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Omraam Mikhael Aivanhov – Ein Meister für den Westen


Artikel von Brigitte Hussak

Inhalt:

  1. Ein besonderes Kind
  2. Die Erleuchtung
  3. Schwarz und Weiß
  4. Der Meister Peter Deunov
  5. Die Auswanderung nach Frankreich
  6. Die Verschwörung
  7. Der meisterhafte Lehrer
  8. In Indien
  9. Die Philosophie
  10. Der Heimgang

Wahre geistige Meister wirken nicht nur durch Worte, sondern auch durch ihr vom Ego befreites Dasein und ihre heilende Ausstrahlung. Sie suchen ihre Anhänger nicht, sondern ziehen diejenigen, die vielleicht schon in anderen Vorleben ihre Schüler waren, wie ein Magnet an, gemäß einer heiligen Vereinbarung.

Ein solcher Meister war Omraam Mikhael Aivanhov. Er wurde am 31. Januar 1900 in einem bulgarisch-mazedonischen Dorf in eine politisch unruhige Zeit hinein geboren. Sein Vater zog weit weg in die Stadt, um die Familie ernähren zu können, und so wurde das Kind von Großmutter Astra und Mutter Dolia erzogen. Die Großmutter war eine weithin bekannte Hebamme und Heilerin in einer Zeit, als es auf dem Land keine ärztliche Versorgung gab. Der Enkel hatte eine tiefe Verbindung zu ihr, von der er später sagte, sie habe die Gabe des Heilens bekommen, weil ihr Herz vor Liebe überquoll. Dies tat auch Mutter Dolias Herz, die so zur Vertrauten, Ratgeberin und später auch Heilerin vieler Menschen wurde. Sie, die ihren Sohn Gott geweiht hatte, war das Vorbild seiner Kindheit.

1. Ein besonderes Kind

Mikhael scheint von Beginn seines Lebens an eine besondere Ausstrahlung gehabt zu haben, denn der Pope des Dorfes, ein von allen geschätzter heiliger Mann, der bei geselligen Anlässen niemals Alkohol trank, durchbrach diese Abstinenz bei der Taufe des Kleinen, als er zum Erstaunen aller Anwesenden das Glas mit den Worten erhob: „Wirklich, so etwas ist mir noch nie passiert, dieses Kind ist anders als alle anderen. Er ist für Großes bestimmt, aber er wird wählen müssen, ob er die Richtung des Guten oder des Bösen einschlägt.“
Das Kind war ungeheuer wissensdurstig: „Alles faszinierte ihn, alles interessierte ihn. Sein Temperament drängte ihn, allen Dingen auf den Grund zu gehen, sie bis auf den letzten Tropfen des Lebenssaftes zu erforschen“ schreibt seine Biografin Louise-Marie Frenette. Die Mutter schlug ihren temperamentvollen Sohn nicht, wenn er einmal etwas angestellt hatte, sondern erklärte ihm eindrucksvoll, dass er die Wahl habe zwischen Gut und Böse. Sie zeigte ihm auf, wohin seine jeweiligen Handlungen ihn führen würden und empfahl Mikhael, seine überschäumende Energie in den Dienst einer guten Sache zu lenken. Als er an seinem sechsten Geburtstag eine Broschüre über die heilige Anastasia bekam, war er so begeistert von deren Leben, das der Liebe zu Gott und den Menschen geweiht war, dass er beschloss, zu werden wie sie. Und dieses Vorhaben nahm er sehr zielstrebig in Angriff.

Dank Mikhaels Beobachtungen gab es im Dorf Überlebende nach einem von Soldaten verübten Massaker. Diese Tragödie bewog Dolia, die zerstörte Heimat zu verlassen und mit ihren Kindern zu ihrem Mann nach Varna, der Stadt am Schwarzen Meer, zu ziehen. Für das Leben des naturliebenden Jungen war es, was auch mit der Trennung von der geliebten Großmutter verbunden war, ein schmerzhafter Einschnitt. In den Ferien machte er eine Lehre bei einem Schmied, andere Handwerke sollten noch folgen.
Schließlich erlebte er mit neun Jahren das Ende seiner Kindheit, als der Vater starb und in der Folge seine Mutter schwer krank wurde. Die Existenz der Familie war gefährdet und so hatte er neben der Schule und der Ausbildungen seine Geschwister und den Haushalt zu versorgen. Als Mikhael eines Tages in der Schulbibliothek das Buch der „Sprüche Salomons“ fand, erlebte er eine Initialzündung: „Da ist etwas geschehen in mir, ein Umbruch. Ich weinte, schluchzte, ich wollte ein Heiliger werden, ein Prophet. Es war eine regelrechte Verwandlung. Ich habe drei Tage und drei Nächte lang geweint.“ Danach war nichts mehr wie zuvor und Bücher wurden ab da seine Begleiter, die ihn mit den uralten Weisheitslehren der Menschheit bekannt machten und seinem Streben nach Vollkommenheit ein Ziel gaben.

Mikhael wollte alles wissen und so befasste er sich auch mit der Physik und anderen Wissenschaften, was ihn, der nicht gerne zur Schule ging, später veranlasste, an der Universität verschieden Fächer zu belegen. Aber auch die psychischen Phänomene faszinierten ihn und so experimentierte er mit der Kraft der Gedanken und des Unterbewusstseins und entdeckte seine Begabung des Hand- und Gesichtslesens und des Hellsehens. Als er die Gefahr des manipulativen Missbrauchs dieser Kräfte erkannte, beendete er seine Versuche.

Weil Mikhael ein unstillbares Bedürfnis nach der Reinigung seines Herzens, seines gesamten Seins und der Stärkung des Willens erfüllte, unterwarf er sich einer strengen spirituellen Disziplin. Täglich meditierte er mehrere Stunden, am liebsten bei Sonnenaufgang am Meer. Er fastete häufig und nutzte die große Kraft des rhythmischen Atmens. Aber immer dringender wurde ihm die Notwendigkeit eines geistigen Lehrers bewusst, der seine Bemühungen in geordnete Bahnen lenken, dem er zu Füßen sitzen und seinen Worten lauschen würde und dessen Prüfungen er zu bestehen hätte.
Durch seine inneren Erlebnisse erhielt er die Gewissheit, „dass es irgendwo in Indien oder Tibet eine Bruderschaft von Eingeweihten gab, die sich der Verbreitung des Lichtes geweiht hatte und die der Menschheit half. Ein eigenartiges, aber sehr klares Gefühl überkam ihn: Er hatte diese Wesen in ferner Vergangenheit kennen gelernt und mit ihnen gearbeitet. Mit der Vorahnung, dass sie bald einen bedeutenden Stellenwert in seinem Leben einnehmen würden, machte er aus ihnen seine geistigen Gefährten und dachte ständig an sie. Diese Übung erfüllte ihn mit mystischem Eifer.“ (Louise-Marie Frenette)

2. Die Erleuchtung

Mit fünfzehneinhalb Jahren erntete Mikhael die ersten Früchte seiner spirituellen Aktivitäten, als er eines Tages vor Sonnenaufgang wie gewohnt zum Meditieren ans Meer ging. Plötzlich war er nicht mehr allein, er spürte die Präsenz eines großen Lichtwesens und fühlte sich eingetaucht in gleißendes Licht: „Es war dermaßen schön, dass ich die Sinne verloren habe. Dieses Wesen zu sehen, mit seinen Farben, mit seinem Licht. Es selbst war beinahe unsichtbar, aber um es herum war fantastisches Licht. Ich fand mich überflutet von Licht, in einem Glückszustand, in einer Ekstase, die so groß war, so stark, dass ich nicht mehr wusste, wo ich war. Es war eine rauschartige Freude, es war der Himmel, es war das Universum. Seit damals habe ich mir gesagt, wenn Gott nicht schön wäre, würde ich nicht an Ihn glauben. Das Wesentliche, was mir in Erinnerung geblieben ist, war weder Macht, noch Wissen, noch Reichtum, noch Ruhm, nein, es war die Schönheit.“

Seit diesem Erlebnis war ihm seine innere Führung immer gegenwärtig. Wenn ein Mensch in die göttlichen Sphären einmal eingetaucht ist, wird sein Leben nicht mehr sein wie zuvor und jeder, der so etwas Unbeschreibbares erlebt hat, strebt danach, es wieder und wieder zu erfahren. Das ganze Wesen ist lichtdurchtränkt und der physische Körper wird in diesem Augenblick von allen Unreinheiten befreit, so dass aus allen Poren göttliches Licht strahlt. Diese Ausstrahlung bestätigten die Menschen in Mikhaels Umgebung.
Er hob aber keineswegs ab, sondern arbeitete hart und half mit, die Familie zu ernähren. Weitere mystische Erlebnisse folgten, unter anderen die Erfahrung von Sphärenklängen und der Einheit allen Seins: „Einige Sekunden lang habe ich erlebt, gesehen und gehört, wie das ganze Universum sang. Die Steine, die Bäume, die Gebirge, die Meere, die Sterne, die Sonnen und alle Geschöpfe sangen in unvorstellbarer grandioser und erhabener Harmonie.“

3. Schwarz und Weiß

Eines Abends erlebte Mikhael die Erscheinung eines prachtvollen, ganz in Schwarz gekleideten Wesens, das eine ungeheuer machtvolle Ausstrahlung besaß und die Absicht spüren ließ, sich seiner bemächtigen und ihm seine Kräfte übertragen zu wollen. Dann trat ein weißgekleidetes, unbeschreibbar schönes Lichtwesen hinzu, das nur Liebe und Güte ausstrahlte. Mikhael, der von der Macht der dunklen Gestalt durchaus beeindruckt war, erkannte, dass diese ein Abgesandter der „Schwarzen Loge“ war, der Widersacherin der „Weißen Loge“, auch Weiße Bruderschaft genannt, der er sich so stark verbunden fühlte. Er verstand, dass er zu wählen hatte zwischen der Macht der Liebe und des Lichtes und der Macht des Hasses und der Finsternis. Er blickte noch einmal auf die lichtvolle Gestalt: „…denn sie hatte das Gesicht Christi und war der Inbegriff von Sanftmut, der Güte und des Opfers.“ Da der Hass in Mikhaels Herz keinen Platz hatte, fiel seine Entscheidung eindeutig aus: „In dem Augenblick, als er innerlich seine Wahl getroffen hatte, verschwand das Wesen der Finsternis, während ihn die Lichtgestalt unendlich sanft anblickte, bevor sie dann ebenfalls entschwand.“ (Louise-Marie Frenette)

Dass allerdings die „Schwarze Loge“ nicht aufgeben, sondern im Gegenteil alle Register ziehen würde, sollte sich in seinem Leben noch schmerzhaft erweisen. Darauf wies ihn später auch sein Lehrer Peter Deunov hin: „Bis auf Weiteres hast du die bestmöglichen Bedingungen und bekommst die nötige Hilfe, um Fortschritte zu machen. Der Himmel wird dir vieles geben, aber es wird eine Zeit kommen, in der die gesamte schwarze Loge dir Hindernisse in den Weg legen und versuchen wird, dich am Vorankommen zu hindern.“ Diesen „Abstieg in die Hölle“, wie Mikhael es nannte, sollte er viele Jahre später in Frankreich antreten.

4. Der Meister Peter Deunov

So war Mikhael also reif geworden für den ersehnten Meister, der ihm schließlich den „Feinschliff“ geben würde. Er erkannte ihn, von dem er schon gehört und gelesen hatte, an seiner Ausstrahlung, als dieser in einem Park an ihm vorüber ging: „Als ich ihn erblickte, war ich tief beeindruckt. Sein Gesicht, seine Ausstrahlung, der Friede, der von ihm ausging, die Würde seiner Haltung, die Leichtigkeit seiner Bewegungen, sein Gang, seine Redeweise, sein Blick, sein Lächeln, alles kam aus einer anderen Welt.“ Peter Deunov (spiritueller Name Beinsa Duno), Mitglied der Bruderschaft des Lichtes, auch als „Universelle Weiße Bruderschaft“ oder „Weiße Loge“ bezeichnet, lehrte seine Schüler eine Synthese aus östlichen, westlichen, antiken, gnostischen und christlichen Weisheits- und Einweihungslehren, die das immer gültige Urwissen der Menschheit beinhalten und als „roter Faden“ durch die Religionen bezeichnet werden können. Die von ihm gegründete Gemeinschaft nannte er „Weiße Bruderschaft“ und seine Lebensregel lautete: „Das Herz sei rein wie ein Kristall, der Verstand leuchtend wie die Sonne, die Seele weit wie das All, der Geist mächtig wie Gott und eins mit Gott.“

Die von Mikhael so geliebte Sonne stand im Mittelpunkt der Lehre und der geistigen Aktivitäten und galt nicht nur als Symbol für das göttliche Licht, sondern man lernte auch, die Kraft und Energie dieses wunderbaren, Leben schenkenden Himmelskörpers für Leib und Seele zu nutzen. Louise-Marie Frenette schrieb: „Er gab ihnen den Rat, das Licht der aufgehenden Sonne einzuatmen, es ganz bewusst zu trinken, aus ihm ein wahrhaftes Elixier des körperlichen und spirituellen Wohlbefindens zu machen.“ Geistige und körperliche Übungen, Meditationen bei Sonnenaufgang, Musik, Gesang, Tanz und Ferienlager an den Seen und auf den Gipfeln des heiligen Rila-Gebirges, aber auch Prüfungen, die der Einweihung dienten, das war der Lehrplan dieser glücklichen Jahre. Darüber hinaus unterzog sich Mikhael weiterhin selbstverordneter strengster Übungen, wie lange Fasten- und Schweigeperioden, immer verbunden mit dem Streben nach Vollkommenheit, um ein reines Instrument zu sein für die Aufgabe, die irgendwann und irgendwo auf ihn zu warten schien. Daneben studierte er an der Universität verschiedene Fächer, arbeitete als Gymnasiallehrer und wurde schließlich zum Direktor seiner Schule gewählt. Dass er kein gewöhnlicher Pädagoge war, versteht sich von selbst.

Peter Deunov hatte Zehntausende Schüler, auch außerhalb des Landes. Wie gefährdet seine Lehre und die Bruderschaft in Bulgarien künftig sein würde, sah er deutlich voraus, so sandte er Mikhael, den er viele Jahre darauf vorbereitet hatte, nach Frankreich, um die Lehre zu erhalten und zu verbreiten. Später erinnerte sich Mikhael: „Wenn ich an all die Jahre zurückdenke, die ich in der Nähe des Meisters verbrachte, glaube ich, dass es für mich das Wichtigste war, in seiner Aura gelebt zu haben.“

5. Die Auswanderung nach Frankreich

Im Sommer 1937 bestieg Michael den Zug nach Paris und traf dort die Menschen, die ihm sein Lehrer angekündigt hatte. Sie waren berührt von seiner Ausstrahlung und so kamen bald immer mehr, die seinen Rat suchten und seine Lehre hören wollten. Stella Bellemin, eine französische Schülerin Peter Deunovs, die als wissenschaftliche Astronomin gewiss nicht leicht zu beeindrucken war, schrieb später: „Was mich beim ersten Kontakt mit ihm am meisten beeindruckte, war das strahlende Licht, das von ihm ausging, ein Licht, erfüllt von Sanftmut und reiner, selbstloser Liebe.“ Und sie bemerkte an ihm das Kennzeichen eines wahren Meisters: „Alles an ihm war harmonisch, es gab keine Unstimmigkeiten zwischen seinen Aussagen und seiner Lebensweise.“ Die Atmosphäre im Frankreich der Vorkriegszeit war sehr angespannt, was vor allem die Ausländer zu spüren bekamen. So wurde der Bulgare Aivanhov für einen sowjetischen Spion gehalten und erfuhr die geballte Macht der Bürokratie. Aber in allen unangenehmen Situationen erhielt Mikhael auch die seine neuen Freunde immer wieder beeindruckende Hilfe unsichtbaren Begleiter, und das manchmal in letzter Minute. Man bat ihn, öffentliche Vorträge zu halten und bald mussten immer größere Säle gemietet werden. Schließlich strömten die Menschen nicht nur in Paris zu seinen Vorträgen, für die kein Eintritt erhoben wurde. Er lebte sehr bescheiden und eigene Einkünfte hatte er erst, als seine Vorträge als Bücher erschienen waren. Mikhael hatte für die Vorträge kein Konzept, sondern er erfasste die Sorgen, Nöte und Fragen seiner Zuhörer intuitiv und so fühlte sich jeder persönlich angesprochen und erkannt.

Mikhael hatte sich der Aufdringlichkeiten einiger Frauen zu erwehren, die weniger an seiner Lehre, als vielmehr an seiner Person interessiert waren. Seit seinem vierten Lebensjahr wusste er aber, dass er nicht heiraten würde, und so hatte er schon in jungen Jahren die sexuellen Kräfte sublimiert und die dadurch gewonnene Energie in den Dienst seiner Entwicklung und einer künftigen Aufgabe gestellt.

6. Die Verschwörung

Um Mikhael auf seine Aufgabe vorzubereiten, hatte Peter Deunov ihm immer wieder künftige Dinge enthüllt, unter anderem mit der folgenden allegorischen Geschichte: „Ich besitze einen Edelstein, groß wie ein Ei und von unschätzbarem Wert. Ich habe die Absicht, ihn jemandem zu geben, damit er ihn in ein anderes Land bringt. Aber weil er einen gefährlichen Wald voller wilder Tiere und Räuber durchqueren muss, wird der Edelstein bis zur Unkenntlichkeit beschmutzt. Später wird er gewaschen und in all seiner Pracht erstrahlen.“

Die „Schwarze Loge“, die lange auf ihre Chance gewartet hatte, konnte sich für ihren Vernichtungsfeldzug williger Werkzeuge bedienen. Mikhaels Gegenspieler waren Neider aus der bulgarischen und französischen Bruderschaft, abgewiesene Frauen und französische Behörden. Esoterische Geheimgesellschaften, denen das große Interesse an Mikhaels Vorträgen missfiel, versuchten vergeblich, sich ihn und seine Schüler einzuverleiben, indem sie ihm Ruhm und Reichtum versprachen.
1945 traf ihn die Nachricht vom Tod seines Meisters hart, der am 27. Dezember 1944 gestorben war und den er in Träumen vorausgeahnt hatte. Dieses Ereignis erscheint wie ein Startschuss für seine Gegner, die nun alles aufboten, um seine Person und sein Werk zu vernichten. Er erfuhr, dass sein Meister sich vor seinem Tod über ihn geäußert hatte: „Mikhael wird großes Unglück erleben, aber danach wird er weiter vorankommen als ich.“ Trotzdem hetzten einige Mitglieder der bulgarischen Bruderschaft in öffentlichen Veranstaltungen gegen ihn. Aber Mikhael erhielt auch Briefe seiner Landsleute, die ihm ihre Solidarität und Hochachtung ausdrückten.

1946 geriet er, der den Status eines staatenlosen Flüchtlings hatte, ins Visier der französischen Spionageabwehr, die ihn für einen kommunistischen Spion hielt. Man schleuste Agenten in seine Vorträge ein, die sich aber von der Ungefährlichkeit des Vortragenden überzeigen konnten. Die Geheimgesellschaften schickten neue „Mitglieder“ mit der Aufgabe, die Bruderschaft von innen her zu zerstören.

Im Juni 1948 wurde Mikhael wegen Spionage für die Sowjetunion, der Vergewaltigung von vierzig Frauen und dem Abhalten von Orgien angeklagt. In einem von sensationslüsternen Schlagzeilen und Falschaussagen gekaufter Zeugen begleiteten Prozess, der eine juristische Farce war, wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, aus der er schließlich im März 1950 nach zwei Jahren vorzeitig entlassen wurde. Die Absurdität der Anschuldigungen war zu offensichtlich geworden und damalige „Zeugen“, denen die Tragweite ihrer Falschaussagen bewusst wurde, setzten alles daran, ihn zu rehabilitieren. Was sich in der Zeit seiner Haft, die unter unmenschlichen Bedingungen stattfand, im Gefängnis abspielte, gehört zum Berührendsten in der Biografie dieses großen Menschen. Auf Grund der Medienhetze waren sowohl die Mitgefangenen, als auch das Wachpersonal gegen Mikhael eingenommen und verhielten sich entsprechend. Seine Ausstrahlung und Herzensgüte aber veränderte allmählich die Atmosphäre und es gelang ihm, vielen Mithäftlingen, die sich als Opfer ihrer Lebensumstände fühlten, Rat zu geben und ihnen den Sinn ihres Lebens bewusst zu machen. Schließlich zeigte sogar das Wachpersonal samt Gefängnisdirektor Interesse an seinen Worten und sie begriffen, dass die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nicht wahr sein konnten. „Inmitten der größten Schwierigkeiten stellte ich fest, dass es in mir ein Wesen gab, das sang. In jedem gibt es dieses Wesen, das alles sieht, alles beobachtet, aber das immer singt und dem es egal ist, was geschieht.“
Das Berufungsgericht sprach erst im Jahre 1960 Mikhaels Rehabilitierung aus und bestätigte damit offiziell seine Unschuld.

7. Der meisterhafte Lehrer

Nach der Freilassung setzte Mikhael unverzüglich seine Vortrags- und Lehrtätigkeit fort. „Er war so inspiriert, dass man nicht aufhören konnte, ihm zuzuhören“, erinnerte sich später ein Augenzeuge. Zwar war er gezeichnet von der Haft, aber dennoch strahlte er Zufriedenheit, Ruhe und Freude aus: „Trotz aller Schändlichkeiten, die ich erlebt habe, gibt es keinen glücklicheren Menschen als mich.“ Einer der Schüler schenkte der Bruderschaft, die Mikhael „Universelle Weiße Bruderschaft nannte, ein Grundstück in Südfrankreich, auf dem über die Jahre hinweg ein großes Zentrum entstand, das vor allem von Mitgliedern der Bruderschaft aufgebaut wurde. Mikhael, der einige Handwerke gelernt hatte, arbeitete in allen Bauphasen mit.

Über die „Weiße Bruderschaft“ hier und in den geistigen Reichen äußerte er sich: „Die Bruderschaft ist ein Versuch, eine Bemühung, eine spirituelle Familie zu verwirklichen, in der alle einander in Liebe helfen. Jeder trägt in seiner Seele etwas Schönes dazu bei. Ähnlich wie bei einer sich öffnenden Blume strömt aus einer Bruderschaft ein Duft, von dem Seelen und Geister sich nähren.“ Und: „Die Universelle Weiße Bruderschaft ist eine Macht, die sich über das gesamte Planetensystem und noch weiter hinaus ausdehnt. Man darf sie aber nicht nach der Bruderschaft beurteilen, die es hier auf Erden gibt: eine Handvoll Menschen, die nicht immer weise und besonders erleuchtet sind. Die wahre Universelle Weiße Bruderschaft befindet sich in der höheren Welt und umfasst alle höchstentwickelten Wesen. Wir sind hier auf der Erde nur Werkzeuge und versuchen, das Licht und die Hilfe dieser Wesen zu nutzen.“

8. In Indien

1959 erlebte Mikhael eine innere Aufforderung, die ihn nach Indien rief. Während des einjährigen Aufenthaltes wurde er von den Menschen, die ihm begegneten, als Meister und Heiliger erkannt. Er besuchte verschiedene Ashrams und hatte berührende Begegnungen mit mehreren großen Meistern, die ihn als einen der ihren erkannten. Einer sagte: „Sein Herz ist rein, Frieden herrscht in seiner Seele und alle Macht ist ihm gegeben.“ Er erhielt den spirituellen Namen Omraam und erfuhr, was ihm schon sein Lehrer Peter Deunov angedeutet hatte, dass er in einem seiner Vorleben ein berühmter indischer Weiser und Heiliger gewesen war, dessen Schriften heute noch Bedeutung haben. Er hat dessen Namen aber nie offenbart.

Mikhael kam äußerlich verändert aus Indien zurück, aber seine Schüler spürten auch eine neue innere, eine meisterliche Autorität und nannten ihn ab da ihren Meister. Einladungen aus vielen europäischen und außereuropäischen Ländern erreichten ihn, die er im Laufe der Jahre annahm.

9. Die Philosophie

Meister Omraam sprach häufig über die Schaffung einer gesellschaftlichen Veränderung hin zu mehr Solidarität und Brüderlichkeit auf allen Ebenen des Seins. Und es war ihm ein immer dringenderes Anliegen, seine ihm anvertrauten Schüler in ihrer geistigen Entwicklung voranzubringen: „Was ich von euch verlange ist das Schwierigste. Ich verlange von euch, Boten des Lichtes zu werden.“ Und: „Der Einweihungsschüler strebt als Ideal an, sich von allen Beschränkungen zu befreien, alle Fesseln abzustreifen, um zu werden wie das Licht.“

Wenn ein geistiger Meister nicht lebt, was er lehrt, sollte man ihn verlassen. Meister Omraam Mikhael Aivanhov war ein großer Lehrer und Pädagoge, der allein schon durch seine Lebensführung glaubwürdig war.
Seine Lehre ist überkonfessionell, universell und stellt eine Synthese der christlichen Kultur mit den großen Religionen, Philosophien und Einweihungslehren der Menschheit dar. Sie dient der Reinigung der gesamten Persönlichkeit, der Entwicklung der spirituellen Fähigkeiten und allen Bereichen des Lebens, wie Ernährung, Sexualität, Ehe, Mutterschaft, Familie, Erziehung, Natur, Kunst, Musik, Wissenschaft, Selbsterkenntnis, bessere Lebensführung und vieles andere mehr.
„Das was ich euch sage, ist die Lehre Christi“ bemerkte er einmal. Und diese geht natürlich weit über das hinaus, was in der Bibel steht, denn es ist doch anzunehmen, dass Jesus in den drei Jahren seines Wirkens nicht nur die Worte gesprochen hat, die man in den Evangelien nachlesen kann. Die Lehre, die er eine „Philosophie der Fülle“ nannte, könnte man als „alten Wein in neuen Schläuchen“ bezeichnen, weil Aivanhov die alten Überlieferungen in eine bildhafte, klare und verständliche Sprache kleidet und sie mit Übungen, Methoden und Anregungen „alltagstauglich“ macht für die Menschen unserer Zeit: „Meine Lehre gleicht einem gedeckten Tisch mit Früchten, Gemüse und allem, was es gibt. Alle Nahrungsmittel der Erde sind vor euch ausgebreitet, aber das heißt nicht, dass jeder alles essen soll. Ja, ich muss euch alle Wahrheiten, Methoden und Lösungen vorlegen, aber jeder muss das wählen, was seinem Magen bekommt.“ Und: „Mein Wunsch ist es, euch auf möglichst einfache Art und Weise bedeutende Wahrheiten nahezubringen, auf die der Mensch seine Existenz gründen kann und mit deren Hilfe er sein Leben und seine Beziehung zur Natur und zu den Wesen der göttlichen Welt verbessern kann.“

Wie bei Peter Deunov stand auch in Meister Omraams Leben und Lehre die Sonne im Mittelpunkt: „Die Sonne repräsentiert in unserem System die große Sonne des Universums, Gott Selbst.“
Er belebte den uralten Sonnen-Yoga wieder, der den alten Kulturvölkern bekannt war und den er „Surya-Yoga“ (sanskr. Surya = Sonne) nannte. Und er stellte fest, dass in ihm alle anderen Yoga-Arten enthalten sind: „Wer Surya-Yoga übt, steht mit der Kraft in Verbindung, die sämtliche Planeten des Sonnensystems lenkt und belebt – mit der Sonne. Dies bringt unweigerlich Ergebnisse.“

Louise-Marie Frenette schreibt: „Omraam Mikhael Aivanhov liebte es, vom Geist der Sonne zu sprechen. Er stimmt darin mit den Jahrtausende alten Philosophien der Veden und Puranas überein, die lehrten, dass die wahre Sonne nicht das am Himmel sichtbare Gestirn sei, sondern die höchste Intelligenz, die jenseits der niederen Schöpfung am Gipfel des Firmamentes herrscht. Er enthüllte die Existenz einer noch feinstofflicheren Sonne hinter der physischen Sonne, die nur von einem hoch entwickelten Bewusstsein erreicht werden kann. Auf der Ebene des Überbewusstseins können die Seelen durch die Liebe und das Licht der Sonne mit allen Wesen des Universums kommunizieren.“

Über das Schweigen, die Stille, die ihm als unentbehrliches Werkzeug auf dem geistigen Entwicklungsweg des Menschen ein wichtiges Anliegen war, sagte er unter anderem: „Je höher der Mensch auf seinen inneren Berg hinaufsteigt, desto mehr Stille ist um ihn, und in dieser Stille entdeckt er den Ursprung der Dinge. Er wird eins mit der Urschöpfung und taucht ein in den Ozean göttlichen Lichtes. Wenn man einem Weisen die Frage nach Gott stellt, so antwortet er mit Schweigen, denn allein die Stille kann die Essenz des Göttlichen zum Ausdruck bringen.“

10. Der Heimgang

Ab 1984 begann Meister Omraam Mikhael Aivanhov mit Andeutungen seine Schüler vorsichtig auf seinen bevorstehenden Heimgang vorzubereiten. Sein von Gott erfülltes irdisches Leben, das der Transformation der Menschheit geweiht war, endete am Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1986 in Bonfin, dem Zentrum der Bruderschaft. Und wie jeder wahre Meister wirkt er weiter aus den geistigen Reichen als unsichtbarer Begleiter seiner Schüler und derer, die sich neu für seine Lehre öffnen: „Sagen Sie den Brüdern und Schwestern, dass ich immer bei ihnen sein werde, dass sie Einheit und Harmonie bewahren mögen und die Lehre in der ganzen Welt verbreiten sollen.“

Autorin: Brigitte Hussak
Auszüge aus diesem Artikel erschienen in der Zeitschrift „Das Wesentliche“ in der Ausgabe Nr. 28 (August/September 2012).

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