Leseprobe Izvor 203 – Die Erziehung beginnt vor der Geburt

Leseprobe Izvor 203 – Die Erziehung beginnt vor der Geburt

Kapitel 1: Zuerst müssen die Eltern erzogen werden

 

Vielleicht stellen sich manche von euch die Frage, warum ich als Pädagoge nur sehr selten über Kindererziehung spreche. Alle Pädagogen befassen sich mit den Kindern, nur ich nicht; ich mache eine Ausnahme. Warum? Weil meiner Ansicht nach die Erziehung bei den Eltern beginnen muss.

Ich glaube an keinerlei pädagogische Theorie, sondern nur an die Lebensweise der Eltern vor und nach der Geburt der Kinder. Deshalb lag mir nie soviel daran, über die Erziehung der Kinder zu sprechen. Wenn sich die Eltern nicht einmal selbst erziehen, wie wollen sie dann ihre Kinder erziehen? Man spricht mit Eltern über die Erziehung ihrer Kinder, als ob sie wirklich vorbereitet seien, denn dann, wenn sie Kinder haben, nimmt man an, dass sie dazu auch imstande sind. Doch häufig haben sie keine Ahnung und müssen erst einmal selbst belehrt werden, wie sie sich verhalten sollen, um einen guten Einfluss auf ihre Kinder auszuüben.

Und dann werde ich kritisiert, weil man meine Vorgehensweise nicht kennt: »Pädagoge? Pah! Der ist kein Pädagoge, er spricht nie über die Erziehung der Kinder!« Solche Aussagen beweisen, dass man meinen Gesichtspunkt noch nicht verstanden hat. Solange die Eltern nicht richtig handeln, nützen selbst die besten pädagogischen Erklärungen nichts. Diese würden den Kindern sogar sehr schaden, wenn sie falsch verstanden und falsch angewendet werden.

Viele Menschen, die Kinder bekommen wollen, fragen sich nicht, ob sie wirklich die Bedingungen dafür erfüllen, ob sie bei guter Gesundheit sind und über die materiellen Mittel verfügen, um die Kinder aufzuziehen und vor allem, ob sie die notwendigen guten Eigenschaften besitzen, damit sie ihnen als Beispiel dienen und ihnen in allen Lebenslagen Sicherheit und Beistand geben können. Daran denken sie nicht. Sie setzen Kinder in die Welt, die dann, sich selbst überlassen, alleine aufwachsen, sich so gut wie möglich durchschlagen und eines Tages, unter ebenso bedauerlichen Umständen wie ihre Eltern, selbst Kinder bekommen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele junge Leute heiraten wollen, ohne dass sie daran denken, sich auf ihre künftige Rolle als Vater und Mutter vorzubereiten. Bei manchen jungen, schwangeren Frauen muss man sich wirklich fragen… Ein Kind trägt ein anderes Kind! Man sieht es am Gesicht: ein Kind. Nun, was soll dabei herauskommen? Solange man nicht dafür vorbereitet ist, sollte man lieber keine Kinder in die Welt setzen, denn sonst wird man es teuer bezahlen müssen, das kann ich euch versichern.

Ihr fragt: »Sich vorbereiten… Wie soll man sich denn vorbereiten?« Sich vorbereiten heißt, Gedanken, Gefühle haben, ein Verhalten, das außergewöhnliche Wesen in eine Familie zieht. Ja, die Einweihungswissenschaft lehrt, dass ein bestimmtes Kind nicht aus Zufall in eine Familie hineingeboren wird. Die Eltern haben es bewusst oder unbewusst – aber meistens unbewusst – angezogen. Deshalb sollten sie bewusst Genies und gottähnliche Wesen herbeirufen, denn sie können ihre Kinder auswählen. Aber dies wissen die meisten nicht.

Man sollte also alles von Anfang an noch einmal überprüfen, und der Anfang, das ist die Zeugung des Kindes. Die Eltern denken nicht daran, dass sie sich monate  und jahrelang darauf vorbereiten müssen, ähnlich wie zu einer heiligen Handlung. Oft zeugt man ein Kind nach einem Abend, an dem man viel zu viel gegessen und getrunken hat. Ein solcher Augenblick wird gewählt, wenn man überhaupt noch von »wählen« sprechen kann! Sie hätten sich für einen Augenblick des Friedens und der Klarheit entscheiden können, in dem eine tiefe Harmonie sie verband. Aber nein, sie warten, bis sie vom Alkohol erregt sind und nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht! Unter solch wundervollen Umständen zeugen sie ein Kind! Was meint ihr, welche Elemente sie ihm mitgeben? Ein Kind, das mit solchen Elementen belastet auf die Welt kommt, ist weiter nichts als das erste Opfer seiner eigenen Eltern. Also wer muss nun erzogen werden? Ich würde sagen, die Eltern und nicht die Kinder.

Wie können sich die Eltern einbilden, dass sie ihre Kinder erziehen, wenn sie ihnen zu Hause unaufhörlich das Schauspiel ihrer Streitereien, Lügen und Unehrlichkeiten vorleben? Man hat festgestellt, dass ein Baby durch die Konflikte der Eltern krank werden und nervöse Störungen bekommen kann. Selbst wenn es nicht unmittelbar beim Streit dabei war, entsteht eine disharmonische Atmosphäre, die es empfindet, weil es noch sehr eng mit seinen Eltern verbunden ist. Das Baby ist sich dessen nicht bewusst, aber es nimmt trotzdem diese Dinge auf, sein Ätherleib bekommt die Schläge.

Die Eltern müssen ihre Verantwortung klar erkennen. Sie haben kein Recht, Geistwesen zur Wiedergeburt einzuladen, wenn sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Manche haben ein derart unbeschreibliches Benehmen, dass ich mich der Frage nicht enthalten kann: »Lieben Sie eigentlich ihre Kinder?« Dann sind sie empört: »Wieso? Ob wir unsere Kinder lieben? Natürlich!« »Nun, das glaube ich nicht, denn wäre dies der Fall, dann würden Sie Ihr Verhalten ändern und anfangen, so manche Schwächen zu korrigieren, die einen sehr negativen Einfluss auf die Kinder haben. Sie geben sich aber überhaupt keine Mühe! Ist das für Sie Liebe?«

Ich weiß, die Zukunft der Bruderschaft liegt bei den Kindern, aber trotzdem kümmere ich mich um die Eltern und will ihnen klarmachen, dass sie keine Kinder in die Welt setzen dürfen, nur weil sie ihren ererbten Zeugungstrieb befriedigen wollen. Gewiss, dieser Trieb existiert, aber er muss auf eine geistigere Weise verstanden werden. Bei der Zeugung müssen die Gedanken, die Seele und der Geist beteiligt sein, um das Kind mit einer höheren Welt zu verbinden. Die Menschen begnügen sich meist mit einem tierischen Dasein: Sie essen, trinken und zeugen wie die Tiere. Ihrem Tun fehlt das Geistige. Die Liebe ist für sie unwichtig, für sie zählt die Lust. Fünf Minuten Vergnügen müssen sie dann ihr ganzes Leben lang bezahlen, und auch ihre Kinder müssen dafür büßen.
Ihr wollt, dass ich mich um die Kinder kümmere? Nein, zuerst will ich mich um euch kümmern, und indem ich das tue, befasse ich mich indirekt mit euren Kindern, die ihr bereits habt oder eines Tages haben werdet.

 

 

Kapitel 2: Die Erziehung beginnt vor der Geburt

 

Die meisten Menschen glauben, sie könnten nur im körperlichen Bereich etwas tun, um ein Kind zu zeugen; alles übrige, die Konstitution ihres Kindes, dessen Charakter, Fähigkeiten, Eigenschaften und Fehler, hingen vom Zufall ab oder vom Willen Gottes, von dem sie keine klare Vorstellung haben. Da sie vom Gesetz der Vererbung gehört haben, sind sie überzeugt, dass dieses Kind körperlich und moralisch den Eltern oder Großeltern, einem Onkel oder einer Tante ähnlich wird. Aber sie denken nicht daran, dass sie diese Ähnlichkeit begünstigen oder verhindern können. Und sie denken auch nicht daran, dass sie ganz allgemein zur guten Entwicklung ihres Kindes beitragen können, sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen und geistigen Ebene. Aber da täuschen sie sich. Die Eltern können sehr wohl in positiver Weise auf das Kind, das sich in ihrer Familie inkarniert, einwirken.

Die Eltern müssen jedoch schon vor der Zeugung mit der Vorbereitung beginnen, damit sie einen erhabenen Geist anziehen können. Denn höhere Wesen können sich nur bei Menschen inkarnieren, die bereits einen bestimmten Grad der Reinheit und Meisterschaft erreicht haben. Für ein solches Wesen ist es unwichtig, ob es in eine reiche oder berühmte Familie kommt; oft zieht es eine bescheidene Familie vor, in der keine Gefahr besteht, dass es sich einem leichten Leben hingibt. Aber das Erbgut der Eltern, bei denen es sich inkarniert, darf die spirituelle Arbeit, für die es auf die Erde kommt, nicht behindern. Nur wenige Männer und Frauen bieten den erhabenen Geistwesen günstige Bedingungen für eine Inkarnation, und deshalb ist die Erde von so vielen gewöhnlichen, kranken und verbrecherischen Menschen bevölkert anstatt von gottähnlichen Wesen.

Die Lehre der Universellen Weißen Bruderschaft zeigt also den Männern und Frauen, in welcher geistigen Verfassung und in welcher Reinheit sie sich auf die Zeugung eines Kindes vorbereiten sollen. Sie können sogar in Bezug auf die planetarischen Einflüsse den günstigsten Zeitpunkt dafür wählen. Wie konnten die Menschen so tief sinken, dass sie ein so wichtiges Ereignis wie die Zeugung eines Kindes dem Zufall überlassen? Gerade in diesem Moment sollte man den Himmel um Hilfe bitten und die Engel herbeirufen, damit man einen starken, lichtvollen Geist anzieht, der später ein Wohltäter der Menschheit wird. Aber nein, man sucht beim Alkohol oder wer weiß wo Unterstützung. Oft benimmt sich der Mann gerade in diesem Augenblick wie ein Tier: Er vergewaltigt seine Frau, die ihm gegenüber dann nur Verachtung, Abscheu und Rachegefühle empfindet. Ist es verwunderlich, wenn unter solchen Umständen ein Monster geboren wird?

Aber lasst uns die Frage der Zeugung ein bisschen näher betrachten. Damit ein Kind geboren werden kann, muss der Vater der Mutter einen Samen geben, den diese bis zur Reife tragen muss. Also kann man sagen, dass der Vater die schöpferische und die Mutter die formende Kraft ist. Der Same des Vaters ist eine Zusammenfassung, eine Verdichtung seiner eigenen Quintessenz. Sein ganzes Leben und Dasein kommen in diesem Keim zum Ausdruck. Deshalb hängt die mehr oder weniger gute Beschaffenheit des Samens von seiner Lebensweise ab.

Ich habe euch schon oft erklärt, dass unsere ganze Lebensweise in unserem Inneren, in unseren Chromosomen und Zellen aufgezeichnet. Jede Zelle hat ein Gedächtnis. Es nützt nichts, den anderen mit seinem netten, ehrlichen und großzügigen Verhalten etwas vorzuspielen, denn nur das, was man denkt und in seinem Innersten fühlt, wird aufgezeichnet und überträgt sich als Erbe von Generation zu Generation. Und wenn das Krankheiten und Laster sind, die eingeprägt sind und weitergegeben werden, dann ist es für Lehrer, Schulen oder Ärzte, die das Kind heilen sollen, zu spät. Nichts zu machen, es ist zu spät! Man gibt alles weiter; und wenn das erste Kind keine Spuren davon zeigt, dann ist es eben das zweite oder dritte. Jeder muss begreifen, dass die Natur unabänderliche und wahre Gesetze hat.

Es ist also ein Irrtum, zu glauben, dass das, was der Mann der Frau im Augenblick der Zeugung gibt, immer von gleicher Beschaffenheit ist. Wenn ein Mann noch nie an sich gearbeitet hat, um sich zu erheben und reiner zu werden, gibt er der Mutter einen Samen, aus dem ein ganz gewöhnlicher Mensch – wenn nicht sogar ein Verbrecher – werden wird.

Nehmen wir ein Beispiel, das ihr vielleicht nicht sehr poetisch findet, das aber wenigstens klar ist: Aus einem Wasserhahn fließt Wasser, welches entweder schmutzig oder kristallklar sein kann. Wer ständig nur hässliche Gedanken und Gefühle hegt, der kann nur schmutziges Wasser geben, während ein anderer, der unaufhörlich für das Gute und für das Licht arbeitet, kristallklares, lebendiges Wasser spenden kann. Ja, ihr braucht euch gar nicht zu wundern, der Mann gibt der Frau im Augenblick der Zeugung einen Samen, der je nach seinem eigenen Entwicklungsgrad verschieden ist.

Genau wie die Saat in der Erde das Muster eines Baums oder einer Blume in sich trägt, so enthält auch der Same des Vaters den Entwurf des Kindes, mit dessen Fähigkeiten und Talenten oder im Gegenteil mit seinen Mängeln und Fehlern. Die Mutter gibt dann während der Schwangerschaft neun Monate lang die Materialien zur Verwirklichung dieses Plans hinzu. Und auch zu diesem Thema kann ich außerordentlich interessante und wichtige Dinge offenbaren.

Während der neun Monate Schwangerschaft arbeitet die Mutter nicht nur daran, den physischen Körper des Kindes auszubilden, sondern sie wirkt unbewusst auf den Samen ein, den der Mann ihr gegeben hat, indem sie günstige oder ungünstige Bedingungen zur Entfaltung der verschiedenen Charaktereigenschaften, die der Samen enthält, schafft. Wie macht sie das? Indem auch sie auf ihre Gedanken, ihre Gefühle und ihre Lebensweise achtet. Dies habe ich die spirituelle Galvanoplastik genannt.

Ich will euch zunächst einmal den chemischen Vorgang der Galvanoplastik beschreiben. Auf den spirituellen Bereich übertragen, kann dieser Vorgang von höchster Wichtigkeit für die ganze Menschheit werden.

Man taucht zwei Elektroden in einen mit der Lösung eines Metallsalzes – Gold, Silber, Kupfer usw. – gefüllten Behälter. Die Anode, der positive Pol, ist eine Platte aus demselben Metall wie das in der Salzlösung enthaltene. Die Kathode, der negative Pol, ist eine Gussform aus Guttapercha, die mit Graphit überzogen ist und entweder eine Figur, eine Münze oder eine Medaille darstellt. Die beiden Elektroden werden mit Metalldraht an die Pole einer Batterie angeschlossen und dann schickt man Strom hindurch. Das in der Lösung enthaltene Metall setzt sich an der Kathode an, während die Anode sich auflöst und dadurch die Flüssigkeit regeneriert. Die Gussform bedeckt sich allmählich mit dem in der Lösung enthaltenen Metall, und man erhält, je nach Wunsch, eine vergoldete, versilberte oder verkupferte Medaille.

Leseprobe Izvor 203 - Die Erziehung beginnt vor der Geburt

 

Wenn ihr die Natur beobachtet, werdet ihr feststellen, dass dieser Vorgang der Galvanoplastik überall existiert. So nimmt z. B. unser Planet, die Erde, zahlreiche Einflüsse anderer Himmelskörper auf, denn sie ist der negative Pol, die Kathode, das weibliche Prinzip. Der Himmel (d.h. Sonne und Sterne) stellt den positiven Pol, die Anode, das männliche Prinzip dar. Zwischen Erde und Sonne (oder einem anderen Gestirn) besteht aufgrund des ständigen Kreislaufs ein Austausch. Diese beiden Pole sind in eine kosmische Lösung, den Äther, getaucht. Er ist das universale Fluidum, das alle Himmelskörper umhüllt. Die Batterie, die den Kreislauf auslöst, ist Gott, und beide Pole sind an Ihn angeschlossen.

Nehmen wir einmal an, wir setzen an die Kathode, die Erde, eine Gussform, beispielsweise einen Samen. Dann ist dieser Samen in die kosmische Lösung getaucht; und wenn der von Gott ausgehende Strom ihn durchfließt, löst das den Vorgang der Galvanoplastik aus: Die in der Lösung enthaltenen Stoffe setzen sich an der Kathode, dem Samen ab, und die Anode, die Sonne – oder ein anderes Gestirn – regeneriert die Lösung, während der Samen heranwächst. Auf diese Weise zieht jedes Samenkörnchen im Boden alle Elemente aus dem Äther an, die seinem Wesen entsprechen. Diese Teilchen setzen sich am Samen ab, und er entwickelt sich je nach den Aufbaustoffen, die er selbst angezogen hat.

Das Phänomen der Galvanoplastik wiederholt sich auch in der schwangeren Frau, denn auch sie trägt in sich den Samen, die Elektroden und die Lösung. Der Same ist der vom Vater kommende lebendige Keim, die Kathode. Er trägt das Abbild des Vaters in sich. Manchmal ist dies das Bild eines Alkoholikers, eines Verbrechers oder eines ganz gewöhnlichen Menschen, und manchmal ist es das eines Genies oder eines Heiligen. Sobald die Frau schwanger ist, kreist ein Energiestrom zwischen ihrem Gehirn – der Anode – und dem Samen. Das Gehirn ist an die Batterie – an die Quelle der kosmischen Energie, an Gott – angeschlossen, von wo es den Strom bekommt, und dieser Strom kreist dann zwischen Gehirn und Embryo. Die Lösung ist das Blut der Mutter, in der die Anode (das Gehirn) und die Kathode (die Gebärmutter) getaucht sind, denn das Blut durchfließt ebenso alle anderen Organe und Körperzellen. Im Blut sind in gelöster Form alle Stoffe enthalten: Gold, Silber, Kupfer usw…

Die Anode, der Kopf, liefert also das Metall, die Gedanken, die das Blut regenerieren. Auch wenn der Same edel ist, die werdende Mutter aber nur bleischwere Gedanken hegt, dann darf sie sich nicht wundern, wenn ihr Kind symbolisch gesehen – in Blei gehüllt zur Welt kommt, d.h. bösartig, pessimistisch, kränklich ist. Man muss verstehen, dass der Same lediglich die Gussform ist; selbst wenn diese ein wunderschönes Bild zeigt, verliert die Medaille ihren Wert, wenn sie aus einem unedlen Metall nachgebildet wird.

Nehmen wir einmal an, eine Mutter kennt die Gesetze der Galvanoplastik und entschließt sich, sie anzuwenden, während sie ihr Kind austrägt. Dann legt sie, sobald sie den Samen in ihrem Leib (Kathode) empfangen hat, ein Goldplättchen in ihr Gehirn (Anode), d.h. die edelsten und erhabensten Gedanken. Durch den Kreislauf führt das Blut dem Samen ein edles Metall zu. Das Kind wächst heran, eingehüllt in goldene Kleider, und wenn es geboren wird, ist es kräftig, schön, edel und allen Schwierigkeiten, Krankheiten und schädlichen Einflüssen gewachsen.

Die meisten Mütter ahnen nicht, dass ihr Gemütszustand auf das Kind unter ihrem Herzen einwirkt. Sie kümmern sich erst nach der Geburt um das Kind und sorgen dann für Erzieher, Lehrer usw… Nein, wenn es geboren ist, ist es schon zu spät, dann hat es bereits seine Prägung erhalten! Kein Pädagoge und kein Lehrer vermag ein Kind zu ändern, wenn die vom Mutterleib erhaltenen Aufbaustoffe von schlechter Qualität waren.

Erzieher und Lehrer können viel tun, was die Bildung betrifft, aber sie können nicht die innerste Natur des Kindes verändern. Wenn diese voller Fehler ist, können selbst die besten Erzieher keine Verbesserung erreichen. Blei bleibt Blei, auch wenn ihr alles Mögliche tut, um es aufzuwerten. Ihr könnt es polieren, feilen, durchschneiden, damit es glänzt, kurz darauf wird es wieder stumpf, denn es ist eben Blei. Das Kind muss aus Gold und nicht aus Blei sein, dann können ihm selbst die schlimmsten Verhältnisse nichts anhaben, eben weil sein Wesen rein ist.

Jetzt erkennt ihr, wie wichtig es für die Frau ist, lichtvolle Gedanken im Kopf zu haben. Dank dieser Gedanken wird der Same, der in ihr heranwächst, jeden Tag reine und kostbare Stoffe aufnehmen. Auf diese Weise bringt die Mutter einen bedeutenden Künstler, einen erleuchteten Wissenschaftler, einen Heiligen oder einen Boten Gottes zur Welt. Die Frau kann große Wunder vollbringen, denn sie besitzt den Schlüssel für die Kräfte des Lebens.

Meine Mutter hat mir erzählt, sie habe mich in dem Gedanken gezeugt und ausgetragen, mich dem Dienste Gottes zu weihen. Man sagt auch, dass selbst der Pope, der mich getauft hat, an dem Tag so glücklich war, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben betrank. Normalerweise trank er nie! Er versicherte später, er habe nur deswegen getrunken, weil ich bestimmt ein besonderes Kind wäre, das sich von den anderen unterschied. Er machte auch eine Prophezeiung in Bezug auf mich…, aber die brauche ich euch nicht zu verraten! Dann wuchs ich zu einem kleinen Strolch heran. Ich habe euch schon erzählt, wie ich Äpfel beim Nachbarn gestohlen und Feuer in den Scheunen gelegt habe. Aber diese Streiche dauerten nicht lange, weil nur die tiefen inneren Veranlagungen beständig sind; die anderen waren nur oberflächliche, vorübergehende Äußerungen.

Aber ich will nicht behaupten, dass ich ein außergewöhnliches Wesen bin, weil meine Mutter mich Gott geweiht hatte. Man kann die Kinder zwar in den Dienst Gottes stellen, aber man weiß nicht, welche Stufe sie in der Hierarchie der Diener einnehmen werden. Die Mütter wissen es bestimmt nicht, und ich glaube auch nicht, dass meine Mutter es wusste. Die Tatsache, dass sie mich dem Himmel geweiht hatte, besagt also nichts über meine geistige Höhe. Viele Christen wurden von ihren Müttern geweiht, aber sie blieben in ihren Kirchen, ohne große Fortschritte zu machen. Nur eines ist sicher, die Eltern haben gebetet, dass ihre Kinder einen kleinen geistigen Funken in sich tragen mögen. Ein Funke kann zur Glut werden, wenn man ihn anfacht, aber er erlischt, wenn er nicht genährt wird. Soll der Funke wachsen, dann muss er – symbolisch gesehen – ständig mit neuem Holz versorgt und angefacht werden.

Es ist allgemein bekannt, dass viele Frauen während der Schwangerschaft seltsamen Wünschen und unkontrollierten Impulsen unterliegen, die sie normalerweise nicht haben. Aber den Grund dieses Phänomens kennt keiner, und den will ich euch jetzt erklären. Die schwangere Frau wird oft von bösartigen Wesen aufgesucht, die später von dem Leben des Kindes profitieren wollen. Sie treiben also die Mutter dazu, durch ein unkontrolliertes Verhalten den galvanoplastischen Vorgang völlig durcheinander zu bringen. Dies ermöglicht ihnen später, sich des Kindes zu bemächtigen, ungehindert in dessen Seele ein- und auszugehen und sich von ihm zu nähren. Dies kann man ganz schnell erkennen.

Alle Kinder, die zu mir kommen, haben mich gewöhnlich sehr gern. Drei- oder viermal ist es aber vorgekommen, dass ein Kind vor mir weglief. Keiner konnte sich den Grund dafür erklären. Ich wusste jedoch Bescheid, denn alle Phänomene, die im Leben auftreten, sind sehr klar für mich. Die Eltern waren zutiefst betrübt und unglücklich, so dass ich die Mutter aufklären musste: »Sie haben sich sicherlich während der Schwangerschaft gewisse Dinge erlaubt, wodurch Sie Wesenheiten angezogen haben, die jetzt in dem Kind nisten und es ausnutzen wollen. Diese Wesen wohnen in ihm und warten einen günstigen Augenblick ab, um sich zu manifestieren. In mir fühlen sie aber einen Feind, denn sie wissen, dass ich sie durch mein Verhalten, meine Willenskraft und meine Emanationen und durch alles, was ich dem Kind gebe, wenn es in meinen Einflussbereich kommt, verjagen werde. (Übrigens ist das alles, was ich tue, ich ersetze bestimmte Wesenheiten durch andere. Das macht mir Spaß. Seht ihr, auch ich habe mein Vergnügen!) Also handelt es sich um solche Wesenheiten, die versuchen, Ihr Kind von mir fern zu halten.« Ich gebe mich allerdings nicht so leicht geschlagen; und weil ich die Eltern gern habe, will ich ihnen helfen und führe deshalb eine bestimmte Arbeit aus. Nach kurzer Zeit lief mir das gleiche Kind, das mich vorher gemieden hatte, in die Arme. So etwas hat sich manchmal sogar vor euren Augen zugetragen, nicht wahr?

Während der ganzen Schwangerschaft muss die Mutter darauf achten, dass ihr Kind keinen negativen Einflüssen ausgesetzt ist. Durch die Kraft der Gedanken soll sie es bewusst mit einer Atmosphäre aus Reinheit und Licht umgeben, damit es vor Angriffen bösartiger Wesenheiten geschützt ist. Außerdem kann sie unter solchen Bedingungen mit der Seele, die sich inkarnieren wird, zusammenarbeiten.

Im Gegensatz zu manchen Auffassungen tritt die Seele nicht während der Schwangerschaft in den Körper des Kindes ein. Das Kind lebt zwar im Leib der Mutter, sein Herz schlägt und es ernährt sich, aber die Seele ist noch nicht in seinen Körper eingezogen; das geschieht erst bei der Geburt, beim ersten Atemzug. Bis dahin hält sie sich in der Nähe der Mutter auf und arbeitet mit ihr gemeinsam am Aufbau der verschiedenen Körper des Kindes, dem physischen, dem Astral  und dem Mentalkörper. Im Allgemeinen ist sich die Mutter dieser Gemeinschaftsarbeit nicht bewusst, denn sie ist weder empfindsam noch erleuchtet genug. Aber auch wenn sie die Seele nicht sieht, kann sie trotz allem mit ihr sprechen, Gebete an sie richten und sie bitten: »Ich gebe dir die besten Aufbaustoffe, ich will dir helfen, aber du musst deinerseits für diese oder jene Fähigkeit sorgen, damit das Kind ein Künstler, ein Philosoph, ein Wissenschaftler oder ein Heiliger wird!«

Wenn die Mutter diese kraftvollen, magischen Worte von ganzem Herzen ausspricht, dann strahlt sie bereits bestimmte Teilchen aus, die der Geist des Kindes, der sich inkarnieren will, als Aufbaustoffe für seine verschiedenen Körper benutzt. Das Kind besitzt selbst nichts, es erhält alles von seiner Mutter, deshalb muss sie bewusst darauf achten, ihm nur das Beste zu geben und ihm durch ihre Gedanken und Gefühle nur die lichtvollsten und reinsten Elemente zuzuführen.

Den meisten Menschen sind die Vorgänge, die sich in der unsichtbaren Welt abspielen, unbekannt. Aber gerade dies ist die Aufgabe unserer Lehre, sie will euch diese feinstoffliche, ungreifbare, aber reale Welt, die realer ist als die Realität selbst, nahe bringen. Sie will euch helfen, damit ihr bewusster werdet und darauf achtet, welche Schwingungen euch beeinflussen und welche Wesenheiten euch umgeben. Mit diesem Bewusstsein könnt ihr dann für das Gute arbeiten.

Männer und Frauen dürfen nie vergessen, dass ihre künftigen Kinder in irgendeiner Form ihre eigene Denk- oder Lebensweise widerspiegeln. Denn alles was im Kopf oder im Herzen des Menschen vorgeht, verwirklicht sich früher oder später. Jeder auftretende Gedanke oder Wunsch ist lebendig, und das kommende Kind lebte bereits im Kopf oder im Herzen des Vaters oder der Mutter. Wenn also euer heranwachsendes Kind zu einem Engel wird, der euch hilft, dann war es ursprünglich ein wunderbarer Gedanke, den ihr jahrelang in eurem Inneren getragen habt, ein Gedanke, der sich in dem Kind verkörpert hat und euch durch das Kind weiterhin zur Seite steht. Wenn euch das Kind jedoch nur Ärger bereitet, dann müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass es sich hier um einen kriminellen Gedanken handelt, den ihr genährt habt und der sich verkörpert hat.

Ein Kind wird nicht aus dem Nichts geboren. Wenn ihr mich fragt, warum euer Kind zur Welt kam, dann antworte ich euch: »Damit ihr seht, was ihr in eurem Kopf hattet.« Genau durch ihre Kinder erkennen Männer und Frauen ihr eigenes Wesen.

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Leseprobe Izvor 202 – Der Mensch erobert sein Schicksal

Leseprobe Izvor 202 - Der Mensch erobert sein Schicksal

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Kapitel 1, Das Gesetz von Ursache und Wirkung

Teil 1

Sobald der Mensch handelt, löst er unweigerlich bestimmte Kräfte aus, die ihrerseits wieder bestimmte Folgen nach sich ziehen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Karma drückte gerade diesen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung aus. Erst später nahm Karma den Sinn der Wiedergutmachung begangener Fehler an.
Der Karma-Yoga — einer der vielen indischen Yogas — ist nichts anderes als eine Disziplin, die den Menschen lehrt, sich durch uneigennütziges Handeln zu entfalten und sich dadurch zu befreien. Sobald der Mensch jedoch mit Geldgier, Hinterlist und zweifelhaften Motiven zu arbeiten beginnt, lädt er sich Schulden auf, die er später begleichen muss. Das Wort Karma nimmt jetzt also den allgemein gültigen Sinn der Strafe für begangene Fehler an.
Ganz allgemein kann man also sagen, dass sich das Karma, im letzteren Sinne verstanden, bei jeder Handlung einschaltet, die nicht vollkommen richtig ausgeführt worden ist — was übrigens meistens der Fall ist. Der Mensch macht immer wieder Versuche, er muss sich üben, bis er zur Perfektion gelangt. Solange sein Streben misslingt, muss er sich korrigieren, bis er seine Fehler wieder gutgemacht hat, natürlich unter schwerer Arbeit und Leiden.
Ihr meint: »Wenn man also beim Handeln unweigerlich Fehler macht, und sie unter Qualen wieder ausbessern muss, wäre es doch viel besser, überhaupt nichts zu tun!« Nein, man soll handeln. Gewiss, man wird leiden. Aber dabei lernt und entfaltet man sich… und eines Tages ist das Leiden dann vorbei. Wenn ihr gelernt habt, richtig zu handeln, gibt es kein Karma mehr für euch. Zugegeben, jede Bewegung, jede Geste, jedes Wort löst Kräfte aus, die bestimmte Folgen haben. Nehmen wir aber an, dass diese Gesten und Worte aus Güte, Reinheit und Selbstlosigkeit entstanden sind, dann ziehen sie günstige Folgen nach sich. Dies nennt sich dann Dharma.
Das Dharma ist das Ergebnis einer geordneten, harmonischen und wohltätigen Aktivität. Wer zu einem solchen Handeln fähig ist, entzieht sich dem Gesetz der zwangsläufigen Schicksalsfügung und stellt sich unter den Einfluss der göttlichen Vorsehung. Nichts tun, um Kummer und Qualen zu vermeiden, ist keine gute Lösung. Man soll aktiv, tatkräftig und unternehmungslustig sein, aber man muss seinem Handeln höhere Ziele setzen als Egoismus und persönlichen Nutzen. Nur dieser Weg vermeidet die katastrophalen Folgen, denen keiner entgehen kann. Es wird stets Ursache und Wirkung geben, ganz gleich was man auch tut. Nur werden durch selbstloses Handeln keine schmerzlichen Folgen mehr hervorgerufen, sondern Freude, Glück und Befreiung.
Wer seine Ruhe haben will und deshalb nichts tut, kann sich nicht entfalten, nichts lernen, nichts gewinnen. Natürlich kann man unter solchen Umständen auch keine Fehler begehen, aber man gleicht einem Stein. Steine begehen nie Fehler! Man sollte sich lieber irren, sich sogar beschmutzen, aber daraus lernen. Wie kann man Farb- und Zementkleckse vermeiden, wenn Handwerker im Hause sind? Unmöglich, man muss die Flecke hinnehmen, die Hauptsache ist, die Arbeit ist getan, und das Haus ist fertig. Nachher muss man sich dann putzen und waschen und sich umziehen, aber das Haus ist wenigstens fertig.
Meister Peter Deunov sagte eines Tages: »Ich gebe jedem von euch ein kleines Buch, mit dem ihr das Alphabet lernen könnt« (wir nennen es »boukvartche« in Bulgarien, und Ihr?… Fibel? Gut, eine Fibel.) »In einem Jahr möchte ich es wiederhaben«. Manche brachten das »boukvartche« vollkommen sauber und tadellos zurück. Sie hatten es nicht einmal aufgeschlagen, hatten folglich auch nichts daraus gelernt. Andere gaben es ihm vollkommen bekritzelt, zerrissen und befleckt zurück. Sie hatten es viele hundert Mal geöffnet, hatten es überallhin mitgenommen, hatten sogar darauf gefrühstückt… »Ja, aber dafür können sie jetzt lesen«, sagte der Meister, »das ist mir lieber.« Damals war ich noch jung, und ich weiß noch, wie ich ihn ganz schüchtern fragte: »Und ich, zu welcher Kategorie gehöre ich?« Er antwortete: »Du? Zur zweiten!« Darüber war ich natürlich glücklich, denn ich hatte begriffen, dass es die bessere war.
Jetzt erinnere ich mich nicht mehr in welchem Zustand ich mein »boukvartche« zurückgab, auf jeden Fall aber hatte er mich in die zweite Kategorie Menschen eingeordnet, die zum arbeiten bereit sind… und das stimmt. Wie viele Fehler man auch begeht, wie viele Flecken und Spritzer man auch hinterlässt, wie sehr man auch beschimpft und kritisiert wird, das hat überhaupt keine Bedeutung. Das Wichtigste ist, man hat Lesen gelernt, die Arbeit getan, das Haus fertig gebaut. Alle, die immer sehr vernünftig und vorsichtig sind, um sich nicht bloßzustellen, machen keine Fortschritte. Mein Gott, was soll aus solchen Leuten werden?
In der Offenbarung heißt es: »… dass du kalt oder warm wärest! Wenn du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.« Warum ziehen manche das Lauwarme vor? Für die Lauwarmen gibt es keinen Platz. Ihr dürft euch nicht davor fürchten, Fehler zu begehen. Wer eine Fremdsprache lernt, aber kein Wort sagt aus Angst, sich durch einige Fehler lächerlich zu machen, wird nie richtig sprechen können. Man muss es in Kauf nehmen, sich ein bisschen lächerlich zu machen, man muss Fehler riskieren, denn man muss Sprechen lernen. Für das Karma gilt das Gleiche: Wir dürfen uns nicht von der Angst lähmen lassen, Fehler zu begehen, die wir dann wieder gutmachen müssen. Wenn wir uns nach und nach darin üben, unseren Handlungen ein göttliches Ziel zu setzen, werden wir nicht länger das Karma, sondern das Dharma auslösen, das heißt die Gnade und den Segen des Himmels auf uns herabrufen.

Teil 2

Es ist unmöglich, dem Gesetz von Ursache und Wirkung zu entkommen. Die Frage ist nur zu wissen, welche Kraft man auslöst. Deshalb sage ich euch, dass das großartigste Gesetz, das uns die kosmische Intelligenz gegeben hat, dort liegt, wo keiner danach sucht, dort wo die Philosophen, Theologen und Moralisten nicht mehr hinsehen: in der Natur, genauer gesagt in der Landwirtschaft… Ja, auf dem Land. Alle Bauern wissen, dass sie keine Weintrauben ernten können, wenn sie einen Feigenbaum pflanzen und von einem Apfelbaum keine Birnen pflücken können. Das ist das höchste moralische Gesetz: Jeder erntet, was er gesät hat.
Man könnte also sagen, dass die Bauern die ersten Moralisten waren. Sie haben erkannt, dass die Intelligenz der Natur dort ein strenges, unveränderliches Gesetz erlassen hat, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Später, als sie das Leben der Menschen beobachteten, haben sie festgestellt, dass auch hier das gleiche Gesetz gilt. Wer mit Grausamkeit, Egoismus und Gewalt handelt, bekommt eines Tages selbst Grausamkeit, Egoismus und Gewalt zurück. Dieses Gesetz kann man auch das Gesetz des Echos oder das Gesetz des Rückstoßes nennen. Der Ball springt zurück und trifft den Werfer.

Jeder erntet, was er gesät hat. Wenn man dieses Gesetz im Detail studiert und seine Bedeutung erweitert, wird es ein tiefgründiges, fruchtbares System, denn jede grundlegende Wahrheit findet in allen Bereichen ihre Anwendung. Die Erklärung dieses Gesetzes im Detail bringt ein ganzes philosophisches System ans Tageslicht. Gerade deshalb ist die Religion heute so reich an Vorschriften und Geboten. In Wirklichkeit liegt ihnen aber nur ein einziges Gesetz zugrunde: Man erntet nur das, was man gesät hat. Ihm wurden später andere, nicht weniger wahre Gesetze angefügt, die einem Anhang, einer Ausdehnung in den philosophischen Bereich gleichen. Zum Beispiel ist das Sprichwort: »Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!« eine Weiterführung dieses Gesetzes.
Diejenigen, die sämtliche fundamentalen Gesetze bestreiten und ablehnen, entfernen sich mehr und mehr von der Wahrheit. Ihre Seele ist von Zweifel und Ungewissheit gespalten, das Leben reißt sie ewig hin und her, obgleich die Wahrheit doch so einfach ist und vor ihnen liegt. Warum wollen die heutigen Denker sie nicht anerkennen? Warum bieten sie uns alle möglichen selbst erfundenen Theorien an, die nicht mit der kosmischen Intelligenz übereinstimmen? Da sie nicht länger an die Existenz einer auf Naturgesetzen bestehenden Moral glauben, sind ihre Überlegungen und Schlussfolgerungen falsch. Alle, die ihre Bücher lesen und ihnen folgen, schlucken ihre Fehler und geraten in Verwirrung, Angstzustände und Finsternis. Also, Achtung! Ihr müsst das Überlegen und Urteilen lernen. Ohne Maßstäbe kann euch jeder irreführen. Seid wachsam, lasst euch nicht von verwirrten Menschenhirnen beeinflussen, folgt der kosmischen Intelligenz, die alles so wunderbar geordnet und organisiert hat.
Selbst wer nicht an Gott glaubt, kann nicht bestreiten, dass in der Natur eine Ordnung herrscht, und dass es somit eine Intelligenz gibt, die diese Ordnung geschaffen hat. Man sollte wenigstens die Tatsache bedenken, dass jeder Samen seinesgleichen hervorbringt. Wie kann man darin nicht das Werk einer Intelligenz sehen? Jeder, der dieses Gesetz erkennt, muss seine Weltanschauung ändern. Man mag nicht an Gott glauben, aber man kann nicht bestreiten, dass jeder Same genau sich selbst reproduziert, sei er nun von einer Pflanze, einem Baum, einem Insekt, einem Tier oder einem Menschen. Dies ist ein absolutes Gesetz, das euch zum Überlegen bringen muss. Ihr könnt euch Undankbarkeit, Ungerechtigkeit, Grausamkeit oder Gewalt erlauben, aber ihr müsst damit rechnen, dass dieses Gesetz eines Tages in eurem Leben zu euren Ungunsten wirken wird. Ihr habt z. B. eines oder mehrere Kinder, die euch ähneln. Durch sie seid ihr selbst die ersten Leidtragenden eures eigenen Verhaltens. Selbst wenn es Gott nicht gäbe, gibt es immer noch die kosmische Intelligenz. Dafür habt ihr ständige Beweise.
Ihr macht, was euch gefällt und meint, dass ihr ohne Konsequenzen davonkommt. Glaubt was ihr wollt, die kosmische Intelligenz hat bereits alles registriert. In jedem Gedanken, Gefühl oder Unternehmen keimt eine Saat und wächst heran. Wenn ihr ungerecht, grausam oder gewalttätig wart, dann stoßt ihr auf eurem Weg eines Tages auf die gleiche Undankbarkeit, die gleichen Ungerechtigkeiten, die gleichen Grausamkeiten, die gleiche Gewalt. Nach 20, 30 oder 40 Jahren fallen sie euch auf den Kopf, und dann glaubt ihr auf einmal an die Existenz einer kosmischen Intelligenz, die alles registriert.
Lasst, wenn ihr wollt, Bibel, Evangelium, Propheten, Kirchen und Tempel beiseite, aber akzeptiert wenigstens dieses bestehende, unwiderlegbare Gesetz: Was ihr sät, das erntet ihr. Schon die alten Weisen, die das Leben beobachteten, sagten: »Wer den Wind sät, erntet den Sturm.« Die Wissenschaftler und Denker, die diese Wahrheit abstreiten, werden eines Tages unweigerlich auch in der Enge stecken und gezwickt werden. Sie können den Folgen ihrer Handlungen nicht entkommen und dann werden sie begreifen. Wie kommt es, dass sie mit ihrer großen Klugheit die einfachen Dinge nicht erfassen können?… Ich sage sogar, dass mit diesem Gesetz als Grundlage sämtliche heiligen Bücher der Welt wieder richtig gestellt werden können… Ja, allein mit diesem Gesetz!
Viele sagen sich: »Gewiss, dies und jenes steht in der Bibel, im Evangelium, aber existiert Gott überhaupt?« Darauf erwidere ich euch, dass euch dies gar nicht kümmern soll. Ihr braucht auch nicht zu wissen, ob Jesus gelebt hat und ob die Evangelien authentisch sind oder nicht. Betrachtet nur dieses eine Gesetz, das genügt, um alles richtig zu stellen und euch zur Wahrheit zu führen. Seht ihr, meine Erläuterungen sind ganz einfach. In diesem Fall müsste man Gott erfinden, selbst wenn Er nicht existierte. Allein aufgrund dieser Tatsache müsste man Ihn erfinden. Warum also lässt man sich von den so genannten modernen Denkern überreden, die alles vernichten? Anstatt die Menschen zu den einfachen, existierenden Dingen zu führen, die sichtbar und fühlbar sind, führen sie sie zu »originellen« Überlegungen und Argumenten… Versteht ihr?! Die Denkweisen können ruhig der Wahrheit widersprechen, die überall in der Natur eingeprägt ist, das schadet nichts. Jeder ist davon begeistert, es braucht nur etwas Neues, Originelles zu sein.
Die Moral ist eine Realität, nur sehen die Menschen sie nicht und diskutieren obendrein noch über Gott, über diesen und jenen Punkt der Theologie… Das Diskutieren ist völlig überflüssig. Das Wissen genügt, dass sich alles, alles einprägt. Wenn die Natur bestimmt hat, dass ein Baum seinem Samen Beschaffenheit, Farbe, Größe, Geschmack und Geruch der Früchte einprägt, warum hätte sie dann in Bezug auf den Menschen nicht das Gleiche getan? In der Natur ist alles eingeprägt. Die Moral beruht gerade auf dieser Einprägung, auf dem Gedächtnis der Natur – ja, dem Gedächtnis. Denn die Natur besitzt ein Gedächtnis, das durch nichts ausgelöscht werden kann. Und wehe dem, der das nicht beachtet! Es registriert ununterbrochen, Tag und Nacht, das Katzenkonzert und die abscheulichen Zustände, die der Mensch in sich trägt. Eines schönen Tages wird er gezwickt, getreten, vernichtet. Keiner kann diesem Gesetz entkommen. Keiner war bisher mächtig genug, ihm zu entfliehen: kein Kaiser, kein Diktator, niemand… Im Gedächtnis der Natur ist alles registriert.
Also, Achtung! Jede Handlung, jedes Wort, jeder Gedanke, jeder Wunsch prägt sich in die Tiefen eurer Zellen ein, und früher oder später erntet ihr in eurem Leben die Früchte. Wenn ihr darauf achtet, keine finstere, zerstörende Saat durch euer Denken, Fühlen und Handeln zu verbreiten, dann könnt ihr euch eine bessere Zukunft aufbauen.
Glaubt nicht, dass die guten, großzügigen, liebevollen Menschen ewig nur Schlechtes statt Gutes zurückbekommen. Diejenigen, die voreilig Schlussfolgerungen ziehen, verbreiten Dummheiten, indem sie behaupten: »Tut Gutes und ihr erntet immer nur Schlechtes.« Nein, das stimmt nicht. Das Gute erzeugt immer Gutes und das Schlechte immer Schlechtes. Tut Gutes und ihr werdet auf Gutes stoßen, auch wenn ihr es nicht wollt. Wenn ihr Gutes tut und euch Schlechtes widerfährt, so ist dies darauf zurückzuführen, dass es noch Menschen auf Erden gibt, die eure Güte ausnutzen und missbrauchen. Aber ihr müsst euch gedulden und weiterhin gut handeln, denn früher oder später werden die anderen bestraft, von Stärkeren, Heftigeren unterworfen. Dann werden sie begreifen, bereuen und ihre Fehler bei euch wieder gutmachen wollen. So trägt das Gute doppelt Früchte, denn in solchen Fällen berücksichtigt der Himmel euer unverdientes Leiden und Elend, während ihr Gutes tatet und ihr werdet doppelt belohnt.
Die Menschen brauchen jetzt ein solides, vollständiges, wahres, unwiderlegbares Wissen. Dieses Wissen bringe ich euch. Nun denn, versucht doch zu bestreiten, dass man das erntet, was man gesät hat! Jeder ist natürlich von der Wahrhaftigkeit dieses Gesetzes überzeugt, aber dies nur im körperlichen Bereich. Das genügt nicht. Wer weitergeht, höher hinaufsteigt, der findet auch dort dieses Gesetz wieder, denn die Welt ist eine Einheit. Auf allen Stufen, auf allen Niveaus treten die gleichen Phänomene in einer anderen Form und jedes Mal feinstofflicher auf.
Alles was in der Erde ist, findet sich im Wasser wieder. Alles was im Wasser ist, findet sich in der Luft wieder. Die vier Elemente unterliegen den gleichen Gesetzen. Da sie jedoch weder das gleiche Wesen noch die gleiche Dichte haben, stellt man in der Anwendung der Gesetze einige Unterschiede von einem Element zum anderen fest. Sie reagieren mehr oder weniger schnell, mehr oder weniger heftig, aber sie werden von denselben Prinzipien regiert. Der Mentalbereich des Menschen z. B. entspricht der Luft. Hier findet man unter der feineren Form der Gedanken und Ideen die gleichen Wirbelstürme und Strömungen wie in der Atmosphäre. Die Gesetze der psychischen Welt stimmen mit den Naturgesetzen überein.
Wenn der Gärtner da, wo er nicht gesät hat, nichts wachsen sieht, findet er das richtig und gerecht und regt sich nicht darüber auf. Er jammert nicht, sondern sagt sich einfach: »Was willst du, mein Alter, du hattest eben keine Zeit zum Rüben säen, nun kannst du auch keine Rüben ernten. Aber du kannst Salatköpfe, Petersilie und Zwiebeln ernten, denn die hast du gesät.« Anscheinend sind die Menschen im Bereich der Landwirtschaft sehr bewandert. Ja, wenn es sich um Obst oder Gemüse handelt, dann sind sie gelehrt, aber sobald es sich um das Reich der Seele und der Gedanken handelt, wissen sie nichts mehr. Sie glauben, Glück, Freude und Frieden zu ernten, wo sie Gewalt, Grausamkeit und Bosheit gesät haben. Aber nein, sie werden die gleiche Gewalt, Grausamkeit und Bosheit ernten. Wenn sie sich obendrein noch darüber aufregen, wütend und rebellisch sind, beweist dies, dass sie keine guten Landwirte sind!
Die erste Regel der Moral lautet: Man soll keine Gedanken, Gefühle oder Taten akzeptieren, die für andere gefährlich oder schädlich sind. Man muss sie nachher nämlich selbst ernten, sie selbst »essen«. Wenn es sich um Gift handelt, dann ist man selbst der Erste, der sich daran vergiftet! Wenn ihr euch dies zum absoluten Grundsatz macht, beginnt ihr euch zu vervollkommnen. Ich weiß, die Langsamkeit, mit der sich die Gesetze vollziehen, hindert die Menschen oft daran, die Dinge zu verstehen. Weder das Gute noch das Schlechte kommt sofort. Der eine überschreitet laufend Gesetze, und trotzdem läuft für ihn noch alles gut ab, wohingegen ein Anderer, Ehrlicher Gutes tut und nur auf Schwierigkeiten stößt. Daraus schließt natürlich jeder, dass es keine Gerechtigkeit gibt. Die Menschen wissen nicht, warum man auf Belohnungen und Strafen so lange warten muss. Sie stellen sich Fragen und sagen sich: »Es wäre viel besser, wenn die Gesetze schneller wirkten, denn dann würde man sofort korrigiert oder belohnt werden und somit gleich begreifen«.
Nun, ich weiß, warum es so lange dauert. Die Langsamkeit zeigt uns die Güte und Barmherzigkeit der kosmischen Intelligenz. Sie will den Menschen Zeit für Erfahrungen, für Überlegungen und sogar für Reue lassen, damit sie sich bessern und ihre Fehler wieder gutmachen können. Würden uns die Gesetze sofort für unsere Fehler strafen, würden wir vernichtet werden und könnten uns nicht einmal bessern. Folglich gibt der Himmel uns Zeit und schickt uns hier und da einige kleine Schwierigkeiten, die uns zum Nachdenken bringen sollen. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit wieder gutzumachen.

Auch der Wohltätige wird nicht sofort belohnt, und das ist gut. Erhielte er sofort eine Belohnung, würde er sich bald gehen lassen und dann sämtliche Gesetze überschreiten. Der Himmel lässt ihn Kraft, Festigkeit und Selbsterkenntnis gewinnen. Er schenkt ihm nicht alles auf einmal, um zu sehen, wie weit er im Guten weitermacht. Ihr seht also, es gibt einen Grund für die Langsamkeit. Das Gute aber bringt immer Gutes, das ist absolut! Das Schlechte nimmt immer ein schlimmes Ende, das ist ebenso absolut! Es ist nur sehr schwer abzuschätzen, wie lange es dauert, bevor sich die Konsequenzen zeigen.
Ja, wie viel Kraftaufwand, Macht, Willensstärke, Entscheidung und Glauben braucht derjenige, der im Guten weiterhandeln will, wo doch die ganze Welt zusammenbricht. Gerade dies ist lobenswert, denn unter anderen Umständen könnte man leicht an das Gute glauben und im Guten fortfahren. Alles ist angenehm, nützlich, alles ist leicht. Doch gerade jetzt, wo sich die Lage verschlimmert, ist das Weitermachen verdienstvoll, ohne sich von den Umständen beeinflussen zu lassen. Ein Schüler versucht, genau wie ein Meister, immer auf die Macht des Geistes zu zählen. Selbst unter den schlimmsten Bedingungen will er die Macht des Willens, des Guten und des Lichts in sich erwecken. Daran erkennt man den wahren Spiritualisten. Natürlich können viele ihren Worten nach als Spiritualisten gelten, aber bei den geringsten Schwierigkeiten sind sie am Boden zerstört. Wo bleibt also die Kraft des Geistes?
Alle erwarten von den anderen, dass sie sich ihnen gegenüber feinfühlig, freundlich, geduldig und nachsichtig verhalten. Ja, aber wie kann das erreicht werden? Indem jeder selbst feinfühlig, freundlich, geduldig und nachsichtig wird. Wenn ihr von den anderen gutes Verhalten erwartet, müsst ihr selbst erst einmal richtig handeln. Ihr sagt: »Ja, das kennen wir schon!« Gut, aber nur theoretisch. Es gibt noch Millionen Wesen auf Erden, die sich gemein, hart und grausam aufführen und sich wundern, dass sich die anderen dies nicht gefallen lassen. Sie sind überzeugt, dass die anderen unterlegen sind und sich ihrem Willen beugen müssen. Seht einmal, wie sie sich benehmen: Sie warten auf Befriedigung durch Mittel, die ihren Wünschen widersprechen und umgekehrt glauben sie nicht daran, dass sie Liebe, Zärtlichkeit und Güte ernten, wenn sie auch Liebe, Zärtlichkeit und Güte säen. Trotzdem kann ich euch versichern, dass nach einiger Zeit auch derjenige kapituliert, der heute noch widerspenstig und boshaft mit euch umgeht, wenn ihr ihm weiterhin Gutes entgegenbringt.
Wer Zuneigung und Vertrauen gewinnen will, der muss sie herbeirufen. »Aber wir rufen doch, und sie kommen trotzdem nicht!« Nein, mit rufen meine ich, sie selbst schaffen. Wenn ihr gute Zustände in eurem Inneren aufbaut, könnt ihr hundertprozentig sicher sein, dass ihr diese auch bei den anderen findet. Wenn ihr sie in eurem Inneren schafft, zieht ihr sie von außen an. Hier liegt die ganze Magie. Also probiert es doch einmal: Wenn ihr etwas erhalten wollt, was euch sehr am Herzen liegt, dann versucht es erst einmal zu geben. Was man nicht gegeben hat, kann man nicht empfangen. Ihr wendet ein: »Das stimmt doch gar nicht, es gibt sehr reiche, hochgestellte Persönlichkeiten, die den anderen nichts geben, die verschlossen und verachtend sind, und trotzdem bringt man ihnen laufend Respekt, Achtung und Ehren entgegen…« Sie erhalten ganz einfach das, was sie in einer anderen Inkarnation gegeben haben. Wenn sie jedoch weiterhin hochmütig und ohne Liebe handeln, werden sie später genau das Gleiche von anderen erhalten.
Das Geheimnis von Erfolg und Glück liegt darin, das zu manifestieren, was man selbst wünscht. Wollt ihr Lächeln und freundliche Blicke sehen, dann lächelt und seid freundlich. Wollt ihr, dass der Himmel, dass ein Engel euch belehrt, dann sucht einen weniger Klugen und erleuchtet seinen Verstand. Das reflektiert sofort in der unsichtbaren Welt, aus der ihr lichtvolle Geister anzieht, die dasselbe für euch tun.

Oh ja, dies ist ein großartiges Gesetz, das noch in vielen anderen Bereichen angewendet werden kann. Lächeln und ein Lächeln empfangen ist noch sehr wenig. Ihr habt gelächelt und man hat zurückgelächelt. Ihr wart nett und freundlich, man war nett und freundlich zu euch. Gut, das ist schön, ihr wart höflich, das versteht sich, das ist notwendig, ihr fühlt euch wie neugeboren. Ihr solltet dieses Gesetz jedoch auch in anderen Bereichen anwenden, damit es größere Folgen trägt als ein Lächeln, einen Händedruck, einen Blick oder einige nette Worte im Vorübergehen. Mit diesem Gesetz kann das ganze Universum beeinflusst werden, und gerade das ist das Interessante. Man kann weit, sehr weit gehen, ganze Sphären im Raum zum Schwingen bringen…
Ihr könnt nur die Früchte ernten, die dem gesäten Samen entsprechen. Das ist eine andere Frage, ob es Unwetter gab oder ob die Sonne zu stark schien und alles verbrannte, ob es an Regen mangelte oder die Vögel und Maulwürfe eure Saat gefressen haben. Es ist eine andere Frage. Das sind Vorfälle, die nichts am Gesetz ändern. Was im Samen steckt, kann ihm nicht genommen werden. Man kann ihn daran hindern, Früchte zu tragen, aber man kann seine Eigenart nicht ändern. Und gerade die Eigenart ist es, von der ich spreche.
Wenn ihr also immer freundlich, nett und höflich seid, und man euch trotzdem beschimpft, ist dies nur nebensächlich. Darüber hinaus muss man prüfen, wer etwas, wann und unter welchen Bedingungen sagt… Vielleicht seid ihr zu gut, zu großzügig, zu freigebig, zu vertrauensvoll. Dann seid ihr natürlich schon in die Kategorie der Dummköpfe eingeordnet worden und müsst unter den menschlichen Konventionen leiden, die sich ewig ändern. Aber das besagt nichts, das ist nicht dauerhaft, denn Menschen und Verhältnisse ändern sich, die Grundgesetze jedoch sind beständig. Wenn die wahren Werte wieder gelten, dann nimmt alles wieder seinen Platz ein, und ihr werdet das Gute ernten, das ihr gesät habt.
Gewiss, heute wird jemand geschätzt, wenn er gerissen ist, die anderen ein bisschen tritt, beißt und durchrüttelt. Er gilt als sehr interessant, aber das bleibt nicht ewig so, denn bald kommt ein anderer Halunke und gibt dem ersten eine Tracht Prügel. Ihr dürft euch nicht von vorübergehenden Verhältnissen beeindrucken lassen. Nach einiger Zeit hört man dann, dass irgendwo ein Raufbold von einem anderen, noch stärkeren misshandelt wurde.
Nun sucht nicht gleich Ausflüchte. Ich weiß viel besser als ihr, was man mir entgegenhalten könnte. Ich warte nicht ab, bis die anderen fragen: »Ja, aber dann… warum dies, warum das?« Ich packe meine Argumente selbst beim Schopf und greife sie an. Wenn sie trotz allem standhaft sind, sage ich: »Das ist Gold! Das ist reines Gold, folglich ist es eine Wahrheit!« Und was passiert mit den Argumenten, die nicht widerstehen? Nun, die können begraben werden: »Amen… ruht hier in Frieden!«
Jetzt möchte ich euch ein anschauliches Beispiel nennen. Stellt euch einen wunderschönen Wald vor, mit Tieren, Vögeln, Bäumen voller Blüten und Früchten aller Art. Welch ein Reichtum! Leider gibt es ein Hindernis: Er ist von hohen, dicken Mauern umgeben und somit unzugänglich. Auf den Mauern stecken sogar Scherben und Stacheldraht. Obendrein ist der Wald wegen der wilden Tiere gefährlich: Bären, Löwen und Tiger würden sich den unvorsichtigen Abenteurer schon schmecken lassen. Ja, nun braucht ihr aber die Früchte, was tun?… Plötzlich bemerkt ihr auf einem Baum Affen. Jetzt seid ihr gerettet! Ihr nehmt einen Korb, voll Orangen z. B., geht dicht an die Mauer heran und fangt an, die Affen damit zu bewerfen… Die Affen, hervorragende Nachahmer, pflücken nun haufenweise Früchte von den Bäumen und bewerfen euch damit. Ihr braucht sie jetzt nur noch aufzusammeln und kehrt mit schweren Körben voller Früchte zurück. Das Geheimnis lag also darin, die Affen mit euren Orangen zu bewerfen!
Ihr sagt: »Was ist das denn für eine komische Geschichte? Als hätten wir Gelegenheit, von einer Mauer aus Affen im Wald mit Orangen zu bewerfen!« Aber das ist ja nur eine bildhafte Darstellung. Habt ihr nie einen Bauern gesehen, der auf seinem Feld sät? Er wirft den Affen Orangen zu, nur sind die Orangen winzig klein und die Affen sind ein bisschen tiefer unter der Erde versteckt… Wenn der Bauer seine Arbeit beendet hat, geht er zufrieden weg, und wenn er nach einigen Monaten wiederkommt, bringt er die Ernte ein und füllt seine Scheunen.
»Ach so!« meint ihr jetzt, »wenn es so ist, dann haben wir verstanden.« Nein, ihr habt noch gar nichts begriffen, ihr habt das Bild noch nicht entziffert. Die Affen stellen hier symbolisch die Naturkräfte dar. Ob sie unter der Erde oder auf den Bäumen sind, spielt überhaupt keine Rolle. Kommen wir jetzt zur Erklärung: Der Wald ist das von Gott geschaffene Universum, das alle Reichtümer in sich birgt. Die Mauern stellen die Hindernisse dar, die den Menschen daran hindern, an diese Reichtümer heranzukommen. Die Affen symbolisieren die Geschöpfe der unsichtbaren Welt. Die Orangen bedeuten das Licht und die Liebe, die ihr durch eure Gedanken und Gefühle ausstrahlt. Was geschieht nun? Nach einiger Zeit tun die Wesen der unsichtbaren Welt das Gleiche wie ihr und überschütten euch hundertfach mit Früchten, d. h. mit ihrem Segen. Wenn ihr jedoch euren Missmut, euren Hass oder eure Wut aussendet, werdet ihr eines Tages all dies wieder zurückbekommen.
»Was ihr sät, das erntet ihr.« Mit anderen Worten: So wie ihr jetzt handelt, gestaltet ihr bereits eure Zukunft. In jedem Augenblick könnt ihr durch eure innere Arbeit eure Zukunft gestalten. Jede Entscheidung, ob gut oder schlecht, lenkt eure Zukunft in die eine oder andere Richtung.

Nehmen wir einmal an, dass ihr euch heute entschlossen habt, Gott zu dienen, den Menschen zu helfen, euch nicht mehr von euren niederen Neigungen beeinflussen zu lassen. Sofort wird eure Zukunft lichtvoll, wunderschön und kraftvoll. Alle Herrlichkeiten warten auf euch.
Warum erlebt ihr diesen Zustand nicht? Weil euch die Vergangenheit noch zurückhält. Wenn ihr euch aber von dem Entschluss nicht abbringen lasst, in dieser Richtung zu arbeiten, löst ihr euch nach und nach von ihr und eines Tages empfangt ihr das himmlische Erbe. Ja, wenn ihr aber nun wieder ein egoistisches Leben führen wollt, wird sich alles wieder ändern und ihr baut euch ein ganz anderes Schicksal auf – voller Leiden und Enttäuschungen. Gewiss, im Augenblick gibt es noch Freuden, ihr macht Geschäfte, die Gegenwart bleibt die gleiche, weil ihr noch einige Reserven habt und ihr die finstere Zukunft nicht seht, die auf euch wartet. Sobald der Vorrat aber verbraucht ist, steht diese abscheuliche Zukunft plötzlich vor der Tür. Die Zukunft lässt sich leicht gestalten, aber die Vergangenheit ist schwer auszulöschen.

Ich möchte euch noch ein anderes Beispiel nennen. Ihr wollt verreisen, zögert aber noch, ob ihr euch für Nizza oder Moskau entscheiden sollt. Nehmen wir an, ihr entscheidet euch schließlich für Nizza. Sofort ist eure Reiseroute festgelegt, die Landschaften, die Bahnhöfe, die Begegnungen… Sobald, ihr eine Richtung einschlagt, ist alles berechnet, ihr müsst einem vorherbestimmten Weg folgen. Die Landschaften sind nicht euer Werk, dessen Existenz hängt nicht von euch ab, bei euch liegt nur die Wahl der Richtung.
Wir sind nicht die Schöpfer unserer Zukunft. Wenn man sagt, dass sich der Mensch seine Zukunft schafft, ist dies nur eine Redensart. Man sollte besser sagen, er wählt seine Richtung. Ihr beschließt: »Ich nehme diesen Weg!« Einverstanden, aber die Existenz der Gebiete und Wesen, denen ihr auf diesem Weg begegnen werdet, hängt nicht von euch ab. Das sind Bereiche und Wesenheiten, die schon vor langer Zeit von Gott geschaffen worden sind. Wir schaffen uns kein schlechtes Schicksal, sondern steuern es nur an: Treibsand, Sümpfe, gefährliche Wälder… Wir entscheiden lediglich über die Richtung, das ist alles. Handelt es sich um eine herrliche Zukunft, gilt das Gleiche. Wir gehen darauf zu, sie existiert bereits, sie wartet auf uns. Im Raum gibt es Tausende von Bereichen oder Sphären, mit unzähligen Geschöpfen bevölkert, und je nach unserer Entscheidung steigen wir zu ihnen auf oder fallen zu ihnen hinunter.
Jedes Unglück und jedes Glück existiert bereits. Andere haben sie schon vor uns durchlebt, sie wurden vor langer Zeit geschaffen. Es hängt allein von uns ab, wofür wir uns entscheiden. Deshalb sollt ihr euch jetzt für eine andere Richtung entscheiden und euch dem Paradies zuwenden, das Gott schon von Anfang an für euch geschaffen hat.

 

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Leseprobe Gesamtwerk 1 – Das geistige Erwachen

Leseprobe Gesamtwerk 1 – Das geistige Erwachen

Dieses Buch enthält die ersten Vorträge von O. M. Aivanhov, die er in den 30-er Jahren gehalten hat, als er von Bulgarien nach Frankreich kam. Sie bilden den Kern seiner Lehre, den er dann im Laufe der nächsten Jahrzehnte im Detail aufgerollt hat.

Das “geistige“ Erwachen ist ein Erwachen in den Frieden, das Glück, den inneren Reichtum, die Weisheit und die Liebe.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Geboren aus Wasser und Geist
    (Vortrag gehalten am 29. 01. 1938)
  2. Teil 1: »Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden,
    klopfet  an, so wird euch aufgetan.«
    (Vortrag gehalten am 05. 02. 1938)
  3. In den Augen offenbart sich die Wahrheit
    (Vortrag gehalten am 12. 02. 1938)
  4. Die Ohren bergen die Weisheit
    (Vortrag gehalten am 19. 02. 1938)
  5. Der Mund kündet von der Liebe
    (Vortrag gehalten am 26. 02. 1938)
  6. Liebe, Weisheit, Wahrheit (Mund, Ohren und Augen)
    (Vortrag gehalten am 05. 03. 1938)
  7. Bei Meister Peter Deunov in Bulgarien Erlebtes
    (Vortrag gehalten am 12. 03.1938)
  8. Die lebendige Kette der Universellen Weißen Bruderschaft
    (Vortrag gehalten am 10. 07. 1938)

 

Leseprobe Gesamtwerk 1 – Das geistige Erwachen

I
Ge­boren aus Wasser und Geist

Wer unsere Bruder­schaft in Bulga­rien zu der Zeit be­sucht, da sie auf den Bergen in der Nähe der sieben Seen von Rila ihre Zelte auf­geschla­gen hat, erblickt un­fern des Lagers eine Quelle, die in be­sonde­rer Weise aus­gestal­tet wurde. Das Wasser springt aus einem riesi­gen Fels­block her­vor, dem man die Form eines Schiffs­bugs ge­geben hat und fließt durch eine mit fla­chen, schnee­weißen Stei­nen aus­ge­legte Rinne. Diese Rinne endet in zwei an­einan­der­lie­genden Händen. Jeder darf von dem reinen Wasser der Quelle trin­ken, das ihm die beiden Hände dar­bieten… In die linke Seite des Fel­sens ist ein rot be­malter Anker, das Symbol der Bruder­schaft, ein­gemei­ßelt; rechts ist fol­gende In­schrift zu lesen:

Brüder und Schwes­tern, Väter und Mütter,
Freun­de und Fremde,
Lehrer und Studie­rende,
Ihr alle, die ihr dem Leben dient,
öffnet eure Herzen dem Guten,
werdet dieser Quelle gleich.

Neben der In­schrift sind kabbalis­tische Zei­chen und geo­metri­sche Figu­ren an­ge­bracht, über die ich später spre­chen werde.

Ihr kennt wohl alle die Stelle im Johan­nes-Evange­lium, wo Jesus zu Nikode­mus spricht: »Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir: Wenn einer nicht von neuem ge­boren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.« – »Aber wie kann ein Mensch ge­boren werden, wenn er alt ist?« fragt Nikode­mus. »Kann er wie­derum in seiner Mutter Leib gehen und ge­boren werden?« Jesus ant­wortet darauf: »Wahr­lich, wahr­lich, ich sage dir. Wenn einer nicht von neuem ge­boren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.« – Was be­deutet »aus Wasser und Geist ge­boren werden«?

Einst lebte in Jeru­salem ein Weiser namens Nathan… Als sich der Sultan Sala­din der Stadt be­mäch­tigte, er­hielt er Kunde von diesem Weisen und ließ ihn in den Palast kommen; er stell­te ihm sieben Fragen, u.a. auch diese: »Welche ist die beste Reli­gion: die jüdi­sche, christ­liche oder mosle­mische?« Nathan er­wi­derte: »Sultan, ich will dir eine Ge­schich­te er­zählen… Es war ein­mal ein König, der be­saß einen Zauber­ring, der ihm gött­liche All­macht ver­lieh: Kraft dieses Ringes blieb sein Reich vor Un­heil, Krie­gen und Krank­heiten ver­schont. Der König hatte drei Söhne, die ihm alle gleich lieb waren, und als er alt ge­worden war, wusste er nicht, wel­chem der Söhne er den Ring über­lassen sollte. So ließ er denn heim­lich zwei zu­sätz­liche Ringe an­ferti­gen, die dem Zauber­ring zum Ver­wech­seln ähn­lich waren und schüt­telte sie alle durch­einan­der, so dass er selber den ur­sprüng­lichen Ring nicht mehr er­kannte. Nun rief er seinen ältes­ten Sohn zu sich und sprach zu ihm: »Du bist mir von allen Söhnen der liebs­te, des­halb möchte ich dir meinen Ring schen­ken und da­zu ein Drit­tel meines König­rei­ches.« Das­selbe sagte er auch zu den beiden ande­ren Söhnen. Der König ahnte nicht im Gerings­ten, wel­chem von ihnen er den Zauber­ring über­reicht hatte, und alle drei waren fest davon über­zeugt, ihn ge­erbt zu haben… Einige Jahre später machte sich der König auf, um seinen Söhnen einen Be­such ab­zu­stat­ten. Er be­gab sich zu­erst zu dem Ältes­ten; doch als er sah, wie dessen Volk von Seu­chen und Ent­beh­rungen heim­ge­sucht war, er­kannte er, dass dieser den Ring nicht be­saß. Er be­gab sich in das Reich seines zwei­ten Sohnes; auch dort laste­ten un­unter­bro­chen Kriege und Not auf dem Volk. Also hatte auch dieser den Ring nicht er­halten. Als er schließ­lich bei dem drit­ten Sohne ein­traf und dessen Unter­tanen alle­samt wohl­habend und ge­sund in Glück und Frie­den leben sah, wusste der König, dass der jüngs­te Sohn im Be­sitz des Zauber­rings war. Auf diese Weise«, sprach Nathan, »wirst du er­mit­teln, wo sich die wahre Reli­gion be­findet: näm­lich da, wo Frie­den, Glück, Reich­tum, Weis­heit und Liebe walten.«

Wenn wir trotz der Wei­sungen, welche uns die großen Meis­ter geben, nicht in der Lage sind, die Wahr­heit zu ent­decken, dann viel­leicht des­halb, weil die Kanäle in uns so ver­stopft sind, dass die Ener­gie­ströme der geis­tigen Welt nicht durch­flie­ßen können. Ich war noch sehr jung, als ich dies auf fol­gende Weise er­kannte: Damals lernte ich flei­ßig, las viel und arbei­tete – fühlte mich aber trotz­dem nicht ganz zu­frie­den. Dann unter­nahm ich eine zehn­tägige Fasten­kur. Im An­schluss an das Fasten be­griff ich plötz­lich Dinge, die ich noch in keinem Buch ge­funden hatte. Die ersten Tage war ich natür­lich schreck­lich hung­rig, doch das ließ bald nach. Am drit­ten und vier­ten Tag hatte ich einen bren­nenden Durst, der in den dar­auf­fol­genden Tagen noch peini­gender wurde. Ich dachte nur noch an Wasser und träum­te nachts von Quel­len und Bächen, aus denen ich un­unter­bro­chen trank, ohne den Durst je lö­schen zu können. Auch dieser Durst ver­ging. Am sieb­ten Tag nahm ich eine Frucht in die Hand und atmete ihren Duft ein. Da fühlte ich, wie der­art feine, köst­liche Essen­zen von ihr aus­gingen, dass ich da­durch wunder­bar er­quickt wurde. Wäh­rend der letz­ten Tage er­nährte ich mich dann ledig­lich von diesen feinen Wirk­stof­fen; ich be­griff, dass jede Pflan­ze, jede Frucht un­sag­bar feine ätheri­sche Stoffe ent­hält, die wir nur des­halb nicht wahr­nehmen und nicht in uns auf­nehmen können, weil wir über­sät­tigt und über­füllt sind. Wir sind von un­end­lich vielen Dingen um­geben, die wir nicht wahr­nehmen, weil in uns kein Raum dafür übrig bleibt. Ob­wohl über­aus kost­bare Ele­mente vor­han­den sind, müssen wir erst aus­gehun­gert und durs­tig sein, um sie zu spüren. Aber wir dösen dahin wie einer, der sich zu satt ge­gessen hat. Des­wegen blei­ben uns be­stimm­te feinst­off­liche Spei­sen vor­ent­halten.

Hat man die Ge­wohn­heit, zu üppige Spei­sen und Ge­tränke zu sich zu nehmen, wird der Körper von Schla­cken der­art über­lastet, dass er schließ­lich schwer­fällig, plump und wie be­täubt wird. Die Sinne stump­fen ab, die Intel­ligenz wird ge­trübt, der Wille schwach, die Leiden­schaf­ten nehmen zu. Das­selbe gilt auch für die ande­ren Be­reiche. Wenn wir auf der Astral- und Mental­ebene (den Ebenen der ge­wöhn­lichen Ge­danken und Ge­fühle) zu viel essen, ent­geht uns das Feins­te in der Seele und der Natur. Sie blei­ben außer­halb unse­res norma­len Be­wusst­seins. Selbst wenn dann alle größ­ten Meis­ter der Welt kämen, um uns ihre Weis­heit zu lehren, würden wir nichts davon er­fassen, nichts emp­finden. Wäh­rend meiner Fasten­zeit merkte ich außer­dem, dass es mir leicht fiel, meinen Körper zu ver­lassen; ich trat mühe­los aus ihm heraus und er­reich­te höhere Regio­nen; sobald ich wieder Nah­rung zu mir nahm, wurde mir dies er­schwert.

Die kleine Quelle ruft uns zu: »Werdet wie ich! Leben­dig und spru­delnd!« Ja, meine lieben Brüder und Schwes­tern hört auf sie! Nehmt die spru­delnde Quelle zum Vor­bild, sonst werdet ihr einem Sumpf ähn­lich. Wenn eure innere Quelle ver­siegt, fängt es in euch an zu gären. – Was ge­schieht dort, wo etwas ver­west? Ihr wisst es: Es wim­melt von Mücken, Flie­gen und allem mög­lichen Un­gezie­fer; ihr wollt sie ver­jagen, aber es hilft alles nichts, sie werden immer zahl­rei­cher. Es bleibt nur eine Lösung: den Sumpf tro­cken zu legen und die Quelle spru­deln zu lassen; denn wo Wasser fließt, gibt es keine Fäul­nis. Und was be­obach­tet man um eine Quelle herum? Bäume wach­sen, Blumen blühen, Vögel zwit­schern… Men­schen und Tiere kommen zum Trin­ken und die ganze Natur freut sich – selbst die Steine.

Ihr fragt: »Aber wie brin­gen wir in uns eine Quelle zum Flie­ßen?« – Ganz ein­fach da­durch, dass ihr Liebe ver­strömt! Ihr werdet frei­lich ein­wenden, dass ihr ja ver­liebt seid und alle ande­ren sich auch ver­lieben. Ich weiß schon, aber wenn ich von Liebe spre­che, ver­stehe ich darun­ter eine andere Liebe. Die meis­ten Leute, die sich ver­lieben, ge­stehen, dass sie oft leiden und un­glück­lich sind. Das be­deutet, dass sie die wahre Liebe nicht kennen. Jene Liebe, die die Men­schen un­glück­lich macht, ist nicht die wahre Liebe, son­dern eine Krank­heit. Selt­samer­weise ent­geht ihr fast nie­mand. Es ist wie eine Seuche. Egal, wie man sich vor ihr zu schüt­zen sucht, früher oder später wird man ge­packt, und die Qual be­ginnt.

In Bulga­rien hatte ich einen Freund, der von der Liebe als der schöns­ten Sache der Welt sprach. Eines Tages kam er mit zer­zaus­tem Haar und einem ver­stör­ten, fins­teren Ge­sicht zu mir; ich fragte be­sorgt, was ihm zu­gesto­ßen sei. »Ich bin ver­liebt«, rief er aus, »das ist alles.« Die Liebe machte ihn un­glück­lich, weil er nicht in den Be­sitz des Gegen­stan­des seiner Liebe ge­langen konnte. Die Liebe, die ich meine, ist etwas ganz ande­res; wenn diese wahre Liebe kommt, die der neuen Lehre, ist man fröh­lich, denn die Liebe ist ein wunder­voller Be­wusst­seins­zu­stand, der sich auf allen Ge­bieten segens­reich aus­wirkt. Sobald in uns eine Quelle spru­delt, ge­deihen Bäume, Blumen, Tiere, Men­schen; denn wo Wasser fließt, ent­faltet sich das Leben; mit ande­ren Worten: Wo echte Liebe ist, er­blüht eine Flora, eine Fauna, eine Kultur.

In unse­rem Inne­ren ent­spricht das Mine­ral­reich dem Kno­chen­system, das Pflan­zen­reich den Mus­keln, das Tier­reich dem Blut­kreis­lauf und das Men­schen­reich dem Nerven­system.

Wer nicht aus Wasser und Geist ge­boren wird, ge­langt nicht in das Reich Gottes. Was sind Wasser und Geist? In der esoteri­schen Wissen­schaft gilt das Wasser stets als das weib­liche, pas­sive Ele­ment; der Geist da­gegen als männ­liches, akti­ves Prin­zip. Im Hebräi­schen heißt das Wasser »maim« und der Geist »ruah«. Selt­samer­weise er­gibt das Wort »ruah« rück­wärts ge­lesen »haur«, was Licht be­deutet: jenes Licht, das die Welt er­schuf. Es ist dieses Licht, das jeder Seele als winzi­ger Funke des schöpfe­risch-männ­lichen Prin­zips, des Him­mels­feuers, inne­wohnt. Das Wasser hin­gegen ist das weib­liche Prin­zip, der ge­stal­tende Mitt­ler, das uni­ver­sale Flui­dum.

»Werdet ihr nicht ge­boren aus Wasser und Geist«, heißt mit ande­ren Worten: »Werdet ihr nicht ge­boren aus Wasser und Feuer«… Um euch die beiden Worte »Wasser« und »Feuer« nahe zu brin­gen, möchte ich von der Astro­logie aus­gehen. Ihr kennt die 12 Tier­kreis­zei­chen. Sie ent­spre­chen den vier Ele­menten der Alchi­mie: Erde, Wasser, Luft und Feuer. […]

 

Leseprobe Gesamtwerk 1 – Das geistige Erwachen

II
»Bittet, so wird euch ge­geben;
suchet, so werdet ihr finden;
klop­fet an, so wird euch auf­getan!«

Freier Vor­trag

Ich möchte heute Abend er­neut über die Farben spre­chen, denn es gibt noch sehr viel Interes­santes darü­ber zu sagen. Doch zu­vor nehme ich euch mit auf die Berge von Rila – wir wollen dort oben fri­sche Luft atmen.

Wir stei­gen zu­nächst zum Sommer­lager der Bruder­schaft hinauf… Die Zelte der Brüder und Schwes­tern stehen am Ufer eines klaren Sees, auf dem Wasser­rosen blühen. Die An­höhe, welche das Zen­trum des Lagers bildet, über­ragt eine Hoch­ebene, auf der ein zwei­ter, viel klei­nerer See ruht. Nach sieben­stün­digem Marsch sind wir hier oben an­ge­langt – es war ein mit­unter be­schwer­licher Auf­stieg durch Wiesen und Tannen­wälder. Wir be­finden uns 2300 Meter hoch und über­bli­cken die ganze Ge­birgs­kette Bulga­riens. Nun um­runden wir den See, an dem sich das Lager aus­dehnt und stei­gen noch höher, den kahlen, majestä­tischen Gip­feln ent­gegen. Wir ent­decken nach­einan­der noch fünf andere glas­klare Seen, in denen sich der Himmel und die Berge spiegeln. Die Ge­stalt dieser Seen ist eigen­artig: Der eine gleicht einem Herzen, der andere einem Magen, der dritte einer Niere… Sie wurden nach ihrem Aus­sehen be­nannt. Der höchst­gele­gene ist der kleins­te. Er ist durch einen natür­lichen Graben mit einem großen See ver­bunden, der un­gefähr auf glei­cher Höhe liegt. Man nennt ihn den »Kopf«; von dort aus erblickt man einige der ande­ren Seen.

Wir lassen uns weder durch die zauber­haft leuch­tenden Berg­blumen noch durch die schöne Land­schaft ab­lenken, son­dern stei­gen un­ent­wegt weiter bis zum Mussala, dem 3000 m empor­ragen­den, höchs­ten Gipfel der Balkan­kette. Hier oben ist es wunder­bar still und klar, wir fühlen uns leich­ter. Glit­zerndes Licht um­flutet uns… Wir setzen uns nieder und wollen nun in der reinen Luft dieser Höhe einige be­kannte Tat­sachen auf­grei­fen, die in mehre­ren Lebens­berei­chen ihre Ent­spre­chungen haben.

Wie ihr wisst, ist unser Körper dem atmosphä­rischen Druck aus­ge­setzt. Dieser ist so stark, dass er uns völlig nieder­drü­cken würde, wäre nicht durch den Innen­druck unse­rer Körper­zellen ein Aus­gleich ge­schaf­fen. Wenn wir jedoch hohe Berge er­stei­gen, wird der Innen­druck höher als der Außen­druck, und es wird uns leicht zu­mute; er­klim­men wir jedoch sehr hohe Gipfel, stei­gert sich der Innen­druck der­art, dass uns sogar das Blut aus Nase, Ohren oder Haut dringt. Je tiefer wir da­gegen unter die Erde hinab­stei­gen, desto schwe­rer lastet der äußere Druck auf uns, und wir fühlen uns er­drückt und be­klemmt. Der­selbe Vor­gang lässt sich im geis­tigen Leben be­obach­ten. Unser Be­wusst­sein kann stei­gen oder sinken, je nach­dem wie wach und auf­merk­sam wir zu blei­ben wissen. Steigt es, so wird uns der Außen­druck (d.h. die Sorgen und Be­las­tungen des All­tags) weni­ger fühl­bar, weil der innere Druck sich ver­stärkt. Glei­tet unser Be­wusst­sein jedoch tief ins Grob­stoff­liche ab, so er­schei­nen uns selbst ge­ring­fügige Be­geben­heiten als eine schwe­re Last, als hätten wir Berge zu ver­setzen. Des­halb muss man sich in Ge­danken auf die hohen Gipfel der geis­tigen Berge empor­schwin­gen.

Der atmosphä­rische Druck ver­sinn­bild­licht die äuße­ren Lebens­bedin­gungen, die mate­rielle Welt; der Innen­druck das schöpfe­rische Lebens­prin­zip, der nach Äuße­rung drän­gende Geist. Es gibt in der Welt zweier­lei An­schau­ungen: Die eine lehrt, dass die mate­riellen Be­din­gungen im Leben alles ent­schei­den, dass von ihnen alles ab­hängt, die andere sagt uns im Gegen­teil, dass der Geist, wenn er sich offen­bart, die Macht be­sitzt, diese Be­din­gungen zu ändern.

Emp­findet ihr das Mate­rielle als be­drü­ckende und hem­mende Last, so zeigt dies an, dass euer Be­wusst­sein sehr tief ge­sunken ist, dass der Außen­druck zu­genom­men hat. Fühlt ihr euch hin­gegen froh, frei und voller Kraft, dann be­weist dies, dass ihr hoch oben auf dem Gipfel steht. Wer an die Macht des Geis­tes glaubt, wird merken, dass sich seine Lebens­bedin­gungen mehr und mehr ver­bes­sern. Wer in­des an die Über­macht der Mate­rie über den Geist glaubt, wird Opfer dieser Mei­nung und bringt sich selbst in die denk­bar un­güns­tigste Lage. In Wahr­heit sind beide Lebens­anschau­ungen rich­tig. Es hängt nur vom Stand­punkt ab, den man ein­nimmt und durch den man ent­schei­det, welche der beiden Wirk­lich­keit wird.

Nehmen wir nun die Kennt­nisse ein wenig unter die Lupe, die alle Tage an uns heran­getra­gen werden. Nur all­zu oft blei­ben diese reine Theo­rie, es wird er­zählt, dass in Bulga­rien einst ein Bi­schof amtier­te, der wunder­voll über die Nächs­ten­liebe pre­digte. Un­auf­hör­lich wieder­holte er den Satz: »Wer zwei Hemden hat, der gebe eins dem, der keines hat.« Er sprach dies mit viel Pathos und mit beben­der Stimme, so dass den Zu­hörern die Tränen in die Augen traten. Eines Sonn­tags hörte die Frau des Bi­schofs die Pre­digt ihres Mannes und war von seinen Worten tief er­grif­fen. Der Bi­schof be­saß zwei Hemden… Als die Frau nach Hause kam, holte sie flugs das zweite Hemd aus dem Schrank und schenk­te es einem Armen. Wie sich nun der Bi­schof nach der Kirche um­ziehen wollte, fand er sein zwei­tes Hemd nicht im Schrank. Er ruft seine Frau herein, welche ihm ge­steht, dass sie es ver­schenkt hat. Da ge­rät der Bi­schof in Wut. »Aber du selbst hast doch ge­sagt!« ent­schul­digte sich die Frau, »wer zwei Hemden habe, solle dem eins geben, der keines hat.« – »Dummes Weib«, schrie der Mann, »das sagte ich für die ande­ren, das gilt nicht für uns!«

Hier noch eine Anek­dote. Ein großer Ge­lehr­ter fuhr eines Tages mit einem Kahn aufs Meer hinaus. Er unter­hielt sich mit dem Schif­fer und fragte: »Ver­stehst du etwas von Astro­nomie?« – »Nein«, er­wi­derte dieser. »Dann bist du aber zu be­klagen«, sagte der Ge­lehrte, »denn du hast ein Vier­tel deines Lebens ver­loren. – Weißt du etwas über Physik?« – »Nein, davon weiß ich nichts.« – »Nun, dann hast du zwei Vier­tel deines Lebens ver­loren. Aber viel­leicht kennst du dich in der Chemie aus?« – »Ganz und gar nicht, ich habe nie etwas davon ge­hört.« »Wie un­gebil­det! Drei Vier­tel deines Lebens hast du ver­tan!« Das Schiff be­fand sich mitt­ler­weile auf offe­ner See… Da zog ein Ge­witter herauf, und ein schreck­licher Sturm brach los. Nun war es an dem Schif­fer, den Ge­lehr­ten zu fragen: »Können Sie schwim­men, Herr?« »Nein, das kann ich nicht.« Er­schro­cken ruft der Schif­fer: »Dann sind jetzt vier Vier­tel ihres Lebens dahin!«

Seht ihr, so gibt es Kennt­nisse, die dem Men­schen von keiner­lei Nutzen sind. Sie sind wie eine Aus­schmü­ckung oder dienen zum Geld ver­dienen, doch bei einem Un­wetter stellt sich dann heraus ob wir wirk­lich schwim­men können. Das Leben ist wie ein Meer, und auf diesem Meer gibt es Hinder­nisse und Ge­fahren. Um sich da zu­recht­zu­finden, sind einige Kennt­nisse weit­aus nütz­licher als andere, dieje­nigen näm­lich, welche uns helfen, unse­rem Leben eine Rich­tung zu geben: Wel­chem hohen Ideal sollen wir zu­stre­ben?… Wie lassen sich quä­lende Ge­danken und Ge­fühle um­wan­deln?… Wie sollen wir die Er­eig­nisse deuten, die sich um uns herum ab­spie­len?… Wie er­kennen wir unser Ver­hält­nis zum Makro­kosmos?… Wie sollen wir essen, schla­fen, uns wa­schen, atmen, lieben?… – Dies ist ein Wissen, das zu er­werben sich lohnt.

Es ist wesent­lich zu er­fahren, wie man sich mit der höhe­ren Welt, der gött­lichen Welt, in Ein­klang bringt. Wenn Jesus sagte: »Bittet, so wird euch ge­geben; suchet, so werdet ihr finden; klop­fet an, so wird euch auf­getan«, gab er uns damit ge­rade die Mittel, um jene höhere Welt zu er­rei­chen. Bitten, suchen und an­klop­fen können sich selbst­ver­ständ­lich auch auf die mate­rielle Welt be­ziehen, aber sie be­tref­fen ebenso die spiri­tuelle Welt. Was tut der Mensch, wenn er betet? Nichts ande­res als bitten, suchen und an­klop­fen. Doch die Men­schen wissen immer weni­ger zu beten. Sie haben sogar eine regel­rechte Ab­nei­gung da­gegen und ver­achten dieje­nigen, die es tun.

Beten ge­hört nicht zu den Ge­wohn­heiten, die in Mode sind. Man hält sich für ge­bildet und ge­lehrt, und für einen Ge­lehr­ten ist es frei­lich lächer­lich, sich bit­tend an Gott zu wenden.

»Bittet, so wird euch ge­geben, suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch auf­getan«… Diese Worte lassen sich nur durch das Wissen um die im Men­schen be­find­liche Drei­heit Ver­stand, Herz und Wille deuten, die unsere psychi­sche Struk­tur bildet. »Bittet, so wird euch ge­geben«… Worum soll man bitten? Und wer ist es in uns, der bittet?… Wer ist es, der sucht?… Wer klopft an?… Der Bit­tende ist das Herz, der Suchen­de der Ver­stand, der An­klop­fende der Wille. Das Herz bittet, doch nicht um Wissen, Licht und Weis­heit; nein, das Herz ver­langt nach Liebe, Wärme und Zärt­lich­keit. Der Ver­stand bittet nicht, son­dern sucht, jedoch nicht Wärme oder Liebe, denn in der Wärme arbei­tet der Ver­stand schlecht, er wird schläf­rig. Er sucht nach Licht, nach Weis­heit und vor allem nach Metho­den, mit denen er beides er­langen kann! Und der Wille klopft an, weil er ge­fangen ist und Raum und Frei­heit braucht, um seine schöpfe­rische Kraft zu ent­falten. […]

Reihe Gesamtwerke
ISBN 978-3-89515-068-5
22,00 Euro
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Prosveta @ Twitter

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Liebe Freunde des Verlags,

viele haben es wahrscheinlich heute morgen bemerkt, spätestens beim Lesen oder Lesenwollen des Tagesgedankens, dass die Prosveta-Internetseite nicht aufrufbar war.

Zwischen 07.00 Uhr und 10.30 Uhr kam es zu längeren und wiederholten Ausfällen und Nichterreichbarkeiten der Webseite. Da auch die Support-Seite unseres Internet-Providers nicht erreichbar war, liegt es nahe, dass es wohl größere bis mittelschwer katastrophale Probleme mit der Hardware dort gab.

Auf jeden Fall läuft jetzt wieder alles, wir sind online und haben uns wegen dieser Situaltion überlegt, wie wir in ähnlichen Situationen einfach weiter für Sie da sein können. Die Lösung heißt Twitter. Twitter (auf deutsch: Gezwitscher) ist ein sog. Microblogging-System und erlaubt Kurznachrichten mit einer Länge von 140 Zeichen. Das sind die sog. Tweets.

Wenn also mal irgendein Problem mit der Erreichbarkeit unserer Webseite vorliegen sollte, und Sie einfach wissen wollen, was los ist, rufen Sie Twitter auf und schauen Sie nach. Bei Twitter erreichen Sie uns über diesen Link. Zusätzlich sehen Sie ab heute über jedem Blogeintrag ein kleines blaues t. Wenn Sie draufdrücken und ein eigenes Profil bei Twitter haben, senden Sie somit diesen Blogeintrag als Tweet auf ihre eigene Seite, und Leute, Freunde und diejenigen, die ihnen auf Twitter folgen, sehen diese Nachricht und können mit einem Klick auch den Blogeintrag lesen. Eine feine Sache also.

Viel Freude mit diesem neuen Spielzeug
und lichtvolle Grüße
Ihr Prosveta-Team

 

Leseprobe Izvor 201 – Auf dem Weg zur Sonnenkultur

Leseprobe Izvor 201 - Auf dem Weg zur Sonnenkultur aus Band 201 der Reihe Izvor von Omraam Mikhael Aivanhov aus dem Prosveta Verlag. 156 Seiten. 4,00 Euro.

Leseprobe Izvor 201 – Auf dem Weg zur Sonnenkultur

I
Die Sonne, Begründerin der Kultur

Wenn die Sonne aufgeht, verbreitet sie ihr Licht, ihre Wärme und ihr Leben. Gerade dieses Licht, diese Wärme, dieses Leben drängt die Menschen zum Aufstehen, um ihre Arbeit zu beginnen. Manche gehen ins Büro, in die Fabrik oder aufs Feld, andere öffnen ihre Läden. Die Kinder gehen in die Schule. Die Straßen füllen sich mit Lärm, Fußgängern und Autos. Abends, wenn die Sonne untergeht, werden die Läden wieder geschlossen, die Leute verlassen ihren Arbeitsplatz, jeder geht nach Hause… und dann zu Bett! Die Sonne bestimmt den Lebensrhythmus der Menschen und ist die Begründerin von Ackerbau und Zivilisation.
Auf die Frage, wer den Menschen als Erster das Schreiben, die Kultivierung des Bodens, den Umgang mit Feuer oder gewissen Werkzeugen gelehrt hat, nennt man den einen oder anderen, aber in Wirklichkeit ist die Sonne der Ursprung aller Entdeckungen. Ihr meint, das sei unmöglich, die Sonne besäße keinen Verstand, kein Gehirn zum Denken, keinen Mund zum Sprechen? Also eurer Ansicht nach sind nur die unwissenden Menschen intelligent, und diejenige, die das Leben auf Erden überhaupt möglich macht, hat keinen Verstand!
Gerade die Sonne war es, die den Menschen als erste die Wissenschaft brachte. Wie? Das ist ganz leicht zu verstehen. In ihrem Licht können wir die Gegenstände, die Formen, die Reliefs, die Farben, die Entfernungen erkennen. Dank des Lichts können wir uns zurechtfinden, Dinge beobachten, vergleichen, berechnen. Ohne das Licht gäbe es keine einzige Wissenschaft, denn was könnte man schon in der Finsternis erkennen? Nichts.
Wenn ich jetzt frage, wer die Religionen eingeführt hat, werden manche, die sich für große Philosophen halten, antworten, es sei die Furcht, die Angst der Menschen vor den Naturkräften gewesen. Nein, diese Ansicht ist sehr begrenzt. Es war die Sonne. Sie hat mit ihrer Wärme im Menschen das Verlangen nach Entzücken, Liebe und Anbetung erweckt. In der Kälte kann keine Liebe entstehen, aber sowie jemand ein wenig erwärmt wird, entfaltet er sich, fühlt sich wohl und fängt an zu lieben. Seht ihr, die Religion ist auf Grund der Wärme entstanden. Anfangs mag es vielleicht nur die Zuneigung zu einem Mann, einer Frau oder sogar zu einem Tier: einem Hund, einer Katze oder einem Kanarienvogel sein… ganz gleich, es ist ein Anfang. Eines Tages wird diese Liebe wachsen und bis zum Herrn des Universums, zum Schöpfer, aufsteigen.
Schließlich war es auch die Sonne, die die Menschen in die Kunst eingeweiht hat, weil sie das Leben bringt. Sobald ein Wesen lebendig ist, will es sich bewegen, will handeln, sich äußern und schon entstehen Tanz, Gesang, Malerei, Bildhauerei. Die Kunst beginnt mit dem Leben. Schaut euch die Kinder an: Sie laufen herum, kreischen und kritzeln. Ihr Geschrei ist der Anfang der Musik, ihre Kritzelei ist der Anfang der Malerei, ihre kleinen Sandkuchen sind der Ursprung der Bildhauerei, ihre kleinen Höhlen sind die ersten Versuche der Architektur und aus ihrem Gelaufe wird später der Tanz. Ja, die Kunst beginnt mit dem Leben, und das Leben kommt von der Sonne.
Wie könnte ein Künstler etwas schaffen, wenn die Welt in Dunkelheit gehüllt wäre? Woran könnte er Modell nehmen? Wer würde ihm die Bewegungen, Formen und Farben eingeben? Ich sage den Malern: »Ihr schafft Gemälde, aber wer hat euch die Farben gegeben? Habt ihr sie selbst hergestellt? Nein. Durch die Mineral- oder Pflanzenextrakte hat die Sonne euch die Farben geschenkt. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht?« Die Maler danken der Sonne nie für die Farbenpracht, und man findet auch nur sehr selten eine Sonnenabbildung in ihren Werken.
Die Sonne bringt Licht, Wärme und Leben, deshalb ist sie die Begründerin der Wissenschaft, Religion und Kunst. Trotzdem wird sie aber von den Menschen als letzte geliebt und respektiert. Nun denn, ich bin der Anwalt der Sonne und verlange ihre alten Rechte! Ich bin empört über das Verhalten, das man ihr gegenüber zeigt: Den Betrügern errichtet man Denkmäler, aber der Sonne nie! Und dabei ist sie doch der Urquell, die Ursache aller Dinge! Die Erde und die anderen Planeten sind aus ihr entsprungen, sie hat sie gezeugt. Deshalb enthält die Erde die gleichen Elemente wie die Sonne, nur sind sie hier in festem Zustand kondensiert. Die Mineralien, die Metalle, die Edelsteine, die Pflanzen, die Gase, die feinen oder groben Körper, die sich im Boden, im Wasser, in der Luft oder in dem Ätherbereich befinden, stammen aus der Sonne: Zum Beispiel ist das Gold, das so sehr geschätzt wird, und für das die Menschen sogar Verbrechen begehen… ein Produkt der Sonne. Genau wie es auf der Erde Fabriken gibt, die alle möglichen Waren und Gegenstände herstellen, so gibt es auch unter der Erde Fabriken, in denen Millionen Wesen arbeiten und durch die Kondensierung des Sonnenlichts Gold produzieren.
Ihr fragt: »Wie kann Gold kondensiertes Sonnenlicht sein?« Nehmen wir zur Verdeutlichung das Beispiel eines Baumes. Die Bäume, und hauptsächlich bestimmte Arten, wie Kiefern, Tannen, Eichen, Nussbäume haben eine äußerst harte und feste Beschaffenheit und werden deswegen gern als Baumaterial für Häuser, Boote usw. verwendet. Der Baum wächst aus der Erde heraus und wird demzufolge als ihre Schöpfung betrachtet. Nun denn, das stimmt nicht: Er besteht aus dem Licht der Sonne. Nehmt einen Baum, so groß er auch sein mag, und verbrennt ihn –, was geschieht? Eine Unmenge von Flammen lodert auf, Gase verbreiten sich, etwas Wasserdampf steigt auf, und am Ende bleibt ein kleines Häufchen Asche, und das ist die Erde.
Der Baum besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, aber gerade das Feuer, die Sonnenstrahlen, bilden den größten Teil. Folglich ist er nicht Erde, sondern kondensiertes Sonnenlicht. Wenn ihr Wälder besucht, solche, wie ich in Indien, Ceylon, den USA, Kanada oder in Schweden gesehen habe, könnt ihr übrigens feststellen, dass die Bäume, die viele Milliarden Tonnen wiegen, den Boden nicht eindrücken. Hätten sie ihre Aufbaustoffe aus der Erde geholt, hätte der Erdboden um viele, ja, hunderte von Metern einsinken müssen. Dies beweist wiederum, dass der Baum kondensiertes Sonnenlicht ist. Wenn es der Pflanzenwelt gelingt, die Sonnenstrahlen aufzufangen und sie zu materialisieren, warum sollten dann nicht auch bestimmte Wesen, die unter der Erde arbeiten, das Gleiche tun, um Gold herzustellen? Ja, hier gibt es reichlich zu überlegen.
Eines Tages lernte ich einen leidenschaftlichen Goldgräber kennen. Er hatte sich alle möglichen Bücher, sowohl über verborgene Schätze als auch über Zauberübungen besorgt, die zu deren Entdeckung verhelfen sollten. Ich ließ ihn eine Weile handeln, ohne dass ich mich einmischte. Er fand natürlich nichts. Dann fragte ich ihn: »Warum blinzeln sie dem Zimmermädchen zu, anstatt die Freundschaft der Schlossherrin zu gewinnen?« Da erwiderte er entrüstet: »Ich? Ich bin verheiratet und liebäugle mit niemand!« – »Ja, ich weiß, Sie sind verheiratet und sind ein treuer Ehemann, aber trotzdem merke ich, dass Sie mit dem Stubenmädchen flirten.«
Als er immer noch nicht verstand, erklärte ich ihm: »Sie suchen Gold, aber das Gold entspricht nur dem Zimmermädchen. Die Schlossherrin ist das Sonnenlicht, dessen Kondensation im Erdinneren Gold ergibt. Wenn jedoch die Hausherrin merkt, dass Sie nur hinter der Magd her sind, anstatt ihr Wohlwollen, ihr Lächeln, ihre Blicke zu gewinnen, ist sie beleidigt und verschließt Ihnen die Türen. Von nun an sollten Sie sich direkt an die Herrin, an die Sonnenstrahlen wenden und versuchen, sie zu lieben, zu verstehen und ihre guten Wirkungen anzuziehen. Dann wird früher oder später auch das Gold auf Sie zukommen. Warum wenden Sie sich nicht an die höchste Stelle? Wer den König zum Freund hat, wird auch von dessen Untertanen geschätzt. Wer jedoch nur mit dem Hauswart befreundet ist, der bleibt in dessen Kreisen und den anderen unbekannt.« Er war ganz bestürzt und sagte: »Das leuchtet mir ein.« Aber ich glaubte ihm nicht ganz, denn er schielte weiterhin nach dem Hausmädchen.
Nicht nur Gold ist eine Kondensierung des Sonnenlichts, sondern auch Kohle, Öl, Holz und sämtliche anderen Stoffe, aus denen alles Mögliche hergestellt wird. Sämtliche Industrieprodukte und sogar die Kleidung, die wir tragen, sind von der Sonne geschaffen worden. Die ganze Wirtschaft beruht auf den Hervorbringungen der Sonne, aber sie selbst wird dabei vergessen. Man vernachlässigt den Herrn und rennt hinter einigen Rinden, Schalen und Schlacken seiner Schöpfung her. Folglich stimmt in der menschlichen Einstellung etwas nicht, und gerade darin liegt die Ursache des größten Unheils; denn wer das Wesentliche für das Nebensächliche, das Zentrum für den Umkreis aufgibt, der muss sich unweigerlich den Hals brechen, und gerade das passiert den Menschen. Deshalb müssen sie jetzt dem Urquell aller Dinge, der Sonne, wieder den ersten Platz einräumen. Dann wird sich die Situation zuallererst in ihrem eigenen Verstand klären und anschließend auch in der Gesellschaft, wo dann bald alles wieder besser läuft. Ihr fragt: »Wie kann unsere Einstellung zur Sonne derartige Folgen haben? Dies ist doch nur eine Kleinigkeit.« Ja, scheinbar ist dies nur eine Nebensache, aber auf die Dauer hat die Umwälzung der wahren Werte in allen Lebensbereichen außerordentlich schwere und komplizierte Folgen mit sich gebracht.
Wir brauchen nur ein wenig nachzudenken, um zu begreifen, dass die Sonne Ursprung aller auf unserer Erde existierenden Dinge ist. Bittet sie, euch zu erklären, wie sie meditiert und gearbeitet hat, um den Menschen die Lebensbedingungen, günstige Atmosphären, Temperaturen, usw. zu schaffen, wie sie das Licht und die Wärme dosiert hat, damit das Leben auftritt. Zuerst gab es die Pflanzenwelt, dann erschienen die Fische, Vögel, Säugetiere und schließlich der Mensch. Die Sonne hat alles für die Entfaltung einer Kultur und Zivilisation vorbereitet. Die Sonne war auch der erste Landwirt, denn von ihr hängt die Verbreitung der Pflanzenwelt ab, ebenso deren Wachstum und Gedeihen. Sie bestimmt über Elend und Reichtum, über Hungersnot und Überfluss.
Als ich 1937 in Frankreich ankam, sagte ich, dass die Menschen in Zukunft weder Holz, noch Kohle, noch Öl, sondern nur noch die Sonnenstrahlen als Energiequelle verwenden werden. Zu der Zeit glaubte man mir natürlich nicht, aber jetzt gibt man mir so langsam Recht, denn jeder sieht nun ein, dass die heute verwendeten Energievorräte bald erschöpft sein werden, und man sich feinstofflicheren Treibstoffen zuwenden muss, die unerschöpflich sind. In Zukunft wird man mit Sonnenenergie beleuchten, heizen, reisen, wird sich sogar vom Sonnenlicht ernähren.
Ohne das Leben der Sonne hätten die Menschen nie existieren, handeln und arbeiten können. Ohne ihre Wärme hätten sie nie Gefühle empfinden können, ohne ihr Licht hätten sie nie sehen können, und nicht nur sehen, sondern auch verstehen, denn das Verständnis ist nichts anderes als eine höhere Sicht im intellektuellen Bereich. Die Wärme hat alles erweckt, was den Herzen nahe liegt: Kontakte, Austausch, Liebe, Freundschaft. In ihr liegt der Ursprung der Ehe, der Familie, der Gesellschaft und aller anderen Formen von Gemeinschaften. Wer kaltherzig ist, wird von den anderen nicht geliebt, er wird eher umgangen. Ist er jedoch warmherzig, dann gehen alle zu ihm, wollen sich bei ihm wärmen und sind ihm für seine Wärme dankbar. Die Wärme bringt die Wesen einander näher und verleiht ihnen die Fähigkeit zu empfinden, gerührt und entzückt zu sein und zu beten… Folglich ist die Sonnenwärme der Urquell von Moral und Religion.
Über solche Äußerungen würden die Christen natürlich empört sein, denn sie messen der Sonne keine Wichtigkeit bei; für sie ist die Messe das Wesentliche. Nun frage ich sie aber: »Wie wollt ihr denn ohne Sonne eure Messe abhalten? Wer könnte in der Finsternis und in der Kälte eine Predigt halten? Wo würde man Wein und Hostien für das Abendmahl hernehmen?« Ich will den Wert der Messe nicht herabsetzen, ich kann euch sogar offen gestehen, dass ich diesbezüglich viel mehr weiß, als die meisten Priester. Sie haben gelernt die Messe zu lesen, wissen aber nichts über ihren tiefen, magischen Sinn. Ich kenne ihn jedoch und habe deshalb vor der Messe einen viel tieferen Respekt als die Christen selbst. Trotzdem wiederhole ich meine Frage: »Ohne die Sonne, wer würde da die Messe lesen? Und wer würde daran teilnehmen?« Ihr seht, dass sie nicht überlegen.
Wenn ich euch jetzt sage, dass das Sonnenlicht durch seine Arbeit an unserem physischen Körper unsere Augen gebildet hat, dann glaubt ihr mir auch wieder nicht. Trotzdem ist es die Wahrheit. Die Sonne hat unsere Augen geschaffen. Warum? Um gesehen zu werden. Mit ihrer Wärme hat sie an unserem Körper gewirkt, um die Gefühlsorgane zu bilden: das Herz, den Mund und vor allem die Haut, den Tastsinn. Die Lichtempfindlichkeit wollte sie auf die Augen beschränken, wohingegen die Wärme von der ganzen Körperoberfläche gespürt werden sollte. Seht ihr den Unterschied? Ist das nicht interessant?
Die Sonne regiert alles im Universum; sie gleicht einem Kapellmeister, einem König auf seinem Thron. Wenn sie eine Entscheidung trifft, gibt sie nur ein Signal und schon beeilen sich alle Geister, die sie auf die Erde und auf andere Planeten geschickt hat, ihre Befehle auszuführen: Sie ändern etwas in der Atmosphäre, in den elektromagnetischen Strömungen, was alle möglichen Veränderungen hervorruft im Bereich der Pflanzen- und Tierwelt, bei den Menschen, im Biologischen, Psychologischen, in der Wirtschaft und Gesellschaft. Jedes Erdengeschehnis geht von der Sonne aus; die Sonnenausbrüche oder -flecken sind nichts anderes als Signale für eine ganze Hierarchie von Intelligenzen, die die Aufgabe haben, ihre Befehle auszuführen.
Eines Tages wird die Wissenschaft meine Ideen akzeptieren, das kann sie keinesfalls umgehen. Deshalb empfehle ich heute den Wissenschaftlern: »Lasst eure Forschungsarbeiten in den Laboratorien beiseite und befasst euch mit der Sonne. In der Sonne befindet sich alles: Gesundheit, Reichtum und das Glück der gesamten Menschheit.« Jetzt wendet ihr ein, dass manche Astronomen und Physiker sich mit der Sonne befassen. – Ja, ich weiß, über die Forschungsarbeiten der Wissenschaftler in den verschiedenen Ländern und hauptsächlich in den USA und der UDSSR bin ich informiert. Wenn ich ihnen jedoch vorwerfe, dass sie sich nicht um die Sonne kümmern, dann meine ich damit, dass sie das Sonnenlicht noch nicht richtig studiert haben und vor allem nicht erkannt haben, wie der Mensch damit arbeiten kann, um sich zu reinigen, zu stärken und zu regenerieren. Denn die Sonnenstrahlen, die in die Tiefe des Ozeans vordringen (Fische, die besonders lichtempfänglich sind, können es aufnehmen und dann selbst ausstrahlen) können auch uns durchfluten, und wenn wir aufnahmefähig sind, können sie gewisse Zentren in uns anregen, bestimmte Lämpchen anzünden, die ewig schon in uns verborgen sind. Ich sage euch auf jeden Fall, die Sonnenstrahlen entsprechen kleinen mit Proviant beladenen Waggons, d. h. sie enthalten Elemente und Energieströme, aus denen der Mensch für seine körperliche und geistige Entfaltung nach Belieben schöpfen kann. Alles, was der Mensch braucht, ist in der Sonne enthalten. – Seht ihr, dies ist ein unermesslicher Forschungsbereich…

Taschenbuchreihe Izvor
ISBN 978-3-89515-024-1
156 Seiten
12,00 Euro

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Vorankündigung: Gesamtwerk „Die Pädagogik in der Einweihungslehre – Teil 2 und 3“

Vorankündigung: Gesamtwerk "Die Pädagogik in der Einweihungslehre - Teil 2 und 3" von Omraam M. Aivanhov aus dem Prosveta Verlag. 528 Seiten. 27,00 Euro.

Vorankündigung: Gesamtwerk „Die Pädagogik in der Einweihungslehre – Teil 2 und 3“

Liebe Freunde des Verlags,

mit diesem Artikel möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die diesjährige Gesamtwerk-Neuerscheinung „Die Pädagogik in der Einweihungslehre – Teil 2 und 3“ geben.

Dieser Titel mit der Nummer 28/29 beinhaltet den 2. und 3. Teil des Themas „Die Pädagogik in der Einweihungslehre“. Die Originaltitel im Französischen sind als Einzelbücher erschienen, wir entschieden uns aber, die beiden Nummern in einem Doppelband herauszugeben. Heraus kam ein Werk, das alle Facetten Aivanhovs brilliant wiedergibt und vor allem aktuellste Themen behandelt. Es ist für die gesamte Leserschaft Aivanhovs geeignet, denn es enthält Kapitel, die allgemein gehalten sind und einfache Ratschläge für das alltägliche Leben enthalten, aber auch Texte, die die Lehre in tieferen Dimensionen behandeln. Nicht selten aber werden Sie mit dem unverkennbaren Humor Aivanhovs in Kontakt kommen und für kurze Zeit aufhören müssen zu lesen um sich wieder zu beruhigen. Lassen Sie sich überraschen!

Kapitel 1 des Buches beginnt mit einem Dialog zwischen Aivanhov und seinen Schülern, in dem es um die Frage geht, warum man ein spirituelles Leben leben sollte. Dieser Dialog ist hochinteressant, denn er klärt nicht nur über die Art und Weise auf, wie spirituell ausgerichtete Menschen auf diese Art von Fragen am besten antworten können »Sie sind noch jung, warum verschwenden Sie Ihr Leben in dieser Bruderschaft und verzichten auf so viele Vergnügungen Ihres Alters?«. Er gibt ausserdem Einblick, wie intensiv und offen Aivanhov mit seinen Schülern gearbeitet hat – und wie fordernd er sein konnte. Aus diesem ersten Kapitel möchten wir Ihnen nur einen kleinen Teil jetzt vorstellen, um Ihnen nicht die Freude vorwegzunehmen:

[…] Gut, während ihr überlegt, werde ich euch eine Anekdote erzählen, aber ihr müsst mir nicht unbedingt zuhören. Sucht und findet eine gute Antwort. Man sollte immer eine gute Antwort finden. Stellt euch folgende Situation vor: Ein Tourist war mit einem Reiseführer auf die dritte Plattform des Eiffelturms gestiegen. Oben angekommen, fragte er ihn: »Gibt es Verzweifelte, die sich oft von dieser Plattform stürzen?« Und der Reiseführer antwortete: »Nicht oft, mein Herr, nur ein einziges Mal.« Er hatte eine gute Antwort gefunden. […]

 

„Die Pädagogik in der Einweihungslehre – Teil 2 und 3“
Leseprobe aus Band 2, Kapitel 4, Teil I „Lesen und Schreiben“

Lesung des Tagesgedankens:

»Jeden Morgen geht ihr zum Felsen hinauf. Aber habt ihr jemals daran gedacht, ihm eure Liebe und eure guten Gedanken zu schicken? Man sollte diesen Felsen lieben, und wenn ihr ihn sogar noch mit Liebe berührt und streichelt, werden sich seine Schwingungen euch gegenüber verändern und ihr werdet eine große Freude empfinden. Ja, streichelt ihn von Zeit zu Zeit, so wie ihr die Hand eines Geliebten streicheln würdet. Natürlich ist er rau wie die Haut eines Elefanten, aber das macht nichts, er ist so wie dieses Tier voller Liebe.
Lasst euch nicht vom äußeren Schein trügen. Ihr glaubt dieser Felsen sei tot und ohne Seele, doch wenn ihr nur wüsstet, was für eine großartige Geschichte sich seit Millionen von Jahren um ihn herum abspielt! Er ist fähig, es euch zu erzählen und wenn ihr zuhören könntet, würde er es euch offenbaren. Die Zeit naht, wo ihr mit der ganzen Natur kommunizieren lernen sollt, wo ihr fühlen solltet, dass alles lebendig ist und ihr sogar mit den Felsen, den Blumen, den Tieren, dem Wasser, der Luft, dem Licht und sogar mit den Sternen sprechen könnt.«

Diejenigen, die mich zum ersten Mal hören, werden finden, dass diese Worte überhaupt nicht dem gleichen, was sie bis heute gehört haben. Und dennoch basiert diese Idee, dass alles lebendig ist, dass die Geschichte der Erde in den Steinen, den Felsen und überall in der Natur eingeprägt ist, auf einem Wissen, das sich die Eingeweihten von Jahrhundert zu Jahrhundert überlieferten. Ja, alles wird aufgezeichnet. Die Menschen, die immer so überheblich sind, stellen sich vor, sie seien die Ersten und Einzigen, die die Technik der Aufzeichnung entdeckt haben. Es ist richtig, sie haben Wunder vollbracht mit der Fotografie, dem Kino, den Schallplatten, den Kassetten und so fort. Nur ahnen sie nicht, dass sie diese Dinge nur deshalb verwirklichen konnten, weil das Phänomen der Aufzeichnung bereits in der Natur existiert, denn die Natur ist sensibel, sie reagiert.
In den USA wurden einige Experimente gemacht von Forschern, die mit Hilfe von Apparaten herausfanden, dass die Pflanzen eine Art Sensibilität besitzen, die sie auf günstige oder schädliche Einflüsse reagieren lässt. Sie stellten fest, dass sie durch bestimmte Anzeichen zeigten, dass sie Angst hatten, wenn jemand, der sie schlecht behandelt hatte, den Raum, in dem sie sich befanden, betrat. Das bedeutet also, dass sie auch eine Erinnerung haben. Pflanzen sind sensibel und auch Steine sind es auf ihre Art und Weise. Wenn ihr sie liebt, wenn ihr sie mit Liebe berührt, können sie euch antworten und euch Offenbarungen machen. Was hat sich seit Jahrhunderten mit unserem Felsen abgespielt? Man weiß, dass Apollonius von Tyana in diese Region gekommen ist und Talismane hinterlegt hat; vielleicht hat er auch einen auf diesem Felsen hinterlegt…

Die Liebe ist die universelle Sprache, die die ganze Schöpfung, alle Geschöpfe verstehen können. Berührt einen Stein mit Liebe und schon schwingt er anders, er kann euch sogar mit Liebe antworten. Nur muss man sehr feinfühlig sein, um das wahrzunehmen, man muss seine Sprache entziffern lernen. Aber wer möchte schon die Sprache der Steine, der Pflanzen, der Tiere lernen? Die Menschen lernen lesen und schreiben in allen Sprachen, und die Sprache der Natur, die einzige Sprache, die es wert ist, dass man sie beherrscht, die lernen sie nicht.
Selbst wenn Lesen und Schreiben heute in der zivilisierten Welt zu unverzichtbaren Aktivitäten geworden sind, bedeutet dies nicht, dass der Mensch ohne sie keine Fortschritte machen kann. Lesen und Schreiben bieten ohne Zweifel Vorteile, aber die Wichtigkeit, die man dem Papier beimisst, beinhaltet auch viele Nachteile. Man vertraut nur den Papieren, nur die Papiere zählen. Wenn ein Papier sagt, dass ihr schuldig seid, obwohl ihr unschuldig seid, ist man nicht in der Lage, an euch eure Unschuld abzulesen, man liest das Papier und wirft euch ins Gefängnis. Der Mensch ist nichts, das Papier ist allmächtig.
Wir leben in einer Zivilisation, die es erfordert, dass wir lesen und schreiben können, und das ist sehr gut. Aber ich möchte vor allem auf die anderen Formen von Lesen und Schreiben Nachdruck legen. Man sollte immer lesen, man sollte immer schreiben, aber diese beiden Aktivitäten findet man auch auf den höheren Ebenen wieder. Für einen Eingeweihten bedeutet Lesen die Fähigkeit, die feinstoffliche, verborgene Seite von Gegenständen und Geschöpfen zu entziffern, die Symbole und Zeichen zu interpretieren, die von der Intelligenz der Natur überall abgelegt wurden. Und Schreiben bedeutet, im großen Buch des Universums seinen Abdruck zu hinterlassen, auf die Natur und auf die Menschen mit seinem Willen, seinem Denken, seinem Wünschen, mit der magischen Kraft seines Geistes einzuwirken. Nicht nur auf der physischen Ebene also sollte man lesen und schreiben können, sondern in allen Bereichen.
Es war in der Vergangenheit sehr schwierig, die Schulpflicht für alle durchzusetzen. Die Eltern wollten nicht, dass ihre Kinder in die Schule gingen, denn wozu sollte das schon nützlich sein, wenn sie lesen und schreiben lernten, wenn sie sich um das Vieh, den Hühnerstall und um die Feldarbeit kümmern mussten? Und seht, wie es heute ist: Die Kinder beinahe der ganzen Welt gehen zur Schule, sogar bei den Naturvölkern, weil alle verstanden haben, dass dies besser ist. Aber genauso schwierig wie es in der Vergangenheit war, den Menschen den Nutzen der Schule klar zu machen, genauso schwierig wird es heute sein, ihnen das wahre Lesen und das wahre Schreiben beizubringen und sie dazu zu bringen, sich darin zu üben.
Die Menschen können nicht lesen. Sie können nicht im großen Buch der Natur lesen, um darin die Lösungen für die Probleme zu finden, die sie beschäftigen. Sie ziehen die Bücher berühmter Autoren zurate, in denen sie widersprüchliche Antworten finden, aber sie lassen sich nie von der Natur beraten, wo für alle Probleme des Lebens längst eine Lösung vorliegt.1 Ja, die Lösungen sind da, überall, in der Welt der Mineralien, der Pflanzen, der Tiere und sogar im Menschen, in seiner Struktur und in den verschiedenen Funktionen seines Organismus. Und so wenig wie die Menschen lesen können, so wenig können sie schreiben. Oh, selbstverständlich schreiben sie trotzdem. Jeder Gedanke, jedes Gefühl ist ein Schriftstück, das irgendwo auf Gegenständen oder im Kopf und im Herzen von Männern und Frauen eingraviert wird, aber es ist ein Gekritzel, das niemandem nützt.
Schreiben ist ein Akt des Willens und der Auslese. Schreiben heißt, in sich selbst etwas bewegen und unterwerfen, um es hervorkommen zu lassen und es den anderen zu geben. Schreiben bedeutet, eine Spur hinterlassen, und manche Philosophen, manche Künstler haben Spuren hinterlassen, die man nach Tausenden von Jahren immer noch studiert. Aber über den Philosophen und Künstlern gab es die großen Eingeweihten, die die wahren Schöpfer sind, denn sie arbeiten mit der göttlichen Magie. Die göttliche Magie besteht in der Fähigkeit, nur ein paar Worte in den Raum zu zeichnen, Buchstaben aus Feuer, die sich überall in die Gehirne und Herzen eingraben.

Jeder Mensch ist auch ein Buch, ein Buch, das er selbst geschrieben hat. Aber was ist das oft für ein Kauderwelsch, für eine Kakophonie! Alle Anomalien und Verirrungen stehen darin. Wenn zwei solche Bücher sich begegnen und sich ineinander verlieben, sind sie Tag und Nacht damit beschäftigt, sich gegenseitig zu lesen, aber was lernen sie da kennen? Die Hölle. Denn die Menschen haben noch nicht begonnen, bewusst ihr eigenes Buch zu schreiben. Es wurde ihnen immer beigebracht, nur außerhalb von sich zu arbeiten: bildhauern, modellieren, zeichnen, schreiben, alles außerhalb ihrer selbst.2 Das Innere gleicht einem brachliegenden Feld. Aber an dem Tag, wo sie sich der Notwendigkeit des Schreibens ihres eigenen Buches bewusst werden, werden sie mit freudigem Staunen feststellen, dass sie gegenseitig erhabene Zeichen lesen können, wenn sie sich begegnen: die Eigenschaften, die Tugenden, die Gaben, an deren Entwicklung im eigenen Inneren jeder von ihnen gearbeitet hat.
Die großen Meister, die Eingeweihten arbeiten an sich und modellieren sich, vergleichbar mit einem Bildhauer, damit die ganze Welt von ihnen lernen kann. Sie brauchen gar nicht sprechen, allein der Kontakt mit ihnen genügt, um zu lernen.

Oft sage ich mir: »Ah, am Sonntag werde ich über dieses oder jenes Thema sprechen, weil es wirklich sehr wichtig ist«, und ich denke mehrere Tage lang darüber nach. Aber wenn der Sonntag kommt, ist alles vollständig ausgelöscht. Das kam so oft vor, dass ich beschloss, nicht mehr im Voraus über das Thema, das ich behandeln werde, nachzudenken. Denn es funktionierte nie so, wie ich es erhoffte, und dann bin ich enttäuscht. Aber wenn es um ein Thema geht, das jemand anderer mir präsentiert, so wie die Tagesgedanken oder die aufgezeichneten Vorträge, die ich kommentieren soll, selbst wenn ich dann im Vorhinein weiß, welches das Thema dieses Tagesgedankens oder dieses Vortrages sein wird, dann geht es, das inspiriert mich.
Ja, es ist komisch, ich brauche das Unerwartete, Improvisierte. Wenn ich einen Vortrag im Voraus vorbereite, müsste ich ihn vorlesen und also auch vorher aufschreiben, aber da ich niemals schreibe, kann ich euch auch nichts vorlesen. Damit ich sprechen kann, muss das Thema plötzlich auftauchen, wie eine Eingebung, die mir die göttliche Welt schickt, und schon geht es, trotz meines lücken- und fehlerhaften Französisch und allem, was nicht sehr akademisch ist. Ja, aber nur unter der Bedingung, dass man in meinen Worten etwas anderes sucht als Stil oder Beredsamkeit, denn darin bin ich eine Null, das habe ich nie gekonnt und das werde ich auch nie können.
Wenn ihr bei mir Schwung, Inspiration und Enthusiasmus suchen wollt, dann werdet ihr das finden, aber alles andere werdet ihr bei mir nicht finden. Man wird vielleicht sagen, dieser Zigeuner habe mich beeinflusst. Ihr erinnert euch, ich erzählte euch eines Tages von einem Zigeuner, der in den Straßen Sofias Geige spielte. Einer Geige, die er selbst gebaut hatte, indem er ein Stück Holz aushöhlte und darüber Saiten spannte, entlockte er himmlische Töne.
Oft denke ich an diesen Zigeuner zurück und sage mir: »Ich werde niemals auf akademische Weise sprechen können. Nun, dann muss ich meinem Herzen und meiner Seele etwas entreißen«, und deshalb habe ich mich nie so sehr mit der Verbesserung der Sprache beschäftigt. Natürlich hat jetzt jeder die Möglichkeit mich zu korrigieren, aber (und das können die anderen vielleicht nicht) es gelingt mir, beim Sprechen etwas aus meinem Innersten hervorzuholen, um es euch zu geben. Das sind Elemente, die man weder sehen noch hören noch berühren kann, aber sie durchdringen euch, ohne dass ihr es wisst, sie schreiben etwas in euer Herz, in eure Seele hinein, und jetzt liegt es an euch, ihren Sinn zu lesen und zu entziffern. […]

 

„Die Pädagogik in der Einweihungslehre – Teil 2 und 3“
Leseprobe aus Band 3, Kapitel 4, Teil I „Lasst die Quelle sprudeln!“

Alle besitzen die Fähigkeit, sich inständig etwas zu wünschen, etwas zu verlangen und nicht aufzugeben, und all dies zeigt sich im Gebet. Wenn ein Mensch leidet, schreit er, und je größer sein Leiden ist, desto lauter sind seine Schreie. Man braucht weder gelehrt noch belesen zu sein, um Schreie zum Himmel zu schicken, es genügt, in Not zu sein oder bohrenden Schmerz zu verspüren. Wenn sich also jemand nicht auf das spirituelle Leben einlassen will, unter dem Vorwand, er habe nicht studiert, er sei nicht intelligent, er sei es nicht gewohnt zu lesen oder sich zu konzentrieren, zu dem würde ich sagen: »Ach so, und wenn du unglücklich bist, wenn du leidest, konzentrierst du dich dann etwa nicht richtig?« Nun, alle besitzen diese Fähigkeiten, und für die Weiterentwicklung, für das spirituelle Vorankommen, zählen eben diese Fähigkeiten.
Nicht die Bücher, die ihr gelesen habt, sind wichtig, oder die Sprachen, die ihr gelernt habt, sondern eure Inbrunst, eure Liebe, das, was ihr wünscht, das, worauf ihr hartnäckig besteht. Alle Menschen besitzen die Fähigkeit, ihren Wünschen Nachdruck zu verleihen, und da können sich die einen nicht beklagen, weniger privilegiert zu sein als die anderen. Es mag an allem mangeln, an Geld, an Gelehrtheit, an Gelegenheit, an einem Ehemann, einer Ehefrau, aber an dem Vermögen, sich etwas zu wünschen, etwas zu erflehen, daran mangelt es nicht. Und in diesem Bereich kann es sein, dass gerade die Armen, die Benachteiligten, die Unglücklichen, die Sterbenden am ehesten dazu imstande sind, während die anderen hingegen schon chloroformiert und eingeschlafen sind, weil sie alles haben. Es genügt zu wissen, wie man auf etwas beharren, um etwas inständig bitten soll, und das kann jeder ohne Ausnahme tun. Daher kann jeder, unabhängig von Rasse, Lebenslage oder Bildung, wahrhaft vom Himmel erhört werden.
Was ich euch da sage, ist sehr bedeutsam. Und ich füge noch Folgendes hinzu: Die Verwirklichung dessen, worum ihr gebeten habt, sollte euch beinahe gleichgültig sein. Ihr solltet das Vergnügen, die Freude, das Glück allein im Wunsch, im Gebet finden. Bedenkt dabei, dass ihr dieses Glück nicht mehr verspüren werdet, sobald euer Wunsch in Erfüllung geht, sobald ihr bekommt, worum ihr gebeten habt. Wenn der Wunsch in Erfüllung geht, hat man nichts mehr, woran man sich erfreut, man vermisst diese schönen vergangenen Tage, an denen man auf etwas Wunderbares wartete, an denen man sich die Dinge ausmalte, an denen man den Himmel anflehte, es zu erlangen. Ihr müsst euer ganzes Glück in dieser Verbindung mit dem Himmel finden, denn Gott allein weiß dann, ob ihr glücklich sein werdet! Ja, so solltet ihr denken, und dann werdet ihr wahrhaft stark und frei sein, sogar frei von euch selbst, von euren Sorgen, eurer Unzufriedenheit. Ihr werdet glücklich sein, sogar ohne etwas zu haben, weil niemand euch daran hindern kann zu träumen, in der feinstofflichen Welt des Denkens großartige Dinge zu erschaffen, die ihr noch nicht einmal berühren oder erreichen wollt.
Das einzig Traurige ist vielleicht, dass alle Wünsche sich schließlich realisieren. Sobald ihr einen Wunsch habt, löst ihr Kräfte aus und er wird sich realisieren. Und dann, Vorsicht! Obwohl ihr wisst, dass sich alles realisieren wird, müsst ihr innerlich Distanz bewahren, so als ob euch das nicht interessieren würde. Ja, ich weiß viele Dinge, aber ich tue so, als würde ich sie nicht beachten, weil ich damit glücklicher bin. All das ist für euch wenig durchschaubar, aber lassen wir dieses Thema, sonst müsste ich euch stundenlang Erklärungen geben, und es ist noch zu früh, um euch alles zu sagen.
Für heute Abend merkt euch vor allem dieses: In den Wünschen derjenigen, die weder Wissen noch Reichtümer besitzen, liegt eine großartige Kraft, denn in ihrem Gefühl von Unwissenheit und Armut sind ihre Wünsche viel inbrünstiger. All die unglücklichen, unterdrückten Leute, welche Kräfte können sie in ihrem Inneren, in ihrem Herzen auslösen! Das muss man wissen, und für den Himmel zählt genau das: diese Inbrunst, dieser Elan, diese Liebe. Alles andere ist für die Erde, das Gefühl jedoch ist für den Himmel. Deshalb haben die Eingeweihten immer dem Herzen den ersten Platz eingeräumt, sie sprachen nie vom Intellekt; weil wir alle eine unglaubliche Kraft im Herzen besitzen. Also, stürzt euch auf diese Idee und sagt: »Ah, wenn das so ist, werde ich mir beim Himmel Gehör verschaffen. Hält er sich die Ohren zu, so werde ich so laut schreien, dass er nicht widerstehen und auch nicht schlafen kann.« Ihr lasst nicht locker, und da der Herr ein guter Vater ist, wird Er euch erhören.
Ich frage mich sogar, ob manche Geister damit zufrieden sein werden, dass ich euch dies heute offenbare. Ich verschaffe ihnen gerade viel Arbeit. Ja, ich mache ihnen das Leben schwer. Denn ihr beginnt jetzt mit euren Rufen und sie werden euch erhören müssen. Vielleicht nicht am selben Tag, denn sie sind neugierig, den Tonumfang eurer Stimme zu hören, wie ihr höher und tiefer klingt, und sie werden das grafisch darstellen…! Darum rechnet nicht mit sofortiger Verwirklichung. Eines ist jedoch absolut sicher, dass sich früher oder später, so will es das Gesetz, euer Wunsch verwirklicht. Darum darf man sich auch nicht irgendetwas wünschen, sonst wird man an dem Tag, an dem sich bestimmte Wünsche realisieren, Schreie ausstoßen, aber Schreie anderer Art…! Ja, nehmt an, ihr wärt der Lage nicht gewachsen, dann würdet ihr euch noch mehr Sorgen aufladen und euer Leben würde sehr kompliziert werden.
Wenn man nicht Herr der Lage ist, werden selbst die besten Dinge zu erdrückenden Lasten. Sogar das Wissen kann eine Last sein, die man nur erträgt, wenn das Gehirn darauf vorbereitet ist, sonst bricht man zusammen. Wünscht euch daher das, was immer das Beste für euch ist: das Licht. Das Licht steht über dem Wissen und es bringt euch auch das Wissen: Genauso wie die Sonne die Gegenstände erhellt, machen die Strahlen, die ihr mit Hilfe eures Geistes auf die Gegenstände der unsichtbaren Welt werft, diese sichtbar. Auf diese Weise kann man fortschreitend die psychische Welt erkunden, und das Gehirn hat auch die Zeit sich zu stärken. Muss es hingegen unvermittelt eine große Menge an Kenntnissen aufnehmen, gleicht es einem Fußboden, der unter einem zu großen Gewicht schließlich einbricht.
Übrigens würde ich in der Zukunft lieber nicht mehr reden und euch stattdessen meine Gedanken nur noch in der Stille senden. Aber die Zeit ist noch nicht reif, denn ihr seid noch nicht genügend entwickelt, um die Gedanken eines Eingeweihten aufzufangen, der meditiert und in der Stille zu euch spricht, und ihr würdet fast nichts aufnehmen. Das Wort wird auf der physischen Ebene erfasst und verstanden, weil der Ton direkt die physische Ebene berührt, das gilt aber nicht für das Denken. Und doch, ob ich nun allein oder mit euch zusammen bin, ich erzähle euch von Dingen, die man nicht mit Worten ausdrücken kann. Das ist derart erhaben, derart göttlich, dass man es nicht auf physische Weise hören oder verstehen kann. Ihr meint: »Aber dann ist die Arbeit nutzlos, Sie vergeuden Ihre Zeit!« Nein, ich weiß, dass es sich dabei um Kräfte und Mächte handelt, die irgendwo in euch aufgezeichnet werden, und die früher oder später an die Oberfläche eures Bewusstseins gelangen werden. Dann werdet ihr große Entdeckungen machen, und dabei nicht einmal wissen, woher sie kamen. Man entdeckt eine Wahrheit, aber diese Wahrheit war schon tief im Unterbewusstsein oder im Überbewusstsein verborgen, und war einfach noch nicht bis ins Bewusstsein vorgedrungen.
Ich versichere euch, ich spreche lieber in der Stille zu euch, und ich warte mit Ungeduld auf den Tag, an dem ich auf diese Weise zu euch sprechen kann. Ich weiß, dass es im Augenblick sehr wenige unter euch gibt, die das wünschen. Man akzeptiert wohl die Stille während ein paar Minuten, vor oder nach dem Vortrag, aber wenn unsere Versammlungen ohne Worte verlaufen sollten, würden das sehr wenige ertragen. Aber das wird kommen. Wenn ich zu euch spreche, ist das so, als wäre ich gezwungen, hinunterzusteigen und mich einzuschränken. In der Stille zu euch zu sprechen, ist dagegen eine Aktivität, die in mir unglaubliche Kräfte auslöst. Ja, für mich ist das vorzuziehen, sobald ich es außerhalb meiner Versammlungen tue, sehe ich die Ergebnisse. Und wenn ich spreche, sehe ich auch da die Ergebnisse.
Die heutigen Menschen sind es gewohnt, Wissen als eine Ansammlung von Kenntnissen zu betrachten. Und selbst wenn sie in eine Einweihungsschule kommen, halten sie an dieser Mentalität fest. Deshalb kommen sie an dem Tag nicht wieder, an dem sie meinen, es gäbe nichts Neues mehr zu lernen. Das beweist, dass sie nur die Absicht hatten zu nehmen, sich zu bereichern, ja sogar zu stehlen. Sie haben nicht verstanden, dass das empfangene Wissen belebt werden muss, das heißt, zum Ausgangspunkt einer gemeinsamen Arbeit werden muss, die dazu beiträgt, Veränderungen in der ganzen Welt zu bewirken. Man will wissen, man will kennen lernen, und wenn man findet, es sei genug, macht man sich davon. Das ist kein sehr erhabenes Ideal, aber diese Tendenz ist so weit verbreitet, dass niemand bemerkt, wie egoistisch und schäbig sie ist.
Man kann nicht auf diejenigen bauen, die allein das Wissen suchen; sie sind zu egoistisch. Die Bruderschaft braucht Leute, die ihr helfen wollen, sie unterstützen, ihre Ideen verbreiten wollen. Sie muss leben und wachsen, und wenn die Brüder und Schwestern nur an sich selbst denken, wird sie nicht leben. Selbst was die rein materielle Arbeit betrifft, wenn es keine Brüder und Schwestern gäbe, um die Küche und andere Arbeiten zu machen, gäbe es keine Bruderschaft mehr. Die Bruderschaft kann nur existieren dank der Arbeit, des Opfers und der Liebe von allen. Also, was großartig ist, das ist, hierher zu kommen, um an der Arbeit der Bruderschaft mitzuwirken. Selbst wenn man glaubt, man habe alles gelernt, kommt man weiterhin, man wird sich bewusst, dass es nicht genügt, Wissen zu erlangen, sondern dass man auch am kollektiven Leben, am brüderlichen Leben, am universellen Leben mitwirken muss. An das Wohl der ganzen Menschheit denken, das ist es, was für mich zählt. Kommt also hierher, selbst wenn ihr nichts lernt, selbst wenn eure Kenntnisse die meinen übertreffen, selbst wenn ihr mich übertrefft, kommt trotzdem. Das ist dann göttlich, das ist prächtig, das ist gigantisch.
Ich habe einen Brief von einem Wissenschaftler erhalten, Forscher am nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung, der mir unter anderem sagte: »Was ich an ihrer Lehre schätze ist, dass sie eine Synthese des orientalischen und des westlichen Denkens bildet. Aber es ist schade, dass sie keinen Fernunterricht erteilen.« Nun das, was diese Person eben noch begreifen muss, ist, dass das Ziel der Bruderschaft nicht darin besteht, den Intellekt zu entwickeln und Kenntnisse zu verbreiten. Darum werden wir niemals Fernkurse geben, obwohl dies eine Form des Lehrens ist, die sich immer mehr verbreitet. Es gibt heute viel zu viele gelehrte Leute und nicht genügend Leute, die von dem Wunsch beseelt sind zu lernen, wie man zusammen lebt, damit die gesamte Menschheit nur zu einer einzigen Familie wird.
Diese exzessive Entwicklung des Intellekts ist dabei, die Menschen gegeneinander aufzubringen. Man unterrichtet die Leute, ohne sie zu bilden, und das wird zu allen Arten von Katastrophen führen. Wozu sollte es also gut sein, all die Schätze der Einweihungswissenschaft zu verteilen, nur um einfach Gehirne damit zu zieren? Und mit Fernkursen, wüsste man da, wie all diese unbekannten Menschen diese Schätze verwenden würden? Manche haben ohnehin schon viel zu viel Wissen, um damit Schaden anzurichten. Bücher, Filme, Zeitungen, all das ist da und bietet den Kriminellen alle Möglichkeiten für ihr zerstörerisches Tun. Es ist also nicht die Rolle der Bruderschaft, zur intellektuellen Entwicklung der Menschen beizutragen, sondern sie zu lehren, wie sie ihr Wissen dazu nutzen können, in einer Gemeinschaft zu leben, um ebenso die guten Eigenschaften des Herzens zu entwickeln, wie Geduld, Nachsicht, Großzügigkeit und Selbstlosigkeit. Mögen sich die Intellektuellen weiterhin ihrer Gelehrtheit widmen! Hier wollen wir Menschen guten Willens, um eine in der Welt einzigartige Arbeit zu verrichten.
Aber wie den Menschen begreiflich machen, dass sie sich ein anderes Ideal suchen, sich mit anderen Dingen beschäftigen sollten? Sie kleben an ihren alten Auffassungen, und wenn ihr ihnen erklären wollt, dass sie diese aufgeben sollen, sind sie empört. Sie sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie aufgrund dieser alten, persönlichen, nicht mehr zeitgemäßen Gewohnheiten weder weiter wachsen noch eine nützliche Arbeit verrichten können. Nur stellt sich dann natürlich die Frage, was man ändern soll. Nicht alles ist schlecht. Seit Jahrtausenden gibt es Regeln und Institutionen, die sich unter Beweis gestellt und sich als nützlich und großartig erwiesen haben, sie sollten nicht abgeschafft werden. Man muss wissen, was man bewahren und was man ändern sollte. Ich bin nicht so fanatisch, dass ich so weit gehe, euch zu sagen, man solle alles ändern. Dennoch gibt es eine unter vielen Tendenzen, die korrigiert werden sollte. Und das ist die, sich nur um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern und alles andere beiseite zu lassen. Es kommt jetzt eine andere Epoche, wo der Mensch lernen muss, sich in universelle Dimensionen auszudehnen, aus den Tiefen seines Wesens ein Leben hervorsprudeln zu lassen, das er dann in den unbegrenzten Raum hinaus projiziert. Auf diese Art und Weise wird er sich reinigen. Ja, wenn die Quelle der Liebe in ihm zu sprudeln beginnt, wird der Mensch rein.
Ihr seht, ich komme immer wieder auf das Bild der Quelle zurück. Was ist die Quelle? Ein Punkt des Universums, von dem man nicht weiß, was er ist. Auf der physischen Ebene weiß man natürlich, was eine Quelle ist, aber auf der spirituellen Ebene ist die Quelle Gott Selbst, dieses unergründbare Leben, das vom Gipfel herabströmt und eine Vielzahl von Regionen durchfließt, wo es jedes Mal andersartige Nuancen annimmt. Das Gleiche sagte ich euch auch bezüglich der Elektrizität, die sich je nach dem Apparat, durch den sie fließt, anders manifestiert. Diese unbekannte, unbestimmte Kraft, die von sehr hoch oben herabkommt, wird also zu Licht, zu Wärme und zu Bewegung.
Wenn ihr euch auf die Lehre der Großen Universellen Weißen Bruderschaft einlasst, kommt ihr nicht umhin, euer Verhalten zu ändern, und besonders die Tendenz, in erster Linie eure persönlichen Angelegenheiten regeln zu wollen. Denn ihr tretet dann aus euren Begrenzungen heraus, ihr umfasst die ganze Welt, ihr tragt zahllose Geschöpfe in euch. Ihr lasst die Quelle hervorsprudeln, und auch sie wird dann durch ihr Strömen alle Unreinheiten hinwegspülen. Sobald die Quelle versiegt, lassen sich Unreinheiten nieder. Aber macht das den Menschen begreiflich! Sie verstehen die Chemie, die Mathematik, die Astronomie, aber diese Wahrheit, niemals. Und sie sind dabei zu vermodern, weil ihre Quelle nicht sprudelt. Unter dem Vorwand, sie seien getäuscht, gekränkt oder misshandelt worden, haben sie sich verschlossen, ihre Quelle fließt nicht mehr, es gibt in ihrem Leben keine Bäume und keine Blumen, keine Vögel, keine Tiere und keine Menschen mehr. Ohne es zu bemerken, sind sie zu Wüsten geworden, sie haben keine Inspiration mehr, keine Freude, keine Hoffnung, keinen Glauben und keine Liebe. Ganz einfach, weil sie ihre Quelle stillgelegt haben. Und ich, wie kommt es, dass ich meine Quelle nie stillgelegt habe? Dabei hatte ich tausende von Gründen, mich zu verschließen und zu sagen, die Menschen verdienten weder Liebe noch Opfer. Aber nein, ich mache weiter; Pech für sie und umso besser für mich! Ich bin es, der gewinnt, wenn ich meine Quelle nicht austrocknen lasse; es gibt bei mir Bäume, Blumen, Vögel, und ich will, dass das so ist. Warum macht ihr es nicht genauso? Ich sehe manche, die ihre Quelle stillgelegt haben, das kann man spüren. Da sie sehr »intelligent« sind, finden sie, die Menschen hätten es nicht verdient, dass man etwas für sie tut. Diese Denkweise ist sehr verbreitet. Meine dagegen ist es ganz und gar nicht, aber wenn ihr sie akzeptiert, werdet ihr die Folgen sehen. Viele leben in der Vorstellung, dass es ihnen gelungen ist, ihre Quelle zum Sprudeln zu bringen. Ganz und gar nicht, es fließen gerade einmal ein paar Tropfen…
Ich werde euch eine Geschichte erzählen. Es ist auch eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht, wenn ihr so wollt. Der Kalif Harun Al- Raschid hatte die Gewohnheit, am Abend verkleidet seinen Palast zu verlassen, um zu sehen, wie sein Volk lebte und den einen zu helfen und andere entweder zu bestrafen oder zu belohnen. So hörte er eines Abends, als er durch eine Gasse ging, aus einem kleinen Laden folgende Worte: »Ah, alles ist verstopft! Alles ist verstopft!« Erstaunt betrat er das Lädchen und fragte den Mann, der sich beklagte: »Aber was ist denn verstopft?« – »Oh, wenn du wüsstest! Vor einiger Zeit träumte ich, dass ich im Paradies war und mit dem Propheten Mohammed spazieren ging, an einem Ort, wo es nichts als Quellen gab: Manche sprudelten herrlich, andere flossen kaum, und er erklärte mir, dass sie die Menschen und ihr Schicksal darstellten. Als ich das sah, bat ich ihn, mir meine Quelle zu zeigen, und er führte mich zu einem kleinen Loch, aus dem nur einige Tropfen hervorquollen… Ich war sehr betrübt! Also nahm ich einen Stock, und versuchte, sie frei zu bekommen, doch der Stock brach dabei im Loch ab und verstopfte restlos alles. Darum bin ich jetzt elend dran, meine Geschäfte gehen immer schlechter, ich habe keine Kunden mehr, alles ist verstopft.« – »Warte«, sagte der Kalif zu ihm, »ich werde dir helfen«, gab ihm einige Hände voll Gold und ging fort.
Der arme Mann sagte sich, dass er dieses Gold verstecken müsse, damit man es ihm nicht stehle, und er steckte es in die Tasche eines alten Rockes ganz unten auf dem Boden einer Truhe. Am nächsten Morgen machte er in aller Ruhe einen Rundgang durch die Stadt. Seine Frau, die zu Hause geblieben war, hörte auf der Straße einen Mann, der altes Zeug sammelte: Kleidung, zerbrochene Töpfe und so weiter und sie dachte, das sei der richtige Moment, einige Lumpen loszuwerden und dafür ein paar Groschen zu bekommen. Sehr zufrieden mit sich, gab sie diese alten Klamotten weg. Ein wenig später kam ihr Ehemann zurück, und sie zeigte ihm stolz das Geld, das sie verdient hatte. »Oh, du arme, dumme Frau«, sagte er, »ich habe doch Gold in der Tasche meines alten Rockes versteckt!« Und schon war er wieder genauso arm wie vorher. Es vergingen einige Tage und eines Abends kam der Kalif, um zu sehen, wie es dem Kaufmann mit dem Gold ginge, das er ihm geschenkt hatte. Als er hörte, was geschehen war, war er natürlich nicht sehr begeistert. »Aber sorge dich nicht«, sagte er, »ich werde noch einmal versuchen dir zu helfen.« Er kehrte in den Palast zurück und ordnete dort an, diesem armen Mann einen mit Reis und Rosinen gefüllten Truthahn zu bringen, in den man als Überraschung ein paar Goldstücke mit hineingemischt hatte.
Als er dieses Wunder ankommen sah, sagte sich der Kaufmann: »Ah, welch großartige Gelegenheit, meine Schulden bei meinem Nachbarn zu begleichen! Ich werde es ihm zum Geschenk machen, dann sind wir quitt«. Er sandte den Truthahn hinüber und – ihr könnt euch die Freude des Nachbarn vorstellen, als er die Goldstücke entdeckte! Aber er hütete sich wohl, irgendetwas darüber verlauten zu lassen. Einige Zeit später kam der Kalif wieder vorbei und fragte den Kaufmann, ob der Truthahn gut gewesen und er mit den Goldstücken zufrieden sei. »Was, Goldstücke? Aber ich habe den Truthahn meinem Nachbarn geschickt,« und er erzählte die Geschichte. »Gut«, sagte der Kalif, der allmählich die Hoffnung aufgab, ihm helfen zu können, »komm dennoch mit mir.« Und er führte ihn auf den Marktplatz, wo sich zahlreiche Läden aneinanderreihten. »Hör mir jetzt gut zu: Nimm diesen Stock und versuche, ihn so weit wie möglich zu werfen, alles, was sich dann zwischen diesem Ort hier und dem, wo der Stock landen wird, befindet, wird dir gehören.« Nun, der Pechvogel – ich weiß nicht wie er das schaffte –, ergriff den Stock und warf ihn in dem Wunsch, so viele Läden wie möglich zu erwerben, so unglücklich in die Luft, dass der Stock einen Ast traf, auf ihn zurückfiel und ihm ein Auge ausstach. Als er das sah, lief der Kalif eiligst davon und wiederholte: »Wenn alles verstopft ist, ist alles verstopft, da ist nichts zu machen.«
Die Quelle muss sprudeln. Wenn sie nicht sprudelt, muss man sie frei bekommen, und ich werde euch ein Mittel nennen. Verbindet euch mit Hilfe des Denkens, mit Hilfe des Gebetes direkt mit der himmlischen Quelle. Da wir nach dem Bilde des Herrn erschaffen sind – der Mikrokosmos gleicht dem Makrokosmos –, besitzen auch wir eine Quelle in uns, aber sie wartet auf die Bedingungen, unter denen sie fließen kann. Verbinden wir uns also mit der himmlischen Quelle, so bringen wir unsere eigene Quelle zum Sprudeln, und alle unsere Zellen werden bewässert und belebt, es sprudelt das göttliche Leben hervor. Dank dieser Quelle, welche die Liebe, das Leben, das lebendige Wasser ist, werden wir zu einem vollkommenen Instrument in den Händen des Herrn, und dann erst können wir sagen: »Das Herz sei rein wie ein Kristall, der Verstand leuchtend wie die Sonne, die Seele weit wie das All und der Geist mächtig wie Gott und eins mit Gott.«
Kommt nicht allein mit der Absicht hierher, euer Wissen zu erweitern, sonst werde ich niemals auf euch bauen können. Ich kann nicht auf Menschen bauen, die nur egoistische Beweggründe haben, sonst ist das auch für mich verlorene Zeit. Wenn ihr kommt, um euch zu verbessern und um eine kollektive Arbeit zu verrichten, ja dann helft ihr mir auf großartige Weise, und es wird uns vielleicht eines Tages gelingen, die Erde umzuwandeln. Schon tausende von Menschen haben unsere Ideen aufgenommen und beginnen, sie umzusetzen; und in einigen Jahren wird es gigantisch sein, die ganze Welt wird unsere Sprache sprechen.
Unsere Lehre ist unbeschreiblich mächtig. Traurig ist nur, dass die Brüder und Schwestern sich dieser Tatsache noch nicht bewusst sind. Es braucht so viel Zeit, um sie zu überzeugen! Im Augenblick fühle ich mich allein, ich werde nicht besonders unterstützt in dieser Arbeit, jeder denkt an sich, an sein Glück, an seine Angelegenheiten, an seine Familie, wo es doch eine großartige Arbeit zu tun gibt, um das goldene Zeitalter aufzubauen. Wie euch begreiflich machen, dass wir uns vereinen müssen, um dieses Licht überall zu verbreiten?
Denn es ist unfassbar, zu sehen, wie die Menschen, die ihre intellektuellen Fähigkeiten so weit entwickeln konnten, heute noch die prähistorischen Denkweisen von Sippen und Stämmen aufrechterhalten können! Wenn man ihnen einmal die Augen öffnen wird über diesen Zustand der Dinge, den sie mit aller Kraft aufrechterhalten, werden sie sich schämen zu sehen, bei welch jämmerlichen Auffassungen sie damit stehen geblieben sind, und genau in diesem Moment wird das neue Leben beginnen. Eines schönen Tages werden all unsere »Utopien« von der ganzen Welt verwirklicht werden. Ich sage euch, was immer auch geschieht, wir werden das letzte Wort haben.
Ja, meine lieben Brüder und Schwestern, versucht von nun an, mit der Idee herzukommen, eine Arbeit zu verrichten. Genau das ist das Wesentliche. Entledigt euch immer mehr der Personalität, die ständig wertgeschätzt, anerkannt und umsorgt werden will. Sie ist es, die euch daran hindert, euch auf die rechte Weise zu entwickeln. Ihr seid wegen Kleinigkeiten beleidigt, weil man euch nicht die Beachtung geschenkt hat, die ihr zu verdienen glaubt. Warum vergesst ihr euch nicht ein wenig? Innerlich könnt ihr euch als Söhne und Töchter Gottes fühlen. Aber nein, ihr zerbrecht euch den Kopf und es nagt in euch, weil die Menschen – oft Dummköpfe – euch keine Ehrerbietung erweisen. Dem Gesicht der Menschen sieht man sofort an, was sie suchen. Bei manchen sieht man vom ersten Moment an, dass sie wollen, dass man sich vor ihnen verneigt, dass man anerkennt, dass sie das Zentrum des Universums sind, und genau das verhindert ihre spirituelle Entwicklung. Solange man im Inneren diesen Wunsch nährt, anstatt ihn bekämpfen und überwinden zu wollen, kommt man nicht voran. Wie schwierig ist es doch, sich dieser Personalität zu entledigen, die sich für so wichtig hält!
Ich versichere euch, für mich zählt nichts neben der Arbeit. Wenn ich mich mit all dem befassen müsste, was man gegen mich gesagt oder getan hat, hätte ich schon längst alles aufgegeben. Welche Akten gibt es überall gegen mich! Man begreift nicht, was ich tue, ich weiß es, und das ist mir egal. Ich bin beschmutzt worden wie niemand sonst, und trotzdem fahre ich mit meiner Arbeit fort, ich lasse weiterhin die Quelle fließen. Ihr aber, ihr bleibt weiterhin auf eure Personalität fixiert, ihr haltet euch für so außerordentlich, so bedeutend! Vergesst euch ein wenig, mein Gott, und ihr werdet sehen, wie frei ihr sein werdet! Ihr werdet euch so fühlen, als würdet ihr zum zweiten Mal geboren, und ihr werdet wieder zur Freude finden. Warum wollt ihr immer, dass die anderen wissen, was ihr seid und was ihr alles tut und euch applaudieren?
Ihr wisst nicht, wie wichtig es ist, dass man im Geheimen zu arbeiten versteht, unerkannt. Ich habe in meinem Leben immer auf diese Weise gearbeitet. Deshalb habe ich bei den Bulgaren das Bild eines unbedeutenden Menschen hinterlassen. Und als Meister Peter Deunov (obwohl ich ihm nie davon erzählt habe, sah er, was ich im Geheimen tat) mich auswählte, um seine Lehre nach Frankreich zu bringen, war das eine Revolution in der bulgarischen Bruderschaft. Was dabei wirklich äußerst erstaunlich ist, das ist die Tatsache, dass alle an das Unterscheidungsvermögen, an die Weisheit und an die Hellsicht des Meisters glaubten; aber als es um mich ging, da soll er sich plötzlich geirrt haben. Und sogar als die Bulgaren uns hier besuchten und dann, nach Bulgarien zurückgekehrt, ihr Erstaunen und ihre Bewunderung für unsere Arbeit zum Ausdruck brachten, glaubte ihnen niemand. Seit einigen Jahren jedoch ist ein Wandel erkennbar, und jetzt bereiten sie sogar Säle vor, damit ich Vorträge halte. Sie erkennen allmählich an, dass Meister Peter Deunov sich nicht geirrt hat.
Ich habe schon immer eine Neigung, zu verbergen, was ich bin, was ich tue, was ich wünsche. Sogar heute noch. Warum also klammert ihr euch derart an euer Prestige, an euren Ruhm? Arbeitet und lasst eure Arbeit als Empfehlung auf andere wirken. Es ist eure Arbeit, die euch Ruhm einbringt. Man muss weitermachen, bis zum Umfallen, aber niemals die Arbeit aufgeben. Man fällt, man stirbt, das macht nichts, Hauptsache man stirbt treu auf dem Posten, wie der Kapitän eines Schiffes. Da man sowieso sterben muss, dann wenigstens ordentlich sterben. Man sollte alles der Arbeit opfern, und die Arbeit, wenn sie gut getan wird, wird euch alles Übrige geben; vielleicht kommt sogar der Ruhm. Und eben das hat man noch nicht verstanden: Man konzentriert sich auf Gewinn oder auf Ruhm, indem man alles aufs Geratewohl macht, doch dabei kann nichts Vernünftiges herauskommen. Nur wenn ihr eure Arbeit gut macht, werdet ihr den Ruhm ernten, einen unvergänglichen Ruhm. Und die Arbeit sollte für euch sogar anstelle des Vergnügens stehen. Wenn diese Arbeit Vorrang hat, wird sich das Vergnügen vertausendfachen.3 Solange die Menschen jedoch keine wahren Lehrer, keine wahren Meister haben und sie sich damit zufrieden geben, Schwachen und Unwissenden, wie sie selbst es sind, zu folgen, werden sie natürlich niemals zu dieser Auffassung der Dinge gelangen.
Glaubt mir, ich täusche euch nicht. Opfert alles für die Arbeit und ihr werdet tausendmal mehr belohnt werden, als wenn ihr Danksagungen und Ehrungen bekommen hättet. Wenn ihr eure Arbeit gut gemacht habt, müssen alle euren Wert anerkennen. Wie oft hat man Leute aus den untersten Rängen erlebt, die sich wie Despoten aufführen! Sie machen sich lächerlich und man wird sie schließlich verabscheuen. Aber nehmt ihnen ihren kleinen Posten, schon versagen sie jämmerlich und bringen sich um. Ein Eingeweihter hingegen bleibt immer derselbe. Wenn er ein König ist, wenn er auf dem Gipfel steht, er bleibt einfach, voller Liebe. Und wenn er verleugnet, verhöhnt wird, er bleibt derselbe, beständig, stark, unverwundbar. So sollte man sein.
Versucht jetzt, euch bestimmte Wahrheiten aus dieser kleinen Plauderei zu merken, über sie zu meditieren und sie in die Praxis umzusetzen. […]

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Vorankündigung: Broschüre „Die Kunst und das Leben“

Vorankündigung: Broschüre "Die Kunst und das Leben". Leseprobe aus Band 317 der Reihe Broschüren von Omraam Mikhael Aivnahov. 48 Seiten. 4,00 Euro.

Liebe Freunde des Verlags,

heute stellen wir die letzte Broschüre der diesjährigen Herbst-Neuerscheinungen als Leseprobe hier im Blog online.

Das richtige Verständnis der Kunst war Aivanhov sehr wichtig. In seiner spielerischen Leichtigkeit erklärt er in wenigen Worten die Notwendigkeit der Verbundenheit mit den himmlischen Wesenheiten, um erschaffen zu können. Dieses Verständnis lässt sich dann leicht in alle anderen Lebenssituationen ausdehnen.

Broschüre Nr. 317 kommt ebenfalls mit 48 Seiten ins Verlagsprogramm. Wir sind einhellig der Meinung, dass sie eins der Glanzstücke des Herbstes werden wird. Viel Freude beim Lesen!

 

Leseprobe aus: „Die Kunst und das Leben“

Teil I
Erschaffen: Ein höheres Bewusstsein erreichen

 Soweit man in die Vergangenheit zurückblicken kann, sieht man, dass der Mensch den Wunsch zum Erschaffen hat. Einer seiner stärksten und hartnäckigsten Instinkte ist der Wille, ein Schöpfer zu sein, um seinem Himmlischen Vater zu gleichen, dem Schöpfer von Himmel und Erde, der ihn nach seinem Bild erschaffen hat.

Die Kunst ist eine der deutlichsten Bestätigungen für das kreative Bedürfnis der Menschen. Man sieht es bei den primitivsten Völkern, wie es die Malereien an den Wänden von zahlreichen Höhlen auf allen Kontinenten beweisen. Und seht die Kinder: Schon wenn sie noch ganz klein sind, wollen sie etwas erschaffen, etwas herstellen, was sie dann glücklich zeigen. Es beginnt mit Zeichnen, Malbücher anmalen und Sandkuchen backen, Geschichten, Lieder, Tänze und Verkleidungen, sie benutzen alle möglichen Gegenstände als Musikinstrumente, usw.

Die Kunst zeigt, dass das schöpferische Verlangen, das in allen Menschen vorhanden ist, sich nicht auf ein einfaches Nachahmen beschränkt, das die Erhaltung der Menschengattung sichert – das wäre ein Instinkt, den bereits die Tiere haben. Es tritt wie ein Bedürfnis auf, das immer noch weitergehen, immer noch einen Schritt mehr machen, eine alte Form durch eine neue, bedeutungsvollere und passendere ersetzen will. Die schöpferische Macht des Menschen liegt höher als sein gewöhnliches Bewusstseinsniveau: Sie gehört zu der Welt der Seele und äußert sich als Fähigkeit, jene Realitäten, die ihn übertreffen, zu erforschen und wahrzunehmen sowie ihre Einflüsse und Elemente zu erfassen.

Kreativ sein bedeutet, dass man sich selbst übertrifft und über seine Grenzen hinausgeht. Manche sprechen von „Einbildung“… Meinetwegen, aber dann muss man verstehen, dass das, was man Einbildung nennt, nicht bedeutet, etwas, was nicht existiert, von Grund auf zu fabrizieren. Im Gegenteil, Einbildung ist die Fähigkeit, subtile Realitäten zu erfassen, die bereits vorhanden sind, um sie dann durch Worte, Formen, Farben, Bewegungen und Klänge wiederzugeben. Und wenn wir auf der Ebene der Umsetzung begrenzt sind – denn zur Verwirklichung bedarf es einer Geschicklichkeit und einer Technik, die nicht jedem gegeben ist – gibt es auf der Ebene der Gedanken, Gefühle und Wünsche keine Grenzen.

Der Instinkt der Kreativität, den jedes Wesen in sich trägt, treibt es dazu, seine gewöhnlichen Fähigkeiten zu übertreffen und setzt es mit anderen Regionen und anderen Welten, die mit höheren Geschöpfen bevölkert sind, in Verbindung. Dank dieses Teils seiner selbst gelingt es ihm, weiterzugehen und höher zu steigen, um dort gewisse, völlig neue Elemente aufzunehmen und Kinder in die Welt zu setzen, die mit Eigenschaften begabt sind, die es selbst nicht besitzt. Aber es kann auch Meisterwerke in der Kunst und in den Gedanken erschaffen, die es selbst übertreffen. Denn oft ist das Werk größer als sein Erschaffer. Da habt ihr eine ganz gewöhnliche Person vor euch, und ihr hättet sie nicht beachtet, wenn man euch nicht gesagt hätte, dass sie ein Dichter, Komponist, Bildhauer oder Maler ist, dessen Werke die ganze Welt bewundert.

Alle menschlichen Wesen besitzen das Bedürfnis nach Kreativität, aber nur wenige sind in der Lage, mit den höheren Regionen der Seele und des Geistes in Berührung zu treten. Selbst für viele Künstler bleibt die kreative Handlung nur auf der Ebene der Instinkte. Sie sind angetrieben sich auszudrücken, das ist alles. Manche stellen mit größtem Ernst irgendwelche selbst entwickelte Theorien auf, aber das sind sehr persönliche, sehr begrenzte Konzepte! Das kann man keine »Kreation« nennen. Die wahre Kreation beginnt mit der Kenntnis der Gesetze der psychischen und der spirituellen Welt, die magische Gesetze sind. Das setzt voraus, dass man die Modelle in der göttlichen Welt nimmt, und dazu muss man sich üben.

In welcher Richtung muss man sich üben? Das werdet ihr gleich verstehen. Wie kommt es, dass die Erde, die im Winter kahl, nackt und unfruchtbar ist, sich im Frühling und Sommer mit üppiger Vegetation aus so unterschiedlichen Formen, Farben und Düften bedeckt? Eben, weil sie sich in diesen Jahreszeiten in einer Lage befindet, wo sie das Licht und die Wärme der Sonne besser empfängt und bestimmte Elemente aufnimmt, die sie selbst nicht herstellen kann. Sobald sie diese Elemente besitzt, beginnt sie ihre Arbeit und gibt bunte, duftende, leckere und nahrhafte »Meisterwerke«, die sie allen Geschöpfen schenkt. Ebenso müssen die Menschen lernen, sich der geistigen Sonne zuzuwenden und mit ihr eine Verbindung zu knüpfen, wenn sie in der Lage sein wollen, Werke zu schaffen, die die zukünftigen Generationen noch inspirieren sollen.

Warum betrachten wir morgens den Sonnenaufgang? Damit wir lernen, Werke zu erschaffen, die der Sonne gleichen: Belebende Werke, voller Licht und Wärme. Durch ihr Licht, ihre Wärme und ihr Leben, bringt sie uns in Kontakt mit der Kraft, die wir Gott – den Schöpfer – nennen, der selbst Licht, Wärme und Leben ist; und dank des Austausches, den wir mit Ihm führen, werden wir selbst Schöpfer, genau wie Er.

Genau wie das Gebet und die Meditation, zieht uns die Betrachtung des Sonnenaufgangs aus unserem gewöhnlichen Bewusstseinszustand: Wir sind gezwungen, weiterzugehen, uns über uns selbst hinweg zu heben, damit wir mit Bereichen in Kontakt kommen, von denen wir verschwommen vermuten, dass sie unsere wahre Heimat sind. Derjenige, der ein wahrhaftiger Schöpfer werden will, der darf nicht nur auf der Ebene der fünf Sinne stehenbleiben, sondern muss dank seiner subtilen Körper versuchen, sich mit der göttlichen Welt zu verbinden, aus der er dann seine Inspiration erhält. Man spricht von »inspirierten« Künstlern, ohne jedoch immer genau zu wissen, was das bedeutet.

Die Inspiration ist der Eintritt und die Gegenwart eines spirituellen Geschöpfs im menschlichen Wesen. Die Wesenheit, die der Mensch anzuziehen vermochte, nimmt Besitz von ihm, und führt durch ihn hindurch das aus, was er allein mit seinen eigenen Mitteln nicht hätte verwirklichen können. Solange ein menschliches Wesen auf dem gewöhnlichen Niveau seines Bewusstseins bleibt, ist es ihm unmöglich, große Werke zu erschaffen, aber wenn es lernt, sehr weit fortgeschrittene Wesen anzuziehen, können diese es besuchen und ihm die Strömungen und den Hauch einer anderen Welt übergeben. Die Künstler, Architekten, Bildhauer, Maler, Musiker, Dichter, Philosophen usw. der Vergangenheit haben deshalb derartige Meisterwerke hervorgebracht, weil sie bestimmte Gesetze des geistigen Lebens kannten. Bevor sie sich an die Arbeit machten, haben sie sich zurückgezogen, meditiert, den Himmel um Hilfe gebeten; und auf diese Weise wurde ihnen die wahre Schönheit, die wahre Erkenntnis, die wahre Weisheit offenbart, und sie erhielten die Fähigkeit, all das auszudrücken und zu übermitteln.

Wie viele Gedichte alter Zeiten fangen mit einer Anflehung an die Götter oder die Musen an! Eben deshalb, weil ihre Autoren sich darüber bewusst waren, dass sie, wenn sie sich auf ihre eigenen Mittel beschränken würden, begrenzt sein würden und sie sich daher an die höheren Wesen wenden mussten, damit diese sich an ihrer Arbeit beteiligten. Findet man heute viele Künstler, die – bevor sie sich an die Arbeit machen – beten und meditieren, weil sie sich bewusst sind, dass sie die Hilfe von höheren Wesenheiten zum Schaffen benötigen? Die Mehrheit der zeitgenössischen Künstler haben diese so vorteilhaften Praktiken vergessen, sie erscheinen ihnen unnötig und sogar lächerlich, sie suchen ihre Inspiration eher im Alkohol und in Drogen. Sie bilden sich ein, dass sie auch in einem prosaischen, ungeordneten und leidenschaftlichen Leben in Lärm und Rauch imstande sind, unsterbliche Werke zu erschaffen. Eben nicht, sie stellen nur Unbedeutendes, Schreckgestalten, Monster und Scheusale dar, die genau dem Niveau ihrer Entwicklung entsprechen. Sie haben das Geheimnis der wahren Schöpfung verloren. Sie rechtfertigten sich mit der Behauptung, dass sie die »Realität« darstellen. Aber was ist die Realität?

Es gibt alle möglichen Arten von Realitäten. Das, was wir Realität nennen, hängt von unserem Verständnis der Welt ab. Für jeden ist die Realität also etwas anderes. Heutzutage ist es erlaubt, dass alle Arten von Kunst, die prosaischsten, gröbsten und sogar schmutzigsten Realitäten zum Thema nehmen. Deshalb ist es selten, dass die zeitgenössischen Kreationen dieses Element der Ewigkeit enthalten, was den Meisterwerken der Vergangenheit einen solchen Wert verlieh, und viele von ihnen zerstören sogar etwas im Menschen.

Der Übergang von Unordnung zur Ordnung, vom Chaos zur Harmonie, das ist das Gesetz der Schöpfung, und überall im ganzen Universum kann man dieses Gesetz beobachten. Ja, überall, außer in dem, was unsere Zeitgenossen hartnäckig als Kunst bezeichnen, und was in Wirklichkeit zu oft nur eine Rückkehr ins Formenlose ist. Die Intelligenz der Natur arbeitet immer im Sinne der Differenzierung und der Organisation: Eine einzige Zelle, die sich teilt und nach einigen Monaten erscheint ein menschliches oder tierisches Geschöpf, das außerordentlich strukturiert ist. Soll man jetzt die entgegengesetzte Richtung einnehmen und wieder einzellig oder chaotisch werden? Wie kommt es, dass die Künstler, die doch definitionsgemäß Schöpfer sind, nicht verstanden haben, nach welchem Gesetz ihre Kreationen sich richten müssen?

Man schaut sich ein Gemälde, eine Skulptur an und kann nicht erkennen, was sie darstellt; unartikulierte Töne gelten als Gesang, eine Kakophonie als Musik und nebeneinander geworfene Worte als Poesie. Und alle möglichen Verrenkungen und ungeordnete Bewegungen nennen sich Tanz! Die Empfindsamkeit solcher Tänzer muss total abgestumpft sein, dass sie nicht merken, dass sie mit diesen Gesten schädliche Strömungen in sich selbst und in den anderen auslösen. Denn eine Geste ist sehr viel mehr als eine einfache Bewegung: Jede Geste ist magisch, sie hat die Macht, auf subtilen Ebenen zu wirken und setzt uns mit den lichtvollen oder finsteren Bereichen der unsichtbaren Welt in Verbindung. Es ist so wichtig, dass man sich darin übt, Harmonie in seine Gestik zu bringen! Bewusst oder unbewusst sind alle Bewegungen des Körpers Nachrichten, die wir unaufhörlich an die sichtbaren und unsichtbaren Welten senden. Sie sind Ausdruck unseres Verstandes und unseres Herzens, und durch sie können wir unsere Zukunft aufbauen oder zerstören.

Alle Schöpfer müssen sich anstrengen, dass sie sich bis in die höheren Regionen des Geistes erheben. Andernfalls müssen sie wissen, dass sie einen schädlichen Einfluss auf diejenigen haben, die ihre Werke anschauen, anhören oder lesen. Nehmen wir noch einmal das Beispiel der Poesie. Wie oft ist das sogenannte Gedicht nur eine Reihe von verschwommenen Impressionen, eine Folge von Bildern, die vielleicht sehr schön, aber inkonsequent sind! Und allzu oft liegt das Hauptanliegen der Dichter auch darin, dass sie in ihre Werke die negativsten Seelenzustände schütten: Traurigkeit, Ängste, Verzweiflung, Auflehnung… Warum soll ein Dichter der Öffentlichkeit eine solche Nahrung geben? Es ist genauso, als würde er ihr Abfall oder Schmutz anbieten.

Es tut mir leid, wenn euch das, was ich sage, schockiert. Aber wenn ihr begreift, dass die wahre Poesie die Mission hat, im Menschen die geistigen Saiten zum Schwingen zu bringen und ihnen den Impuls zu geben, ein neues harmonisches und lichtvolles Leben zu erschaffen, dann werdet ihr nicht mehr so schockiert sein. Die Poesie muss auf einem höheren Wissen gründen, sonst ist sie unnütz und sogar schädlich. Eben weil Plato dieses Wissen besaß, verweigerte er den Poeten den Zutritt zu seiner „idealen Stadt“. Er warf ihnen vor, dass sie die Bürger in einer Welt von Illusionen und Lügen beließen; aber vor allem dass sie sie durch die Magie ihrer Kunst eher für Emotionen und Leidenschaften empfindsam machten, als auf ein Verhalten, das von Vernunft und Tugend inspiriert war.

Also prüft genau, welchen Zustand der Umgang mit Kunstwerken oder Gedanken in euch bewirkt, denn dieser Umgang bleibt nie ohne Folgen. Ob ihr es wollt oder nicht, ihr verbindet euch mit den Autoren, ihr fangt an zu fühlen und zu leben, was sie selbst erlebt haben, ihr geht den Weg, den sie vor euch gegangen sind: Sie ziehen euch in die Bereiche mit, die sie selbst besucht haben. In dieser Hinsicht könnte die Kunst, wenn sie richtig verstanden ist, die beste Erziehung sein. Als die Künstler sich in die göttliche Welt, bis zum Gipfel ihres Seins, zu erheben vermochten, haben die Elemente, die sie aus diesen geistigen Höhen mit zurückbrachten, nicht nur an ihnen selbst weitergewirkt, sondern haben auch nützliche Wandlungen in der ganzen Welt erzeugt. Dies ist das Ideal der wahren Künstler und auch der Mystiker und Eingeweihten.

Kurz gesagt, Künstler, Mystiker und Eingeweihte treffen sich in der Tatsache, dass sie die Menschheit nach oben führen möchten: Die Künstler durch ihre Meisterwerke, die Mystiker durch ihre Tugenden sowie ihre spirituellen Emotionen und die Eingeweihten sowie die großen Meister durch ihre Fähigkeit, das Licht des Geistes erstrahlen zu lassen. Die Künstler versuchen Formen darzustellen, die sich der idealen Schönheit soweit wie möglich nähern; die Mystiker und die Religiösen widmen sich dem psychischen, moralischen Bereich, dem Inhalt; und die Eingeweihten, die großen Meister, arbeiten auf dem Gebiet des Sinns, das heißt der Ideen und der Prinzipien. Diese drei Kategorien von Menschen nähern sich in ihrem Wunsch, die Menschheit weiterzuentwickeln; sie unterscheiden sich nur durch die Bereiche, in denen sie ihre Tätigkeit ausüben: in der Form, in dem Inhalt oder in dem Sinn. […]

Vorankündigung: Broschüre „Die Nahrung, ein Liebesbrief des Schöpfers“

Vorankündigung Broschüre "Die Nahrung, ein Liebesbrief des Schöpfers". Leseprobe aus Band 316 der Reihe Broschüren von O. M. Aivahnov. 48 Seiten. 4,00 Euro.

Liebe Freunde des Verlags,

heute stellen wir den ersten Teil der Broschüre Nr. 316 „Die Nahrung, ein Liebesbrief des Schöpfers“ als dritte Vorankündigung für die Herbst-Neuerscheinungen online. Wie auch die zuletzt vorgestellten Broschüren Nr. 310 „In die Stille gehen“ und Nr. 314 „Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Liebe“, hat auch diese Ausgabe 48 Seiten.

Der Inhalt stammt stellenweise aus den Büchern „Izvor 204 – Yoga der Ernährung“ und „Gesamtwerk 16 – Alchimie und Magie der Ernährung – Hrani Yoga“, der überwiegende Teil aber ist aus bisher unveröffentlichten Vorträgen Aivanhovs entnommen.

 

Leseprobe aus: „Die Nahrung, ein Liebesbrief des Schöpfers“

Teil 1
Die Stille während der Mahlzeiten

Nehmen wir einmal an, ihr habt aus irgendeinem Grund mehrere Tage lang keine Nahrung zu euch genommen. Ihr seid derart geschwächt, dass ihr weder gehen noch euch irgendwie bewegen könnt. Selbst wenn ihr sehr gelehrt oder reich seid, sind alle eure Kenntnisse und Reichtümer nichts wert im Vergleich zu einem Stück Brot oder einer Frucht, die man euch gibt. Schon beim ersten Bissen fühlt ihr euch neu belebt. Ist das nicht wundervoll? Ihr verdankt es dieser Nahrung, der ihr nur instinktiv und unbewusst eine Bedeutung beimesst, dass ihr wieder in der Lage seid aufzustehen, zu sprechen, zu handeln, zu fühlen und zu denken. Was ist ein Bissen Nahrung? Welche Elemente enthält er? Welche Mechanismen setzt er in Bewegung? Lohnt es sich nicht, darüber nachzudenken?

Einerseits stimmt es – das kann man feststellen – dass die ganze Welt die Frage der Ernährung an die erste Stelle stellt. Alle versuchen, zuerst diese Frage zu regeln. Sie gehen jeden Tag zur Arbeit, manche sogar bis zur Erschöpfung, und sie sind immer bereit zu kämpfen, um essen zu können. Wie viele Kriege und Revolutionen hatten nur diesen Ursprung! Aber diese Haltung gegenüber der Nahrung ist bis jetzt nur ein Instinkt, den die Menschen mit den Tieren gemeinsam haben, die einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringen, ihr Überleben zu sichern. Sie haben noch nicht die psychische und sogar spirituelle Dimension der Ernährung verstanden, sie können nicht wirklich essen.

Beobachtet ein paar Personen, die an einem Tisch sitzen: Sie nehmen die Nahrung rein mechanisch und völlig unbewusst auf, schlucken ohne zu kauen, wälzen in ihrem Kopf und ihrem Herzen eine Vielzahl verschiedener Gedanken und Gefühle. Und wie viele Mahlzeiten werden streitend eingenommen!

Man braucht nur zu schauen, was sich in den Familien abspielt: Vor dem Essen hat sich keiner etwas zu sagen, jeder hockt in seiner Ecke, der eine liest, der andere hört Radio oder werkelt herum… Aber sobald sie am Tisch sitzen, haben alle etwas zu erzählen oder wollen sogar miteinander abrechnen; und sie sprechen, diskutieren und zanken sich. Auf diese Weise stören sie die Tätigkeit ihres Organismus und kein Vorgang läuft mehr richtig ab, weder die Verdauung noch die Sekretion noch die Ausscheidung von Giftstoffen.

Wie viele Leute werden krank, ohne zu erkennen, dass ihre Leiden von ihrer Ernährungsweise kommen! Sie sind nervös und unruhig, und um das zu beheben, beginnen manche, Entspannungsübungen, Meditation und Yoga zu machen. Aber wenn sie weiterhin irgendwie essen müssen, in Lärm, großer Eile und Diskussionen, wird es ihnen nichts nützen, wenn sie sich danach entspannen gehen, meditieren oder Yoga machen. Das ist sogar verlorene Zeit, wohingegen sie jeden Tag während der Mahlzeiten die Möglichkeit haben, Übungen zur Entspannung, Konzentration und Harmonisierung all ihrer Zellen zu machen.

Was ich euch über die Ernährung sagen kann ist von höchster Wichtigkeit. Ihr werdet zweifellos zunächst finden, dass das langweilig und zu schwierig umzusetzen ist. Aber wenn ihr euch bemüht, das zu verstehen und wenn ihr vor allem beginnt, einige dieser Wahrheiten in die Praxis umzusetzen, wird euer ganzes Leben bereichert, verschönert und verwandelt werden.

Ich werde zu euch also von der Art und Weise sprechen, wie ein Weiser, ein Eingeweihter die Ernährung versteht. Da es für ihn wesentlich ist, die besten Bedingungen zu schaffen, um die Elemente, die in den Labors der Natur zubereitet wurden, zu empfangen, beginnt er damit, sich zu sammeln, indem er sich mit dem Schöpfer verbindet. Er segnet die Nahrung und vor allem begibt er sich nicht in Gespräche; er isst in Stille. Wenn er den ersten Bissen einnimmt, versucht er, ihn bewusst und so lange wie möglich zu kauen, bis er flüssig geworden ist, fast verschwindet und ohne jede Anstrengung geschluckt werden kann.

Welchen Bereich man auch immer betrachtet, der wesentliche Moment einer Handlung ist der Beginn. Er gibt das Signal, damit sich die Kräfte in Bewegung setzen, und diese Kräfte machen nicht auf halbem Wege halt, sie gehen bis zum Ende. Wenn ihr eine Tätigkeit in einem harmonischen Zustand beginnt, wird der ganze Rest harmonisch ablaufen. Der Zustand, in dem ihr den ersten Bissen einnehmt, ist also sehr wichtig und ihr müsst euch vorbereiten, um das in bestmöglicher Verfassung zu tun, denn es ist der erste Bissen, der innerlich das ganze Räderwerk in Gang setzt.

Aber kommen wir zum Kauen zurück. Langsam zu essen und gründlich zu kauen, erleichtert die Verdauung. Wenn man das Essen schluckt, ohne es genügend zu kauen, muss der Magen, wenn er es empfängt, zusätzlich Energie aufwenden, um es zu verdauen. Und das Kauen hat noch eine andere Funktion: Der Mund, der die Nahrung als erstes empfängt, ist ein Labor, das schon auf einer subtileren Ebene die Rolle eines echten Magens spielt. Mit Hilfe von Drüsen, die auf und unter der Zunge liegen, absorbiert er die ätherischen Teilchen der Nahrung, die feinsten und mächtigsten Energien. Was darauf der Magen empfängt, ist nur der materiellste Teil des Essens. Aber sogar die Ernährungs-Fachleute betonen nicht ausreichend die Notwendigkeit, richtig zu kauen, bevor man schluckt.

Ich habe euch gesagt, dass der Mund eine Art Labor ist. Man kann auch sagen, dass er wie eine kleine Küche ist und dass es notwendig ist, dass man die Nahrung, bevor man sie in den Magen hinunterschickt, einen Moment lang in dieser Küche zubereitet, kocht und sie mit ein wenig Öl – d. h. Speichel – würzt.

Warum fühlt ihr schon bei den ersten Bissen, sogar noch bevor das Essen verdaut werden konnte, dass ihr wieder neue Kräfte bekommt? Wenn das so schnell passieren konnte, dann deshalb, weil der Organismus dank des Mundes schon Energien, ätherische Elemente aufgenommen hat, die dann euer Nervensystem versorgt haben. Noch bevor der Magen die Nahrung verwandeln konnte, ist das Nervensystem schon genährt.

Essen muss uns Lebenskraft wiedergeben und wenn manche Leute sich nach einer Mahlzeit müde fühlen, dann deshalb, weil sie schlecht essen. Wenn man die Nahrung schluckt, ohne sie richtig gekaut zu haben, ist sie schwieriger zu verdauen, der Organismus muss sich also mehr anstrengen, und daher kommt die Müdigkeit. Die Gesundheit setzt die Einhaltung einiger sehr einfacher Prinzipien voraus. Eines dieser Prinzipien ist, sich bewusst zu sein, was man isst, und dabei jeden Bissen richtig zu kauen.

Die Stille bietet also die besten Bedingungen, damit der Vorgang der Ernährung harmonisch ablaufen kann. Aber in Stille zu essen, beschränkt sich nicht darauf, nicht zu sprechen. Denn was ist eine Stille, die ständig durch den Lärm von Tellern, Löffeln, Gabeln, Messern, Gläsern usw. unterbrochen wird? Das ist unerträglich! Die Stille bei Tisch setzt auch voraus, dass man mit dem Besteck keinen Lärm macht, dass man es also geschafft hat, seine Gesten zu beherrschen.

Die Geste kommt aus dem Bereich des Willens, aber der Wille allein reicht nicht, es ist notwendig, dass er durch die Gedanken und Gefühle unterstützt wird. Wenn man es vermeiden will, dass man Gegenstände umwirft oder anstößt, muss man mit seinen Gedanken gegenwärtig und aufmerksam sein, um die Entfernungen abzuschätzen und den Gedanken auch ein Gefühl von Frieden und Sanftmut hinzufügen. Unaufmerksamkeit und Hektik sind die hauptsächlichen Ursachen des Lärms. Wenn man ein Glas umstellt, ohne zu schauen, in welcher Entfernung es sich befindet, vor oder hinter einem anderen Gegenstand, dann stößt man damit an. Das ist zwar nur ein Detail, aber es enthüllt einen Mangel, der sich in einem größeren Maßstab im Leben auszuwirken droht.

Wenn ein Gegenstand eurem Blick, eurem Bewusstsein entgeht, seid ihr nicht mehr der Herr und er gehorcht euch nicht. Um einen Gegenstand zu beherrschen, müsst ihr ihn zunächst mit den Gedanken beherrschen. Wenn er euch entwischt, werdet ihr niemals Herr über ihn sein. Alle kleinen Ungeschicklichkeiten, die manche Personen bei den Mahlzeiten begehen, enthüllen, dass sie nicht gegenwärtig, nicht bewusst sind und von da an kann man voraussehen, dass sie unter wichtigeren Umständen ohne Aufmerksamkeit sprechen und handeln werden, indem sie die anderen umstoßen und anrempeln werden. Wie viel Zeit werden sie dann brauchen, um ihre Schnitzer wieder auszubügeln! Und sie werden leiden.

Es ist nutzlos, sich dermaßen mit der Diätlehre zu befassen, wie man es derzeit macht, wenn man weiterhin die Art und Weise zu essen vernachlässigt. Ich werde mit euch also nicht über Diäten sprechen, es gibt genügend Werke, die dieses Thema behandeln. Ich werde euch nur sagen, dass ich den Vegetarismus und eine gesunde Ernährung empfehle und die Vermeidung von Alkohol, von chemisch behandelten Produkten und von Exzessen jeder Art.

Man muss umsichtig und maßvoll sein, das ist alles. Deshalb stimme ich denen nicht zu, die behaupten, dass man nur Getreide essen dürfte oder nur Früchte oder nur rohes Gemüse und dass man niemals einen Tropfen Wein, Tee oder Kaffee trinken dürfte. Nein, das ist übertrieben.

Man hat mir oft Fragen über den Vegetarismus gestellt. Heutzutage hätte der Mensch, und im speziellen der westliche Mensch, die Möglichkeit, sich zu ernähren ohne dafür eine Unzahl von unschuldigen Tieren niederzumetzeln. Indem er Tiere züchtet, was oft unter scheußlichen Bedingungen geschieht, ohne anderes Ziel als ihren Verkauf und Verzehr, macht er sich nicht nur der Grausamkeit schuldig, sondern er schadet auch noch sich selbst.

Die Überlegenheit der vegetarischen Ernährung gegenüber der fleischlichen kommt daher, dass sie in gewisser Weise eine Konzentration von Sonnenstrahlen ist. Wenn wir eine Frucht oder ein Gemüse essen, nehmen wir indirekt Sonnenlicht auf, und dieses Licht hinterlässt in uns sehr wenig Abfälle, wohingegen das Fleisch eher arm an Sonnenlicht ist und deshalb schnell verfault. Und alles, was schnell verfault, ist nicht gut für die Gesundheit.

Viele Ärzte erkennen inzwischen die Vorteile des vegetarischen Essens an, sofern man das Essen ausgeglichen zusammenstellt und das Fleisch teilweise durch Fisch ersetzt.* Ich habe euch gesagt, dass ich mich nicht mit den Diäten befassen will. Warum? Weil weder der Vegetarismus noch die gesündeste Nahrung von bester Qualität jemals irgendjemanden davon abhalten werden, gemein und lasterhaft zu sein. Die Nahrung ist nur ein Mittel. Was am meisten zählt, ist das psychische Leben. Ob man jetzt dieses oder jenes Nahrungsmittel isst oder nicht isst, bleibt zweitrangig. Nur derjenige, der entschlossen ist, an sich selbst zu arbeiten, wird in dem, was er isst, die Elemente finden, die ihn auf allen Ebenen ernähren werden.

Es ist nicht einfach, während der Mahlzeiten zu schweigen und keinen Lärm mit dem Besteck zu machen, aber das ist noch nicht das Schwierigste. Man bewahrt die Stille, man schafft es zu schweigen und nach und nach seine Gesten zu beherrschen, führt aber innerlich alle möglichen Gespräche mit dem einen oder anderen: mit der Familie, den Freunden, den Arbeitskollegen, dem Chef… Und was für Gespräche sind das? Oft sind es Vorwürfe, Beschuldigungen oder sogar Drohungen. Und das ist die schlimmste Art zu essen.

Es ist natürlich wichtig, gesunde Nahrung zu wählen und die Mahlzeiten ausgeglichen zusammenzustellen, aber der Zustand, in dem man isst, ist noch wichtiger. Wenn man nicht bestimmte Vorkehrungen trifft, kann man sich mit der besten Nahrung vergiften. Aber ja, wenn man in der Zeit, in der man das Essen zum Mund führt, aufgeregt ist und durch Wut oder andere negative Zustände verstimmt ist, dann wird dieses Essen von den Giften, die von solchen Zuständen erzeugt werden, durchdrungen, und diese Gifte werden sich im ganzen Organismus verbreiten. Ihr werdet sagen, dass ihr noch nie davon gehört habt. Das ist möglich, aber das ist die Wahrheit. In dem Maße, wie ihr die Nahrung aufnehmt, wird sie von schädlichen Elementen, die euer Intellekt und euer Herz herstellen, durchdrungen, und sie vergiftet euch. Natürlich stimmt auch das Gegenteil. Die Nahrungsmittel werden auch von den guten Gedanken und guten Gefühlen durchdrungen, die ihr beim Essen haben könnt, und sie ernähren euch dann mit ihrer Quintessenz.

Es ist normal, dass man durch gewisse Ereignisse vorübergehend aufgeregt und gereizt ist. Aber wenn es Essenszeit ist, wartet ein bisschen, bis ihr den inneren Frieden und die Harmonie wiedergefunden habt, bevor ihr esst. Wenn es euch nicht möglich ist zu warten, weil euch eure Beschäftigungen dazu zwingen, genau zu diesem Zeitpunkt zu essen, dann unternehmt zumindest die Anstrengung, euch auf die Nahrung zu konzentrieren, indem ihr sie mit eurem Respekt und eurer Dankbarkeit durchdringt. Diese Gefühle, zu deren Träger sie dann wird, werden dann, wenn ihr sie aufnehmt, eure negativen Zustände verwandeln, und ihr werdet dann bei den Personen, der Familie oder den Freunden, mit denen ihr diese Mahlzeit einnehmen müsst, die seelische Atmosphäre nicht stören.

Das Anzeichen für die Entwicklung eines Menschen liegt in seinem Bewusstsein, dass er zu einem viel größeren Ganzen gehört, dessen Harmonie er nicht stören will, weder durch seine Aktivitäten noch durch seine Gedanken, seine Gefühle und seinen inneren Lärm. Ihr werdet sagen: »Was für ein innerer Lärm?« Ja, jeder Lärm ist das Ergebnis einer Unstimmigkeit, und der Lärm, den jeder mit seinem Kummer und seinem Aufruhr machen kann, stört die psychische Atmosphäre seiner Umgebung.

Und da möchte ich hinzufügen, dass man, um seine Gedanken während der Mahlzeiten konzentrieren zu können, vorher schon ein bisschen im täglichen Leben an seiner Selbstbeherrschung gearbeitet haben muss. Wenn ihr es euch angewöhnt habt, die negativen Gedanken und Gefühle, die euch überfallen können, abzuweisen, wird eure Aufgabe dadurch einfacher sein. Ihr werdet sagen: »Muss man sich also das ganze Leben lang vorbereiten, nur um richtig essen zu können?« Ja und Nein. Es werden nicht alle Probleme gelöst sein, nur weil man gelernt hat, richtig zu essen. Ich nehme die Mahlzeiten als Basis, als Ausgangspunkt, aber das soll nicht heißen, dass es nichts Wichtigeres gibt. Man soll den ganzen Tag aufmerksam und wachsam sein, um allen Umständen die Stirn bieten zu können und auch versuchen, diese Aufmerksamkeit und Wachsamkeit während der Mahlzeiten zu bewahren.

* Siehe Band 204 der Taschenbuchreihe Izvor »Yoga der Ernährung«, Kapitel 5: »Der Vegetarismus«.

 

Vorankündigung: Broschüre „Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Liebe“

Vorankündigung: Broschüre "Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Liebe" von Omraam Mikhael Aivanhov aus dem Prosveta Verlag. 48 Seiten. 4,00 Euro.

Liebe Freunde des Verlags,

die zweite Vorankündigung der Herbst-Neuerscheinungen ist die Broschüre Nr. 314 mit dem Titel „Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Liebe“.

Diese Broschüre wird eines der Highlights der Neuerscheinungen darstellen, denn Aivanhov spricht ziemlich direkt topaktuelle Themen an. Auch sie wird 48 Seiten Umfang haben. Wir stellen den ersten Teil der Broschüre als Leseprobe online zur Verfügung und wünschen viel Freude beim Lesen.

 

Leseprobe aus: „Das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Liebe“

Teil I
Man kann der göttlichen Gerechtigkeit nicht entgehen

Seit Jahrtausenden versuchen die Menschen in Gemeinschaft zu leben, und die zahlreichen glücklichen oder unglücklichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, haben sie gelehrt, dass das Zusammenleben nur unter einer Bedingung möglich ist: Es muss auf dem Gesetz des Austausches beruhen, auf dem Gesetz des Gleichgewichts zwischen Nehmen und Geben. Dieses Gesetz des Austausches haben sie »Gerechtigkeit« genannt: Wenn man etwas nimmt, muss man etwas Gleichwertiges als Entschädigungen dafür geben, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Nach Jahrtausenden von Erfahrungen haben die Menschen also verstanden, dass, wenn sie zusammen leben wollen, alle Menschen das große Gesetz des Gleichgewichts respektieren müssen. Sie haben Gerechtigkeit gefordert, sie haben für Gerechtigkeit gekämpft und oft sind sie sogar dafür gestorben.
Wenn man heutzutage darüber spricht, Gerechtigkeit auszuüben, ist man sich bewusst, dass man mit ihr nicht nur eine nützliche, sondern auch eine notwendige Tugend und einen großen Edelmut ausübt. Alle Versuche, welche die Menschen machen, um die Unordnungen und Verbrechen zu beheben, die durch Ungerechtigkeit entstanden sind, können als echter Fortschritt angesehen werden. Aber in Wirklichkeit ist die Gerechtigkeit, die auf Erden herrscht, von Natur aus sehr unvollkommen, und sie wird unvollkommen bleiben, egal was man macht. Warum? Weil es eine materialistische Gerechtigkeit ist.
Jemand klagt vor Gericht, dass sein Nachbar ihm ein paar Meter Land weggenommen oder ihn im Streit geschlagen habe; und er zeigt seine blauen Flecken. Da er materielle Beweise geben kann, nimmt das Gericht natürlich seine Klage an. Aber nehmen wir den Fall eines anderen, der jemandem bewusst schlechte Ratschläge gegeben hat: Mit großem Geschick und hinterlistigen Worten hat er ihn veranlasst, Entscheidungen zu treffen, die gegen seine Interessen gingen und ihn schließlich ruiniert haben. Es gibt Menschen, die in diesem Bereich ein wahres Ass sind. Materiell gesehen kann man ihnen nichts vorwerfen, und wenn ihr Opfer den Fall vor den Richter bringt und zu ihm sagt: »Der Mann hat mein Vertrauen, das ich ihm gab, ausgenutzt, um mich zu vernichten. Ich habe seinen Rat befolgt, weil ich von seiner Aufrichtigkeit überzeugt war, und jetzt habe ich meinen Reichtum und meinen guten Ruf verloren…«, wird der Richter darauf antworten, dass sein Fall im Strafgesetzbuch nicht vorgesehen ist und dass er nichts für ihn tun kann.
Wie viele Menschen, die wissen, dass kein menschliches Gericht ihre bösen Absichten, Lügen und nicht gehaltenen Versprechungen bestrafen wird, sind listig genug, sich in ihren äußeren Handlungen tadellos zu zeigen, um nicht gefasst zu werden! Es gibt Tausende von Möglichkeiten, schlecht zu handeln, ohne unter den Hammer des Richters zu fallen. Solange die Richter keine Möglichkeit haben, die subtilen Ebenen zu untersuchen, um die Absichten zu entdecken, können sie nicht gerecht urteilen. Sie müssten Hellseher sein, aber wahre Hellseher sind noch schwerer zu finden als gute Richter!
Man hört oft Diskussionen darüber, wie Diebe, Entführer und Mörder bestraft werden sollten… aber die größten Verbrecher laufen in Wirklichkeit frei umher. Wenn Staatsoberhäupter sich leichtfertig entscheiden, einen Krieg auszulösen, durch den Tausende von unschuldigen Menschen niedergemetzelt werden, oder wenn Wirtschaftsleute Ratschläge geben, die ganze Völker in Hungersnot bringen: Gibt es dafür ein Gericht, das sie verurteilt…? Oder wenn es manchen im rechten Moment gelingt, ein paar Artikel in die Zeitungen zu setzen, die das Leben eines Mannes oder einer Frau und deren Familie zerstört, dann werden die meisten dieser Fälle nicht nur nicht bestraft, sondern als Information angesehen!
Wenn ihr bei eurem Nachbarn eine Fensterscheibe eingeschlagen oder sein Fahrrad gestohlen habt, dann setzt sich die Justiz sofort in Bewegung. Aber wenn jemand durch eure Texte, eure Worte oder euer Beispiel den Glauben, die Hoffnung und die Liebe verloren hat, wenn ihr ihn zu Ausschweifungen, Aufstand oder Verzweiflung geführt habt, lässt euch die Justiz in Ruhe. Oder noch besser: Wenn ihr ein Philosoph oder ein Schriftsteller seid, können sie euch dafür sogar mit einem Preis auszeichnen! So waltet heutzutage die Gerechtigkeit auf der Erde: Bestraft werden diejenigen, die es wagen, den materiellen Besitz anzurühren. Aber diejenigen, die das zerstören, was am besten und wertvollsten in den anderen ist, das macht nichts, das ist nicht schlimm, die lässt man in Ruhe. Die Seele zählt nicht, der Geist zählt nicht!
Und welche Gerechtigkeit gibt es bei den Zuständen, die man auf der ganzen Welt sieht? Die Unfähigen, die Egoisten und die Bösen haben Geld, Macht und alle möglichen materiellen Vorteile, mit denen sie weiterhin schaden können, während andere, die die besten Qualitäten haben, begrenzt, schikaniert und verfolgt werden. Manche gehen sogar bis zu dem Punkt, wo sie sich sagen: »Wenn Gott existieren würde, würde Er solche Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten nicht dulden.« Die anderen aber, die trotz allem ihren Glauben noch behalten haben, stellen sich unaufhörlich Fragen und quälen sich. Nun, die müssen wissen, dass es auf ihre Fragen eine Antwort gibt. Und diese Antwort lautet, dass es ein Gesetz gibt: das Gesetz über Ursache und Wirkung, das eines der grundlegendsten Gesetze der Schöpfung ist.
Jede Tat, jede Handlung und jedes Ereignis zieht Konsequenzen nach sich, und jede Tat, jede Handlung, jedes Ereignis ist selbst die Konsequenz einer Ursache. Ursache und Folge sind untrennbar miteinander verbunden. Aber die Dauer eines irdischen Lebens ist zu kurz, um das riesige Spiel von Ursachen und Folgen beobachten zu können. Wenn wir viel länger leben würden, würden wir die Folgen von bestimmten Ursachen sehen und feststellen, dass die Schuldigen schließlich bestraft und die Guten belohnt werden, denn wenn dies nicht sofort geschieht, wird es unweigerlich eines Tages geschehen.
Es ist nur die Kürze eines Menschenlebens, die uns daran hindert, die Folgen gewisser Ursachen zu erkennen; ebenso sehen wir heute Tatsachen, die die Folgen von Ursachen sind, die weit vor unseren jetzigen Leben liegen und die wir folglich nicht kennen. Auf diese Weise befinden wir uns im Laufe eines einzelnen Erdenlebens in Situationen, die einerseits Ursachen und andererseits Folgen sind, was wir nicht auseinanderhalten können. Deshalb gibt es so viele Ereignisse, die total durcheinander und sinnlos erscheinen. Da braucht man sich gar nicht zu wundern, wenn so viele Menschen empört sind, sich auflehnen und voreilige – also falsche – Schlussfolgerungen ziehen, wenn sie überall sehen, dass Schurken nicht bestraft und gute Menschen nicht belohnt werden, dass unschuldigen Menschen Unglück zustößt und dass andere, die nichts getan haben, um es zu verdienen, Glück haben. Ja, das stimmt, scheinbar hat das keinen Sinn. Aber wie ist es in Wirklichkeit?
Zunächst muss man wissen, dass die menschliche und göttliche Gerechtigkeit nicht die gleiche Beschaffenheit haben, und wenn es möglich ist, der menschlichen Gerechtigkeit zu entkommen, ist es unmöglich, der göttlichen Gerechtigkeit zu entkommen. Auch wenn die göttliche Gerechtigkeit sich auf die Menschen nicht sichtbar ausübt, trifft sie sie in ihrem Inneren. Es gibt Verbrecher, die der menschlichen Gerechtigkeit immer entkommen sind. Aber da jede Handlung sich auf denjenigen auswirkt, der sie begangen hat, geht derjenige innerlich unter: Sein seelischer Zustand, seine Gesundheit, alles geht zugrunde. Manche Elemente erhalten sich scheinbar noch, aber nach und nach bröckeln auch sie, denn es ist das Innenleben, was das gesamte »Gebäude« – den Menschen – stützt und nährt; und wenn das Innere sich zersetzt, bricht das Äußere letztendlich auch zusammen.«

So äußert sich also die göttliche Gerechtigkeit, und selbst wenn die Strafmaßnahmen nicht sofort sichtbar sind, sind sie unmittelbar da: Im gleichen Moment, wo ein Mensch ein Gesetz überschreitet, verdunkelt sich etwas, zerfällt etwas in ihm. Vielleicht bedarf es Jahre, bis die Beeinträchtigung äußerlich sichtbar wird, aber im Inneren zersetzt sich bereits etwas.
Hier muss also wieder an die Reinkarnation erinnert werden, die in Wirklichkeit nur das Gesetz von Ursache und Wirkung anwendet, aufgrund dessen jede unserer Taten eine Ursache darstellt, die ihre Folgen tragen wird. Da das Leben der Menschen nicht in dem Moment aufhört, wo sie die Erde verlassen, folgen ihnen die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht nur bis ins Jenseits, sondern sie sind zum Zeitpunkt ihrer Reinkarnation wieder lebendig und aktiv. Solange man diese Wahrheit nicht akzeptiert, kann man nichts von der göttlichen Gerechtigkeit verstehen.
Man kann also nicht behaupten, dass der eine die guten Bedingungen – die er in seinem jetzigen Leben nutzt – oder ein anderer die Ungerechtigkeiten – denen er zum Opfer fällt – nicht verdient, weil man ihre früheren Inkarnationen nicht kennt. Derjenige, der scheinbar ein Opfer von Ungerechtigkeiten ist, ist vielleicht dabei, frühere Übertretungen zu begleichen; und es kann auch sein, dass die göttliche Vorsehung ihm gewisse Erfahrungen nicht ersparen will, unter denen er natürlich leiden wird, aber durch die er Licht und Reichtum gewinnen wird, die er hätte entbehren müssen, wenn er ein geschütztes, ruhiges und bequemes Leben gelebt hätte. Deshalb werden die »Opfer«, wenn sie ihre Prüfungen annehmen und durchleben können, von der Göttlichen Vorsehung weit über das ertragene Leiden hinaus belohnt.
Aber versteht mich nicht falsch. Wenn ihr Menschen in miserablen Bedingungen oder vom Unrecht verfolgt seht, benutzt meine Erklärungen nicht dazu, um gleichgültig zu bleiben und zu glauben, dass sie das haben, was sie verdienen. Ihr seid nicht im Geheimrat der Herren des Schicksals*: Sie haben euch nicht die Gründe offenbart, warum diese Menschen Schicksalsschläge ertragen müssen; und wenn ihr die Möglichkeit habt, müsst ihr etwas tun, um ihnen zu helfen. Das, was ich euch eben sagte, solltet ihr eher als eine Regel für euch selbst anwenden.

*Siehe Band 236 der Reihe Izvor »Weisheit aus der Kabbala«, Kapitel 15, Teil 1: »Binah – Die Gesetze des Schicksals«.

Eines Tages hat mich ein Mann besucht, der unter der Lebenseinstellung seiner bereits erwachsenen Kinder schrecklich litt. Während er ihnen viel Güte und Großzügigkeit zeigte, bekam er dafür nur Undank und Grausamkeit zurück, und diese Ungerechtigkeit hat ihn vernichtet. Ich sagte zu ihm: »Wollen Sie, dass ich Ihnen ein Heilmittel, ein wirksames Gegenmittel gebe? Wenn Sie die Vorstellung akzeptieren, dass die Göttliche Vorsehung diese Mittel anwendet, um Sie zu stärken, Sie zu befreien, Sie zum Nachdenken zu bringen oder Sie zu bessern, dann werden Sie sich nicht mehr auflehnen, und Sie werden wieder gesund werden. Das, was so an Ihnen zehrt und Sie krank macht, ist der Gedanke, dass das, was Ihnen widerfährt, ungerecht ist. Denken Sie, dass es gerecht ist, dann werden Sie gesund.« Der Mann hat mir vertraut und ist wieder gesund geworden. Er sagte sich außerdem, dass er vielleicht Fehler aus früheren Leben bezahlt… Solange man diesen Gedanken nicht akzeptieren kann, geht es weiter mit den Qualen, und die Qualen zehren am Nervensystem und dem ganzen Organismus.
Also heute sage ich es auch euch: Wenn ihr euch als Opfer von Ungerechtigkeiten fühlt, akzeptiert die Vorstellung, dass die Ungerechtigkeit nur scheinbar ist. Das ist vielleicht nicht wahr, aber diese Einstellung wird euch helfen; wenn ihr sie akzeptiert, befreit ihr euch. Ich habe es an mir selbst überprüft. In der Vergangenheit kannte ich diese Methode nicht und stellte mir oft Fragen über all das, was mir zustieß: lügenhafte Beschuldigungen und Angriffe, die nicht gerechtfertigt waren. Jetzt stelle ich mir keine Fragen mehr, ich denke, dass alles gerecht ist, auch wenn das nicht wahr ist. Was hat Jesus getan, um die Kreuzigung zu verdienen? Natürlich war das Schicksal von Jesus ungewöhnlich, und wir dürfen uns nicht einbilden, dass wir der gleiche Fall sind wie er. Aber wie viele Unschuldige werden eingesperrt und gequält! Wenn sie sich innerlich gegen das Unrecht auflehnen und sich fragen: »Aber warum nur? Warum?«, so ist das nur noch eine Qual mehr. Selbst wenn man unschuldig ist, sollte man sich lieber nicht solche Fragen stellen, sondern denken, dass man genauso schuldig ist wie alle anderen. Auf diese Weise befreit man sich.

Die Erde ist wie ein riesiges Versuchsfeld, auf dem wir momentan ein Praktikum machen. Wann wird sich »das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit«, wovon Jesus sprach, unter den Menschen verwirklichen? Das weiß keiner. In der Zwischenzeit sagt euch also, dass es weise ist, manche Bedingungen, die euch gegeben wurden, ohne Auflehnung zu akzeptieren. Und vor allem macht euch keine Sorgen darüber, ob ihr in der Gesellschaft, in der ihr lebt, euren Verdiensten entsprechend geschätzt und eingeordnet werdet. All das ist nur vorübergehend! Ihr müsst wissen, dass in der kosmischen Ordnung kein Geschöpf den Platz eines anderen einnehmen kann. Derjenige, der sich durch seine Intrigen einen Platz angeeignet hat, der einem anderen, würdigeren Menschen bestimmt war, muss ihn auf die eine oder andere Weise wieder verlassen; und derjenige, der bescheiden im Schatten bleibt, mag zu den höchsten Ämtern erhoben werden.
Im Theater kommt es vor, dass ein hemmungsloser Zuschauer sich in die erste Reihe setzt, in der Hoffnung, dass keiner ihn dort verscheucht. Aber dann kommt die Platzanweiserin, verlangt sein Ticket, und schickt ihn ganz nach hinten in die letzte Reihe; und dann lässt sich derjenige, der den Platz in der ersten Reihe reserviert hat, dort nieder. Ja, im Leben ist es genau das Gleiche. Wenn also jemand momentan den Platz einnimmt, der für euch vorgesehen war, macht euch keine Sorgen. Die »Platzanweiserin« wird kommen und den Eindringling wegschicken. Ja, in dem großen Theater des Lebens erhält jeder eine Nummer, die seinem Platz entspricht, und es ist jedem überlassen, diese Nummer zu finden und zu deuten.
Jeder hat im Universum seinen reservierten Platz, denn Gott hat aus jedem ein einzigartiges Wesen gemacht, das seine eigene Schwingung hat. Wenn man auf physischer Ebene ständig Menschen sieht, denen es gelingt, andere, bessere und fähigere Menschen zu verdrängen, ist das auf spirituellen Ebene nicht möglich: Der Platz, den Gott jedem von uns gegeben hat, ist genau der, den wir verdienen. In diesem Bereich gibt es eine absolute Gerechtigkeit. Kein einziges Geschöpf hat die Möglichkeit, den Platz eines anderen einzunehmen, aber jedes muss sich so weit entwickeln, bis es die Vollkommenheit erreicht, die Gott für es vorgesehen hat. Selbst wenn andere es an Bedeutung übertreffen, wird es dort, wo es sich befindet, walten, weil es Gott ist, der ihm diesen Platz zugeordnet hat.
Jedes Geschöpf bringt durch sein eigenes Leben eine Art von Quintessenz hervor, und diese Quintessenz ist spezifisch für es. Kein anderes Wesen kann sich ihm überordnen. Es bleibt für alle Ewigkeit einzigartig und unersetzlich. Ist das nicht ein Gedanke, der euch endgültig Frieden und Freude bringen kann?

 


Erweiterte Biografie im Artikel von Brigitte Hussak

Erweiterte Biografie im Artikel von Brigitte Hussak. Ungekürzter Text mit freundlicher Genehmigung von B. Hussak und Verlag Das Wesentliche.

Liebe Freunde des Verlags,

in der Ausgabe Nr. 28 der Zeitschrift „Das Wesentliche“ erschien ein wundervoller Artikel über Omraam Mikhael Aivanhov, den die Autorin Brigitte Hussak verfasste.

Hussak umreißt in ihrem ausführlichen Artikel die wichtigsten Stationen Aivanhovs und gibt Einblick in sein Leben, Wirken und die Lehre. Selbst die Kenner Aivanhovs werden von diesem Artikel angetan sein, denn er berührt trotz seiner Kompaktheit das Herz des Lesers.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Verlags Das Wesentliche veröffentlichen wir die ausführliche, ungekürzte Ausgabe des Artikels auf unserer Internetseite Über den Autor – Ein Meister für den Westen.

Auszug:

Inhalt:

Ein besonderes Kind
Die Erleuchtung
Schwarz und Weiß
Der Meister Peter Deunov
Die Auswanderung nach Frankreich
Die Verschwörung
Der meisterhafte Lehrer
In Indien
Die Philosophie
Der Heimgang

Wahre geistige Meister wirken nicht nur durch Worte, sondern auch durch ihr vom Ego befreites Dasein und ihre heilende Ausstrahlung. Sie suchen ihre Anhänger nicht, sondern ziehen diejenigen, die vielleicht schon in anderen Vorleben ihre Schüler waren, wie ein Magnet an, gemäß einer heiligen Vereinbarung.

Ein solcher Meister war Omraam Mikhael Aivanhov. Er wurde am 31. Januar 1900 in einem bulgarisch-mazedonischen Dorf in eine politisch unruhige Zeit hinein geboren. Sein Vater zog weit weg in die Stadt, um die Familie ernähren zu können, und so wurde das Kind von Großmutter Astra und Mutter Dolia erzogen. Die Großmutter war eine weithin bekannte Hebamme und Heilerin in einer Zeit, als es auf dem Land keine ärztliche Versorgung gab. Der Enkel hatte eine tiefe Verbindung zu ihr, von der er später sagte, sie habe die Gabe des Heilens bekommen, weil ihr Herz vor Liebe überquoll. Dies tat auch Mutter Dolias Herz, die so zur Vertrauten, Ratgeberin und später auch Heilerin vieler Menschen wurde. Sie, die ihren Sohn Gott geweiht hatte, war das Vorbild seiner Kindheit.

Ein besonderes Kind

Mikhael scheint von Beginn seines Lebens an eine besondere Ausstrahlung gehabt zu haben, denn der Pope des Dorfes, ein von allen geschätzter heiliger Mann, der bei geselligen Anlässen niemals Alkohol trank, durchbrach diese Abstinenz bei der Taufe des Kleinen, als er zum Erstaunen aller Anwesenden das Glas mit den Worten erhob: “Wirklich, so etwas ist mir noch nie passiert, dieses Kind ist anders als alle anderen. Er ist für Großes bestimmt, aber er wird wählen müssen, ob er die Richtung des Guten oder des Bösen einschlägt.”
Das Kind war ungeheuer wissensdurstig: “Alles faszinierte ihn, alles interessierte ihn. Sein Temperament drängte ihn, allen Dingen auf den Grund zu gehen, sie bis auf den letzten Tropfen des Lebenssaftes zu erforschen” schreibt seine Biografin Louise-Marie Frenette. Die Mutter schlug ihren temperamentvollen Sohn nicht, wenn er einmal etwas angestellt hatte, sondern erklärte ihm eindrucksvoll, dass er die Wahl habe zwischen Gut und Böse. Sie zeigte ihm auf, wohin seine jeweiligen Handlungen ihn führen würden und empfahl Mikhael, seine überschäumende Energie in den Dienst einer guten Sache zu lenken. Als er an seinem sechsten Geburtstag eine Broschüre über die heilige Anastasia bekam, war er so begeistert von deren Leben, das der Liebe zu Gott und den Menschen geweiht war, dass er beschloss, zu werden wie sie. Und dieses Vorhaben nahm er sehr zielstrebig in Angriff.

Dank Mikhaels Beobachtungen gab es im Dorf Überlebende nach einem von Soldaten verübten Massaker. Diese Tragödie bewog Dolia, die zerstörte Heimat zu verlassen und mit ihren Kindern zu ihrem Mann nach Varna, der Stadt am Schwarzen Meer, zu ziehen. Für das Leben des naturliebenden Jungen war es, was auch mit der Trennung von der geliebten Großmutter verbunden war, ein schmerzhafter Einschnitt. In den Ferien machte er eine Lehre bei einem Schmied, andere Handwerke sollten noch folgen.
Schließlich erlebte er mit neun Jahren das Ende seiner Kindheit, als der Vater starb und in der Folge seine Mutter schwer krank wurde. Die Existenz der Familie war gefährdet und so hatte er neben der Schule und der Ausbildungen seine Geschwister und den Haushalt zu versorgen. Als Mikhael eines Tages in der Schulbibliothek das Buch der “Sprüche Salomons” fand, erlebte er eine Initialzündung: “Da ist etwas geschehen in mir, ein Umbruch. Ich weinte, schluchzte, ich wollte ein Heiliger werden, ein Prophet. Es war eine regelrechte Verwandlung. Ich habe drei Tage und drei Nächte lang geweint.” Danach war nichts mehr wie zuvor und Bücher wurden ab da seine Begleiter, die ihn mit den uralten Weisheitslehren der Menschheit bekannt machten und seinem Streben nach Vollkommenheit ein Ziel gaben.

 

 

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