Versandkostenfreie Lieferung in DE ab 50,00 €!

Leseprobe Broschüre 320 „Menschliches und göttliches Wort“

Leseprobe Broschüre 320 "Menschliches und göttliches Wort" von O. M. Aivanhov aus dem Prosveta Verlag. 64 Seiten. 4,00 Euro.

Leseprobe Broschüre 320 „Menschliches und göttliches Wort“

Teil I

Das Alpha­bet und die zwei­undzwan­zig Ele­mente des WORTS

 

Mit der Ein­tei­lung seiner Apo­ka­lypse in zwei­undzwan­zig Kapi­tel – ge­nau so viele Buch­staben gibt es im hebräi­schen Alpha­bet – wollte der hei­lige Johan­nes dieses Buch unter das Zei­chen des WORTS stel­len. In seinem Evange­lium schreibt er, das WORT sei der Ur­sprung aller Dinge: »Im An­fang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.«  Wie soll man das WORT, seine Be­schaf­fen­heit und Macht ver­stehen?

Im letz­ten Kapi­tel der Apo­ka­lypse sagt Chris­tus: »Ich bin Alpha und Omega, der Erste und der Letzte, der An­fang und das Ende.« Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buch­stabe des griechi­schen Alpha­bets, die Spra­che, in der das Neue Testa­ment ge­schrie­ben wurde. In der hebräi­schen Spra­che, also in der Spra­che Jesu, sind Aleph und Tav der erste und der letzte Buch­stabe. Die beiden Sätze: »Ich bin Alpha und Omega« oder »Ich bin Aleph und Tav« haben die­selbe Be­deu­tung.

Alpha und Omega, oder Aleph und Tav… In Wirk­lich­keit stel­len diese beiden Buch­staben das ge­samte Alpha­bet dar, denn An­fang und Ende kann man nicht von­einan­der tren­nen. Ein Alpha­bet ist eine Zu­sammen­set­zung von auf­einan­der fol­genden Ele­menten, den Buch­staben. Ihre An­ord­nung ist kein Zu­falls­ergeb­nis: Die Buch­staben sind die analoge Dar­stel­lung jener »Buch­staben«, aus denen die Schöp­fung be­steht. Im hebräi­schen Alpha­bet stel­len die Buch­staben die Ele­mente, die Kräfte, die Eigen­schaf­ten, die Geis­ter, die Kräfte dar, aus deren Zu­sammen­set­zung Gott das Uni­versum er­schuf. Mit Hilfe dieser leben­digen Buch­staben hat Gott Wörter und Sätze ge­bildet, und Er bildet weiterhin Wörter und Sätze. So hat sich die Welt ge­stal­tet, und so ge­stal­tet sie sich weiter. Wenn die Ein­geweih­ten die kabbalis­tische Be­deu­tung der hebräi­schen Buch­staben stu­dieren, tun sie es in der Ab­sicht, die leben­dige Spra­che der Natur lesen und er­for­schen zu können.

In diesem Alpha­bet gibt es zwei­undzwan­zig Buch­staben. Als Chris­tus sagte: »Ich bin das Alpha und das Omega«, meinte Er damit: »Ich bin das göttliche, lebendige Wort, die zwei­undzwan­zig Ele­mente, mit denen die Welt er­schaf­fen wurde.« Wenn sich der Mensch, um zu denken, zu spre­chen und zu lesen der Buch­staben be­dient, han­delt er ge­nau wie Gott selbst. Denn das ge­dachte, ge­spro­chene oder nieder­geschrie­bene Wort ist ein und das­selbe.

Alle Ele­mente, die in uns vor­han­den sind: Farben, Kräfte, Projek­tionen, Aus­strah­lungen, Vibra­tionen usw… dienen da­zu, unsere Ge­danken zu ge­stal­ten und zum Aus­druck zu brin­gen. Denken, aus­spre­chen und schrei­ben sind folg­lich drei As­pekte des WORTS. Einige formu­lieren das WORT in ihren Ge­danken, andere spre­chen es aus, wei­tere schrei­ben es nieder. Die Ein­geweih­ten, die diese drei Aus­drucks­formen des WORTS kennen, haben seit alters her auf be­stimm­ten kirch­lichen Ge­bäuden graphi­sche Zei­chen, geo­metri­sche oder hiero­glyphi­sche Figu­ren hinter­lassen: Sie sind der schrift­liche Aus­druck des WORTS. Die Ein­geweih­ten wussten, dass solche Figu­ren durch die Jahr­hun­derte hin­durch weiter­beste­hen und die Men­schen der zu­künf­tigen Genera­tionen in Kon­takt mit dem WORT brin­gen würden.

Alle Buch­staben des kabbalis­tischen Alpha­bets hängen im Uni­versum zu­sammen. Wer ge­lernt hat, sie zu­sammen­zu­stel­len, um daraus Sätze und Ge­dichte zu bilden, ist ein wirk­licher Schriftgelehrter. Der Schriftgelehrte – im initiatischen Sinne des Wortes – ist der­jenige, der sich darauf ver­steht, die Ele­mente der Spra­che, die Buch­staben des Alpha­bets, auf alle Ebenen des Lebens – und be­son­ders in sich selbst – zu über­tragen Er be­müht sich, diese Ele­mente so zu kombi­nieren, dass ein schö­nes und harmoni­sches »Wort« daraus ent­steht. Das ist am schwie­rigsten. Taucht in uns Ver­wir­rung auf, dann ist es ein Hin­weis, dass die »Worte« nicht an der rich­tigen Stelle stehen. Man hat sie ohne An­ord­nung, ohne Kennt­nis, ohne Weis­heit falsch ge­setzt.

Man muss auch wissen, dass in der Natur jeder Buch­stabe einer geo­metri­schen Form ent­spricht, und dass hinter jeder geo­metri­schen Form be­stimm­te Kräfte wirk­sam sind. Die Natur weiß, wie sie ihre eige­nen Formen mit den Buch­staben – die sie dar­stel­len – ver­binden soll. Wer die Korrespon­denzen jedes einzel­nen Buch­sta­bens mit den un­sicht­baren Kräf­ten kennt, wird fähig, die kosmi­schen Strö­mungen aus­zu­lösen. Wenn man also be­stimm­te Formen bildet oder zeich­net, stellt man eine Ver­bin­dung mit ge­wissen Wesenheiten der un­sicht­baren Welt her.

Grei­fen wir den Buch­staben Aleph auf. Schema­tisch stellt dieser Buch­stabe einen Men­schen dar, der einen Arm zum Himmel hebt und den ande­ren zu Boden rich­tet. Diese Hal­tung ist be­zeich­nend für einen Ver­mittler, ein Medium zwi­schen Himmel und Erde. Er fängt das Licht des Him­mels auf und gießt es über die Men­schen und um­ge­kehrt: Er fängt das Mensch­liche auf, wan­delt es in sich selbst und gibt es dem Himmel in Form von Licht zu­rück. Aleph ist also ein Wesen, das weiß und das kann.

Der Buch­stabe Aleph deutet auf den An­fang einer Tätig­keit hin. Wenn ihr den Arm hebt, be­deutet das den An­fang von etwas. Ihr drückt euren Willen zum Han­deln aus. Sind die Arme des Men­schen waage­recht aus­ge­streckt, dann bilden sie ein Kreuz mit dem Körper, sie brin­gen das Gleich­ge­wicht zum Aus­druck: In dieser Stel­lung schwe­ben die Vögel. Werden die Arme aber schief ge­halten, dann ist es ein Be­weis, dass die Waag­scha­len auf unter­schied­lichem Ni­veau stehen. Das Gleich­ge­wicht ist ge­stört, d.h. der Mensch ist ge­rade dabei zu han­deln.

Wenn ihr die erste Tarot­karte (Magier ge­nannt) be­trach­tet, seht ihr einen Mann vor einem Tisch ste­hend. Einer seiner Arme ist ge­hoben, der andere nach unten ge­rich­tet. Die Karte stellt also einen Mann dar, der dabei ist zu han­deln. Und was tut er? Durch den auf­geho­benen Arm tritt er in Ver­bin­dung mit dem Himmel, und durch den ge­senk­ten Arm ver­bindet er sich mit der Erde, mit den Men­schen. Die himmli­schen Kräfte, die er auf­fängt, gehen durch ihn hin­durch, er gibt sie der Erde weiter: Er ist ein Aleph. Aber ein Aleph zu sein be­deutet auch zu wissen, wie man die irdi­schen Kräfte auf­fängt und zum Himmel hinauf­proji­ziert, mit ande­ren Worten er soll ein Ver­mitt­ler sein. Jesus hat das­selbe mit fol­genden Worten aus­ge­drückt: »Nie­mand kommt zum Vater denn durch mich.« Für die Kabba­listen ist Aleph der voll­kom­mene Mensch. Indem er mit dem Himmel ver­bunden ist, arbeitet er für die Mensch­heit. Man kann auch sagen, im Buch­staben Aleph sei das Ge­heim­nis der Ver­fahren »Solve« und »Co­agula« ent­halten. Aleph lehrt den Schü­ler, wie er an der Mate­rie wirken muss, um sie zu ver­flüch­tigen oder zu ver­festi­gen.

Hier ist etwas sehr Interes­santes zu be­merken: Der Buch­stabe Aleph be­steht aus vier Jod. Anmerkung: Jod ist ein Buchstabe des heräischen Alphabets. Jod hat die Form eines ge­beug­ten Daumens, er ist also mit dem Willen ver­bunden. Aleph ist ein mäch­tiger, schöpfe­rischer Buch­stabe. Seine graphi­sche Dar­stel­lung weist auf einen in ihm ver­borge­nen Willen hin, der wie­derum aus vier Willen, vier Tätig­keiten, vier zu­sammen­gebrach­ten Rich­tungen be­steht. Aleph ist der Buch­stabe des Raumes mit seinen vier Rich­tungen: Norden, Süden, Osten und Westen. Er ist der Buch­stabe der vier Ele­mente. Schaut hin, der Joker steht vor einem Tisch, der das Ele­ment Erde symboli­siert. Vor ihm ist eine Schale, die das Wasser ver­an­schau­licht. In der Hand trägt er einen Stab, den er nach oben hält. Das be­deutet, dass er die niede­ren Ele­mente (Erde und Wasser) mit den oberen Ele­menten (Luft und Feuer) in Ver­bin­dung bringt. Und noch etwas, der Hut dieser Figur weist eine höchst charakte­ristische Form auf. Seine Krem­pen be­schrei­ben eine hori­zontal ­lie­gende Acht, also das Zei­chen für die Un­end­lich­keit. Der Buch­stabe Aleph ist folg­lich das Symbol des Ein­geweih­ten, dem es ge­lungen ist, die Natur­kräfte zu be­herr­schen, die vier Ele­mente.

Nun werdet ihr sehen, wie die Zif­fern sich ver­ketten: Wer die Vier der Macht der Eins – der Geist und Wille ist – unter­wirft, der wird zur Fünf. Er wird zum voll­komme­nen Men­schen, der die fünf Tugen­den Liebe, Weis­heit, Wahr­heit, Güte und Ge­rech­tig­keit in sich ver­einigt. Um das voll­kom­mene Gleich­ge­wicht zu kennen, muss man aber die sechs er­rei­chen. Die Sechs stellt die Drei zwei­mal dar, die zwei Drei­ecke von Mate­rie und Geist, das Salo­mons­siegel. Das Salo­mons­siegel selber zu sein be­deutet also, dass man sich darauf ver­stan­den hat, beide Drei­ecke in sich ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen. Dieser Buch­stabe Aleph ist »Gottes Erst­gebo­rener«, der An­fang aller Dinge. Darü­ber wusste der hei­lige Johan­nes ge­nau Be­scheid, sonst hätte er nicht ge­schrie­ben: »Im An­fang war das WORT.« Das WORT, das ist Chris­tus, Er ist also der kosmi­sche Magier. Er wirkt mit den vier Ele­menten, mit derer Hilfe alles über­haupt er­schaf­fen worden ist. Als Jesus Fol­gendes sagte: »Mein Vater wirkt und ich wirke mit ihm«, war es Chris­tus, der durch ihn sprach. Damit wollte er beto­nen, dass seine Aktivi­tät nie­mals auf­hört. Jetzt könnt ihr be­grei­fen, dass das Kreuz selbst – das Symbol Chris­ti – mit der Idee dieser Aktivi­tät Gottes im gesam­ten Uni­versum ver­bunden ist. Ist das Kreuz mit einem schie­fen Quer­balken dar­ge­stellt, heißt es, das Kreuz sei in voller Aktion; in diesem Moment wird es wegen seiner Form auch mit Aleph ver­gleich­bar. Die­selbe Be­deu­tung hat übri­gens auch die Swas­tika, die in mehre­ren Reli­gionen, in Indien oder im alten Griechenland immer wieder auf­taucht…

Aleph ist das Kreuz, dessen waage­rechter Quer­balken schief ist: Sein Gleich­ge­wicht ist ge­stört, um eine Tätigkeit zu er­mög­lichen. Was das Kreuz mit vier gleich­langen Balken + an­be­langt, so symboli­siert es das ab­solute Gleich­ge­wicht zwi­schen den beiden männ­lichen und weib­lichen Prinzi­pien. Das Kreuz kann man aber auch anders zeich­nen. Aus dem Kreuz wird dann ein Schlüs­sel, der einem die Mög­lich­keit gibt, alle Tore des Uni­ver­sums zu öffnen. Der Schlüs­sel ist ein Ab­bild des Men­schen. So­lange man aber nichts über den Men­schen weiß, weiß man auch nicht, wie man das Uni­versum öffnen kann, denn das Uni­versum ist in Wirk­lich­keit nur der bis zum Maß der Un­end­lich­keit ausgedehnte Mensch.

Aleph kann man auch in ande­ren symboli­schen Formen finden, z.B. in Form eines Schafs, das ein Kreuz hält oder einer Schlan­ge, die von einem Pfeil durch­bohrt wird. Beide sind eine Ab­bil­dung von Aleph, aber zu­gleich auch eine Ab­bil­dung des Men­schen selbst. Schaut, wem gleicht denn das Ge­rippe des Men­schen mit der Wirbel­säule und dem Kopf, wenn das Fleisch ver­schwun­den ist?… Es sieht aus wie eine Schlan­ge. Und die Arme, die Quer­linie von Aleph, sind wie ein Pfeil, der eine Be­wegung dar­stellt, der auf die Rich­tung hin­weist, auf welche die Tätig­keit hin­zielt. Chris­tus, das WORT, ist nichts Ande­res als das le­bende Kreuz.

Was be­deutet das Lamm mit dem Kreuz? Das Lamm ist das zum Opfer dar­ge­brachte Tier, die Liebe. Im An­fang, vor der Er­schaf­fung der Welt, hat sich das Lamm auf­geop­fert, damit die Welt weiter­beste­hen könne. Ja, um Atome und Mole­küle zu­sammen­zu­halten war eine gegen­sei­tige An­zie­hungs­kraft not­wendig, und diese Kraft ist die Liebe. Des­halb steht ge­schrie­ben, Chris­tus sei das Lamm, das am An­fang der Welt auf­geop­fert wurde… Und diese Kraft, die der Welt er­mög­licht weiter­zu­beste­hen, findet man auf allen Ge­bieten des Lebens wieder. Durch sie können nicht nur alle chemi­schen Körper, alle Mole­küle usw. weiter­ beste­hen, son­dern auch alle mensch­lichen Ge­mein­schaf­ten, Fami­lien, Ge­sell­schaften und Natio­nen… Ohne Opfer gibt es nichts. Weiter­ beste­hen kann eine Ge­samt­heit nur dann, wenn sich jeder Be­stand­teil auf­opfert. Haltet das Opfer­ in der Viel­falt seiner Formen – Blicke, Worte, Zu­vor­kommen­heit, gegen­sei­tige Hilfe, Ver­zicht usw… – an, und alles wird sich auf­lösen und dahin­schwin­den. Wollt ihr, dass etwas lange an­dauert, dann nehmt Chris­tus, die Liebe als Basis.

Die prakti­sche Schluss­folge­rung aus dem, was ich euch über Aleph, den ersten Buchstaben sagte: Dass man nie etwas,  was immer es auch sei, unter­nehmen sollte, ohne vor­her ge­nau zu wissen, was für Kräfte man damit in Be­wegung setzt. Denn das Wesent­liche ist eben der An­fang. Das Aus­lösen von Kräf­ten oder Er­eig­nissen ist immer leicht. Sie zu lenken, zu orien­tieren, also zu be­herr­schen, ist aber höchst schwie­rig. Wären sich die Poli­tiker über dieses Ge­setz bewusster, dann würden sie sich die An­ord­nung be­stimm­ter Ver­ände­rungen länger über­legen. Viele, die eine revolu­tionäre Be­wegung aus­lösten, haben ge­glaubt, sie würden sie be­herr­schen können. Letz­ten Endes sind sie jedoch davon total über­rollt worden! Der Aus­druck »Zauber­lehr­ling« be­zeich­net genau den Men­schen, der durch seinen Leicht­sinn be­stimm­te Strö­mungen aus­löst, die er später weder be­herr­schen noch orien­tieren kann.

Sei es auf der physi­schen, Astral- oder Mental­ebene, ihr müsst wissen, dass eure Macht weder in der Mitte noch am Ende aller Dinge steht, son­dern am An­fang. Stellt euch vor, ihr steht auf einem Berg neben einem mäch­tigen Fels­block. Bringt ihr ihn zum Kippen oder zum Rollen, dann wird er euch sicher ge­hor­chen. Ihr habt also die Mög­lich­keit, den Block da an seinem Platz zu lassen oder ihn den Berg­hang hinun­ter­zu­stür­zen. Wenn ihr ihn zum Kippen bringt, wird er euch natür­lich ge­hor­chen. Aber dann ist es aus, ihr habt keine Macht mehr, er kann sogar unermesslichen Scha­den an­rich­ten. Ge­nau­so steht es mit euch, wenn der Zorn in euch aufsteigt. Ent­schließt ihr euch, ihn sofort zu unter­drü­cken, dann wird er nicht aus­bre­chen. Lasst ihr ihm aber freie Bahn, dann könnt ihr seiner nicht mehr Herr werden. Das stimmt auch für ge­wisse Vor­stel­lungen, die ihr in euch duldet: Am Ende sind sie nicht mehr aus­zu­rotten. Seid also wach­sam. Ihr dürft nie­mals ver­gessen, dass Tav von Aleph ab­hängt, das Ende ist vom An­fang ab­hängig. Seid wie der Magier, der bewusst ein magi­sches Ver­fahren unternimmt und sein Ziel ge­nau er­reicht.

Mit den Worten: »Ich bin Aleph und Tav« zeigt uns Chris­tus, auf welche Weise wir unsere Tätig­keit in An­griff nehmen soll­ten. Der An­fang, das ist der Himmel, die gött­liche Welt. Oben mit dem Himmel müssen wir also an­fangen und all­mäh­lich bis in die Mate­rie hinab­stei­gen. Wer mit der Mate­rie be­ginnt, um sich dann bis zum Himmel hinauf­zu­schwin­gen, geht Miss­erfolg und Leiden ent­gegen. Zwei einan­der lie­bende Men­schen müssen sich zu­erst auf der spiritu­ellen Ebene lieben, be­vor sie ihre Liebe auf der mate­riellen Ebene ausdrücken. Im All­gemei­nen machen aber Männer und Frauen ge­nau das Gegen­teil: Sie fangen mit Tav an und setzen Aleph ans Ende! Werden sie sich auf der spiritu­ellen Ebene lieben können, wenn alles zer­bro­chen ist? Bei allen Dingen muss man mit dem An­fang, mit dem Kopf be­ginnen.

Wenn die Kabba­listen das hebräi­sche Alpha­bet stu­dieren, unter­schei­den sie zu­erst drei Mutter­buch­staben (meis­tens »matres lectionis« ge­nannt): Aleph, Mem und Shin, die je­weils Luft, Wasser und Feuer ge­schaf­fen haben; dann sieben Doppel­buch­staben: Beth, Ghimel, Daleth, Kav, Pé, Resch und Tav, die die sieben Plane­ten er­schaf­fen haben, und zu­letzt zwölf ein­fache Buch­staben: Hé, Vav, Zaïn, Heth, Teth, Jod, Lamed, Nun, Samesch, Aïn, Tsadé und Qof, die die zwölf Stern­bilder er­schaf­fen haben. Die zwei­undzwan­zig Buch­staben be­inhal­ten die Gesamtheit der Schöp­fung.

Selbst­ver­ständ­lich sind diese Buch­staben nur der mate­rielle Aus­druck abstrak­ter Prinzi­pien. Beim Spre­chen oder Schrei­ben setzt ihr, ge­nau wie Gott, Buch­staben und Wörter zu­sammen, ihr werdet da­durch zum Schöp­fer. Auf diese Weise könnt ihr in den Men­schen Freude und Ver­trauen, Liebe und Licht her­vor­zu­rufen, wie auch Kummer, Be­trüb­nis, Krank­heit und Ver­zweif­lung. Im zwei­ten Fall hat man nicht mit Schrift und Wort zu tun, son­dern mit Ge­schmie­re und Kauder­welsch. Die wahr­haf­tige Ent­wick­lung be­steht darin zu er­lernen, wie man im Hin­blick auf gött­liche Er­geb­nisse von Schrift und Wort, Formen und Bildern Ge­brauch machen kann, d.h. wie die Ele­mente des WORTS in An­griff ge­nommen werden müssen, damit nur das Gute, das Schöne, das Rich­tige zu­stan­de kommt. Wer auf diesem Ge­biet völlig be­wusst arbei­tet, wirkt an Gottes Werk mit; es kommt dann ein­mal der Tag, an dem er als Arbei­ter Gottes an­ge­stellt wird. Denn der Schöp­fung­spr­ozeß ist noch nicht zu Ende. Der Schöp­fer arbei­tet weiter daran und braucht Arbei­ter, die Ihm etwas Sand und Gips herbei­schaf­fen. »Nur das?« werdet ihr sagen. Ja, und emp­findet es nicht als eine Be­leidi­gung, uns wird Er be­stimmt nicht für die Haupt­rolle aus­erwäh­len, aber auf wel­chem Niveau es auch ge­sche­hen mag, es ist ehren­voll an dieser gött­lichen Arbeit mit­zu­wirken.

Vertieft euch in das von Gott ge­gebene Leben, befasst euch mit dessen Manifes­tationen, so wie vor Gott selbst, sagt: »Zu­künf­tig werde ich wach­sam sein und beim Spre­chen und Han­deln nur darauf hin­zielen, die ge­samten Krea­turen zu be­leben und zu be­ruhi­gen, zu er­leuch­ten und zu er­wärmen, sie zu er­muti­gen und zu stär­ken.« Bei diesem Ent­schluss be­ginnt schon das WORT seinen Platz in euch zu finden, und ihr werdet euch über die Fülle der euch von Gott ge­schenk­ten Ele­mente immer klarer und klarer werden. Ihr wisst noch nicht, wel­chen Ge­brauch ihr davon machen könnt. Aber allmählich spürt ihr, wie diese Ele­mente euch immer mehr zu Diens­ten zu stehen: Dann werdet ihr sehr mäch­tig. Ihr dürft euch aber auch nicht damit be­gnügen, nur gute und schöne Worte aus­zu­spre­chen. Ihr müsst diese Worte bis zu ihrer Ver­wirkli­chung, bis zu ihrem Ende führen. Nur unter dieser Voraus­set­zung werden sie zu »wahr­haftig wahren Wahr­heiten.«

Nun möchte ihr euch etwas Persön­liches er­zählen. Ich war damals sieb­zehn und spürte in mir das Be­dürf­nis nach einer Form, nach einer geo­metri­schen Figur, die beim An­schau­en Harmo­nie und Frie­den in mir her­vor­rufen würde. Nach einer Zeit­lang ent­schloss ich mich für den Kreis. Den Radius des Krei­ses nahm ich als Maß und teilte den Um­kreis in sechs Teile. Das gab mir die Mög­lich­keit, sechs Kreise zu zeich­nen, daraus er­gab sich eine Ro­sette. Die sechs Kreise färbte ich mit den sechs Farben des Pris­mas: vio­lett, blau, grün, gelb, orange und rot. Als ich diese Zeich­nung be­trach­tete, ver­setzte sie mich in Ent­zücken. Für mich war sie das Symbol der Voll­kommen­heit. Nach eini­ger Zeit kam es mir vor, als fehlte noch etwas dabei. Als ich ver­suchte heraus­zu­finden, was es war, spürte ich mich von einer ge­heim­nis­vollen Im­puls ge­trie­ben und be­gann unter der Ro­sette den An­fang des Johan­nes-Evange­liums nieder­zu­schrei­ben: »Im An­fang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht was gemacht ist.« Warum gerade diese Worte? War ich denn be­son­ders damit ver­bunden? Ich darf nicht daran zwei­feln und habe mein Leben lang darü­ber nach­ge­dacht. Heute weiß ich, warum ich meine Zeich­nung auf solche Weise er­gänzt habe…

Der hei­lige Johan­nes ent­hüllte die Myste­rien des göttlichen Wortes, das einem die Mög­lich­keit gibt, auf die Natur­kräfte ein­zu­wirken. Darin be­steht seine Lehre. Wenn sich die Chris­ten heutzu­tage von dieser Lehre ab­wenden und sich damit be­gnügen, ledig­lich mit dem Pfar­rer oder dem Küster zu kommuni­zieren, ist das ihre Sache. Die Chris­ten haben die Geheimnisse des göttlichen Wortes, die alle Ge­heim­nisse des Uni­ver­sums mit ein­bezie­hen, ver­gessen. Ihr erin­nert euch an die Ver­spre­chungen, die – in den ersten Kapi­teln der Apo­ka­lypse – in den Briefen an die ver­schie­denen Ge­mein­den ge­macht wurden: »Wer siegt, dem werde ich von dem ver­borge­nen Manna geben. Ich werde ihm einen weißen Stein geben und auf diesem Stein steht ein neuer Name, den nur der kennt, der ihn emp­fängt«… »Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht«… Wer siegt wird ebenso mit weißen Ge­wän­dern be­klei­det werden«… »Wer siegt, dem werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen«… »Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen…« All diese Ver­spre­chungen stel­len eine Ein­wei­hung in die Myste­rien des WORTES dar.

Sèvres, den 2. März 1958

Band 320 aus der Reihe Broschüren
ISBN 978-3-89515-034-7
64 Seiten, Paperback
4,00 Euro

Die Broschüre im Online-Shop: hier klicken

Share this post
  ,


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.