucht essen könnt, aber im Moment seid ihr noch zu schwach. Wenn ihr sie esst und mit den in ihr ent­halte­nen Kräf­ten in Be­rüh­rung kommt, werdet ihr ster­ben.« Das hieße, sie würden ihren Be­wusst­seins­zu­stand ver­ändern. Diese Ver­ände­rung des Be­wusst­seins­zustan­des wird in der Gene­sis er­wähnt, aber man hat diesen Hin­weis nicht immer zu deuten gewusst. Von der Zeit, in der Adam und Eva glück­lich im Para­dies lebten, heißt es: »Sie waren beide nackt, der Mann und sein Weib, und schäm­ten sich nicht.« Und später, als sie die ver­botene Frucht ge­gessen hatten: »Da gingen beiden die Augen auf, und sie er­kann­ten, dass sie nackt waren. Sie hefte­ten Feigen­blät­ter zu­sammen und mach­ten sich einen Schurz« . Dieses plötz­liche Be­wusstsein ihrer Nackt­heit be­weist, dass sich etwas in ihnen ver­ändert hatte.

Der Baum des Lebens stellt die Ein­heit des Lebens dar, in der sich die Polari­sation noch nicht manifes­tiert, das heißt, wo es weder Gut noch Böse gibt, es ist ein Bereich über dem Guten und dem Bösen. Der andere Baum da­gegen symboli­siert die Welt der Polarisation, in der man den Wech­sel von Tag und Nacht, Freude und Leid, usw. erleben muss. Die beiden Bäume sind also Regionen des Uni­ver­sums oder auch Be­wusst­seins­zustän­de und nicht ein­fach Pflan­zen. Und wenn Gott Adam und Eva ver­bot, vom Baum der Er­kennt­nis zu essen, bedeutet dies, dass sie noch nicht in die Ebene der Polari­sation ein­drin­gen soll­ten. Und warum nicht? Weil dieses Verbot eine Laune des Herrn war? Nein! War der Baum dann nutz­los? Nein, auch das nicht, denn Gott hat nie­mals etwas Nutz­loses er­schaf­fen. Die Idee eines Baumes, der Früch­te trägt, die nie jemand essen kann und die keinem zu­gute kommen, wider­spricht der gött­lichen Weis­heit, die nichts erschafft, was nicht auch nütz­lich­ ist.

Be­stimm­te Wesen aßen die Früch­te vom Baum der Er­kennt­nis; doch sie konn­ten sie ver­tragen, Adam und Eva jedoch noch nicht. Denn die Früch­te ent­hiel­ten zu­sammen­zie­hende Kräfte, unter deren Einfluss die feinst­off­liche Mate­rie ihrer Körper sich ver­festi­gen und ver­dich­ten muss­te. Und ge­nau das ge­schah. Des­halb spricht die Über­liefe­rung von einem »Fall«. Dieser Aus­druck symboli­siert den Über­gang von einer feinst­off­lichen in eine grob­stoff­liche Mate­rie. Nach­dem Adam und Eva von der ver­bote­nen Frucht ge­gessen hatten, wurden sie schwer und plump, was die Worte aus­drü­cken: »Sie wurden ge­wahr, dass sie nackt waren.« Nackt waren sie auch vor­her ge­wesen, aber sie sahen sich in Licht ge­klei­det. Nach ihrer Ver­feh­lung fühlten sie sich jedoch plötzlich ihres Licht­klei­des be­raubt, sie schäm­ten und ver­bargen sich.

Adam und Eva lebten weiter, nach­dem sie vom Baum der Er­kennt­nis ge­sessen hatten, aber für einen höhe­ren Be­wusst­seins­zu­stand waren sie ge­stor­ben: Sie wurden aus dem irdi­schen Para­dies, dem Symbol dieses Be­wusst­seins­zustan­des, ver­trie­ben. Und seit­dem hütet ein mit einem Schwert be­waff­neter Engel den Ein­gang. Adam und Eva wurden aus dem »irdi­schen« Para­dies ver­trie­ben; also waren sie schon auf der Erde. Was be­deutet es dann, dass sie nach dem Ver­lassen des Para­dieses »auf die Erde« ge­schickt wurden? Um welche Erde han­delt es sich? Die Kab­bala lehrt, dass die Erde in sieben Formen exis­tiert. Sie nennt ihre Namen, ihre charakte­ristischen Merk­male, die von den grob­stoff­lichs­ten bis zu den feinst­off­lichs­ten rei­chen. Und ge­rade die feinst­off­lichs­te Ebene ist es, von der die Men­schen ver­trie­ben wurden. Was weiß man von der Erde? Nicht viel!

Der Ein­wei­hungs­wissen­schaft zu­folge hat die Erde ein ätheri­sches Doppel, das sie wie eine licht­volle Atmo­sphäre um­hüllt. Diese ätheri­sche, feinst­off­liche Erde ist die wahre, aus Gottes Händen her­vor­gegan­gene Erde, von der die Gene­sis spricht. Die wahre Erde ist nicht die er­starr­te, ver­dich­tete Erde, die wir hier be­rühren, sondern die ätheri­sche. In diese Region, Para­dies ge­nannt, stell­te Gott die ersten Men­schen. Dort lebten sie mit dem strah­len­den, lich­ten Körper, von dem ich eben sprach. Sie kann­ten weder Leid noch Krank­heit noch Tod.

Und wisst ihr, dass es dieses Para­dies immer noch gibt? Es nie auf­gehört hat zu exis­tieren? Ob­wohl man es nicht sieht, ist es über­all, jedoch im feinst­off­lichen Be­reich der Mate­rie, denn die ätheri­sche Ebene ist stoff­lich. Auch den Baum des Ewigen Lebens gibt es noch im Para­dies. Er steht für die Ele­mente, die die ersten Men­schen aufnahmen, von denen sie sich nährten. Sie lebten in dieser ätheri­schen Sub­stanz der Erde und nähr­ten sich von ihr. Durch diese ätherische Substanz wurden Licht und Rein­heit ihres Lebens aufrechter­halten. Ich erwähn­te be­reits, dass der Baum des Lebens kein Baum war, son­dern ein Strom, ein von der Sonne aus­gehen­der Strom. Die Men­schen nähr­ten sich von den Sonnen­strah­len, die diese Region durch­strö­men. Der Baum des Lebens ist die Sonne!

Und da der Mensch die­selbe Struk­tur wie in der fernen Ver­gangen­heit seiner Er­schaf­fung bei­behal­ten hat, be­sitzt er noch die Fähig­keit in sich, er­neut die Sonnen­strah­len auf­zu­nehmen, wieder die Früch­te vom Baum des Lebens zu essen, also in den Schoß Gottes zu­rück­zukeh­ren. Jede Reli­gion hat ihre eigene Spra­che, ihre eige­ne Aus­drucks­weise, aber alle spre­chen von der Wieder­ver­eini­gung mit Gott, von der Rück­kehr zum Urgrund aller Dinge. Sie ver­wenden unter­schied­liche Be­griffe, aber sie spre­chen alle von der­selben Wirk­lich­keit.

Was ist nun der Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse? Er stellt einen anderen Strom dar, der auch durch das Para­dies zog. Und er ist es, der die Men­schen mit der grob­stoff­lichs­ten Form der Erde in Kon­takt brach­te. Gott hatte zu den ersten Men­schen ge­sagt: »Be­gnügt euch damit, den Be­reich des Lebensbaumes zu er­for­schen. Für euch ist die Zeit noch nicht ge­kommen, dieses Reich des Lich­tes zu ver­lassen, um hinab­zu­stei­gen und die Wur­zeln der Schöp­fung zu er­grün­den. Lasst diese Frage im Moment bei­seite, ver­sucht nicht, alles auf ein­mal wissen zu wollen.« Da nun dieser zweite Baum auch exis­tierte, konnte man ihn nicht ein­fach fällen, wie man auch einem Men­schen den Darm oder die Leber usw. nicht einfach heraus­nehmen kann. Denn so wie das Uni­versum, be­steht auch der Mensch aus zwei Be­rei­chen: einem höhe­ren, der dem Baum des Lebens ent­spricht, und einem niede­ren, der durch den Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse symboli­siert wird. In ihm be­finden sich die Wur­zeln der Dinge.

Die Früch­te des Baumes der Er­kennt­nis hatten derart stark zu­sammen­zie­hende Eigen­schaf­ten, dass die ersten Men­schen ihnen nicht wider­stehen konn­ten. Sie stell­ten die Strömung »co­agula« dar, und der Herr wusste, dass sich durch den Kon­takt mit ihr die Be­schaf­fen­heit des Be­wusst­seins von Adam und Eva sofort ver­ändern würde. Und so ge­schah es. Bei der Be­rüh­rung mit dieser zu­sammen­zie­henden Kraft ver­wan­delte sich die Mate­rie ihres Kör­pers und be­gann, fest, dicht, un­durch­sichtig und stumpf zu werden. Als Gott den ersten Men­schen ver­bot, von diesen Früch­ten zu essen, das heißt diesen Strom zu er­for­schen, diese Kräfte der Natur zu er­fahren, wollte Er sie vor Leid, Krank­heit und Tod schüt­zen – dem Tod des physi­schen Kör­pers natürlich und nicht dem Tod des Geis­tes – denn sie waren un­sterb­lich er­schaf­fen worden. Ihr lich­tvolles Da­sein war so jedoch gestorben, und sie er­wach­ten zu einem ande­ren, finsteren und schwe­ren Da­sein. Sie muss­ten folglich dieses Reich ver­lassen, das Para­dies, in dem sie in Un­be­schwert­heit, Licht und Freude lebten und in die niede­ren Schich­ten der Erde hinab­­stei­gen, in denen wir heute leben. Denn wir sind jetzt auf dieser Erde, weil wir jene andere Erde, unse­re ur­sprüng­liche Heimat, ver­lassen haben.

Wer war nun diese Schlan­ge, die Eva ver­suchte? Diese intelli­gente Schlan­ge, die spre­chen konnte und so über­zeu­gende Worte fand? Die Schlange ist ein Symbol von sehr tiefer und umfassender Be­deu­tung, das in allen Reli­gionen zu finden ist. Alle Ein­geweih­ten haben sich zu allen Zeiten mit der Schlan­ge be­schäf­tigt, auch wenn sie nicht offen davon spre­chen woll­ten. Dieses Symbol der Schlan­ge reprä­sentiert schein­bar sehr unterschiedliche Wirk­lich­keiten: die Kundalini-Kraft, das Böse, den Teufel oder auch die magi­sche Kraft, die die Dinge vom Himmel zur Erde und von der Erde zum Himmel leitet.

Die Ein­geweih­ten halten die Schlan­ge nicht für das ab­solute Symbol des Bösen. Sie unter­schei­den einen niede­ren, stump­fen und dunk­len Teil an ihr und einen höhe­ren, licht­vollen. Für sie ist die Schlan­ge das magi­sche Agens, das sowohl das Gute als auch das Böse weiter­leitet, das »Astral­licht«, wie Eliphas Lévi es nennt, das auf seinem Weg schäd­liche Wir­kungen aus­löst, wenn es un­reine Ele­mente ent­hält. Wenn es aber mit den licht­vollen Ge­danken der Heili­gen und Pro­pheten ge­tränkt ist, leitet es diese bis zum Thron Gottes. Die Schlange ist also in ihrer höhe­ren Hälfte licht­voll und dunkel in ihrer niede­ren Hälfte. Im Zohar, dem »Buch der Herr­lich­keit«, findet man ein Bild, das einen weißen lich­ten Kopf darstellt, der sich im Ab­grund, im See der dich­ten Mate­rie, als schwar­zer, ent­setz­licher Kopf wider­spie­gelt. Es ist der Schat­ten Gottes… Doch diese Dinge möchte ich für später zu­rück­stel­len, wenn ihr für ihr Ver­ständ­nis besser vor­berei­tet seid. Die Schlan­ge (oder der Drache) ist also ein Symbol dieses magi­schen Agens, welches das ganze Uni­versum bis zu den Ster­nen durch­dringt und sowohl gute als auch schlech­te Aus­strah­lungen weiter­leitet.

Wenn ihr die Tarotkarten kennt, wisst ihr, dass die 15. Karte den Teufel dar­stellt. Stanislas de Guaita hat die Tiefe dieses Arcanums ver­stan­den, denn er beschreibt auch ein Bild, das in der oberen Hälfte das strah­len­de, licht­volle Ant­litz eines sieg­rei­chen, all­mäch­tigen Ein­geweih­ten zeigt und in der unte­ren Hälfte wie ein Zerr­bild das er­schre­ckende, frat­zen­hafte, zor­nige Ge­sicht eines ge­falle­nen Wesens: das Bild des Teu­fels. Beide zu­sammen bilden ein und die­selbe Wirk­lich­keit. Diese kann auch durch zwei Drei­ecke dar­ge­stellt werden, die aber nicht wie beim Siegel Salo­mons. Diese Figur be­deutet, dass der Teufel und das licht­volle magi­sche Agens die­selbe Wirk­lich­keit dar­stel­len, jedoch in ver­schie­denen Regionen. Es ist wie beim Men­schen: Seine nie­dere Seite ist schmut­zig und ab­sto­ßend, seine höhere da­gegen schön, himm­lisch und gött­lich. Alles hängt also davon ab, mit wel­chen Kräf­ten er arbei­tet, in wel­cher Region sich sein Be­wusst­sein be­findet und mit wel­chen Ele­menten er um­geht und in Berührung kommt.

Die Schlan­ge der Gene­sis stellt also einen von der Erde auf­stei­genden Strom dar, der sehr hohe Regio­nen er­reicht. In den Höhen ist er rein und licht­voll, in den niede­ren Regio­nen da­gegen matt und ab­sto­ßend. Auf jeden Fall befand er sich im Garten des Para­dieses, denn das war auch sein Bereich. Eva ging dort spa­zieren. Da sie sehr neu­gierig war, wollte sie wissen, was dieser Baum der Er­kennt­nis von Gut und Böse eigent­lich war. Sie prüfte ihn von weitem, um sich eine erste Vor­stel­lung davon zu machen. Aber die Neu­gierde plagte sie, und so ging sie immer näher heran. Je länger sie ihn jedoch be­trach­tete, desto emp­fäng­licher wurde sie für die Stimme der Schlan­ge, das heißt für den irdischen Strom, die ihr klug zu­redete: »Siehst du, du weißt nicht alles. Du musst noch zu uns kommen und lernen, denn wir be­sitzen ein großes Wissen.«

Diese Schlan­ge war übri­gens nicht ein Einzel­wesen, son­dern eine Schar von Ge­schöp­fen, die Gott lange vor den Men­schen er­schaf­fen hatte – eine Genera­tion von Engeln, Erz­engeln und Gott­heiten, von Gott be­auf­tragt, in den Tiefen der Erde an Metal­len, Kris­tallen, dem Feuer usw. zu arbei­ten, alle unter­irdi­schen Schät­ze vor­zu­berei­ten, und um nach ge­taner Arbeit wieder zu Ihm zu­rück­zukeh­ren. Ja, so sagt es die Über­liefe­rung, nicht ich. Ich füge nur von Zeit zu Zeit ein paar kleine Aus­schmü­ckungen hinzu, ein paar Unter­haltungen, um die Erzäh­lung leben­diger zu machen, aber ich er­finde nichts. Die Über­liefe­rung be­stä­tigt also, dass Gott Licht­wesen, eine ganze Hierar­chie von Engeln und Erz­engeln er­schaf­fen hatte, die nach Er­fül­lung ihres Auf­trages wieder in den Schoß des Ewigen zu­rück­kehren soll­ten. Aber da sie frei waren, woll­ten einige, be­ein­flusst von diesem Leben da unten nicht mehr zu­rück­kehren, und das war der Auf­stand der Engel. Sie haben nicht oben im Himmel revol­tiert, son­dern als sie weit von Gott ent­fernt waren.

Der Schöp­fer wollte sie jedoch nicht mit Tod oder Ver­nich­tung stra­fen. Er sagte zu ihnen: »Bleibt dort unten; ihr werdet viel lernen, und wenn ihr ge­nug habt vom Leben in Fins­ter­nis und Be­gren­zung, kommt zu­rück. Ich werde euch wieder auf­nehmen.« Ja, sogar den ge­falle­nen Wesen gab er die Mög­lich­keit, zu Ihm zu­rück­zukeh­ren. Seht ihr, so ist die Liebe Gottes. Wenn Gott Liebe ist, wie könnte er die Schul­digen, die zu Ihm zu­rück­kehren wollen, für immer ab­weisen? Nein, das wäre Grau­samkeit, das ist nicht ­mög­lich. Da er die ab­solute Liebe ist, werden selbst die Dämonen zu Ihm zu­rück­kehren können. Denn man darf nicht glau­ben, dass sie in dieser Situ­ation glück­lich sind. Nein, sie leiden; aber ihr Hoch­mut hin­dert sie daran, zu Gott zu­rück­zukeh­ren. Die Tür bleibt für sie jedoch offen, und wenn sie be­reuen und auf­hören, den Men­schen zu scha­den, werden sie den ver­lore­nen Platz wieder ein­nehmen, und Luzi­fer wird wieder der Erz­engel des Lichts werden.

Eine Über­liefe­rung be­rich­tet, dass in dem Moment, als Luzi­fer mit den auf­ständi­schen Engeln in den Ab­grund ge­stürzt wurde, ein Stein aus seiner Krone fiel, ein riesen­großer Sma­ragd. Und aus diesem Sma­ragd soll der Hei­lige Gral ge­formt worden sein, der Kelch, in dem das Blut Chris­ti auf­gefan­gen wurde. Ja, welche Ver­bin­dungen be­stehen zwi­schen Luzi­fer und Chris­tus? Was haben sie mit­einan­der zu tun…?

Aber kehren wir zur Schlan­ge zu­rück. Ich sagte euch, dass sie das Symbol für alle die Geis­ter ist, die sich von Gott ge­trennt haben. Dies waren hoch­ent­wickel­te Wesen, die ein phantas­tisches Wissen und enorme Kennt­nisse be­saßen. Und dank dieses Wis­sens und dieser Kennt­nisse ge­lang es ihnen übri­gens, Eva zu ver­führen, in­dem sie ihr ver­spra­chen, sie in ihre Ge­heim­nisse ein­zu­weihen. Die Schöp­fungs­geschich­te stellt es so dar, dass Eva den Apfel aß… Einen Apfel zu essen – was ist daran so krimi­nell? Jeder isst Äpfel! Es ist jedoch die symbo­lische Seite, die inte­ressant ist. Unter diesem Apfel ist eine ganze Lehre zu ver­stehen, die Adam und Eva bis dahin un­be­kannt war. Die Schlan­ge sagte zu Eva: »Gott ver­bietet euch, die Früch­te dieses Baumes zu essen, weil Er weiß, dass ihr dann ge­nau­so mäch­tig werdet wie Er, und das will Er nicht. Er hat euch ge­sagt, dass ihr ster­ben würdet, aber das ist nicht wahr. Ihr werdet leben und Be­reiche ken­nen lernen, die euch bis jetzt un­be­kannt ge­blie­ben sind.« Da ließ Eva sich ver­führen, und der Kab­bala zu­folge emp­fing sie zum ers­ten Mal und wurde schwan­ger. Das war die erste Ein­wei­hung. Be­geis­tert eilte sie zu Adam und be­rich­tete ihm von ihrer neuen Erfah­rung. Vor­her war dieser Be­reich beiden un­be­kannt ge­wesen.

Aber hier müsst ihr wissen, dass es meh­rere Deu­tungs­mög­lich­keiten für den Be­richt der Bibel gibt. Denn der Garten Eden mit dem Baum des Lebens und dem Baum der Er­kennt­nis von Gute und Böse ist das Symbol einer Wirk­lich­keit, die nicht nur im Uni­versum exis­tiert, son­dern auch im Men­schen selbst. In der einen oder der ande­ren Form kosten Mann und Frau in ihren physi­schen Kör­pern (symbo­lisch dem Garten Eden) immer noch von der Frucht des Lebensbaumes oder des Baumes der Er­kennt­nis von Gut und Böse. Adam und Eva hatten sehr wohl beide diesen Baum der Er­kennt­nis des Guten und des Bösen in sich, aber sie aßen nicht von seinen Früch­ten. Sie kann­ten ihre Eigen­schaf­ten nicht. Die erste Ein­wei­hung Adams und Evas be­stand also darin, mit den ihnen un­bekann­ten Kräf­ten der Natur in Be­rüh­rung zu kommen. Da es in dem Schlan­ge ge­nann­ten Egregore weib­liche Wesen­heiten gab, wurde Adam von einem Dämon, der in der Über­liefe­rung unter dem Namen Lilith bekannt ist, ein­ge­weiht, wäh­rend Eva von einem Dämon namens Samael ein­ge­weiht wurde. Und Adam aß seiner­seits von der Frucht. Von diesem Augen­blick an gingen Adam und Eva ge­trenn­te Wege. Ihre Ein­heit als Paar war zer­bro­chen.

Nun be­gann die zu­sammen­zie­hende Kraft ihre Arbeit der Ver­dich­tung. Bis­lang hatten Adam und Eva einen Körper aus Licht und schäm­ten sich ihrer Nackt­heit nicht. Aber nun, da sie sich der­art dicht, schwer und plump sahen, schäm­ten sie sich ihrer Nackt­heit. Des­halb heißt es in der Bibel, dass sie »sich im Garten ver­steck­ten«. Aber wie soll man sich verstecken? Dem Blick Gottes kann man sich nicht ent­ziehen.

Man darf aber nicht glau­ben, dass Gott zornig war, als Er sah, dass sie von dieser Frucht ge­gessen hatten. Wie hätte Er zornig sein können, frage ich euch? Ihr könn­tet sagen, das wäre in An­be­tracht ihres Un­gehor­sams normal ge­wesen. Aber woher wisst ihr, dass dieser Un­gehor­sam nicht Teil der Pläne des Herrn war? Die Ge­schich­te der Erb­sünde ist die Ge­schich­te vom Ab­stieg des Men­schen in die Mate­rie. Die Frage ist nun aber, ob nur der Mensch darü­ber be­stimmt hat, oder ob nicht der Herr un­er­gründ­liche, ferne, groß­artige Pläne hatte, inner­halb derer die Men­schen trotz allem eine ge­wisse Frei­heit der Wahl be­hiel­ten, näm­lich im Para­dies zu blei­ben oder andere Be­reiche der Schöp­fung zu er­for­schen.

Das, was manche Reli­gionen Sünden­fall nennen, ist nichts ande­res als die Ent­schei­dung der ersten Men­schen, hinab­zu­stei­gen und die Mate­rie zu er­for­schen. Diese Vor­stel­lung kann auch durch das Bild des Baumes ver­an­schau­licht werden. Man kann sagen, dass die ersten Men­schen, die im Para­dies lebten, in der Krone des Baumes wohn­ten. Die Krone des Baumes sind auch die Blüten. Sie lebten also in den Blüten, und dort waren sie in Ver­bin­dung mit dem Licht, mit der Wärme, dem Leben, der Schön­heit, der Frei­heit… Sie könn­ten sich nun aber ge­fragt haben: »Was ist dieser Baum eigent­lich? Woher kommt diese Ener­gie, dieser Saft? Wir sehen einen Stamm, aber weiter unten ist auch noch etwas Ver­borge­nes. Was ist das? Wir möch­ten es wissen. »Da man die Dinge, um sie ken­nen zu lernen, an Ort und Stelle er­for­schen muss, haben diese ersten Men­schen ihre herr­liche Bleibe ver­lassen, die den Himmel be­rührte, und sind über den Stamm bis zu den Wur­zeln hinab­gestie­gen. Wenn man aber den Ort wech­selt, muss man neue Be­din­gungen er­tragen. Und jetzt, da sie sich in den Wur­zeln be­finden, leiden sie, jam­mern sie, weil es dort fins­ter und schwer ist und sie sich er­drückt fühlen.

Tröst­lich ist aber trotz allem, dass dieses ganze Leben, das der Mensch im Para­dies ge­nossen hat, sich in seinem Inne­ren als un­aus­lösch­licher Ein­druck ein­ge­prägt hat. Er ist da, und ab und zu emp­findet der Mensch ein Echo dieser Harmo­nie und Herr­lich­keit, er kostet von neuem Augen­blicke im Para­dies in der Schön­heit, der Musik, der Poesie. Das Para­dies ist im Inneren jeder mensch­lichen Seele, denn jede lebte ursprünglich im Para­dies. Heute führen die Men­schen jedoch ein so ge­wöhn­liches, stump­fes, be­grenz­tes Leben, dass sie nicht mehr die Voraus­set­zungen haben, sich zu erin­nern. Manchmal wenn sie sich in eine mysti­sche Lek­türe vertiefen, be­stimm­ten Ge­schöp­fen be­gegnen, Land­schaf­ten be­trach­ten oder schöne Musik hören, er­wacht etwas in ihnen, und sie kosten von neuem für kurze Zeit das Para­dies. Leider ist nach eini­gen Minu­ten alles wieder aus­ge­löscht; sie ver­gessen das Er­lebte oder meinen sogar, es sei eine Täu­schung ge­wesen, bei der man nicht ver­weilen soll. Diese Über­legung ist schade, denn solche himmli­schen Be­wusst­seins­zustän­de ent­spre­chen einer Wirk­lich­keit. Sie sind sogar das Wirklichste, das es gibt, und es ist wün­schens­wert, solche Augen­blicke sooft wie mög­lich zu er­leben, bis man end­gültig ins Para­dies, in den Schoß Gottes zu­rück­kehrt.

Diese Rück­kehr wird eines Tages ge­sche­hen. Gott ist immer da, um uns zu emp­fangen und uns in seine Arme zu schlie­ßen. Er ist den Men­schen nicht böse, nein, Er wartet auf sie bis zu dem Tage, da sie zu Ihm zu­rück­kehren wollen. Und da Er ihnen die Ewig­keit geschenkt hat, ist Er groß­zügig, ver­ständ­nis­voll und sagt: »Sie werden eine Weile, ein paar Mil­lionen Jahre, leiden. Aber dann werden sie zu­rück­kehren und so glück­lich sein, dass sie all das ver­gessen. Ihr Geist ist un­sterb­lich. Es ist nicht schlimm; es ist nicht schlecht, ein biss­chen zu leiden. Was sind schon ein paar Mil­lionen Jahre, ge­messen an der Ewig­keit?« Seht ihr, so denkt der Herr. Seine Über­legun­gen sind anders als die unse­ren. Er hat es weni­ger eilig .

Bis die Men­schen in den Schoß Gottes zu­rück­kehren, lernen sie viel. Und da sie nun ein­mal mit der Er­for­schung der festen Mate­rie be­gonnen haben, müssen sie sie auch zu Ende führen. Sie hätten ewig in der gött­lichen Welt blei­ben können, aber ein­mal hinab­gestie­gen, sind sie ge­zwun­gen, alle Stufen zu durch­laufen. Stellt euch vor, ihr wäret auf dem Gipfel eines Berges. Wenn ihr ver­nünf­tig seid und auf­passt, dass ihr nicht aus­rutscht, stürzt ihr nicht ab, und könnt dort oben blei­ben, so­lange ihr wollt. Sobald ihr aber anfangt zu rutschen, seid ihr ge­zwun­gen, einem be­stimm­ten Weg zu folgen, über Felsen und durch Dornen, stän­dig in Ge­fahr, in Ab­gründe zu stür­zen. Habt ihr einmal eine Ge­setzmäßigkeit, einen Mecha­nis­mus aus­gelöst, hängt nichts mehr von euch ab; ihr habt nicht mehr die Macht, zu tun, was ihr wollt sondern müsst durch alle mög­lichen Schick­sals­prü­fungen gehen.

Man darf nicht glau­ben, dass sich die Ge­schich­te der Mensch­heit ohne das Ein­ver­ständ­nis des Herrn ab­spie­len konnte und dass weder ihr Un­gehor­sam noch die Wech­sel­fälle ihres Schick­sals vor­her­gese­hen waren. Der Mensch hat sich von Gott ent­fernt, aber Gott war nicht ab­solut da­gegen, sonst hätte der Mensch sich ganz einfach nie­mals ent­fernen können. Alles, was der Mensch tut, ge­schieht ge­wisser­maßen mit der Zu­stim­mung Gottes. Und jetzt wird er zu Ihm zu­rück­kehren. Auf die In­volu­tion folgt die Evolu­tion, oder die Rückführung, die Rück­kehr in den Schoß des Ewigen, wie es in der Ein­wei­hungs­wissen­schaft heißt.

Damit ihr seht, dass dieser Ge­danken­gang nicht im Wider­spruch zur Lehre Jesu steht, will ich euch zeigen, dass er im Gleich­nis vom ver­lore­nen Sohn ent­halten ist. Ihr kennt dieses Gleich­nis? Ein junger Mann hatte sein Eltern­haus ver­lassen, um in ein fernes Land zu gehen, wo er sein ganzes Geld ver­schwen­dete. Er hatte nicht einmal mehr etwas zu essen. Schließ­lich war er ge­zwun­gen, Schwei­ne zu hüten, um zu über­leben. Aber man gab ihm nicht ein­mal die Eicheln, von denen sich die Schwei­ne nähr­ten, und er hatte Hunger. Da erin­nerte er sich an sein Eltern­haus, wo es reich­lich Nah­rung gab, und er ent­schloss sich zur Rück­kehr. In diesem Gleich­nis hat Jesus die Ge­schich­te der Mensch­heit zu­sammen­ge­fasst. Ihr wisst, wie der Vater seinen Sohn emp­fing: Als er ihn von weitem kommen sah, lief er ihm ent­gegen, schloss ihn in seine Arme und ordnete an, zur Feier seiner Rück­kehr das beste Kalb zu schlach­ten. Das ist ge­nau das, was ich euch er­zähle.

Der Herr wartet auf die Rück­kehr des Men­schen, der in die Welt ziehen wollte. Er war neu­gierig; er wollte Ent­deckun­gen machen – warum ihn daran hin­dern? Der Herr wusste im Voraus, dass er un­glück­lich werden, dass er Hunger und Durst haben, dass er leiden würde, weil nie­mand ihn so lieben würde wie Er. Er wusste, dass der Mensch dann aber zu­rück­kehren und alles wieder gut werden würde. Man stellt sich immer vor, der Herr sei über den Fehl­tritt des Men­schen er­zürnt ge­wesen. Ganz und gar nicht! Der Herr ließ ihn ge­währen. Er tat dies in guter Absicht und sagte sich: »Früher oder später werden meine Kinder zu­rück­kehren.« Und wie der Vater des ver­lore­nen Sohnes wird Er ihnen ein Fest­mahl be­reiten, um sie zu laben.

Leseprobe drucken: hier klicken
Dieses Buch im Online-Shop: hier klicken

Leseprobe Broschüre 301 – Das Neue Jahr

Leseprobe Broschüre 301 - Das Neue Jahr

Leseprobe Broschüre 301 – Das Neue Jahr

I

 Ich möchte euch heute einiges darüber sagen, was uns die esoterische Tradition über den ersten Tag eines neuen Jahres lehrt. Aber ihr wisst, dass mich einzig die Kenntnisse interessieren, die man auch praktizieren kann; also könnt ihr das, was ich euch sage, sofort in eurem täglichen Leben anwenden.

Meist findet man am ersten Tag des Jahres die Leute in den Tanzbars und den Nachtclubs. Sie möchten gern das neue Jahr begrüßen und beginnen es deshalb mit Vergnügungen, Freuden und Narrheiten. Aber danach werden sie das ganze Jahr genauso in Nichtigkeiten und Unüberlegtheit leben, und weil Unüberlegtheit Missgeschicke nach sich zieht, werden diese sehr schnell erscheinen. Es ist dumm, das Jahr auf solche Weise zu beginnen und beweist, dass man keine Ahnung vom spirituellen und magischen Aspekt der Dinge hat. Aber genau das ist es, was mich interessiert.

Die Kabbala lehrt uns, dass jeder Tag ein lebendes, sensibles Wesen ist, das all unsere physischen und psychischen Aktivitäten aufzeichnet. Man kann also sagen, dass die 365 Tage des Jahres wie ein Tonband sind, auf dem jeder Tag mit seinen guten oder schlechten, glücklichen oder unglücklichen Aspekten aufgenommen wird. Jedes Jahr unseres Lebens stellt so ein bespieltes Tonband dar.

Das neue Jahr ist ganz neu, aber gleichzeitig ist es alt durch all das, was der Mensch schon erlebt hat. Wie das reine Wasser der Berge sich mit dem stehenden Wasser der Ebene vermischt, so ist das neue Jahr nicht wirklich ganz neu, weil es von Menschen gelebt wird, die zu viele alte Dinge mit sich herumschleppen. Und deshalb schaffen sie es nicht, ein neues Leben zu führen, obwohl alles neu ist. Das neue Jahr ist jungfräulich und ohne Makel, aber wohin strömt es, in wen tritt es ein? Die Vergangenheit, d.h. die Zustände und die Ereignisse, die der Mensch gelebt hat, werden in ihm aufgezeichnet und bleiben dort eingeprägt; und deshalb fällt es ihm so schwer, diese Prägungen, diese Aufzeichnungen und diese Klischees der Vergangenheit zu löschen. Um das zu erreichen, braucht er ein großes Wissen und auch viel Geduld und Willenskraft.

Aber wenn ich von der Vergangenheit spreche, handelt es sich nicht nur um die Vergangenheit dieser Inkarnation, die Tage und Jahre, die man gerade gelebt hat. Es geht auch um die anderen Inkarnationen, denn der Mensch schleppt die Aufzeichnungen seiner nahen und fernen Vergangenheit mit sich. Nur die Eingeweihten wissen, wie sie an sich arbeiten müssen, um sich von den Belastungen der Vergangenheit zu befreien. Die anderen ahnen nicht einmal, dass man arbeiten muss, damit die Gegenwart, die immer neu hervorsprudelt, nicht vom Alten, Verfaulten oder Hinfälligen angesteckt wird. Ihr seht, die Frage ist nicht so einfach, wie man glaubt.

Leider denkt die Mehrheit der Leute nicht daran, dass es etwas zu studieren, zu vertiefen und umzuwandeln gibt. Sie erwarten jedes neue Jahr mit der festen Hoffnung, dass ihnen dieses endlich das bringen wird, was sie sich wünschen: den großen Lottogewinn, die Hochzeit mit einem Prinzen, die sagenhafte Erbschaft einer Großmutter oder des Onkels aus Amerika. Andere suchen Tag und Nacht nach Lösungen, die es ihnen ermöglichen, verborgene Schätze in Höhlen oder auf dem Meeresgrund zu finden. Man will immer in Illusionen leben, man sagt sich: »Das neue Jahr wird mir dies oder das bringen«, und man wartet ab. Aber das Jahr geht vorbei wie die anderen, und manchmal sogar schlimmer als die anderen. Man hat nichts gesät und erwartet, dass etwas wächst! Nein, unter diesen Bedingungen ist niemals etwas irgendwo gewachsen. Wenn ihr etwas gepflanzt habt, dann habt ihr auch das gute Recht, Früchte zu erwarten; sonst gibt es nichts zu erwarten.

Habt ihr gearbeitet? Habt ihr die Erde bestellt – eure eigene Erde? Habt ihr etwas in euch selbst gesät und gepflanzt? Dann könnt ihr erwarten, dass das neue Jahr euch Freude, Glück und Frieden bringt; und selbst wenn ihr das nicht erwartet, wird es euch das alles bringen. Aber wenn ihr niemals etwas gepflanzt habt und trotzdem hofft… welch trostlose Hoffnung, das versichere ich euch! Denn sie ist auf keinem Naturgesetz begründet.

Das neue Jahr ist von dem vorhergehenden nicht vollkommen getrennt. Vielleicht nicht direkt, aber indirekt ist es immer noch mit ihm verbunden. Weil es neu ist, scheint das Jahr jungfräulich und frisch wie ein Kind… und von einem Kind, das gerade geboren ist, sagt man, es sei ohne Makel, unschuldig. Ja, aber nur anscheinend, denn dieses Kind, das schon verbunden ist mit seinen Eltern, seinen Großeltern und seinen Urgroßeltern, mit der Gesellschaft und dem Geist des Jahrhunderts, bringt auch die Eindrücke aus seinen früheren Leben mit, und eines Tages tritt dies alles auf die eine oder andere Weise zutage. Das neue Jahr ist jungfräulich, rein und unschuldig; es ist aus Stoffen von einem unbefleckten Weiß gewebt, aber sobald es mit den Menschen in Kontakt kommt, beginnt es sich zu färben: wie das reine Wasser, das vom Himmel kommt und die Farbe der Böden annimmt, auf denen es fließen muss.

Das Jahr, welches man neu nennt, ist also schon alt von seinem Beginn an, weil es auf einen Menschen trifft, der schon alt ist in seinen Gedanken, seinen Gefühlen und seinen Gewohnheiten. Der Mensch hat nicht daran gedacht, die Behälter, die Töpfe oder die Krüge zu säubern, mit denen er das reine Wasser des neuen Jahres auffangen will, obwohl man das eigentlich in jeder Küche lernt. Wenn man sauberes Wasser in ein Gefäß füllen will, reinigt man es, und manchmal ist man sogar gezwungen, die Wände des Gefäßes zu scheuern, weil sonst das Wasser schmutzig werden  würde. Selbst die Kinder wissen dies. Aber wenn es darum geht, reines Wasser in seine Seele, in seinen Kopf oder in sein Herz zu gießen, denkt der Mensch nicht daran, sich selbst zu reinigen. Er hat nichts von dem behalten, was er jeden Tag in seiner Küche macht. Er hat nicht verstanden, dass er innerlich dieselben Regeln befolgen muss: rauswerfen, was schon schmutzig ist und nur das behalten, was rein ist.* Wie viele Details aus dem täglichen Leben können uns diese Wahrheit begreiflich machen! In einem Haus zum Beispiel gibt es Bilder, schöne Möbel oder wertvollen Schmuck, die man jahrelang, manchmal sogar jahrhundertelang aufhebt. Aber alles, was keinerlei Wert hat, wirft man weg. Auch die Blumen behält man ein paar Tage, und dann muss man sie ersetzen… Aber der Mensch glaubt, ewig alles in sich behalten zu können, was alt, schmutzig und verdorben ist!

Man muss das neue Jahr jetzt besser verstehen, es mit der tiefen Überzeugung empfangen, dass es ein lebendiges, reiches Wesen ist, das große Geschenke mit sich bringt. Und dass man, um diese Geschenke zu empfangen, viele Orte in sich selbst vorbereiten und sie unablässig säubern muss, um die alten Dinge, die sich im Herzen und im Kopf angesammelt haben, rauszuwerfen. Schon vor seiner Ankunft muss man im Inneren dem neuen Jahr Platz schaffen.

Die Kabbala sagt außerdem, dass das neue Jahr von den Sternen beeinflusst wird. Die Geburt eines Jahres ist vergleichbar mit der Geburt eines Kindes. Es ist die Geburt eines Lebens, welches ein Jahr dauern wird. Wenn ein Kind geboren wird, erstellt man sein Horoskop nach dem Tag und der Stunde seiner Geburt, um den Ablauf der Ereignisse in seinem Leben näher zu bestimmen. Für das Jahr trifft dasselbe zu, und man muss auch wissen, dass der erste Tag den ersten Monat bestimmt, der zweite Tag den zweiten Monat, der dritte Tag den dritten Monat usw. Man muss also zumindest für die Dauer der ersten zwölf Tage korrekt leben, denken, fühlen und handeln, um eine intelligente, lichtvolle Basis aufzubauen, dank derer die zwölf Monate des Jahres zum Guten hin beeinflusst und bestimmt werden.

Manche werden sagen: »Ich habe alles getan, was mir möglich war, in den ersten zwölf Tagen, aber das Jahr war nicht besonders.« Dann habt ihr es von den alten Dingen der Vergangenheit beeinflussen lassen. Man muss alles in sich säubern, schrubben, waschen und läutern. Aber man tut es nicht, man denkt nicht daran. Natürlich ist es unmöglich, alles an einem Tag zu säubern und zu reinigen. Der Einfluss der vergangenen Jahrhunderte ist vorhanden, und das neue Jahr wird immer mit dem vorhergehenden vermischt sein. Um eine hundertprozentige Verbesserung zu erreichen, müsste man eine Gottheit sein; aber die Situation um zwanzig, dreißig oder fünfzig Prozent zu verbessern, ist für die Schüler schon gut.

Wenn ihr ein Horoskop erstellen wollt, um zu sehen, was euch das neue Jahr bringen wird, dürft ihr nicht die Mitternachtsstunde nehmen, denn – trotz der unterschiedlichen Längen- und Breitengrade – würde das Mitternachtshoroskop ein Horoskop für die gesamte Menschheit sein und nicht den Ereignissen entsprechen, die im Leben des Einzelnen auftreten können. Natürlich ist es möglich, dieses kollektive Horoskop mit eurem Geburtshoroskop zu vergleichen, um Ereignisse vorauszusehen oder zu erklären, aber wenn man ein Jahreshoroskop für eine bestimmte Person erstellen will, muss man den Moment nehmen, in dem er erwacht und seinen Tag beginnt. Das ist der Augenblick seiner »Geburt« am ersten Tag des neuen Jahres. Wenn ein Mann um 11 Uhr morgens aufsteht, dann muss man um 11 Uhr das Horoskop erstellen, weil er in diesem Augenblick begonnen hat, sich zu bewegen, zu rufen und seine Frau zu fragen: »Wo sind meine Strümpfe, mein Hemd?«… und vor allem die unauffindbaren Manschettenknöpfe! Ja, das Leben des Einzelnen ist bestimmt von dem, was er beim Erwachen am ersten Tag des Jahres beginnt.

 

Leseprobe drucken: hier klicken
Dieses Buch im Online-Shop: hier klicken

Leseprobe Gesamtwerk 103 – Die beiden Bäume im Paradies

Leseprobe Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Leseprobe  Gesamtwerk 103 – Die beiden Bäume im Paradies

Einführung

»Allen meinen Freunden nah und fern, die bei uns teilgenommen haben und die bewusst an der wunderbaren Arbeit der Universellen Weißen Bruderschaft teilnehmen, schicke ich von ganzem Herzen mein »pozdrav i privet«* für ihr Glück und dauernde Freude.«

* Eine bulgarische Begrüßungs-Formel, mit der man dem Gegenüber Gesundheit und Wohlergehen wünscht. Der erste Begriff betrifft die physische Gesundheit, der zweite drückt eher einen Wunsch auf spiritueller Ebene aus.

»Pozdrav i privet« allen meinen geliebten, in Freundschaft verbundenen Brüdern und Schwestern, die dem inneren Ruf, und somit der Einladung gefolgt sind, das neue Leben aus den himmlischen Regionen anzunehmen und zu leben, als Mittler für andere Menschen, die sich nach dem reinen Wasser der Quelle sehnen, nach der belebenden Luft der Berge, nach den leuchtenden Strahlen der Sonne, damit die ganze Welt endlich eine große, lichtvolle Familie wird, in der man sich versteht und in Frieden lebt. Das Goldene Zeitalter der Dichter ist keine Fabel. Das Goldene Zeitalter gab es wirklich. Gott lebte unter den Menschen, die Menschen lebten nach den Gesetzen der Liebe, Güte und Harmonie. Was in der Vergangenheit möglich war durch die Arbeit herausragender Menschen, kann auch heute Wirklichkeit werden. Dazu muss man mit ganzer Kraft und mit allen Mitteln, die uns die einzigartige Lehre der Liebe bringt, den Segen des Himmels und alle Macht der hohen Hierarchien erbitten. Alles ist möglich für den starken entschlossenen Willen, für den erleuchteten und in den Gesetzen der Weisheit unterrichteten Intellekt, für Herzen, die im heiligen Feuer göttlicher Liebe erglühen, für Seelen, die so weit sind wie das All und für mächtige, mit Gott vereinte Geister. Es gibt nichts Schöneres und Großartigeres, als an diesem wunderbaren Werk unserer edlen älteren Brüder teilzuhaben, unter der Führung desjenigen, der uns ein einzigartiges Beispiel gab und da sagte: »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Gehet hinaus und lehret alle Völker, …und lehret sie halten alles, was ich euch gelehrt habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.« (Mt. 28,18) Nichts ist ruhmvoller, als alle seine Kräfte, sein Denken und seine Gefühle auf die Verwirklichung dieses großartigen Vorhabens hin auszurichten: Das Reich Gottes auf der Erde.

»Pozdrav i privet« meinen geliebten Freunden, Brüdern und Schwestern, die Hoffnung, Glaube und Liebe in ihren Herzen bewahrt haben, trotz aller Hindernisse, gegen alle Schicksalsschläge beim Aufstieg zu den höchsten Höhen spiritueller Gipfel, die sich ihren Glauben und ihr Vertrauen in die Kraft der Güte und Liebe bewahrt haben, um Schärfe und Gift menschlicher Herzen zu neutralisieren, die den Glauben an die Macht und Wirksamkeit der Güte bewahrt haben, welche die magische Kraft besitzt, das menschliche Herz zu erleichtern, zu trösten und zu verwandeln.«

»Pozdrav i privet« allen Freunden nah und fern, die voller Freude und Zuversicht, voller Liebe und Mut unermüdlich weitermarschiert sind auf steinigen Wegen, staubtrockenen Pfaden, vorbei an Schluchten und Abgründen, und die trotz heftiger Stürme und Gewitter, trotz giftiger Insekten und wilder Tiere ihren Weg zum gelobten Land gegangen sind und immer noch gehen, wo Flüsse lebendigen Wassers fließen, wo Blumen von göttlicher Schönheit blühen, wo köstliche und duftende Früchte reifen, wo Vögel in himmlischer Harmonie singen und wo die Menschen brüderlich zusammenleben. Zu diesem schönen Land zeigt uns die selbstlose Liebe den Weg. Die Sonne strahlt; sie geht schon auf über der Welt. Die Luft ist rein, der Raum ist unendlich, der Geist ist unsterblich, Gott ist ewig. Seine Schönheit ist unbeschreiblich, Seine Güte ist unerschöpflich, Seine Weisheit unergründlich und Seine Liebe allmächtig!

»Pozdrav i privet« an alle!

 

I

Das theozentrische, das biozentrische und das egozentrische System

 

Freier Vortrag

Ich bin sehr glücklich, dass ich euch heute den Brief vorlesen konnte, den ich vor kurzem von meinem Meister* erhielt.

* Meister Peter Deunov aus Bulgarien. Näheres über ihn siehe Band 1 der Gesamtwerke »Das geistige Erwachen«, Kap. 7 »Bei Meister Peter Deunov in Bulgarien Erlebtes« oder Band 200 der Reihe Izvor »Hommage an Meister Peter Deunov«.

Ihr habt seinen Inhalt verstanden; alles ist klar, einleuchtend und verständlich. Aber es gibt in diesem Brief vielleicht einen Satz, dessen Sinn ihr nicht vollständig erfasst habt, und zu dem ich euch gerne einige Erklärungen geben würde. Der Meister sagt: »Es gibt drei Systeme im Leben: das egozentrische, das biozentrische und das theozentrische. Alle Menschen lassen sich in eines dieser Systeme einstufen.«

Die Bedeutung dieser Begriffe ist leicht zu definieren. Das egozentrische System (vom griechischen »ego« – ich) hat als Zentrum das Ich, das Individuum. Das biozentrische System (vom griechischen »bios« – Leben) hat als Zentrum das Leben mit all seinen verschiedenen Manifestationen. Und das theozentrische System schließlich (vom griechischen »theos« – Gott) hat Gott als Zentrum. Ihr seht also, drei Zentren: das Ich, das Leben und Gott. Übrigens kann man diese drei Systeme auch im Menschen selbst wiederfinden. Das egozentrische System hat seinen Sitz im Bauch und in den Eingeweiden, das biozentrische System hat seinen Sitz im Herzen und in der Lunge und das theozentrische System hat ihn im Zentrum des Gehirns, in der Zirbeldrüse, der Epiphyse.

Das egozentrische System ist mit der »Personalität« verbunden, mit all den Kräften im Menschen, die sich ausschließlich egoistischer Mittel bedienen, um seine rein materiellen Interessen zu wahren und sein Hab und Gut zu schützen.

Das biozentrische System ist bereits mehr den Anderen zugewandt. Es versetzt die Menschen in die Lage, Handel zu betreiben, eine Familie zu gründen und am sozialen Leben teilzunehmen. Im Unterschied zum egozentrischen System, welches das Individuum dazu drängt, nur für sich selbst zu leben, treibt ihn das biozentrische System dazu, für die Gemeinschaft zu arbeiten, den Kreis seiner Aktivität, seiner Beschäftigungen zu erweitern.

Das theozentrische System übertrifft noch das biozentrische System. Im Inneren dieses Systems gibt es nur Platz für all das, was unpersönlich und göttlich ist, für die Qualitäten und Aktivitäten unseres höheren Ichs, das seine Aufgabe darin sieht, alles zu Gott hinzuführen und in jedem Geschöpf Sein Reich zu errichten.

Die Menschen des egozentrischen Systems sind begrenzt, geistig unbeweglich und grob. Sie sind unfähig zu sehen, dass es eine Welt gibt, in der man sich mit Dingen befasst, die den ihren überlegen sind. Sie stellen den Großteil der Menschheit dar, der nur daran denkt, seine primitivsten Bedürfnisse zu befriedigen. Das sind die Menschen, die manchmal für sehr intelligent gehalten werden, weil sie ihre Probleme immer auf Kosten der anderen lösen, sie wissen jedoch nicht, dass sie mit solch einer Haltung nach und nach zerfallen, bis sie zu chemischem Dünger werden.

Die Menschen, die zum biozentrischen System gehören, arbeiten daran, Kommunikationswege vorzubereiten und spirituelle Brücken zu bauen. Sie begeben sich hinaus in den Raum, um zu studieren, zu forschen und anderen von ihren Entdeckungen zu berichten. Sie dienen als Mittler zwischen den Menschen der ersten und der dritten Kategorie. Unter ihnen findet man Künstler, Philosophen und Forscher.

Die Menschen, die dem theozentrischen System angehören, dienen ebenso als Bindeglied. Sie führen die Menschen des biozentrischen Systems zu einem erhabeneren Ideal, zum Schöpfer des Universums. Diese Kategorie umfasst die bemerkenswertesten Mystiker und Philosophen, die Eingeweihten und die großen Meister.

Diese drei Systeme, das egozentrische, das biozentrische und das theozentrische, finden sich überall in der Natur wieder: in den Steinen, in den Pflanzen, den Tieren, den Sternen… Aber wir werden sie besonders im Menschen untersuchen.

Ich habe euch gerade gesagt, dass diese drei Systeme ihren Sitz in uns im Magen, im Herzen und in der Lunge sowie im Kopf haben. Aber man findet sie auch wieder im Gesicht: das egozentrische System im Mund, das biozentrische System in der Nase und das theozentrische System in den Augen. Durch den Mund nimmt der Mensch ständig Nahrung zu sich, die einzig seiner eigenen Lebenserhaltung dient. Bei den Tieren dient der Duft dazu, den ersten Kontakt herzustellen. Und selbst beim Menschen regelt der Spürsinn seine Beziehungen zum Nächsten. Auch das Leben dringt dank der Luft durch die Nase in den Menschen ein. Es heißt in der Genesis, dass Gott dem Menschen eine lebendige Seele durch die Nasenlöcher einhauchte. Man atmet durch die Nase, und die Atmung – sie ist das Leben. Was nun die Augen angeht, so stehen sie für das theozentrische System, weil man mit den Augen das Licht, die Wahrheit und die Schönheit betrachtet.

Diese Entsprechungen sind allerdings nicht absolut, denn je nachdem auf welche Art es sich manifestiert, kann jedes Organ eines dieser drei Systeme repräsentieren. Nehmen wir als Beispiel den Mund. Der Mund repräsentiert das egozentrische System, wenn er Hähnchen, Schinken oder Blutwurst isst; er repräsentiert jedoch das biozentrische System, wenn er sich zu Gespräch und Austausch an andere Menschen wendet, und er repräsentiert das theozentrische System, wenn er über etwas Hochstehendes, etwas Erhabenes spricht, über etwas, was dem Leben einen Sinn verleiht. Das Gleiche kann man von den anderen Organen sagen; in ihnen findet man ebenso die drei Ebenen von Aktivitäten wieder.

Untersuchen wir diese Frage jetzt aus der Sicht der Phrenologie, der Schädellehre. Im Bereich um das Ohr herum, hinterhalb und oberhalb, sowie auf dem höchsten hinteren Punkt des Schädels findet sich das egozentrische System. Seht euch diese Abbildungen an: Das Zentrum 1 versucht, die Personalität und die egoistischen Neigungen in den Vordergrund zu stellen. Die Zentren 2, 3 und 4 versuchen, die Personalität zu verteidigen und sie zu schützen, damit sie ihre Neigungen realisieren kann (Abb. 1).

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Das biozentrische System ist ebenfalls durch zwei Bereiche vertreten. Das eine befindet sich am Hinterkopf und das andere vorne, an der Stirn (Abb. 2). Die Bereiche 5, 6 und 7, am Hinterkopf gelegen, regen im Menschen den Wunsch an, zu heiraten, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben. Die Bereiche 8, 9 und 10 sind bemüht, ihm alle intellektuellen Mittel zu verschaffen, die ihn zur Verwirklichung seiner Wünsche führen werden.

Das theozentrische System schließlich, wird durch die auf dem Oberhaupt gelegenen Bereiche repräsentiert, auf beiden Seiten der Schädelmittellinie (Abb. 3). Dort liegen drei Zentren: die Zentren der Liebe, der Hoffnung sowie des Glaubens an Gott – die drei Tugenden, die man die göttlichen Tugenden* nennt.

* Gemeint sind die drei göttlichen Tugenden (frz.vertus theologales) Liebe, Glaube, Hoffnung, wie sie im Alten und Neuen Testament erwähnt werden; nicht zu verwechseln mit den vier Kardinaltugenden, mit denen sie in den Schriften der Kirchenväter ergänzt werden.

Je nach Entwicklung eines jeden dieser Schädelteile kann man die Menschen einstufen und ihre Neigungen und Vorlieben erahnen.

Die Ohrmuschel repräsentiert ebenso diese drei Systeme:

1. – Der Lobulus (Ohrläppchen) steht für das egozentrische System; je dicker und größer er ist, desto mehr dominiert dieses System.

2. – Die Anthelix (innerer Teil der Ohrkrempe) steht für das biozentrische System.

3. – Die Helix (äußere Ohrkrempe) steht für das theozentrische System

 

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Diese drei Systeme lassen sich ebenfalls im Lebensablauf des Menschen wiederfinden. Wenn das Kind noch ganz klein ist, macht es nichts anderes als zu essen und zu trinken: Es steckt alles in den Mund; alles, was ihm in die Finger kommt, erscheint ihm zum Essen geeignet, und es bildet sich ein, man müsse auf alle seine Quengeleien eingehen. Es denkt weder an seine Eltern noch an seine Brüder oder Schwestern, es ist das perfekte Beispiel des egozentrischen Systems. Dennoch unterstützt, liebt und schützt man das kleine Kind, weil man weiß, dass es eines Tages in ein anderes System wechseln wird… Wenn das Kind dann größer wird, tritt es nicht vollständig aus diesem egozentrischen System heraus, aber es fängt an, sich im biozentrischen System zu entwickeln, es knüpft Freundschaften und nimmt Beziehungen auf. Jahre später wird es zu einem Erwachsenen, der eine Familie gründet und durch seinen Beruf und seine politischen Überzeugungen am sozialen Leben teilnimmt. Es steht vollständig im biozentrischen Leben. Aber die Zeit vergeht und der Mensch wird älter, er fühlt sich erschöpft vom vielen Denken an sich selbst und an die anderen, weil er oft enttäuscht wurde. Er bereitet sich darauf vor, ins Jenseits hinüberzugehen, er entledigt sich seiner Reichtümer, und die Vorstellung von Gott und dem Jenseits beschäftigen ihn. Sein Denken nähert sich dem theozentrischen System.

Natürlich spreche ich hier nur allgemein, denn in Wirklichkeit muss man nicht erst alt werden, um in das theozentrische System einzutreten. Manche jungen Leute sind dort schon sehr früh angelangt, während es Greise gibt, die im egozentrischen System gefangen bleiben.

Nehmen wir jetzt ein Beispiel aus der Astronomie – mit den Sonnen, den Planeten und den Kometen. Die Kometen sind Himmelskörper, die um keine Sonne kreisen. Ihre Bahn ist unvorhersehbar, sie sind die Vagabunden des Raumes. Das Leben von Menschen, die mit dem egozentrischen System verbunden sind, ist identisch mit dem der umherirrenden Kometen; sie hören nur auf ihre Launen und man kann nicht auf sie zählen. Es ist besser, eine Begegnung mit ihnen zu vermeiden, denn sie sind gefährlich, und ihr Erscheinen in unserem Leben gilt, alten Überlieferungen zufolge, wie bei den Kometen, als Vorzeichen von Unglück.

Im Unterschied zu den Kometen kreisen die Planeten um ein Zentrum, um eine Sonne, und sie beschreiben im Raum eine regelmäßige Bahn. Auf die gleiche Weise kreisen die Schüler um einen Eingeweihten oder einen Meister. Das Leben, das sie in Kontakt mit diesem Zentrum führen, lehrt sie jeden Tag neue und nützliche Dinge. Auf den Planeten entwickelt sich eine Flora, eine Fauna, eine Zivilisation. Das gilt ebenso für Menschen, die Planeten gleichen. Die Bewegung der Planeten ist nicht vollkommen regelmäßig – einmal entfernen sie sich etwas von der Sonne, dann nähern sie sich ihr wieder. Das Gleiche geschieht auch mit den Schülern: Einmal nähern sie sich ihrem Ideal, dann wieder entfernen sie sich davon, sie befinden sich abwechselnd in der Freude und im Leid.

Nun, die Menschen, die den Sonnen gleichen, sind die großen Eingeweihten und Meister der Menschheit. Sie tragen Licht, Wärme und Leben in sich, und sie kreisen um ein den Menschen noch fast unbekanntes Zentrum: um Gott. Sie wechseln nicht, wie die Planeten, vom Licht zur Dunkelheit oder von der Freude zur Traurigkeit, sie kennen keine inneren Veränderungen.

Werfen wir ganz kurz einen Blick auf die Bewegungen von Kometen, Planeten und Sonnen. Die Kometen beschreiben keine durchgehende Bahn, die Planeten beschreiben eine spiralförmige Bahn, und von der Bahn der Sonnen kann man sagen, dass es sich um einen Kreis handelt, mit dem Zentrum im Unendlichen.

Wenn wir den Menschen betrachten, finden wir die unterbrochene Linie, wie bei Kometen, in seinen Gliedern wieder, in Beinen und Armen. Die Spirale befindet sich im Torso, im Brustkasten, mit den Bewegungen des Ein- und Ausatmens sowie in den beiden Kreisläufen, dem venösen und dem arteriellen; das ist das Leben der Planeten mit dem Wechsel von Tagen und Nächten… Und der Kreis schließlich, das ist der Kopf, der symbolisch die Bewegung der Sonnen um das Zentrum beschreibt: um Gott in der Unendlichkeit. Das bedeutet, dass die Menschen, die sich im egozentrischen System befinden, in den Armen und Beinen des »kosmischen Menschen« leben, des Adam Kadmon, wie ihn die Kabbalisten nennen. Diejenigen, die mit dem biozentrischen System verbunden sind, leben in seinem Herzen und in seinen Lungen. Und diejenigen schließlich, die mit dem theozentrischen System verbunden sind, leben in seinem Kopf.

Wenn wir nun diese drei Systeme unter den Insekten suchen, finden wir die Spinne als Symbol für das egozentrische System, die Ameise als Symbol für das biozentrische und die Biene als Symbol für das theozentrische System. Viele andere Insekten können diese drei Systeme ebenso repräsentieren, doch diese drei Beispiele sollen genügen.

Die Spinne lebt ungesellig, alleinstehend, sie fängt die Mücken, und sobald sich eine in ihrem Netz verfangen hat, eilt sie zu ihr hin, um sie ins Zentrum ihres Netzes zu bringen und sie zu fressen. Die Ameisen, obgleich sie noch zum egozentrischen System gehören, sind bereits ins biozentrische System eingetreten: Sie leben in gemeinschaftlich organisierten Staaten. Die Bienen jedoch übertreffen sie, denn das Ziel ihrer Arbeit ist es, anderen Wesen auf einer höheren Entwicklungsstufe als der ihren etwas Wertvolles zu geben. Die Spinnen und Ameisen arbeiten nur für sich selbst, die Bienen jedoch stellen ein Nahrungsmittel für die Menschen her.

Ihr seht, das Wort »theozentrisch« bedeutet nicht, dass alles auf Gott ausgerichtet ist, sondern dass jede Manifestation eines Wesens über die Personalität hinausgeht. Und die Aktivität der Bienen geht über die Personalität hinaus, da sie Honig für die Menschen zubereiten. Sie tun es zwar nicht für Gott, aber es ist bereits nicht mehr einzig für sie selbst. Dieser Akt ist unpersönlich und gehört daher ins theozentrische System. Manch einer mag entgegnen, dass die Bienen den Honig für sich selbst herstellen, und dass die Menschen ihn stehlen. Einverstanden, doch in Wirklichkeit lässt die Natur die Bienen den Honig sehr wohl auch für die Menschen zubereiten, genauso wie sie die Bäume dazu drängt, ihre Früchte hervorzubringen, um andere Geschöpfe als nur sich selbst zu ernähren.

Der Begriff »theozentrisch« bedeutet daher nicht zwingend: »der Gott als Zentrum hat«, sondern kann vielmehr auf alle wahrhaft selbstlosen Taten angewandt werden. Es gibt Personen, die – ohne religiös zu sein und sogar ohne an die Existenz Gottes zu glauben –, ein edleres und selbstloseres Verhalten an den Tag legen als mancher Religionsanhänger, der an Gott denkt, Ihm Gebete sendet, aber in seinem Egoismus und seinen kleinlichen Berechnungen stecken bleibt. Was also zählt, sind die tief im Menschen verborgenen Beweggründe und Motive. Es sind diese Beweggründe, die ihn in das eine oder andere System einstufen.

Beim Baum findet sich das egozentrische System in den Wurzeln wieder, die im Boden verankert sind, aus dem sie die Nährstoffe ziehen. Der Stamm mit den Ästen und Zweigen steht für das biozentrische System, denn dort im Stamm steigen all die Vitalkräfte auf und ab. Er stellt die Brücke dar, die Verbindung, welche die Wurzeln mit den Blättern, Blüten und Früchten vereint. Mit den Blättern beginnt sich das unpersönliche Leben des Baumes zu manifestieren, und es endet in den Früchten, dem höchsten Ausdruck von Unpersönlichkeit. Die Bäume, die keine Früchte tragen, sind noch nicht entwickelt und bleiben an das biozentrische und egozentrische System gebunden.

Je nach seinem Evolutionsgrad kann der Mensch sich entweder um sich selbst drehen, um seine Familie und die Gesellschaft kreisen oder um Gott. Um sich selbst herum zu kreisen ist der schlimmste Zustand, weil der Kreis, den man so beschreibt, extrem begrenzt ist, und jeden Tag wird er noch enger. Auch um seine Familie oder die Gesellschaft zu kreisen, bietet noch nicht die besten Bedingungen zur Entwicklung, obwohl der Kreis, den man auf diese Weise beschreibt, schon viel größer ist. Die besten Bedingungen sind verwirklicht, wenn man um Gott kreist, denn nach und nach lösen sich die Verbindungen mit der Erde und man fühlt sich bereit, sich in den Weltenraum aufzuschwingen und im Universum zu reisen. Die großen Eingeweihten sind frei, ihren Körper zu verlassen, weil sie im theozentrischen System leben. Ihre innere Bewegung ist so intensiv, dass nichts ihren Elan bremsen oder sie daran hindern kann, zu handeln.

Es existieren also mehrere Arten von Liebe, und jede von ihnen wird von ihrem Aktionsbereich charakterisiert. Auf diese Weise unterscheidet man zwischen der Liebe zu sich selbst, der Liebe zu seiner Familie, der Liebe zu seinem Land, der Liebe zu seiner Rasse, der Liebe zur Menschheit und der Liebe zum Schöpfer. Bei jeder dieser Arten von Liebe erweitert sich der Kreis – der Aktionsrahmen erweitert sich ständig. Im egozentrischen System gibt es nur einen Weg, eine Richtung: Man steigt zum Zentrum der Erde hinab. Das biozentrische System bietet zwei Möglichkeiten: nach links oder nach rechts, nach unten oder nach oben, vor oder zurück. Im theozentrischen System hingegen findet man sehr zahlreiche Wege, eine unbegrenzte Auswahl: die vollständige Freiheit.

In den Annalen der Menschheit sind die Aufzeichnungen über den Fall der ersten Menschen aufbewahrt. Mit der Ursünde wurde die gesamte Schöpfung mit in den Fall hineingezogen, alle, die Tiere, die Vegetation und selbst die Erde. In dem Moment geschah es auch, dass die Erdachse sich neigte und einen Winkel von 23° 27’ bildete, bezogen auf ihre ursprüngliche Position.

 

Leseprobe  Gesamtwerk 103 - Die beiden Bäume im Paradies

Der Sündenfall hatte also die Neigung der Erdachse zur Folge, was eine Veränderung der Position der magnetischen und elektrischen Erdströmungen nach sich zog. Und gleichzeitig neigte das menschliche Herz, das bis dahin genau im Zentrum der Brust platziert war, seine Spitze nach links.

Jetzt ist die Erdachse auf dem Rückweg zu ihrer ursprünglichen Position, und diese Bewegung wird zu großen Erdumwandlungen führen. Die Pflanzen werden dann Früchte mit neuen Kräften und Qualitäten hervorbringen, die sie aus dem Mineralreich ziehen werden. Das Tierreich wird gleichfalls Veränderungen erfahren, aufgrund der bei den Pflanzen auftretenden Veränderungen, und für die Menschen gilt das Gleiche. Im Augenblick erscheint noch keine dieser Transformationen, sie bleiben verborgen, und allein sensitive Menschen nehmen sie wahr. Aber bevor die Erdachse ihre ursprüngliche Position wieder einnimmt, wird die Menschheit große Prüfungen durchlaufen, um sich zu reinigen. Später wird dann alles leuchten: Die Steine und das Wasser der Flüsse werden leuchten und die Materie wird transparent werden…

Im Augenblick ist die Vegetation – Obst und Gemüse, welches wir essen – von negativen Kräften durchdrungen. Die Erde ist ein großer Friedhof, mit dem Blut der Menschen bewässert und von ihren Verbrechen geprägt. Die Menschen, die auf den Feldern und in den Gärten arbeiten, tun es allzu oft ohne Liebe, in einem Zustand innerer Auflehnung. Ihre Gedanken und ihre Gefühle dringen in die Samen ein und vergiften die Erde und die Früchte. Eines Tages jedoch werden die Menschen in der Kunst unterrichtet werden, wie man die Erde nach den Regeln der Einweihung kultiviert. Die Samen absorbieren dann die kosmischen Kräfte auf ganz andere Weise, und die Früchte, welche die Menschen verzehren, vermitteln ihnen ihre Qualitäten. Die Menschen sind nur deshalb krank, weil sie sich in ihrer Unwissenheit unablässig Bedingungen für ein ungesundes Leben schaffen. Ohne es zu wissen, essen sie Kadaver, gehen über Kadaver und schlafen auf Kadavern.

Mit Hilfe des theozentrischen Systems wird alles wieder richtig gestellt werden in der Welt. Dieses System muss im weitesten Sinne dieses Begriffes verstanden werden, als ein Leben voller Liebe, Gerechtigkeit und Güte. Um ein ausgeglichenes Leben zu führen, muss der Schüler um Gott herum kreisen, Ihm dienen und Seinen Willen erfüllen. Aber der Mensch kann nur für den Herrn arbeiten, indem er die anderen aufklärt, indem er sie zur Quelle führt und ihnen ein Beispiel an Liebe, Güte und Opferbereitschaft gibt, was dem biozentrischen System entspricht. Um jedoch diese Arbeit tun zu können, muss man stark sein, gesund, robust, widerstandsfähig, selbst gut entwickelt, was alles dem egozentrischen System entspricht. Egozentrisches und biozentrisches System haben also ihren Daseinsgrund: Sobald sie in den Dienst des theozentrischen Systems gestellt werden, haben sie ihre Daseinsberechtigung. Der Mensch wird zu einem vollständigen, geeinten Wesen. Ist er jedoch nicht zuerst wieder an das theozentrische System angeschlossen, verliert das Leben, das er im Kontakt mit anderen führt, und auch sein persönliches Leben, vollständig seinen Sinn. Genau das muss man richtig verstehen.

Ich bin sehr glücklich, dass ich euch ein paar Erläuterungen zu diesem Satz aus dem Brief des Meisters geben konnte. Ich hoffe, dass sie es euch ermöglichen, eure Lebenslage besser einzuordnen und euch im Leben besser zu orientieren. Dies sind einfache, elementare, aber außerordentlich wichtige Erklärungen.

Und zum Schluss möchte ich euch jetzt einige Passagen aus dem Buch »Die heiligen Worte des Meisters« vorlesen:

»Wenn etwas deinen Blick beunruhigt, erfasse hinter dem Schleier der vorüberziehenden Formen das unermüdliche Wirken des Geistes, der die Seelen zum Ewigen zu erheben sucht. Hinter jeder Form erblicke das Bild des Ewigen.

Die Formen sind nur die Hülle, sie beunruhigen den Schüler in keiner Weise, denn er sucht immer nach der ewigen Idee, die in den Formen wirkt und ihnen ihren Wert verleiht. Er verbindet sich auf diese Weise mit der Welt des Geistes, mit dem Leben des Universums.

Niemand sollte von deinen spirituellen Erfahrungen wissen, solange du nicht in dir selbst einen sicheren Stützpunkt geschaffen hast.

Sei immer in Verbindung mit dem Gott der Liebe. Die Sünde entsteht außerhalb von Gott.

Es ist notwendig, dass der Schüler einige Zeit in der Einsamkeit verbringt, damit er stark wird. Auf diese Weise festigt sich sein Denken.

Unter den Strahlen der Sonne öffnen sich die Blüten und die Früchte reifen. Die Seele des Schülers wächst nur in der Liebe Gottes.

Der Schüler freut sich über die Erhebung einer jeden Seele, und er trägt dazu bei. Es gibt ein Gesetz in der spirituellen Welt, das besagt: »Wenn einer sich erhebt, erheben sich alle! «

Wenn der Schüler seinen Meister richtig versteht, ist er bereit zu empfangen, und ihm wird immer gegeben werden.

 

Leseprobe drucken: hier klicken
Dieses Buch im Online-Shop: hier klicken

Pages:«1234567»