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Leseprobe Izvor 214 »Liebe, Zeugung und Schwangerschaft«

Leseprobe Izvor 214 »Liebe, Zeugung und Schwangerschaft«vom O. M. Aivanhov, Kapitel 4 und 7 - ISBN 978-3-89515-042-5, 208 Seiten, 12,00 Euro.

Leseprobe Izvor 214 »Liebe, Zeugung und Schwangerschaft«

Rückentext des Buches »Liebe, Zeugung und Schwangerschaft – Die geistige Galvanoplastik und die Zukunft der Menschheit«:

»Im Universum gibt es zwei Grundprinzipien, die sich in allen Erscheinungsformen der Natur und des Lebens wiederfinden. Die gesamte Schöpfung ist das Werk des männlichen und weiblichen Prinzips. Wenn sie fruchtbar sein wollen, müssen diese beiden Prinzipien zwangsläufig miteinander arbeiten, denn getrennt können sie nichts erschaffen. Deshalb suchen sie sich ständig gegenseitig. Nichts ist für ein Geschöpf wesentlicher, als die Begegnung mit seinem ergänzenden Prinzip. Die gesamte Schöpfung beruht auf diesen beiden Prinzipien, die sich von den zwei schöpferischen Urprinzipien des Kosmos ableiten: dem Himmlischen Vater und der Göttlichen Mutter. Überall in der Natur wirken diese Prinzipien in unterschiedlichen Formen und Dimensionen. Sie existieren auch im Menschen selbst, und zwar nicht nur in seinem physischen Körper, sondern auch in seiner Psyche. Geist und Verstand stellen das männliche, Seele und Herz dagegen das weibliche Prinzip dar. Die geistige Galvanoplastik ist die bewusste Anwendung dieser beiden Prinzipien im Innern des Menschen.«

Omraam Mikhael Aivanhov

 

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1: Die geistige Galvanoplastik

Kapitel 2: Mann und Frau, Abbild des männlichen und weiblichen Prinzips

Kapitel 3: Die Ehe

Kapitel 4: Lieben ohne Besitzanspruch

Kapitel 5: Wie man der Liebe eine edlere Ausdrucksform gibt

Kapitel 6: Nur die geistige Liebe schützt die menschliche Liebe

Kapitel 7: Der Liebesakt aus der Sicht der Einweihungslehre

Kapitel 8: Die Sexualkraft, Bestandteil der Sonnenenergie

Kapitel 9: Die Zeugung eines Kindes

Kapitel 10: Die Schwangerschaft

Kapitel 11: Die Kinder von Verstand und Herz

Kapitel 12: Die Frau soll ihren wahren Platz wieder einnehmen

Kapitel 13: Das Reich Gottes, Kind der kosmischen Frau

 

Kapitel 4
Lieben ohne Besitzanspruch

Viele Ehepaare, die zu mir kommen, beklagen sich über die Untreue ihres Partners. Wenn ich ihre Anschuldigungen nachprüfe, stelle ich jedoch fest, dass es reine Einbildung war. Warum macht man eigentlich solche Geschichten? Weil man im Grunde Angst hat, die geliebte Person zu verlieren. Und mit welchem Genuss, mit welchem Vergnügen versucht man, den anderen aus der Fassung zu bringen und zu quälen! »Liebling, ich quäle dich nur deshalb, weil ich dich liebe…« Eine seltsame Logik!

Es kommt aber auch vor, dass eine Frau unzufrieden und unglücklich ist, wenn ihr Mann nicht eifersüchtig ist. Sie weiß, dass er sie liebt, dass er es an nichts fehlen lässt, und ihr sogar die Freiheit gibt, aber anstatt sich zu freuen, macht sie sich Sorgen und verdächtigt ihn, eine Freundin zu haben. Soll er sie anketten und sich ihr gegenüber wie ein Drache benehmen, damit sie glücklich ist? Es gibt Frauen, die mit solchen Drachen zusammenleben, aber auch sie sind unglücklich. Glaubt mir, man kann es den Menschen nie recht machen. Wenn ein Mann seiner Frau die Freiheit lässt, beschwert sie sich: »Warum überwacht er mich nicht, warum gibt er mir so viel Freiheit? Er liebt bestimmt eine andere! » Und wenn ihr Mann ein Despot, ein Tyrann ist, jammert sie und sucht sich einen anderen, der sie befreit. Manche Menschen wollen ihren Mann oder ihre Frau für sich allein besitzen und haben Angst, sie zu verlieren, sobald sie anderen ein wenig Zuneigung entgegenbringen. Sie werden eifersüchtig und befürchten, dass ihr vermeintliches Eigentum ihnen entkommt. Aber wo steht geschrieben, dass euer Mann oder eure Frau euer Eigentum sind? Ihr kennt sie seit zwei oder zehn Jahren, aber sie sind lange bevor ihr sie kennen gelernt habt geschaffen worden. Sie haben Eltern, sie haben einen Schöpfer, sie existieren bereits seit Millionen von Jahren und gehören nicht euch. Der Mann sagt: »Das ist meine Frau! » Ja, sie ist Ihre Frau, aber für wie lange? Das weiß nur Gott allein! Ihr seid ganz einfach Partner. Wenn ihr schwerwiegende Missverständnisse oder gar großes Unglück vermeiden wollt, dann seht den anderen als euren freiwilligen Partner an – oder unfreiwilligen, das geht aus der Geschichte nicht hervor. Ihr seid Partner, um eine bestimmte Arbeit zu verrichten, um zum Beispiel ein Haus zu bauen. Ja, wenn ihr ein Kind zeugt, ist es genau das gleiche, wie wenn ihr ein Haus baut. Das Kind ist ein Geist, der von sehr weit herkommt, und ihr baut ihm Stein um Stein ein Haus, seinen Körper.

Die Angst, das geliebte Wesen zu verlieren ist die Ursache vieler Missverständnisse. Ihr müsst von vornherein wissen, dass der andere euch nicht gehört. Ihr wollt ihn mit allen Mitteln an euch binden, ihr quält ihn, tut ihm Gewalt an und drängt ihm euren Willen auf. Aber was erreicht ihr in Wirklichkeit damit? Angenommen, ihr habt eine sehr hübsche Frau geheiratet. Könnt ihr verhindern, dass andere Männer sie ansehen, sie bewundern und ihr sogar nachlaufen? An Gelegenheiten fehlt es nicht; auf der Straße, im Theater in Gesellschaft, bei Freunden, überall sieht jeder eure Frau an, und wenn ihr nicht vernünftig seid, müsst ihr leiden. Es ergeht euch genauso wie jemandem, der einen Park voller Blumen besitzt. Er kann nicht verhindern, dass die Blumen ihren Duft verbreiten und alle Welt ihn einatmet. In Wirklichkeit ist das, was ihr so eifersüchtig bewacht, nur der Körper des geliebten Wesens, eine Hülle, eine Schale… Der wahre Wert, die Essenz, das heißt Gedanken und Gefühle des Menschen können nicht eingeschlossen werden. Es ist die größte Täuschung zu glauben, dass man eine menschliche Seele gefangen halten kann. Ebenso wenig wie man den Sand oder den Wind in Ketten legen kann, kann man über die Seele herrschen. Man vermag sich vielleicht des physischen Körpers zu bemächtigen, nicht aber dieses geheimnisvollen Wesens, das in ihm wohnt.

Es gibt Menschen, die einen Mann oder eine Frau durch Zauberkunst an sich binden wollten. So etwas ist möglich: es gibt allerlei Sprüche und magische Verfahren, durch die man Menschen verhexen kann, aber ich rate niemandem, solche Methoden anzuwenden. Warum nicht? Angenommen, ihr erreicht durch solche Gewalt, dass eine Frau euch liebt. Vielleicht verliebt sie sich sogar unsterblich in euch… Zwischen Himmel und Erde ist alles möglich! Ihr wisst jedoch nicht, was sie gleichzeitig auf euch überträgt, wenn sie euch küsst oder euch das gibt, was ihr von ihr erwartet. Die durch die Macht eurer Sprüche angezogenen Geister haben sich in ihr niedergelassen, und es ist nicht ihr Geist, der euch liebt, sondern diese niederen Wesenheiten. Wenn ihr sie sehen könntet, würden euch die Haare zu Berge stehen und ihr würdet den Himmel anflehen, euch von ihnen zu befreien. Menschen zu verhexen, ist keine gute Methode. Gewiss, ihr bekommt, was ihr wolltet, aber wenn ihr von den Lippen dieser Frau die Liebe zu trinken glaubt, trinkt ihr in Wirklichkeit ein Gift, das euch nach und nach zugrunde richtet. Man kann vielleicht die Wesen der Astralwelt heraufbeschwören und ihnen seinen Willen auf zwingen, aber der Geist ist frei und kann weder angebunden noch in Ketten gelegt werden.

Was bedeutet also die Angst, die Schale, den Körper, das Gehäuse eines Menschen zu verlieren im Vergleich zu der Freude, seinen Geist zu gewinnen und ihn an seiner Seite zu haben? Ihr sagt, dass es das Beste wäre, sie alle beide zu besitzen: Geist und Körper. Ja, das kann ich verstehen, aber um das zu erreichen, gibt es andere Methoden. Mit Gewalt erreicht ihr nichts. Im Gegenteil, durch solche Mittel verliert ihr beide. Ihr braucht eine andere Einstellung, damit der freie Geist sich derart an euch bindet, dass er durch nichts von euch getrennt werden kann. Hier beginnt die Wissenschaft der Liebe. Wenn ihr erreichen wollt, dass jemand euch freiwillig und ohne Zwang liebt, gibt es nur ein unschädliches Mittel: ihr dürft nie negativ über ihn denken und müsst ihm stets herrliche, lichtvolle und reine Gedanken zusenden. Seid geduldig, auch wenn er hart und böse ist, ertragt alles und hört nicht auf, ihm zu helfen und ihn zu lieben. Wenn euch tatsächlich so viel an ihm liegt, wird auch er euch früher oder später eine reine, göttliche Liebe entgegenbringen.

Jemand wendet ein: »Ja, aber wenn man seine Frau nicht eifersüchtig bewacht, stellt sie Dummheiten an.« Da täuscht ihr euch. Im Gegenteil, gerade wenn ihr sie eifersüchtig bewacht, macht sie am meisten Dummheiten. Könnt ihr in ihren Kopf, in ihr Herz sehen, um zu wissen, was dort vor sich geht? Eine Frau kann so gut lügen, dass sie sogar den lieben Gott betrügen würde, und der Dummkopf von Ehemann bildet sich ein, er könne sie beaufsichtigen! Eines glaube ich ganz gewiss nicht, nämlich dass ein Mann seine Frau überwachen kann. Sie kann sich selbst überwachen, ja, aber nicht er. Selbst wenn er sie in einen Turm einsperrte, würde sie den Teufel herbeirufen und sich mit ihm amüsieren, um sich an ihrem Mann zu rächen.

Eifersucht führt immer zu Katastrophen. Wenn die Frau ständig von ihrem Mann hört: »Du betrügst mich… du bist mir untreu…«, wird sie sich eines Tages schließlich sagen: »Das möchte ich ausprobieren, es ist sicher aufregend!« Bislang war sie ihm treu und dachte nicht daran, ihn zu betrügen; aber durch seine Verdächtigungen hat der Mann auf der Astral ebene selbst die Voraussetzungen dafür geschaffen. Und wenn sie sich einmal entschlossen hat, ihn zu betrügen, tut sie es nicht nur, sondern weiß obendrein seine Befürchtungen mit erstaunlicher Überzeugungskraft zu beschwichtigen: »Mein Liebling, du kannst beruhigt sein, ich sage dir die Wahrheit…« Und während er ihr nicht glaubte, als sie ihm die Wahrheit sagte, glaubt er ihr nun, wo sie ihn anlügt.

Eifersucht ist Mangel an Verständnis. Verbissen bewacht man sein »Eigentum«, ohne zu bemerken, dass die Seele und der Geist des Körpers, den man so eifersüchtig sein Eigen nennt, vollkommen frei sind. Sobald ihr erkennt, dass in dem geliebten Menschen ein feinstoffliches Prinzip wohnt, zu dem ihr eine Beziehung aufnehmen müsst, weitet sich euer Verständnis und ihr verhaltet euch ihm gegenüber viel feinfühliger und einsichtiger. Und sobald er sieht, dass ihr seine Freiheit respektiert, ihm keine Gewalt antut und er euch vertrauen kann, bindet er sich langsam immer stärker an euch. Wenn die Angst schwindet, seid ihr nicht mehr so angespannt, grob, böswillig und rachsüchtig; ihr seid ruhiger und findet Lösungen für die Probleme, die auf euch zukommen.

Nehmen wir sogar einmal an, eure Frau liebt euch nicht mehr. Sagt euch in diesem Fall, dass ihre Seele frei ist und nicht ewig bei euch bleiben wird; vor euch hat sie in früheren Inkarnationen bereits Hunderte von Männern geliebt und nach euch wird sie noch andere lieben. Warum zerbrecht ihr euch den Kopf, wenn sie euch nicht mehr liebt? Werdet ihr sie denn immer lieben? Habt ihr sie seit Anbeginn der Schöpfung geliebt?… Nein. Also bleibt ruhig und vergegenwärtigt euch, dass es ungerecht ist, von einem anderen Wesen alles zu erwarten, während ihr euch selbst frei fühlt, das zu tun, was euch gerade in den Sinn kommt.

Die Eifersucht ist ein schreckliches Gefühl. Es verdunkelt den Geist und wirft den Menschen in sehr niedere Sphären, in denen die Sinnlichkeit entfesselt wird. Eine Eifersuchtsszene endet immer in einem Impuls heftiger, sinnlicher Liebe, die jedes Mal stürmischer ist als zuvor. Wenn ihr also nicht unter den Einfluss einer entfesselten Sinnlichkeit geraten wollt, solltet ihr keine Eifersucht äußern, denn sonst seid ihr nachher wie verhext und wisst nicht einmal, wie es so weit gekommen ist. Wie oft haben nicht schon Männer, nachdem sie ihren Frauen oder Freundinnen einen fürchterlichen Auftritt gemacht und geschworen hatten, sie zu verlassen, sich in einem unwiderstehlichen Sexualdrang vor ihr gedemütigt und ihre ganze Würde aufgegeben, um eine einzige Liebkosung zu erhalten!… Die Eifersucht ist der schlechteste Ratgeber der Hölle; sie treibt die Menschen zu sinnlosen Taten, die sie nachher, wenn es zu spät ist bereuen. In rasender Eifersucht tötet man seine Geliebte, weint später und bringt sich selbst um.

Der Schüler einer Einweihungsschule muss die Eifersucht überwinden. Er sollte sich schämen, weiterhin von solchen Sorgen und Ängsten beherrscht zu werden. Wenn seine Frau ihn verlässt sollte er nachdenken und sich sagen: »Es ist traurig, dass ich meine Frau verloren habe; es tut mir weh, aber ich habe noch den Himmel, Gott, das Licht, die Lehre, den Meister. Wie reich ich bin!« Wenn ihr nur ein Brot habt, könnt ihr nicht großzügig sein; wenn ihr aber viele Brote habt, könnt ihr sie verteilen und wisst, dass ihr trotzdem nicht hungern müsst. Eifersucht ist ein Zeichen der Armut. Wer innerlich reich ist, hat keine Angst, allein zu bleiben; selbst wenn alle ihn verlassen, spürt er, dass Hunderte, ja Tausende von Geistern ihn weiterhin besuchen. Eine der besten Methoden, sich von der Eifersucht zu befreien, besteht darin, die Liebe auf eine höhere Ebene zu erheben. Warum will eine Frau ihren Mann, den sie um seiner Intelligenz, seines Wissens, seines Geistes und seiner Güte willen liebt, der ganzen Welt bekannt machen? Warum ist sie glücklich, wenn jeder bei ihm Aufklärung und Wärme sucht?… Weil ihre Liebe von anderer, erhabenerer ist als die gewöhnliche Liebe einer Frau, die einen Mann rein körperlich wegen seines süßen kleinen Bartes oder seiner eindrucksvollen Muskeln liebt!

Es ist wichtig, seine Liebe umwandeln zu können. Ihr müsst wissen, dass eine sehr sinnliche Liebe untrennbar mit Eifersucht verbunden ist. Je mehr ihr jemanden rein körperlich liebt, desto mehr wollt ihr ihn für euch allein besitzen, und schon ist die Eifersucht da. Je mehr ihr jemanden auf geistiger Ebene liebt, desto mehr wollt ihr ihn den anderen geben und mit ihnen die Freude teilen, ihn zu lieben. Heiraten ist wunderbar, aber wenn ihr Leid vermeiden wollt, müsst ihr eine Grundregel kennen: betrachtet eure Frau oder euren Mann nie als euer Eigentum, ihr stoßt sonst auf große Widersprüche, denn in einem bestimmten Augenblick werdet ihr immer merken, dass der andere euch nicht gehört. Er existierte bevor er euch kannte und wird auch nach euch existieren. Ein anderer hat ihn geschaffen und nicht ihr. Betrachtet ihn also in diesem Leben als einen Partner und denkt daran, dass er frei ist! Wenn er etwas für euch tun will, freut euch, aber kein Gesetz kann ihn dazu zwingen. Er ist einzig und allein aus eigenem, freiem Einverständnis mit euch verbunden. Vor euch war er mit anderen zusammen, und eure Beziehung zu ihm ist nicht ewig; wenn sie es wäre, wäre er eure Schwesterseele und ihr würdet in vollkommener Harmonie miteinander leben. Da dies nicht der Fall ist, kanntet ihr euch vorher nicht und begegnet euch jetzt vielleicht zum ersten Mal.

Jede Frau hat schon so viele Ehemänner gehabt, dass die Ärmste sich gar nicht zurechtfinden würde, wenn sie sie alle aufzählen sollte. Ebenso hat auch der Mann schon unzählige Frauen gehabt, und es ist gar nicht gesagt, dass er in der nächsten Inkarnation die gleiche wieder trifft. Also braucht man sich keine Illusionen oder Sorgen zu machen. Männer und Frauen sollten sich sagen: »Gut, wir sind Partner, wir wollen unser Bestes tun und ehrlich sein. Das ist alles!« Wenn sie sehr gute Beziehungen zueinander herstellen, können sie wieder zusammen sein, warum nicht? Ihr seht, wie alles sich aufklärt. Diese Wissenschaft ist genauso unendlich wie das Leben selbst. Ich habe das Gefühl, noch nicht genug über dieses Thema gesagt zu haben, wie übrigens auch über alle möglichen anderen Themen. Aber ich hoffe, dass wir diese Probleme mit der Gnade des Himmels und eurem guten Willen mehr und mehr klären können, damit ihr Söhne und Töchter Gottes werdet und glücklich und frei seid. Ja, glücklich, frei und in Frieden, selbst mit euren Frauen, euren Männern und euren Kindern!…

 

Kapitel 7:
Der Liebesakt aus der Sicht der Einweihungslehre

Die geschlechtlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau sind nicht an sich schlecht. Wenn dies so wäre, warum äußerte die Natur sich dann seit Anbeginn der Schöpfung bei allen Geschöpfen auf diese Art und Weise? Wäre der Geschlechtsakt an sich verwerflich, hätte die Natur ihn nicht geduldet, und der Himmel hätte schon längst alle diejenigen ausgerottet müssen, die ihn vollziehen. Nein, der Geschlechtsverkehr als solcher ist weder gut noch schlecht; er wird allein durch die dahinter stehende Absicht kriminell oder heilig. Wir können zum Vergleich die Frage stellen: Was ist wichtiger, der Wasserhahn oder das durch ihn hindurchfließende Wasser? Der Wasserhahn mag aus Gold sein, aber was nützt dies, wenn das Wasser schmutzig ist. Wichtig ist also, dass das Wasser rein ist. Nun, eine schlechte Absicht gleicht schmutzigem und eine gute Absicht kristallklarem, belebendem Wasser. Es kommt also nicht auf Gesten oder Organe an, sondern auf die Beschaffenheit der psychischen Kräfte, Energien, Ausstrahlungen und Essenzen, die von Mann und Frau während des Liebesaktes ausgehen.

Wenn ein Mann nicht an sich gearbeitet hat, um edler und reiner zu werden, wenn er egoistische und unehrliche Absichten hegt, lädt er Schuld auf sich, auch wenn er mit dem Akt selbst wartet, bis er verheiratet ist. Sein Verhalten wird vielleicht anerkannt und allgemein gebilligt – die Familie bereitet ein Festessen, das Standesamt gibt ihm das Recht und die Kirche ihren Segen –, aber die Natur verurteilt ihn. Denn was überträgt er auf seine Frau? Krankheiten, Laster und schädliche Einflüsse, das ist alles. Auch wenn jeder sein Handeln gutheißt, sprechen die Gesetze der lebendigen Natur sich gegen ihn aus, weil er seine Frau beschmutzt. Umgekehrt macht man euch vielleicht Vorwürfe, weil ihr sexuelle Beziehungen unterhaltet, ohne verheiratet zu sein, wenn ihr jedoch die Seele der geliebten Frau mit himmlischem Segen erfüllt, sind oben alle Engel begeistert.

Was gut oder schlecht ist, ergibt sich nicht aus der Beachtung oder Nichtbeachtung der Konvention, sondern aus der Beschaffenheit und Qualität dessen, was ihr gebt. Der Himmel kümmert sich nicht darum, ob die Vereinigung von Mann und Frau legal oder illegal ist, ihn interessiert nur, was sie sich gegenseitig für ihr Wohl, ihren Aufbau und ihre Weiterentwicklung geben. Der Himmel urteilt nach diesen Maßstäben, denn sie sind die wesentlichen. Die Menschen sollten an sich arbeiten, sich reinigen, sich in Harmonie bringen und sich vervollkommnen, damit der Himmel sich durch ihre Nachkommen äußert, wenn sie einmal welche haben. Auch die Eingeweihten, die nicht heiraten, arbeiten ständig an ihrer Reinigung und Durchlichtung, um göttliche Wesen zu werden, sie kümmern sich nicht um die Meinung ihrer Umwelt, die die Alleinstehenden kritisiert. Übrigens sind sie in Wirklichkeit gar nicht alleinstehend. Aber auf dieses Thema komme ich später zurück.

In Fachbüchern über Medizin, Hygiene oder Sexualerziehung findet ihr genügend Einzelheiten über die Sexualität. Es gibt eine umfangreiche Literatur zu diesem Thema, die ich aber nie durchgegangen bin; erstens, weil ich keine Zeit dazu habe, hauptsächlich aber, weil es mich nicht interessiert, den Geschlechtsverkehr vom rein anatomischen, physiologischen oder, wenn ihr wollt, »technischen« Standpunkt aus zu betrachten. Diese Bücher enthalten alles – bis auf das, was ich euch enthülle: nämlich den geistigen Aspekt dieses Aktes. Denn die Liebe ist kein Vergnügen, sondern eine gewaltige, prachtvolle Arbeit des Wiederaufbaus, der Auferstehung und Vergöttlichung.

Die Geschlechtsorgane sind die Wurzeln der Menschen. Wenn man sie wahllos benutzt, kann man damit dem ganzen Wesen schaden, denn die Wurzeln sind sehr wichtig – alles hängt von ihnen ab, alles kommt von ihnen her. Gerade sie geben der Gesamtpersönlichkeit Farbe und bestimmen die Nuancen von Temperament und Charakter. Betrachtet allein schon die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Viele Äußerungen ihres physischen, affektiven, sittlichen und intellektuellen Lebens haben ihren Ursprung – ihre Wurzeln in den sogenannten »intimen Körperteilen«. Sie stellen so etwas wie eine Zusammenfassung von Mann und Frau dar. So liegt es zum Beispiel in der Natur der Frau, alles sammeln und bewahren zu wollen, wohingegen der Mann seinem Wesen nach verschwenderisch ist. Jeder hat dies beobachten können, aber niemand kennt den Ursprung dieser Eigenheiten. Im Grunde ist es klar, aber die Menschen können einfach keine Analogien herstellen. Der Charakter von Mann und Frau erklärt sich durch die Gestaltung ihrer Geschlechtsorgane. Die Frau bewahrt, häuft an; ihre Aufgabe liegt im Ansammeln, Behüten und Erhalten. Natürlich gibt es auch verschwenderische Frauen, aber das sind dann keine wahren Frauen, sondern verkleidete Männer! Die kosmische Intelligenz hat der Frau also aus einem ganz bestimmten Grund die Eigenschaft gegeben, alles anzuziehen und zu bewahren: sie darf nichts verschleudern, denn sonst könnte kein Kind entstehen. Wenn der Mann dagegen verschwenderisch ist, ist dies aus der Sicht der Natur weniger schwerwiegend, denn er hat noch »Rohstoffe«. Viele Körner und Samen sind notwendig, um überhaupt etwas zu ernten. Der Mann muss großzügig sein, damit wenigstens eine Geburt zustande kommt; denn es könnte sein, dass alles zerstreut würde oder auf unfruchtbaren Boden fiele. Wenn die Frau dagegen genauso freigebig wäre wie der Mann, würde dies Unfruchtbarkeit bedeuten; deshalb bewahrt sie das Wenige, das sie bekommt, sorgfältig auf.

Diese körperlichen Gegebenheiten, das Bewahren und Verschwenden wiederholen sich auch in den Charakterzügen von Mann und Frau. Die Frau muss etwas in den Händen haben – zuerst den Ehemann, dann die Kinder. Wenn sie den Mann nicht halten kann, klammert sie sich an das Kind. Solange es klein ist und ihren Schutz braucht, ist sie glücklich, denn dann kann sie es für sich behalten. Sobald es je doch erwachsen sein wird, entgleitet ihr auch das Kind, und sie ist wiederum unglücklich, weil sie nichts mehr besitzt. Dieser Besitzdrang der Frau kompliziert alles. Ihr fragt: »Aber will der Mann denn nicht besitzen?« Nein, er will, grob gesagt, im körperlichen Bereich nur genießen; besitzen bedeutet für ihn: ausnutzen und sich davonmachen. Die Frau will dagegen den Mann an sich binden und ist erst dann gewillt, ihm alles andere zu geben. Der Mann sagt: »Mach dir keine Sorgen, nachher bringen wir alles in Ordnung; lass uns erst einmal die Liebe genießen.« Aber da die Frau nicht dumm ist, weiß sie, dass er sie verlässt, wenn sein Verlangen befriedigt ist, und deshalb sagt sie: »Nein, zuerst musst du unterschreiben!« Sie zwingt ihn so, einen Vertrag abzuschließen und sich zu verpflichten.

Die Sexualität ist ein sehr ergiebiges und vielseitiges Thema. Man kann sie aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten (was man übrigens auch tut): aus organischer, physiologischer, psychologischer, sozialer, sittlicher und religiöser Sicht. Nur den Standpunkt der Einweihungswissenschaft kennt man noch nicht, denn er ist eigentlich nie richtig dargelegt worden.

Man hat mir von Versuchen erzählt, die Forscher und Mediziner durchgeführt haben. Um die physiologischen Phänomene während des Liebesaktes zu studieren, haben sie zum Beispiel an den verschiedenen Körperteilen von zwei freiwilligen Testpersonen – einem Mann und einer Frau – Elektroden angeschlossen. Ein Wirrwarr von Kabeln verbindet die beiden mit einem Aufzeichnungsgerät, und die ganze Apparatur zeigt Diagramme ihrer verschiedenen Reaktionen während sie sich mitten in diesem Kabelsalat »lieben«. Da es mehr und mehr sogenannte emanzipierte Menschen gibt, die sich von allen alten moralischen Vorurteilen befreit haben, gibt es für derartige Versuche anscheinend Hunderte von Freiwilligen. Fraglich ist, ob die sogenannten »Forscher« tatsächlich nur die Diagramme beobachten. Was in ihnen vorgeht, wird nicht erwähnt. Sicherlich haben auch sie interessante Reaktionen zu verzeichnen und es ist schade, dass sie selbst nicht auch an solche Geräte angeschlossen sind… Aber ganz unabhängig vom Resultat ihrer Beobachtungen, sind sie noch weit von den Enthüllungen der Einweihungswissenschaft über die Liebe entfernt.

Auch wenn die Wissenschaftler eines Tages die physiologischen Reaktionen bis in alle Einzelheiten kennen, wissen sie nichts von der Liebe, solange sie nicht den feinstofflichen Bereich, die Ausstrahlungen, die Ausströmungen, die ätherischen und fluidischen Schwingungen studiert haben. Sie ahnen ja nicht einmal, dass solche Phänomene überhaupt existieren. Nun, mich interessiert gerade dieser Aspekt des menschlichen Wesens, denn er ist der wichtigste: zu wissen, in welche Richtung die Energien während des Geschlechtsverkehrs ausgestrahlt werden, was sie an Schäden und Zerstörungen oder Aufbauendem und Großartigem in der Welt anrichten und wer sich diese Energien aneignet. Sind sie symbolisch gesehen nicht wie Vulkanausbrüche, deren Niederschläge so manches verschütten und ganze Städte unter sich begraben?… Männer und Frauen sollten deshalb folgendes wissen: Wenn sie nur auf Vergnügen aus sind, fangen gewisse niedere Wesenheiten – Elementargeister, Larven und unterirdische Naturkräfte – diese Energien auf und halten auf Kosten der Menschen ein Festmahl.

Ja, Männer und Frauen müssen wissen, dass sie durch ihre Sinnlichkeitsexzesse böswillige Wesenheiten, Larven und Elementargeister nähren, die die Menschheit entzweien und vernichten. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Wesenheiten – nicht nur Larven, sondern auch niedere Seelen und nicht verkörperte Menschen – sich in Nachtclubs und sonstigen Stätten des Lasters aufhalten und bei diesem Festmahl die dort vorhandenen Energieströme aufsaugen. Ja, Menschen, die ihre Begierden während ihres Erdenlebens nicht befriedigen konnten, besuchen solche Orte, um sich von den grobstofflichen Ausstrahlungen dieser dem Laster ergebenen Menschen zu ernähren.

Die Eingeweihten haben all dies seit langem studiert. Wenn Mann und Frau ihrer Liebe ein niedriges Ziel setzen und nur das Vergnügen suchen, öffnen sie damit den niederen Wesenheiten eine Tür, durch die sie sich einschleichen und in kürzester Zeit in ihrem Innern beträchtliche Schäden und Verwüstungen anrichten! Die geistige Liebe dagegen verjagt schädliche Wesenheiten und nährt die Engel und Erzengel, die die Menschheit retten wollen. Die Energien der sind göttliche Energien, die wieder zur göttlichen Welt zurück kehren müssen und muss zur göttlichen Welt zurückkehren. Wenn Liebende sich dieser Wahrheit bewusst sind, leiten unzählige intelligente Naturkräfte diese Energien weiter und verwenden sie zum Wohl der ganzen Menschheit, ja, des ganzen Kosmos.

Es kommt also zuallererst auf das Ziel an. Wenn Mann und Frau sich im Bewusstsein der Erhabenheit dieses Aktes vereinigen, können sie mit diesen Energien eine gewaltige Arbeit leisten. Engel und höhere Wesen nutzen diese Energien und helfen den beiden Menschen, die unablässig schöner und stärker werden. Es gibt darüber eine ganze Wissenschaft, die früher in Ägypten und Indien, hauptsächlich aber in Tibet bekannt war. Wer diese hohen Wahrheiten umsetzte, war sogar in der Lage, sein Leben zu verlängern und besondere Fähigkeiten zu entwickeln, denn die Macht der Liebe ist die großartigste Macht der Welt. Keine Macht kann sie übertreffen oder ihr auch nur gleichkommen. Die Liebe ist allmächtig.

Beim Durchblättern von Büchern oder Artikeln, die heute über die Liebe veröffentlicht werden, habe ich mich oft gewundert, warum die Herausgeber ganz gewöhnliche Leute befragt haben, statt sich an die Eingeweihten zu wenden. Ihre Schlussfolgerungen sind natürlich insofern richtig, als sie auf den Erfahrungen zahlreicher Personen beruhen; sie werden jedoch dadurch verfälscht, dass sie die Kenntnisse der höchstentwickelten Wesen nicht in Betracht ziehen. Man hätte sie nach ihrer Meinung fragen sollen, das wäre für viele eine große Entdeckung gewesen. Im Moment raten die Ärzte den Jugendlichen zu geschlechtlichen Beziehungen, um, wie es heißt, gewisse Spannungen auszugleichen. Ich hatte mehrmals Gelegenheit, mit jungen Leuten zu sprechen, die solche Empfehlungen bekommen hatten. Für die meisten, die sich daran gehalten hatten, war es nachher noch schlimmer. Warum gibt man derartige Ratschläge, wenn man die Struktur des Menschen noch so wenig kennt? Für einige mag dies eine Lösung sein, aber nicht für alle.

Es wäre vielleicht dann eine Lösung, wenn Männer und Frauen ein besseres Verständnis dessen hätten, was der Liebesakt sein soll und sich nicht damit begnügen würden, ihren Körper zu befriedigen, ohne sich um Seele und Geist zu kümmern. Aber nur der Körper zählt: er wird bewundert, gestreichelt, angesprochen, geküsst und bis zum Gehtnichtmehr verrenkt. Ob Seele und Geist nachher in Finsternis und Qualen stecken, ist ihnen ziemlich egal. Ich habe nie behauptet, dass man sich keine Liebe schenken soll. Doch man sollte sich sogar sehr viel Liebe schenken, aber anstatt sich nur im körperlichen Bereich zu begegnen, sich zu erregen, zu befriedigen und dann zu schnarchen sollte man die Liebe auf einer höheren Ebene leben. Man will sich jedoch nicht erheben. Statt die Wichtigkeit des Liebesaktes für den geistigen Aufstieg zu erkennen, hat man es eilig, so schnell wie möglich im Sumpf zu versinken. Für die Phantasielosen gibt es sogar eine umfangreiche Literatur über die unglaublichsten Stellungen, die die größtmögliche Lust gewähren sollen. Leider haben diejenigen, die diese Stellungen einnehmen, nicht die geringste Ahnung von den negativen Kräften, die sie dadurch anziehen. Nehmen wir das Beispiel eines Magneten: seine beiden Enden sind unterschiedlich gepolt. Um einen anderen Magneten anzuziehen, muss man den Nordpol des einen zum Südpol des anderen drehen, denn zwei gleichartige Pole stoßen einander ab. Auch das menschliche Wesen ist polarisiert: Kopf und Füße stellen zwei verschiedene Pole dar, ebenso linke und rechte Seite, Vorder- und Rückseite. Rücken an Rücken gelegt, ist etwas anderes als Vorderseite an Vorderseite. Wenn man diese Nuancen kennt, kann man sie praktisch – zum Beispiel sogar zur Heilung anwenden. Je nachdem wie man sich mit den Menschen, der Erde oder der ganzen Natur polarisiert, entsteht eine Anziehung oder Abstoßung, etwas Wohltuendes oder eine Anomalie. Wenn Mann und Frau ihren Spaß daran haben, die unglaublichsten Stellungen einzunehmen, ziehen sie unwissentlich bösartige Wesenheiten an, stoßen die gutgesinnten Kräfte ab und verursachen so jedes Mal eine Störung in ihrem Innern.

Aber wer will schon über diese Probleme nachdenken? Wenn es darum geht, sich zu amüsieren, wird nicht mehr überlegt! Im Gegenteil, man ist entzückt, sich selbst restlos zu verlieren, sich aufzulösen, und gerade in dieser Auflösung findet man sein Glück. Man gibt dies übrigens ohne Umschweife zu: »Wenn man nicht seinen Kopf verliert, empfindet man nichts!« Man unterschreibt also sein geistiges Todesurteil. Aber gerade diese Einstellung wird gut geheißen und ist allgemein verbreitet. Wenn ein Mann wachsam ist und sich beherrscht, um in seine Liebe nur Lichtvolles, Poetisches und Gutes für seine Partnerin einfließen zu lassen, sagt sie missbilligend: »Das ist doch kein Mann, er behält seinen klaren Verstand, er verliert nicht den Kopf!« Aber wenn sein Blick trübe wird, wenn er schnauft, dass die ganze Welt erbebt und alle seine Überzeugungen, Entschlüsse und Pläne zusammenbrechen, dann sagt sie: »Ach, wie wunderbar, das lohnt sich, das ist ein richtiger Mann!« Nicht, dass sie ihn wirklich bewundert, aber sie ist stolz auf ihre Macht über ihn; sie glaubt, ihn in der Tasche zu haben. Wenn sie sieht, dass er verwirrt und verloren ist, freut sie sich und sagt triumphierend: »Sieh da, er schien so stark, aber jetzt ist es aus mit ihm, ich kann mit ihm machen, was ich will. Ihre niedere Natur hat also gesiegt, denn sie kann ihn beherrschen, ihn an der Nase herumführen und ihn so beeinflussen, dass er auf alle ihre Launen eingeht. Nun, ein derartiger Triumph ist nicht besonders schön, er ist eher eine versteckte Grausamkeit.

Die Frau sollte sich aber über eine derartige Kapitulation ihres Mannes oder Liebhabers nicht freuen. Sie sollte sich im Gegenteil Sorgen machen, denn ein solches Verhalten bedeutet auch für sie selbst nicht gerade etwas Erfreuliches. Die ruckartigen, fieberhaften Bewegungen und der sinnlich verfärbte Blick zeigen, dass er seinen Trieb befriedigen will, dass er verschlingen und zerreißen will; um dieses Ziel zu erreichen, ist er imstande, sie auszuplündern und ihr alles zu nehmen. Aber gerade das hat sie gern, sie will gar nichts anderes. Wenn ein Mann sie respektvoll und bewundernd anschaut und in seinem Blick ein strahlendes Licht und tiefe Reinheit liegen, ist sie sogar unzufrieden und sagt: »Von dem kann ich nichts erwarten!« und verlässt ihn. Instinktiv fühlt die Frau sich gern wie Teig in den Händen eines Bäckers, es gefällt ihr, von ihm durchgeknetet, gewalkt und rau behandelt zu werden, während sie mit Respekt und himmlischen Blicken nichts anzufangen weiß. Es gibt Ausnahmen, aber im Allgemeinen stimmt das!

Männer und Frauen sollten sich nicht länger das Vergnügen zum Ziel setzen. Nun fragt ihr euch natürlich, was euch bleibt, wenn ihr euch nicht mehr amüsieren könnt… In Wirklichkeit wartet ein viel größeres, zehnmal intensiveres Vergnügen auf euch; es ist jedoch reiner und das Wesentliche ist, dass es eure Energien nicht aufzehrt. Folglich hat es andere Auswirkungen – es äußert sich als Licht, Licht und nochmals Licht… Und die himmlischen Wesen werden sich dann an der Pracht eurer Liebe erfreuen.

Ich höre einige sagen: »Aber Meister, was Sie uns da erzählen, lässt sich doch unmöglich verwirklichen. Jeder kann Ihnen bestätigen, dass ein klarer Verstand das Vergnügen abtötet und dass man je wacher die Gedanken sind, umso weniger Gefühle hat.« In Wirklichkeit wurde dem Menschen die Denkkraft gegeben, damit er die wahre Liebe besser erleben kann. Ohne das Denken würde die Liebe ganz vom Tierischen, rein Triebhaften beherrscht werden. Gerade der Verstand soll mit Hilfe der Gedanken die Energien kontrollieren, leiten und verfeinern.

Gewiss, die meisten Menschen haben ihre Freude an den vulkanartigen Ausbrüchen der Liebe. Sie wissen nicht, dass diese Art der Liebe auch die zerstörerischste und kostspieligste ist, denn die wertvollsten Elemente in ihrem Inneren – Ideen, Pläne und poetische Inspirationen werden aufgezehrt. All dies verbrennt und nachher stellen die Menschen fest, dass sie nicht mehr denselben Schwung, dieselbe Begeisterung besitzen. Wenn ihr dagegen einen klaren Verstand behaltet, wenn eure Gedanken wachsam sind, alles beobachten, kontrollieren und die Kräfte lenken, habt ihr natürlich nicht das, was viele Leute unter »Vergnügen« verstehen, das heißt ein tierisches, grobes, unkontrollierbares Gefühl ohne Würde und geistigen Gehalt. Aber ihr könnt mit Hilfe eurer Gedanken eine spirituelle Arbeit leisten und euer Vergnügen wird durch das Licht zu Freude, Entzückung, Begeisterung, Ekstase… Leider scheuen die Menschen die Anstrengung, bis zu diesem Punkt vorzudringen und zu erleben, wie man die Liebe verwandeln kann. Selbst wenn sie sich momentan erleichtert, getröstet und von einem starken Druck befreit fühlen, sieht man nach einigen Monaten oder Jahren, dass sie abgestumpft und schwerfällig geworden sind und keine Eingebung mehr besitzen. Andere hingegen, die diese ursprüngliche, enorm machtvolle Energie, diese Gabe Gottes, für himmlische, erhabene Zwecke verwenden, erleben zahllose Freuden und Vergnügen; verwundert und begeistert stellen sie fest, dass sie Entdeckung auf Entdeckung machen… bis ins Unendliche.

Man sollte nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern über die Grenzen des Vergnügens hinausgehen und nicht auf diesem zu niedrigen Niveau verharren: Man muss aufsteigen und die Wolken durchstoßen, bis man die Sonne sieht. Vergesst daher nie, jeder eurer Handlungen ein lichtvolles Ziel zu setzen. Was immer ihr tut, ob ihr esst, spazieren geht oder jemanden umarmt, habt immer das Licht zum Ziel. Tut nie etwas einzig und allein zu eurem Vergnügen. Ihr werdet sagen: »Aber wenn man keine Freude mehr an den Dingen hat, ist doch alles sinnlos!« Ihr habt mich nicht richtig verstanden. In Wirklichkeit ist alles miteinander verbunden. Sowie Licht und Wärme da sind, das heißt Verstand und Liebe, folgt die Freude unweigerlich. Nur ihre Beschaffenheit, ihre Eigenart, ihre Intensität ist anders. Also meditiert, überlegt und vergesst nie, dass ihr bis zum Licht vordringen müsst. Solange euch eure Art zu lieben nicht erleuchtet, ist dies ein Zeichen dafür, dass es sich nicht lohnt in der gleichen Weise weiterzumachen. »Das stimmt«, sagt ihr, »zehnmal hat es nichts eingebracht aber vielleicht beim elften Mal… »Nein, so werdet ihr euch das Genick brechen; solange euer wahres Ziel nicht das Licht ist, werdet ihr nichts erreichen.

 

Band 214 aus der Reihe Izvor
ISBN 978-3-89515-042-5
208 Seiten, Paperback
12,00 Euro

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